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© Kalender Wort für heute 2016

Herstellung:
Satz: J. G. Oncken Nachf. GmbH, Kassel
Gestaltung: Ralf Simon, Brunnen Verlag Gießen
ISBN für die Abreißausgabe:
978-3-7655-9966-8 (Brunnen Verlag)
978-3-87939-881-2 (J. G. Oncken Nachf. GmbH)
978-3-86258-035-4 (SCM Bundes-Verlag gGmbH)
ISBN für die Großdruck-Buchausgabe:
978-3-7655-9976-7 (Brunnen Verlag)
978-3-87939-994-9 (J. G. Oncken Nachf. GmbH)
978-3-86258-037-8 (SCM Bundes-Verlag gGmbH)
ISBN für die Buchausgabe:
978-3-7655-9956-9 (Brunnen Verlag)
978-3-87939-991-8 (J. G. Oncken Nachf. GmbH)
978-3-86258-036-1 (SCM Bundes-Verlag gGmbH)
ISBN für eBook:
978-3-7655-7368-2 (Brunnen Verlag)

Inhalt

Kalender 2016

Jahreslosung 2016

Bibelstellenverzeichnis 2016

Gedenktage 2016

Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen 2016

Anschriften der herausgebenden Verlage

Wort für heute 2016

Kalender mit biblischen Betrachtungen für alle Tage des Jahres 2016

Evangelisch-methodistische Kirche, Frankfurt/M.

J. G. Oncken Nachf. GmbH, Kassel

SCM Bundes-Verlag gGmbH, Witten

Kalender 2016

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Jahreslosung 2016

Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jesaja 66,13 L)

Traurigsein und Getröstetwerden sind Grunderfahrungen des Menschen. Kinder können tief traurig sein – und sich selbst nicht trösten. Sie brauchen den Trost der Eltern. Gerade der Mutter kommt hier eine besondere Bedeutung zu. Nicht nur, weil sie in der Regel die meiste Zeit in der Nähe der Kinder ist, sondern weil die Kinder mit ihr auch die ersten Trosterfahrungen machen. Das Liegen und Trinken an der Brust der Mutter hat ja nicht nur mit Nahrungsaufnahme zu tun. Das Kind tankt dort auch Liebe, Geborgenheit und Vertrauen.

An diese Erfahrung knüpft Gott an. Er vergleicht sein Handeln mit dem einer Mutter, auch wenn Jesus ihn uns als Vater vorgestellt hat. Gott nimmt unseren Kummer, unseren Schmerz, unsere Trauer ernst. Und er tröstet, wie die Mutter durch ihre Nähe, ihre Zuwendung tröstet. Diese Nähe, diese Zuwendung schenkt er durch Jesus, Gott mit uns, durch den Heiligen Geist, Gott in uns, durch sein tröstendes Wort oder die stille Umarmung eines Mitchristen. Selbst wenn wir dies nicht immer erleben – auch die Mutter ist nicht ständig da –, Gott ist uns unglaublich nahe, alle Tage dieses Jahres. Hans-Werner Kube

Liebe Leserin, lieber Leser,

Sie halten den Kalender „Wort für heute 2016“, einen der meistgelesenen Andachtskalender in deutscher Sprache, in der Hand, als Wandkalender oder in Buchform. Wenn Sie ihn bereits aus früheren Jahren kennen, wird Ihnen aufgefallen sein, dass sich das Format ein wenig geändert hat. Er bietet aber wie gewohnt für jeden Tag des Jahres eine Andacht zu einem ausgewählten Vers aus der Bibellese. Wir laden dazu ein, den abgedruckten Textauszug im biblischen Zusammenhang zu lesen, also die jeweils angegebene Bibellese, die von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen ausgesucht wurde.

Über einhundert freikirchliche Autoren haben sich bemüht, die alten und ehrwürdigen Worte der Bibel so auszulegen, dass daraus ein „Wort für heute“ wird, das Sie angeht, anspricht, ermutigt, stärkt und herausfordert. Wir bitten Gott, diese Andachten zu gebrauchen, um selbst zu Wort zu kommen und Sie zu segnen.

Die Bibeltexte sind zur besseren Verständlichkeit überwiegend der „Gute Nachricht Bibel“ (Fassung 1997) entnommen und nicht extra gekennzeichnet. Wenn auf die Lutherbibel (revidierte Fassung von 1984) zurückgegriffen wurde, dann ist dies durch ein L kenntlich gemacht. Bei den Monatssprüchen weist ein E auf die Einheitsübersetzung hin.

Zusätzlich zu den Andachten gibt es Einführungen in die jeweiligen biblischen Bücher und Kurzbiografien bemerkenswerter Christen, deren Geburtstag oder Todestag sich jährt. Die einzelnen Andachten werden oft ergänzt durch Liedstrophen, Zitate, Gebete, die Monatssprüche und Rätselfragen zur Bibellese. Folgende Symbole weisen auf sie hin:

image Liedstrophe
image Zitat, Gedanken, Gebet
image Monatsspruch, Einführung, Gedenktag
image Rätselfrage zur Bibellese

 

Es grüßen die Redakteure und Verlage:

image Armin Hanf
Evangelisch-methodistische Kirche,
Frankfurt/M.,
Brunnen Verlag, Gießen
image Hans-Werner Kube
SCM Bundes-Verlag gGmbH, Witten
image Heinz Sager
J. G. Oncken Nachf. GmbH, Kassel
1 Neujahr
Freitag
JANUAR image 8.27 16.24
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Bibellese: Psalm 148

Lobt den Herrn, ihr Männer und Frauen,
Alte und Junge miteinander!
(Vers 12)

Die Jahreslosung aus Jesaja 66,13 (L), „Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“, macht Mut, sich den kommenden Herausforderungen zu stellen, den schon absehbaren und den noch gar nicht vorhersehbaren. Sie lädt ein, Gott zu vertrauen, komme, was mag. Dabei korrigiert sie weit verbreitete Gottesbilder: Auch wenn das Wort Gott in fast allen Sprachen ein männliches Nomen ist: Gott ist kein Mann und auch nicht männlich. Gewiss: Gott ist auch keine Frau und nicht weiblich. Aber: Gott tröstet wie eine Mutter. Beim Trösten geht es nicht um Beschwichtigen oder Schönreden. Vielmehr steht einer, der am Boden zerstört ist, wieder auf. Einer, die verzweifelt ist, erschließen sich neue Perspektiven. Eine, die der Schmerz lähmt, erlebt, wie ihr neue Kraft zuwächst. Einer, der trauert, lebt gerne weiter. Nicht nur Kinder müssen getröstet werden. Jeder und jede ist auf Trost angewiesen, wenn die Herausforderungen des Lebens ihr zu groß und die Lasten ihm zu schwer werden. Aus dem Trost erwächst die Kraft, Schweres und Widerstände zu überwinden und Dunkel und Ungewissheit auszuhalten. Die Jahreslosung erinnert daran, bei Gott Trost zu suchen. Wer zu Gott seine Zuflucht nimmt, empfängt Mut, Selbstachtung und neue Inspiration. Wer sein Leid, seinen Zorn, seine Enttäuschung Gott klagt, schöpft neue Stärke, Zuversicht und Hoffnung. Wer sich Gottes belebendem Geist öffnet, trägt Barmherzigkeit und Liebe in die Welt, allen Widerständen zum Trotz. – Getröstete oder getroste Menschen sind in des Wortes ursprünglicher Bedeutung solche, die „recht bei Trost“ sind: Sie packen entschlossen die drängenden Aufgaben an. Sie stiften Hoffnung und übernehmen Verantwortung. Solche Persönlichkeiten braucht es auch in diesem neuen Jahr in allen Bereichen: in den Familien, in Schulen und Betrieben, in Kirche und Gesellschaft. Norbert Groß

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Monatsspruch

Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

(2.Timotheus 1,7 E)

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Zum 2. Januar 2016

Es geht um Jesus.

Einführung in das Markusevangelium

Rom zur Zeit des Kaisers Nero. Petrus verkündigt das Evangelium von Jesus Christus. Menschen antworten auf den Ruf in die Nachfolge, aber sie möchten Jesus noch besser kennenlernen. So bitten sie seinen Begleiter Johannes Markus, einen Mann, den das NT auch an anderer Stelle erwähnt (Apg 13,13; 1Petr 5,13; Philemon 24), die Worte des Apostels niederzuschreiben. Auf dieses Szenario zur Entstehung des vermutlich ältesten der vier Evangelien in der Mitte der 60-er Jahre des 1. Jahrhunderts weisen einige altkirchliche Quellen hin. Unterstützt wird diese Ansicht dadurch, dass einige Wörter dem Lateinischen entlehnt sind (z. B. 5,9: Legion, 12,14: Zensus), dem heidenchristlichen Leser jüdische Sitten und Gebräuche (7,2) erklärt und hebräische Ausdrücke wie Korban (7,11) übersetzt werden müssen.

Markus konzentriert sich auf das Wesentliche; Hinweise auf die Herkunft von Jesus finden wir nicht. Mit seiner Taufe begibt Jesus sich in die Öffentlichkeit und ab dann geht es ohne Atempause weiter; allein an elf Stellen im ersten Kapitel heißt es „und sofort …“. Der Leser gewinnt den Eindruck, dass keine Zeit mehr zu verlieren ist. Das Wirken von Jesus wird nicht in chronologischer, sondern vor allem in geografischer Reihenfolge dargestellt.

Zunächst wirkt Jesus in Galiläa (1,14-8,30). Hier kündigt er den Anbruch der Herrschaft Gottes an. Er heilt unzählige Menschen und gerät zugleich in einen Konflikt mit den führenden Religionsparteien (2,18-3,6). Er wendet sich in erster Linie an Menschen, die dem jüdischen Volk angehören, aber je weiter die Darstellung des Markus voranschreitet, desto klarer tritt hervor, dass auch aus anderen Völkern Menschen zu Gott kommen können. Das herausragende Bekenntnis des Petrus, dass Jesus der Messias ist, bildet den Abschluss und leitet zugleich zu einem neuen Abschnitt über (8,31-10,52). Heilungen werden ab jetzt kaum noch berichtet, stattdessen wendet sich Jesus zunehmend seinen Jüngern zu. Er lehrt sie und bereitet sie auf die bevorstehende Passion vor. Zugleich müssen sie sich auf eine Nachfolge einrichten, die vom Kreuz geprägt sein wird (8,34-38).

In den letzten Kapiteln des Buches hat Jesus Jerusalem erreicht, den Ort seines Leidens und des Sterbens, zugleich aber auch seiner Auferweckung von den Toten. Die sog. Endzeitrede in Kap 13 lenkt den Blick auf das zweite Kommen in Herrlichkeit.

Das Evangelium nach Markus ist vor allem ein Jesusbuch: Er ist der Sohn Gottes (1,14; 15,39), der Herr über die Natur (4,41), der Sohn des Allerhöchsten (5,7), aber auch der Sohn des Zimmermanns (6,3); von ihm handelt das Evangelium und zugleich ist er dessen Inhalt (1,1). Michael Schröder

2 Samstag
JANUAR image 8.27 16.25
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Bibellese: Markus 1,1-8

Der Täufer Johannes verkündete: „Kehrt um und lasst euch taufen, denn Gott will euch eure Schuld vergeben!“ (Vers 4)

Bei der Taufe durch Johannes handelt es sich noch nicht um die christliche Taufe, geschweige denn um eine Entscheidung für Jesus. Auch geht es nicht um den Übertritt zum Judentum, die Proselytentaufe. Aber diese Johannes-Taufe ist ein sichtbares Zeichen der Entschiedenheit, der Gewissheit, der tiefen Überzeugung: Ich bin ganz von Gottes Vergebung abhängig. Ihm will ich jetzt gehorsam sein. – Entschiedenheit ist mehr als eine schnelle Entscheidung. Sie ist eine Haltung, die ich einnehme und die durchträgt. Sie ist eine Umkehr zu einem neuen Lebensstil. Deshalb bedeutet sie mehr als all die guten Vorsätze, die wir vielleicht gestern zum Jahresanfang getroffen haben. Die überdauern oft nur ein paar Tage oder wenige Wochen. Dann sind sie wieder vergessen. Entschiedenheit aber setzt Zeichen. Und sie tut es auch vor Zeugen. – Als ich neun Jahre alt war, hatte ich einiges auf dem Kerbholz. Manche Dinge hatten sich angesammelt; und ich wollte sie loswerden. Ich erzählte sie meinem Vater. Und gemeinsam brachten wir sie zu Jesus. Seine Vergebung wollte ich in Anspruch nehmen. Wir beteten im Wohnzimmer, vor den Sesseln kniend. Dabei habe ich mein weiteres Leben in die Hand von Jesus gelegt; ich nahm ihn als meinen Herrn an. Eine neue Gewissheit über meine Rettung im letzten Gericht erfüllte mein Herz, die bis heute, über 50 Jahre später, noch anhält. – Solch eine Entschiedenheit, die mit einer öffentlichen Stellungnahme, einem Zeichen vor Zeugen verbunden ist, ist auch manchmal in kleineren Dingen nötig. Vor einigen Jahren reiste ich mit einigen Kollegen zu einem Studienaufenthalt in die USA. Auf dem Hinflug saß ich neben einem älteren Pastor, der ein passionierter Raucher war. Er wusste jedoch, dass in den evangelikalen Gemeinden in den Vereinigten Staaten das Rauchen absolut verpönt ist und als Sünde angesehen wird. Mein Kollege wollte dort natürlich keinen Anstoß erregen. Nach der ersten Hälfte des Fluges rief er deshalb die Stewardess, überreichte ihr sein letztes, angebrochenes Zigarettenpäckchen und bat sie, es zu vernichten. Tatsächlich hat er im folgenden Monat keine Zigarette mehr angerührt. Die Entschlossenheit hat ihm durchgeholfen. Artur Schmitt

3 Sonntag
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2. Sonntag nach Weihnachten

Bibellese: Psalm 138

Ich werfe mich nieder vor deinem Heiligtum,
um dir zu danken, Herr,
für deine Güte und deine Treue.
(Vers 2)

Es war an einem sonnigen Tag. Und es war zum ersten Mal Frost. Ich wollte ein paar Kräuter aus dem Garten holen, als sich plötzlich unzählige Blätter vom Walnussbaum lösten. Sie schwebten beinahe lautlos durch die Luft und bedeckten die Wiese mit einer goldgelben Decke. Beinahe lautlos, denn jedes Blatt, das sich löste, löste damit ein ganz leises Geräusch aus, ein kaum wahrnehmbares Klicken. Und ich stand reglos da. Alles in mir war auf dieses vorher noch nie wahrgenommene Geräusch konzentriert. Alles um mich herum verlor sich. Ich vergaß Raum und Zeit und vergaß mich und was ich eigentlich vorhatte. – So stelle ich mir wahre Anbetung vor. Gottzentriert. Ganz und gar auf Gott fixiert. Wo sich alles andere verliert. Wo nichts mehr wirklich wichtig ist. Wo ich umfangen bin von der Stille, wo ich nur Ohr bin für ihn. Es sind Sternstunden in meinem Leben, wenn mir Gott nahe kommt und mein Gebet echt wird. Ähnlich wird in Psalm 138 gebetet. Selbstvergessen. Nur Gott vor Augen. Wer so anbetet, verliert sich in Zeit und Raum und findet zur Gegenwart Gottes. Worte sind da ohne Bedeutung. Gebetshaltung ist ohne Bedeutung. Ob das Lied, das ich singe, hundert Jahre alt ist oder eben erst meinem Herzen entsprungen, auch darauf kommt es nicht an. Und schon gar nicht darauf, wie andere auf mein Gebet reagieren könnten. Gottzentrierte Anbetung. Mir gelingt das nicht. Ich lasse mich leider schnell ablenken. Doch manchmal wird es mir geschenkt. Dann schließt sich der Mund und das Herz öffnet sich. Und dann ist es unbedeutend, wo ich gerade bin, was ich gerade tue, ob ich bete oder singe oder jemanden besuche oder den Kaffeetisch für Gäste decke. Immer dann, wenn es mir nicht mehr um mein Ansehen geht, um meinen Gewinn, um meinen Ruhm, sondern allein darum, Gott die Ehre zu geben, dann bete ich an. König David war ganz sicher kein Mann ohne Fehler. Auch er machte sich schuldig. Aber wenn ich die Psalmen Davids lese, dann spüre ich, wie der Beter mit seinem ganzen Wesen bei Gott ist. Und in mir wächst die Sehnsucht, Gott ebenso anbetend nahe zu sein. Ingrid Ebert

4 Montag
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Bibellese: Markus 1,9-13

Jesus kam aus Nazaret in Galiläa zu Johannes und ließ sich von ihm im Jordan taufen. Als er aus dem Wasser stieg, sah er, wie der Himmel aufriss und der Geist Gottes wie eine Taube auf ihn herabkam. (Vers 9.10)

Er kam auf diese Erde und war ganz Mensch: Jesus. Er hatte sich entschieden, den Menschen in jeder Hinsicht vollkommen gleich zu werden. Obwohl er der Sohn Gottes und deshalb sündlos war, wollte er keine besonderen Vorrechte in Anspruch nehmen (Philipper 2,6.7). So unterzog er sich der Taufe des Johannes. Bei dieser Gelegenheit schenkte ihm der Vater im Himmel ein neues Maß an Heiligem Geist. Natürlich besaß Jesus bereits vorher diesen Geist. Er spielte ja sogar schon bei der Zeugung von Jesus eine Rolle und erfüllte Jesus bereits von Geburt an. Für Jesus war die Taufe auch der Auftakt seines Dienstes in der Öffentlichkeit. Und dieser begann mit einem 40-tägigen Aufenthalt in der Wüste, allein und den Versuchungen des Satans ausgesetzt. Welch eine Herausforderung! Doch der Geist hatte ihn ja dorthin geführt und ihn begleitet. Immer wieder benötigte Jesus diese extra Kraftzufuhr, diese besondere Ausrüstung durch Gott. – Ein Leben, das sich von Gott abhängig und von ihm geleitet und beauftragt weiß, braucht immer wieder Nahrung von Gott, eine neue Stärkung. Deshalb schreibt Paulus den Christen in Ephesus, die ja schon den Heiligen Geist besaßen und mit ihm versiegelt waren: „Lasst euch vom Geist Gottes erfüllen!“ (Epheser 5,18). Gemeint ist kein einmaliger Vorgang, sondern ein ständig erneuertes Anzapfen der himmlischen Kraftquelle, eine Inspiration direkt von Gott. – Nach meiner Erfahrung eignet sich gerade diese erste neue Woche im Jahr dazu, Stunden und Tage allein in der Stille vor Gott zu verbringen, sich auf ihn zu konzentrieren, nach seiner Wegführung zu fragen, Perspektiven für Glauben und Leben zu entwickeln und zu festigen, um dann mit neuer Entschiedenheit Jesus nachzufolgen. Und vielleicht, das ist mein Wunsch, öffnet sich dabei der Himmel! Artur Schmitt

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Nimm du mich ganz hin, o Gottes Sohn.
Mit deinem Geist jetzt in mir wohn.
Sei mir im Herzen König allein,
lass alle sehen, dass ich ganz dein.

Adelaide A. Polard 1907 / A. P. Mihm

5 Dienstag
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Bibellese: Markus 1,14-20

Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, kam Jesus nach Galiläa zurück und verkündete im Auftrag Gottes: „Es ist so weit: Jetzt wird Gott seine Herrschaft aufrichten und sein Werk vollenden. Ändert euer Leben und glaubt dieser guten Nachricht!“ (Vers 14.15)

Entschlossen befolgte Johannes den Auftrag Gottes. Und sein Weg führte ihn bis ins Gefängnis. Bis in den frühzeitigen Tod. Johannes hatte als Wegbereiter von Jesus andere Menschen gelehrt und getauft; er war aber auch bereit, mit seiner Person ganz zu seiner Verkündigung zu stehen und sich den Konsequenzen zu stellen. – Vor dreizehn Jahren kamen in unserer Gemeindegründungsarbeit schon bald etliche Menschen zum Glauben. Ein Jahr nach dem ersten Gottesdienst tauften wir zwölf junge Leute. Unter ihnen war Alex. In der darauffolgenden Woche ging Alex freiwillig zur Polizei und stellte sich. Er war ein gesuchter Drogendealer. Und nun war er bereit, die Konsequenzen auf sich zu nehmen. Für ein paar Jahre kam er hinter Gitter. In dieser Zeit blieb er Jesus treu und wuchs im Glauben. Heute ist Alex Mitarbeiter in einer christlichen Drogenreha. Es ist ganz erstaunlich: Jesus hatte damals seine Herrschaft bei Alex aufgerichtet und dessen Leben radikal verändert. So etwas kann nur Jesus. Er tut das, wenn jemand bereit ist, ihm entschieden nachzufolgen. – Der Inder Sadhu Sundar Singh hatte bereits mit 15 Jahren mehrere heilige Bücher gelesen; aber er fand keine Antworten auf seine Fragen. Eines Nachts begegnete ihm Jesus in einer Erscheinung. Sadhu kniete sich nieder und nahm Jesus als Erlöser an. Seine Familie gehörte zu den Sikhs. Als er ihr eröffnete, dass er Christ geworden sei, wurde er verstoßen. Sadhu überlebte mehrere Mordanschläge. Er studierte Theologie und wurde Reiseevangelist. Anfang der 20-er Jahre des vorigen Jahrhunderts besuchte er Europa, unter anderem auch Deutschland. Tief enttäuscht kehrte er in seine Heimat zurück. Er sagte: „Ich entdeckte eine schlimmere Art von Heidentum als bei uns. Die Menschen beten sich selbst an. Der Materialismus und Intellektualismus haben die Herzen hart gemacht.“ – Und heute? Mir scheint, es ist neu an der Zeit, sich ganz unter die gute Herrschaft von Jesus zu stellen. Artur Schmitt

6 Mittwoch
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Epiphanias

Bibellese: Markus 1,21-28

Sie kamen nach Kafarnaum. Gleich am Sabbat ging Jesus in die Synagoge. Dort sprach er zu den Versammelten. Sie waren von seinen Worten tief beeindruckt; denn er lehrte wie einer, der Vollmacht von Gott hat – ganz anders als die Gesetzeslehrer. (Vers 21.22)

Meine Frau und ich machten einen Ausflug in eine kleine mittelalterlich anmutende Stadt. Ich wusste, dass es dort eine besonders schöne gotische Kirche gibt und freute mich darauf, sie meiner Frau zu zeigen. Als wir eintraten, stellten wir fest: Es wird gerade ein Gottesdienst gefeiert. Umso besser, sagten wir uns. Wie kann man eine Kirche besser und schöner erleben als bei einem Gottesdienst! Wir setzten uns leise in die letzte Bankreihe und hörten der Predigt zu. Nach wenigen Minuten drängte es uns wieder hinaus, denn der Pfarrer verhandelte ohne jeden Kontakt zu seiner Gemeinde irgendwelche Gottesbeweise in einer völlig abgehobenen Sprache. Es war wohl alles richtig, was er sagte, theologisch unanfechtbar, aber es ging an unserer Wirklichkeit völlig vorbei. Wie muss Jesus gepredigt haben! Mit Sicherheit waren auch seine Worte theologisch korrekt; aber sie waren viel mehr als das. Jesus liebte Gott mit jeder Faser seines Herzens. Und er liebte die Menschen mit jedem Atemzug, den er tat. Das unterschied ihn von vielen Gesetzeslehrern seiner und auch unserer Zeit. Vielen von ihnen ging es mehr um das Gesetz und seine korrekte Auslegung als um den Menschen. Jesus hingegen stellte die Liebe über alles. Und deshalb war er den Menschen nahe. Die Vollmacht, mit der Jesus predigte, war die Frucht seiner Liebe. Wer in seiner Liebe lebt, kann auch heute die Herzen der Menschen erreichen. Das ist das Geheimnis vollmächtigen Redens: Der Hörer merkt, hier bin ich gemeint, hier erreicht mich die Liebe Gottes, die in Jesus in die Welt kam. Ihm kann ich vertrauen. Diederich Lüken

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Wahres Gottvertrauen fließt immer aus einer
vorausgegangenen Selbstoffenbarung Gottes.
Gottvertrauen ist daher ein Einswerden mit Gott:
ein Sicheinstellen auf Gottes Verheißung, auf Gottes
Pläne und Absichten.

Jakob Kroeker

7 Donnerstag
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Bibellese: Markus 1,29-39

Jesus verließ lange vor Sonnenaufgang die Stadt und zog sich an eine abgelegene Stelle zurück. Dort betete er. (Vers 35)

Morgens komme ich schlecht aus dem Bett. Eigentlich bin ich ein Morgenmuffel. Im Urlaub leiste ich es mir: Da kann die Sonne schon ziemlich hoch am Himmel stehen, bevor ich aufstehe. Abends wird es dann umso später. Jedoch habe ich es mir zum Grundsatz gemacht, wenigstens an einem Morgen im Urlaub ganz früh aus den Federn zu kriechen, um zu sehen, wie die Sonne aufgeht. Besonders eindrucksvoll ist dann für mich die Stille. Nur wenige Laute dringen an mein Ohr. Sie stören die Ruhe nicht, sondern unterstreichen sie eher noch: Das Gezirpe der Vögel, das sanfte Wehen des Windes, in der Ferne ein krähender Hahn. Hinzu kommen die Gerüche: frisches Gras, der Duft des Wassers am Meer oder an einem Bach. Ich staune über die Wunder des frühen Morgens. In dieses Staunen mischt sich Dankbarkeit: Dass ich diesen Morgen erlebe, dass die Stille mich berührt und ich zur Ruhe komme. Wie von selbst wird die Dankbarkeit zum Gebet. Ich weiß doch: Dies alles ist nicht selbstverständlich, sondern Gnade und Geschenk. „Von Gott kommt alles her“, sagt Matthias Claudius (1740-1815) in einem Lied. Der Dank ist jetzt nicht eine Pflicht. Er strömt aus einem vollen Herzen. Und dann fällt mir noch so vieles ein, für das ich danke! Es bleibt nicht dabei. Ich denke an meine Familie und an andere Menschen und bitte für sie. Beides, Dank und Bitte, lassen den Ort, an dem ich stehe, zu einem Heiligtum werden. Gott ist nahe. – Man muss nicht Urlaub haben, um so etwas zu erleben. Jeder Morgen, der mit der „Stille vor Gott“ beginnt, kann zu einer Erfahrung der Nähe Gottes führen. Und dann kann der Tag mit seinen Pflichten und Herausforderungen beginnen. So hat es Jesus gehalten; und das war eine Quelle seiner Kraft. Dann konnte er sich wieder den vielen Menschen zuwenden, die so viel von ihm erwarteten. Es ist gut, sich an dieses Vorbild zu halten. Diederich Lüken

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Mein erst Gefühl sei Preis und Dank,
erheb ihn, meine Seele!
Der Herr hört deinen Lobgesang,
lobsing ihm, meine Seele!

Christian Fürchtegott Gellert 1757

8 Freitag
JANUAR image 8.25 16.32
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Bibellese: Markus 1,40-45

Der Mann fing überall an, von Jesus und seiner Botschaft zu erzählen und davon, wie er geheilt worden war. Jesus konnte sich bald in keiner Ortschaft mehr sehen lassen. Er hielt sich draußen in unbewohnten Gegenden auf; doch die Leute kamen von überall her zu ihm. (Vers 45)

Der hat mir wirklich geholfen.“ Diesen Satz kann man manchmal hören, wenn die Leute sich über ihre Krankheiten unterhalten. Der gute Ruf eines Arztes ist ein wertvolles Kapital. Wenn man weiß, die Nachbarin hat gute Erfahrungen mit ihm gemacht, vertraut man sich ihm gern an. – Jesus war kein Arzt. Er war viel mehr als das. Er heilte die Menschen nicht nur an Leib und Seele. Er tat etwas, das nur er tun konnte: Er heilte ihre Beziehung zu Gott. Und das ist noch viel wichtiger als alle körperliche Heilung. Die Menschen, die mit ihrem Elend zu ihm kamen, wurden heil in diesem umfassenden Sinn. Kein Wunder, dass sie von ihm erzählten, wo immer sie eine Gelegenheit dazu hatten. Jesus hatte einen ausgezeichneten Ruf. Und die Menschen kamen, mehr als er verkraften konnte. – Auch heute schenkt Jesus dem Menschen das Heil. Das kann die Gesundheit einschließen; doch auch heute ist es noch viel wichtiger, dass die Beziehung zu Gott geheilt wird. Das geschieht, indem er alles das beseitigt, was zwischen uns und Gott steht: die Sünde vor allem, aber auch die Kleingläubigkeit, das furchtsame Herz und was sonst unseren Glauben behindert. In der Gemeinde gibt es viele Menschen, die das bezeugen. Die Frage ist nur: „Warum kommen die Menschen nicht auch heute in Scharen zu Jesus?“ Liegt es vielleicht daran, dass viele Christen zu wenig außerhalb der Gemeinde über ihn reden? Man könnte doch auch über Jesus zur Nachbarin sagen: „Der hat mir wirklich geholfen!“ Ich gebe zu, das ist nicht so einfach, wie es sich hinschreibt. Aber Jesus selbst hat uns ermutigt, von ihm weiterzusagen. Deshalb ist er bei uns und hilft uns, wenn wir anfangen, seinen Auftrag auszuführen. Er gibt uns Mut und die richtige Gelegenheit dazu. Diederich Lüken

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In eine Welt voll Kampf und Traurigkeit hinein tragen wir die Botschaft des Friedens und der Freude.

Friedrich von Bodelschwingh

9 Samstag
JANUAR image 8.24 16.34
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Bibellese: Markus 2,1-12

Vier Männer brachten einen Gelähmten herbei, aber sie kamen wegen der Menschenmenge nicht bis zu Jesus durch. Darum stiegen sie auf das flache Dach, gruben die Lehmdecke auf und beseitigten das Holzgeflecht, genau über der Stelle, wo Jesus war. Dann ließen sie den Gelähmten mit seiner Matte durch das Loch hinunter. (Vers 3.4)

Ein Facharzt für Neurologie und Psychiatrie sagte in einem Vortrag über den Text der Bibellese: „Ich sehe mich in der Rolle der vier Freunde, die den Gelähmten vor die Füße von Jesus legen. Wenn Leute den Schwächsten in der Gesellschaft den Zugang zu Jesus verwehren, werde ich aktiv und kreativ, steige notfalls aufs Dach, grabe es auf, damit der Kranke in die Nähe von Jesus gelangt.“ Und so machte er es dann wirklich: Patienten, die keine sozialen Kontakte hatten, lud er in die Gemeinde ein, sagte ihnen: „Dort werden Sie liebevoll, freundlich und warmherzig angenommen!“ Und so war es dann auch, wenn auch nicht von allen Gemeindegliedern. Einige haben eben an Ungewohntem und Ungewöhnlichem immer etwas auszusetzen, wie die Gesetzeslehrer (Vers 6.7). Nicht nur damals, auch heute ist es nötig, phantasievoll und kreativ zu sein, Hindernisse und Mauern in den Köpfen zu überwinden, um Menschen in die Nähe von Jesus zu bugsieren, damit sie Gott und Heil und Heilung erfahren. Ich las, dass der Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer (1875-1965), der ab 1913 ein Tropenhospital in Lambarene/Gabun/Zentralafrika inmitten verfeindeter Stämme aufbaute, es noch erlebte, dass vier Männer aus vier verschiedenen Volksstämmen einen fünften Kranken auf einer Trage gemeinsam in sein Krankenhaus trugen. Ein starkes Zeugnis von Versöhnung und Frieden, das auch wir heute dringend nötig haben, wo die Auseinandersetzungen zwischen Weltanschauungen, Religionen und Volksgruppen weltweit eher zunehmen. Mich beeindruckte der Refrain eines ukrainischen Liedes, das die Gruppe Zhiwaja Kaplja (Lebender Tropfen) als Glaubenszeugnis über Jesus singt. Es könnte das Lied des geheilten Gelähmten sein: „Er hat mich zart zu sich gerufen. Er weckte meinen Geist zum ewigen Leben. Mit seiner Hand entfernte er mir die Sünde. Im Leben leuchteten das Licht und die Hoffnung auf.“ Hinrich Schmidt

10 Sonntag
JANUAR image 8.24 16.35
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1. Sonntag nach Epiphanias

Bibellese: Psalm 2

Was soll der Aufruhr unter den Völkern?
Wozu schmieden sie vergebliche Pläne?
Nehmt Vernunft an, ihr Könige;
lasst euch warnen, ihr Mächtigen der Erde!
Unterwerft euch dem Herrn! (Vers 1.10.11)

Während ich diese Zeilen schreibe, im Herbst 2014, sind die Nachrichten voll mit Meldungen über grauenhafte Massaker der Islamisten in Syrien und im Irak. Außerdem scheint der gewaltsam ausgetragene Konflikt zwischen der palästinensischen Hamas und Israel einfach kein Ende zu finden. Auch in der Ost-Ukraine sprechen die Waffen lauter als die verantwortlichen Politiker. – Das neue Jahr 2016 ist noch nicht einmal zehn Tage alt. Und ich frage mich, auf wie viele kriegerische Auseinandersetzungen wir am 31. Dezember zurückschauen werden. – Auch wenn die kriegerischen Auseinandersetzungen oft politisch oder religiös motiviert sind oder ihnen Wirtschaftsinteressen zugrunde liegen, ist jeder Krieg doch in Wahrheit ein Kampf gegen die Menschlichkeit und damit zuletzt auch immer ein Kampf gegen den, dem wir das Leben verdanken. In jedem gewaltsamen Konflikt spielen sich Menschen als Götter auf, die meinen, über Leben und Tod, über wertvolles und unwertes Leben entscheiden zu können. – So sieht es auch der Psalmdichter. Die Könige und Machthaber der Erde kämpfen nicht nur gegeneinander, sondern gegen den, der alle Macht im Himmel und auf der Erde hat. Gott schaut sich das Treiben der Mächtigen an und bricht angesichts des menschlichen Größenwahns in Gelächter aus (Vers 4). – Dieser Psalm macht mir Mut angesichts der Krisenherde dieser Welt. „Es wird regiert!“, so formulierte es der Theologe Karl Barth am Vorabend seines Todes und meinte damit die Herrschaft Gottes. Davon spricht auch der Psalmdichter. Der König aller Könige, Jesus Christus, wird das letzte Wort haben und die Waffen werden dann für immer schweigen. Siegfried Ochs

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Und lehrt eure Kinder das eine,
dass über Gott keiner mehr steht,
dass auch der Größte klein beigeben muss,
wenn Gott kommt und alles vergeht.
Vertraut auf den Herrn für immer,
denn er ist der ewige Fels.

Theo Lehmann / Jörg Swoboda 1986
Aus: Wer Gott folgt, riskiert seine Träume

11 Montag
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Bibellese: Markus 2,13-17

Als Jesus in Levis Haus zu Tisch saß, waren auch viele Zolleinnehmer dabei und andere, die einen ebenso schlechten Ruf hatten. Sie alle aßen zusammen mit Jesus und seinen Jüngern. (Vers 15)

Als ich diese Geschichte las, erinnerte ich mich an ein Lied, das Wolfgang Longardt uns in einem Fortbildungskurs beibrachte: „Miteinander essen, das kann schön sein, froh zu Tische sitzen lieben wir. Gaben lasst uns teilen und auch noch verweilen, schön, dass wir zusammen sind.“ – Manche Christen und manche Gemeinden suchen heute krampfhaft nach neuen missionarischen Möglichkeiten, dabei liegt doch eine ganz auf der Linie der heutigen Bibellese: Nachbarn, Freunde, Fremde, Ausländer, Asylanten zum Essen einladen. Warum nicht fragen: „Welchen meiner Nachbarn habe ich noch nicht zum Essen eingeladen?“ Oder eine Gruppe kann das planen. Manche Gemeinden haben auch schon die Idee des „Royal Banquet“ (Königliches Festmahl) aufgegriffen. Sie fußt auf der Prophezeiung von Jesaja 25,6: Am Ende der Zeit wird Gott allen Nationen ein opulentes Festmahl der Freude und des Friedens zubereiten. Und so lädt man, im Vorgriff auf dieses endzeitliche Ereignis, zu einem kulturellen und kulinarischen Abend Angehörige verschiedener Nationen und Milieus an einen neutralen Ort mit entsprechender Restauration ein. Wo das praktiziert wurde, ergaben sich vorher nie geahnte Begegnungen und Beziehungen. Ganz auf der Linie der zweiten Strophe des zitierten Liedes: „Jesus gab ein Beispiel für uns alle, aß mit vielen Menschen brüderlich. Viele sind so einsam, wären gern gemeinsam, kommt, wir schließen keinen aus.“ Ich lade ein, das zu tun. Denn auch Jesus hat niemanden ausgeschlossen, sondern alle, auch „die Menschen, die voller Schuld sind“, wie die BasisBibel in Vers 17 übersetzt, zum Essen eingeladen. Zum Entsetzen seiner Zeitgenossen. Hinrich Schmidt

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Der Herr des großen Abendmahls holte sich den Auswurf, den Abschaum der Menschheit, die Vagabunden von allen Straßen, Hecken und Zäunen der Welt in sein festliches Haus. Der Arme steht dem Herzen und der Gnade Gottes näher als der Reiche.

Hans Löscher

12 Dienstag
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Bibellese: Markus 2,18-22

Jesus sagte: „Können die Hochzeitsgäste fasten, während der Bräutigam unter ihnen ist? Unmöglich können sie das, solange er bei ihnen ist! Die Zeit kommt früh genug, dass der Bräutigam ihnen entrissen wird; dann werden sie fasten, immer an jenem Tag.“ (Vers 19.20)

Das Lied „Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude“ trifft den Kern der heutigen Bibellese. Jede Hochzeit, damals wie heute, ist ein großes Freudenfest. Diese Freude schiebt alles andere beiseite. Adolf Pohl schreibt über eine Hochzeit damals, als Jesus lebte: „Sieben Tage wurde gefeiert und geschmaust, dann senkte sich wieder die Decke der düsteren Gesetzesfrömmigkeit über das Dorfleben.“ Jesus vergleicht sich mit dem Bräutigam, seine Jünger mit der Hochzeitsgesellschaft. Da kann man doch unmöglich fasten! Denn er, Jesus, der Messias, der Sohn Gottes, der Schöpfer, Erlöser und Vollender der Welt, der „Bräutigam der Gemeinde“ ist da! Hurra! Da kann man sich doch nur freuen und muss nicht Trübsal blasen, denn Neues geschieht. Auch das Doppelbildwort vom neuen Flicken auf altem Kleid und den brüchigen Weinschläuchen (Vers 21.22) macht deutlich: Es geht nicht um den Erhalt des Alten, sondern um Entwicklungspotential für positive Veränderungen. Klar, Freude kann man nicht befehlen, aber je mehr ich über diesen Text nachdenke, umso größer wird meine Freude über Jesus. Wohl wissend: Wir sind noch nicht am Ziel. Jesus ist noch nicht wiedergekommen. Und so sind heute auch Beten und Fasten „dran“. Aber was tut’s? „Jesus ist kommen …“ und wird wiederkommen und die „Hochzeit des Lammes“ (Offenbarung 19,7) wird herrlich! Darauf freue ich mich schon heute. Hinrich Schmidt

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Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden;
komme, wen dürstet, und trinke, wer will!
Holet für euren verderblichen Schaden
Gnade aus dieser unendlichen Füll.
Hier kann das Herze sich laben und baden.
Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden.

Johann Ludwig Konrad Allendorf 1736

Aus: Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude

13 Mittwoch
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Bibellese: Markus 2, 23-28

An einem Sabbat ging Jesus durch die Felder. Seine Jünger fingen unterwegs an, Ähren abzureißen und die Körner zu essen. Die Pharisäer sagten zu Jesus: „Da sieh dir an, was sie tun! Das ist nach dem Gesetz am Sabbat verboten!“ (Vers 23.24)

Mit seinen Jüngern reiste Jesus durch das Land. Das tat er auch am Sabbat. Und weil die Jünger unterwegs Hunger bekamen, rissen sie Ähren an den Feldern ab und aßen die Körner. Das war eigentlich nicht verboten. Aber durfte man das auch am Sabbat? Das war doch Arbeit! So dachten jedenfalls die Pharisäer. – Jesus sollte Stellung beziehen. Und er tat es auch: Schon David hatte im Haus Gottes von dem Brot gegessen, von dem nur die Priester essen durften. Auch er nahm sich heraus, was nach dem Gesetz verboten war. Und außerdem: Gott hatte den Sabbat für den Menschen geschaffen und nicht umgekehrt. – Ursprünglich sollte der Sabbat in Israel ein Fest sein. An diesem Tag sollten die Menschen aufatmen dürfen. Am Sabbat zog man sich schön an und aß und trank reichlich mit seinen Gästen. Aber in der Praxis hatte sich dieser wunderbare Tag in sein Gegenteil verwandelt. Immer mehr religiöse Pflichten und Verbote legten sich wie eine erstickende Decke auf das Leben der Menschen. Ständig musste man sich vorsehen, den Sabbat und seine Heiligung nicht zu verletzen. – Bis heute bestimmen solche Regelungen das Leben frommer Juden. Aber auch in den Kirchen gab es in früheren Zeiten strenge Vorschriften für den Sonntag, der bei den Christen den Sabbat abgelöst hat. – Heute haben wir das umgekehrte Problem: Der Sonntag ist zwar immer noch ein geschützter Feiertag. Aber er wird immer weniger als kostbares Geschenk Gottes an seine Menschen geschätzt. Immer mehr Menschen müssen oder wollen auch am Sonntag arbeiten. Auch Christen nehmen sich heute viele Freiheiten heraus, wie sie den Sonntag gestalten. Und dann wundern wir uns, dass manch einer erschöpft auf der Nase liegt? Immer mehr Menschen brennen aus, weil sie nicht mehr zur Ruhe kommen. Es täte uns gut, wenn wir das Geschenk des Sonntags wieder dankbar annehmen würden! Lassen wir doch ruhig unsere Arbeit liegen; sie kann getrost einen Tag ruhen! Damit wir ausruhen können und auch Zeit haben, im Gottesdienst unserem guten Gott zu begegnen. Karl-Friedrich Kloke

14 Donnerstag
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Bibellese: Markus 3,1-6

Wieder einmal ging Jesus in eine Synagoge. Dort war ein Mann mit einer abgestorbenen Hand. Die Pharisäer hätten Jesus gerne angezeigt; darum beobachteten sie genau, ob er es wagen würde, ihn am Sabbat zu heilen. (Vers 1.2)

Heute lesen wir von einer weiteren Begebenheit, in der Jesus mit den Pharisäern in Konflikt geriet. Auch sie ereignete sich an einem Sabbat. Und sie endete damit, dass der Beschluss gefasst wurde, Jesus zu töten. Wie alle frommen Juden ging auch Jesus am Sabbat in die Synagoge, wo ein Gottesdienst gefeiert wurde. Und dort traf er einen Mann mit einer verkrüppelten Hand. Auch die Pharisäer waren gekommen. Sie waren offensichtlich aber gar nicht am Gottesdienst interessiert. Sie wollten vielmehr wissen: Würde Jesus es wagen, diesen Mann sogar am Sabbat zu heilen? Auch das war ihrer Meinung nach eine Arbeit, die am Sabbat verboten war. Immerhin: Auch die Gegner von Jesus zweifelten nicht daran, dass er heilen konnte; sie hatten es schon oft genug erlebt. Während also die Pharisäer Sittenpolizei spielten und darauf bedacht waren, dass das Gesetz eingehalten wurde, fragte Jesus nicht nach dem Wochentag. Vielmehr heilte er den Mann vor ihren Augen, obwohl es Sabbat war. Ihm war der Mann mit dem verkrüppelten Arm wichtiger als seine eigene Sicherheit. Denn Jesus wusste genau: Sie suchten einen Grund, ihn anzuklagen und zu töten. Was war das für eine Haltung, die die Pharisäer hier an den Tag legten! Weder der Gottesdienst war ihnen wichtig noch der kranke Mann, der seine Hand nicht mehr gebrauchen konnte. Sie waren allein daran interessiert, dass sie Jesus der Übertretung des Gesetzes überführen konnten. Aber wo stehen wir? Vielleicht gehören auch wir zu denen, für die die Einhaltung von Regeln an oberster Stelle steht? Natürlich war Jesus nicht gegen das Gesetz. Das hat er an vielen Stellen deutlich gemacht. Aber Jesus lehrt uns auch, dass ein Mensch und sein Wohl dabei nicht unter die Räder geraten darf. Wichtiger als die Einhaltung von Regeln und Geboten ist, dass wir Erbarmen mit Menschen haben und ihnen Gutes tun. Mit Engstirnigkeit und Hartherzigkeit, die gerade fromme Menschen an den Tag legen können, kann Gott auch heute nichts anfangen. Karl-Friedrich Kloke

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Zum 15. Januar 2016

Vermächtnis und Ermutigung

Einführung in die Briefe an Timotheus und Titus

Zwei Fragen wurden bei den Briefen an Timotheus und Titus in der Vergangenheit immer wieder behandelt. Zum einen hat man diese drei Schriften unter dem Titel „Pastoralbriefe“ (also „Hirtenbriefe“) zusammengefasst. Dadurch entstand der Eindruck, dass sie in ihrem Inhalt weitgehend übereinstimmen. Erst seit kurzem ist ihre jeweilige Eigenständigkeit neu in den Blick genommen worden.

Zum anderen beschäftigt die Ausleger schon lange die Frage nach dem Verfasser. Alle drei Briefe weichen mit ihren behandelten Themen und dem verwendeten Vokabular deutlich von den anderen Schriften des Apostels Paulus ab. Zudem ist die angesprochene Irrlehre der „Gnosis“ (Erkenntnis, 1Tim 6,20) ein Phänomen des ausgehenden ersten Jahrhunderts. So scheint es naheliegend zu sein, diese Briefe einem anderen Verfasser aus einer späteren Zeit zuzuschreiben. Dennoch gibt es beachtliche Gründe, weiterhin Paulus oder einen seiner Mitarbeiter als Verfasser der Schriften an Timotheus und Titus anzusehen.

Der zweite Timotheusbrief erweist sich als eine Art Vermächtnis des Völkerapostels an einen seiner engsten Vertrauten. Die sehr persönlich gehaltenen Worte lassen erkennen, dass ein Weg in der Nachfolge von Jesus mit Anfeindungen verbunden sein kann. Es ist kein leichter Weg, den die Jünger zu gehen haben. Paulus ermutigt aber, diesen Weg weiter zu verfolgen und sich an Jesus zu halten (1,12). Ein solcher Lebensweg ist getragen von der Gewissheit, dass dieser Herr treu und verlässlich ist; unsere Unzuverlässigkeit hebt seine Treue nicht auf (2,13).

Im ersten Brief an seinen Mitarbeiter wendet sich Paulus ganz praktischen Fragen zu. Dort, wo Menschen anfangen, Jesus zu vertrauen, stellen sich konkrete Fragen. Wie sollen verschiedene soziale Gruppen und Generationen miteinander umgehen? Wie kann und soll eine Gemeinde geleitet werden? Die vielen angesprochenen Themen stehen dabei nicht unverbunden nebeneinander, sie haben ihre Mitte in dem Bekenntnis zu Jesus Christus, dem Herrn der Gemeinde (3,14-16). Von ihm aus sind diese konkreten Fragen zu bedenken und zu entscheiden.

Ähnlich praktische Fragen stehen im Brief an Titus im Mittelpunkt. Dabei ermutigt Paulus ihn, Vorbild zu sein, sodass andere erkennen können, wie ein Leben in der Nachfolge gelebt werden kann. Dies kann aber nur im Blick auf Christus gelingen, der sich selbst für uns gegeben hat (2,14). Die in Jesus sichtbar gewordene Gnade Gottes ist die Grundlage einer christlichen Lebensgestaltung. Michael Schröder

15 Freitag
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Bibellese: 1. Timotheus 1,1-11

Jede Unterweisung der Gemeinde muss zur Liebe hinführen, die aus einem reinen Herzen, einem guten Gewissen und einem aufrichtigen Glauben kommt. (Vers 5)

Es gibt Verkündiger, denen ich sehr gerne und interessiert zuhöre. Es sind Verkündiger, die eine große Liebe zu Christus, aber auch zu ihren Zuhörern ausstrahlen. Man merkt ihnen an, dass sie von der biblischen Botschaft selbst gepackt sind. Und sie schaffen es, eine solche Nähe zu den Gottesdienstbesuchern herzustellen, dass man als Hörer sich persönlich angesprochen fühlt und bereit ist, sogar unangenehme Wahrheiten anzunehmen. Und am Ende geht man nicht gelangweilt oder verärgert und auch nicht nur nett unterhalten aus dem Gottesdienst, sondern vielleicht nachdenklich, neu ermutigt, neu gestärkt oder gar angeregt und neu motiviert. – So soll es sein, schreibt der Apostel Paulus seinem jungen Mitarbeiter Timotheus. Jede Unterweisung, jede Verkündigung muss die Liebe zum Ziel haben, muss die liebevolle Beziehung zu Gott, zu Mitchristen und Mitmenschen fördern und stärken, sei es durch Predigt, Bibelgespräch, biblischen Unterricht, Vortrag oder anderes. – Leider kenne ich auch das Gegenteil: Erhitzte Diskussionen darüber, ob Maria, die Mutter von Jesus, noch weitere Kinder geboren hat, oder langweilige Vorträge über die Materialien, die zum Bau der Stiftshütte, des heiligen Zeltes (2. Mose/Exodus 24-31) verwendet wurden. Nicht Streit und Langeweile sollen bei der Verkündigung und bei Gesprächen herauskommen, sondern neue Liebe. Und manchmal muss man im Auftrag dieser Liebe auch langweilige Verkündigung oder besserwisserisch und rechthaberisch daherkommende Beiträge einfach unterbinden (Vers 3.4). Hans-Werner Kube

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Das Gedächtnis des gläubigen Volkes muss wie das von Maria von den wunderbaren Taten Gottes überfließen. In der Hoffnung auf eine freudige und mögliche Übung der ihm verkündeten Liebe spürt sein Herz, dass jedes Wort der Schrift vor allem Geschenk und erst in zweiter Linie Anspruch ist.

Papst Franziskus

16 Samstag
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Bibellese: 1. Timotheus 1,12-20

Gott, dem ewigen König, dem unsterblichen, unsichtbaren und einzigen Gott, gehört die Ehre und Herrlichkeit für alle Ewigkeit! Amen. (Vers 17)

Paulus erinnert daran, was Jesus Christus für ihn getan hat: Er hat ihm, dem Christenverfolger, nicht nur Einhalt geboten, sondern ihm auch alle seine Taten, seine früheren Ansichten und Beweggründe vergeben. Und nicht nur das. Jesus hat aus ihm einen seiner größten Zeugen gemacht. Paulus ist deshalb nicht nur dankbar für Gottes Gnade, er ist begeistert über seinen neuen Auftrag: Menschen, die sich selbst für unwürdig, ja für ganz und gar verloren halten, soll er ein Beispiel für Gottes unbegrenzte Vergebungsbereitschaft und die Chance zu einem Neuanfang und neuen Leben sein. Und genauso begeistert bricht er in dieses Lob aus. Das ist typisch für ihn: Immer wieder, selbst in scheinbar aussichtslosen Situationen, sogar im Gefängnis, lobt er diesen großzügigen und einzigartigen Gott. – Ich wünsche mir auch diese Begeisterung für meinen Auftrag, Gottes Zeugin zu sein, und dieses Überwältigtwerden von der wunderbaren Begegnung mit dem herrlichen und ewigen König Jesus, unserem Gott. Aber solche Momente sind eher gelegentliche Highlights. Schade. In dem Auf und Ab meines Lebens scheinen Routine und der Kleinkram der täglichen Pflichten überhandzunehmen. Oft kann ich Gottes Wirken nicht erkennen: Da können mir nahestehende Menschen trotz jahrelanger Suche keinen Ausbildungsplatz finden. Nun zweifeln sie daran, dass Gott sich für sie interessiert. Andere finden trotz Gebet, Gottvertrauen und persönlichem Engagement keine neuen Kunden und auch keine andere Arbeitsstelle. Das Leben gelingt einfach nicht. Eine chronische Schmerzerkrankung bleibt mir selbst eine alte, ungeliebte Vertraute. Ich muss immer wieder Gottes Nähe suchen, um ihn wahrzunehmen, mich immer wieder mit anderen Christen austauschen, um an ihrem Erleben teilzuhaben, ihm immer wieder neu vertrauen. Nur so kann ich ihm treu bleiben. Und ich will mir immer wieder bewusst machen, dass der Herrschaftswechsel seit meiner Bekehrung auch und gerade meinen Alltag regiert, während die ersehnte Vollkommenheit in meiner Gottesbeziehung und allen anderen Bereichen erst in der Ewigkeit bei Gott sichtbar werden wird. Ilona Kube-Jakobson

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Zum 16. Januar 2016

Theologe, Erzbischof und Friedensnobelpreisträger

Nathan Söderblom war der erste Vertreter der christlichen Kirchen, der den Friedensnobelpreis erhielt. – Er wurde heute vor 150 Jahren, am 15. Januar 1866, in Trönö in Schweden als Sohn eines Landpfarrers geboren. Von 1883-1892 studierte Nathan Söderblom Literaturwissenschaft und Theologie an der Universität Uppsala. Während der Studienzeit nahm er an einer christlichen Studentenkonferenz in den USA teil. Diese Begegnung mit Menschen anderer Nationen und Konfessionen weckte seine Leidenschaft für die Ökumene. 1893 wurde er zum Pfarrer der lutherischen Kirche ordiniert. Im Jahr darauf heiratete er Anna Forsell. Der Ehe entstammten dreizehn Kinder. Von 1894-1901 war er Pfarrer der schwedischen Gemeinde in Paris und studierte nebenbei an der Sorbonne. Dort promovierte er mit einer religionsgeschichtlichen Arbeit. 1901 wurde er zum Professor an die Universität von Uppsala berufen. Von 1912-1914 hatte er außerdem den ersten deutschen Lehrstuhl für Religionswissenschaft an der Universität Leipzig inne. Sein Programm lautete: Man muss als Theologe auch Religionswissenschaft treiben, um die eigene Religion besser verstehen zu können. Und die gründliche Kenntnis der eigenen Religion befähigt wiederum zur Religionswissenschaft. 1914 wurde Söderblom zum Erzbischof von Uppsala und zum Primas der schwedischen Staatskirche ernannt. Wegen des Ausbruchs des 1. Weltkriegs musste er mit seiner Familie überstürzt aus Deutschland abreisen. Von seinem neutralen Heimatland aus versuchte er Vertreter aus den evangelischen Kirchen der kriegsführenden Länder an einen Tisch zu bringen, ohne Erfolg. Erst nach dem Krieg, 1925, gelang es ihm nach längeren Mühen, eine große ökumenische Versammlung zu organisieren und rund 600 Vertreter evangelischer und orthodoxer Kirchen nach Stockholm einzuladen, zur „Weltkonferenz für Praktisches Christentum“. Seine Idee war, dass die christlichen Kirchen die ersten sein müssten, die sich für eine neue Gemeinschaft der Völker einsetzen. Und bevor man den mühsamen Weg theologischer Einigung betrat, sollten soziale und ethische Fragen geklärt werden. So wurde er einer der Anführer der modernen ökumenischen Bewegung. Für seine Versöhnungsbemühungen durfte er 1930 den Friedensnobelpreis entgegennehmen. Ein Jahr später starb er nach kurzer Krankheit in Uppsala. – Söderblom bleibt in Erinnerung als Begründer der modernen Religionswissenschaft, als Lutherforscher, als Liturgie-Erneuerer und Kirchenlieddichter und als ökumenischer Kirchenführer. In Deutschland tragen einige Kirchen und Schulen seinen Namen und wurden ihm zu Ehren Denkmäler errichtet. Hans-Werner Kube

17 Sonntag
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Letzter Sonntag nach Epiphanias

Bibellese: Psalm 89,1-19

Wie glücklich ist das Volk,
das dich mit Jubelrufen begrüßt!

Es lebt in deiner segensreichen Nähe.

Es freut sich täglich, weil du sein Gott bist. (Vers 16.17)

DHans-Werner Kube