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David Platt

Folge. Mir. Nach.

Du wirst dich niemals langweilen.
Aber es wird dich etwas kosten.

Aus dem Englischen von Beate Zobel

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Originally published in the U.S.A. under the title:
Follow Me, by David Platt
Copyright © 2013 by David Platt
German edition © 2014 by Brunnen Verlag Gießen with permission of Tyndale House Publishers, Inc. All rights reserved.

Wenn nicht anders angegeben, sind die Bibelstellen der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002 Biblica Inc.™. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Brunnen Verlags Basel. Alle weiteren Rechte weltweit vorbehalten.

© 2014 Brunnen Verlag Gießen
www.brunnen-verlag.de
Lektorat: Konstanze von der Pahlen
Umschlagfoto: shutterstock
Umschlaggestaltung: Sabine Schweda
Satz: DTP Brunnen
ISBN 978-3-7655-1828-7
eISBN 978-3-7655-7185-5

Für Caleb, Joshua, Mara Ruth und Isaiah

Mein größter Wunsch an Gott ist, dass jeder von euch

sein Leben in Jesu Tod findet.

Inhalt

Vorwort von Francis Chan

Kapitel eins:

Verwässertes Christentum

Kapitel zwei:

Die große Einladung

Kapitel drei:

Der Weg zum Leben

Kapitel vier:

König des Universums

Kapitel fünf:

Gottes geliebte Kinder

Kapitel sechs:

Gottes Wille für unser Leben

Kapitel sieben:

Gemeinde – Gottes Familie

Kapitel acht:

Der Traum des Möglichen

Kapitel neun:

Menschenfischen als Lebensstil

Quellenangaben

Vorwort

Es war Anfang des Jahres 2011, als ich David Platt zum ersten Mal begegnete. Wir waren beide als Sprecher zu einer Veranstaltung eingeladen und trafen uns hinter der Bühne. Von dort aus schauten wir auf Tausende von Menschen, die zu dieser Konferenz gekommen waren. Wir unterhielten uns darüber, wie fantastisch es wäre, wenn wir diese vielen Christen dazu motivieren könnten, andere Menschen für Jesus zu gewinnen. Dann kamen wir gemeinsam auf den Gedanken, dass es ein Buch geben müsste, das die Leser anleiten und anspornen würde, den Auftrag von Jesus auszuführen. Ich freue mich von Herzen, dass dieses Buch tatsächlich geschrieben wurde.

Wir leben in spannenden Zeiten. Viele Christen erkennen die Probleme in den Gemeinden der westlichen Welt und setzen sich für Veränderungen ein. Immer mehr nehmen sich vor, als Nachfolger von Jesus zu leben und nicht nur Zuschauer oder Konsumenten zu bleiben. Jesus beauftragte uns, hinzugehen und die Menschen in sein Reich einzuladen, also wollen wir nicht länger zögern und abwarten.

Ich bete, dass jeder Leser bald zu der wachsenden Gruppe von Gläubigen gehört, die andere Menschen in die Nachfolge rufen – unermüdlich, bis alle die Einladung gehört haben.

Welche Aufgabe wäre wichtiger als diese?

Francis Chan
Pastor und Bestsellerautor

Kapitel eins

Verwässertes Christentum

Stellen wir uns eine Frau namens Ayan vor.

Ayan ist Teil einer Volksgruppe, die voller Stolz von sich behauptet, zu hundert Prozent islamisch zu sein. Wer zu Ayans Volk gehört, ist Moslem. Ayans eigene Identität, die Ehre ihrer Familie, ihre zwischenmenschlichen Beziehungen und ihre gesellschaftliche Stellung – alles ist untrennbar mit dem Islam verknüpft. Sollte Ayan sich jemals einer anderen Religion zuwenden, so würde das ihren sicheren Tod bedeuten. Würden ihre Angehörigen davon erfahren, so hätten sie keine andere Wahl, als ihr die Kehle durchzuschneiden.

Nun stellen wir uns vor, wir würden mit Ayan über Jesus reden. Zunächst erzählten wir ihr, dass Gott aus Liebe zu ihr seinen eigenen Sohn auf die Erde sandte, um am Kreuz zur Vergebung ihrer Sünden zu sterben. Während wir noch redeten, öffnete sie sich merklich für das, was sie von uns hörte. Gleichzeitig spürten wir ihre Angst bei dem Gedanken, was es für sie konkret bedeuten würde, eine Nachfolgerin von Jesus zu werden. Mit Augen voller Angst und einem Herzen voller Glauben würde sie schließlich fragen: „Wie kann ich Christin werden?“

An dieser Stelle gibt es zwei Antwortmöglichkeiten. Wir könnten Ayan erklären, wie einfach es ist, Jesus anzunehmen. Sie müsste nur an ein paar grundlegende biblische Aussagen glauben und ein einfaches Gebet sprechen, schon wäre sie Christin. Mehr bräuchte es nicht.

Wir könnten ihr aber auch die Wahrheit sagen. Dann würde Ayan von uns erfahren, dass jeder, der zu Jesus gehören möchte, sein eigenes Leben aufgeben muss. Unseren eigenen Willen, unsere Selbstbestimmung, die Ansprüche und Erwartungen unserer Familien und Freunde und auch unsere Zukunftspläne – all das müssten wir loslassen.

Denn nur, wenn wir unser Selbst begraben, empfangen wir das Leben, das Jesus gibt. Diese Art des Sterbens ist der einzige Weg, um Teil von Gottes Familie zu werden. Doch die Entscheidung lohnt sich. Wir werden Teil einer weltweiten Familie, der Menschen aus allen Völkern und Stämmen angehören. In Gottes Reich werden wir Freunde aus allen Altersgruppen finden. Hier erwartet uns eine Zukunft voller Freude, die nie versiegen wird.

Ich habe mir Ayan nicht nur ausgedacht. Es gibt sie wirklich, ich habe sie persönlich kennengelernt, und sie traf tatsächlich die Entscheidung, Christin zu werden. Sie war bereit, ihr selbstbestimmtes Leben aufzugeben und als Nachfolgerin von Jesus zu leben – um jeden Preis. Seit sie diese Entscheidung getroffen hat, muss sie sich vor ihrer Familie verstecken, und sie hat den Kontakt zu allen Freunden abgebrochen. Heute lebt sie dafür, die Gute Nachricht von Jesus in ihrem Volk bekannt zu machen, unter großen persönlichen Opfern. Ihr Leben ist dabei ständig in Gefahr. Sie hat ihre eigenen Wege verlassen, um das Leben zu führen, zu dem Jesus sie beauftragt hat.

An Ayans Geschichte lässt sich gut erkennen, dass Jesu Aufforderung, ihm nachzufolgen, etwas mit Sterben zu tun hat. Seit dem Beginn des Christentums hat Jesus von seinen Leuten nie weniger verlangt. Es begann mit vier Männern, die am Ufer eines Sees standen. Sie waren Fischer. Jesus ging auf sie zu und forderte sie auf: „Folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen!“ (Matthäus 4,19; Luther). Für die Männer bedeutete das, ihren Beruf an den Nagel zu hängen, ihre Familien und ihr Hab und Gut zurückzulassen, ihre Ziele und Pläne zu begraben und ihre Sicherheit aufzugeben. Er wollte, dass sie alles losließen. „Wer mir nachfolgen will, muss sich selbst verleugnen“, sagte Jesus immer wieder. Mitten in einer Welt, in der sich alles um uns selbst dreht, verlangt Jesus genau das Gegenteil. Wir wollen uns selbst schützen, wir präsentieren uns, pflegen uns, unterhalten uns, trösten uns und kümmern uns auf alle nur erdenklichen Weisen um uns selbst. Doch Jesus sagt: „Gib dein Leben auf.“ Diese vier Männer erfüllten Jesu Anspruch im wörtlichen Sinn. Der Überlieferung zufolge starb Petrus als Märtyrer, kopfüber an einem Kreuz. Andreas wurde in Griechenland gekreuzigt, Jakobus wurde enthauptet und Johannes starb auf einer Insel in der Verbannung.

Sie waren bereit, den äußersten Preis zu bezahlen. Jesus war ihnen so wichtig geworden, dass sie alles andere für ihn aufgaben. Bei Jesus hatten sie eine Liebe kennengelernt, die alle Vorstellungen übertraf, eine Zufriedenheit, die von den Umständen des Lebens unabhängig war, dazu ein Ziel, das jedes andere Lebensziel verblassen ließ. Bereitwillig, ja, sogar freudig gaben sie ihr Leben auf, um ihn immer besser kennenzulernen, ihm nachzufolgen und ihn bekannt zu machen. Bei Jesus fanden die ersten Jünger das Leben, für das sich jedes Opfer lohnt.

Wie weit haben wir uns heute, zweitausend Jahre später, davon entfernt? Im Verlauf der Jahrhunderte, unter der Einwirkung unterschiedlichster kultureller Entwicklungen und verschiedener kirchlicher Traditionen wurden die Ansprüche von Jesus immer weiter reduziert, bis sie kaum noch erkennbar waren. Es gibt Menschen, die sich Christen nennen, obwohl sie kaum etwas mit Christus zu tun haben. Unzählige Männer, Frauen und Kinder wurden gelehrt, dass nur wenige Bedingungen erfüllt sein müssen, um Christ zu werden.

Aber das stimmt nicht. Von den Jüngern Jesu, von Petrus, Andreas, Jakobus, Johannes und Ayan lernen wir, dass man nicht durch ein bestimmtes Gebet oder eine bestimmte Handlung zu einem Nachfolger von Jesus wird, sondern nur, indem man sein eigenes Leben aufgibt.

Es gibt keinen einfachen Weg, um Christ zu werden. Aber was spricht dagegen, das eigene Leben aufzugeben und dafür das Leben Jesu zu empfangen? Natürlich kostet es uns etwas, aus dem gewohnten, gemütlichen, kulturell angepassten und formalen Christentum auszusteigen. Aber es ist ein überaus lohnender Schritt. Die Person Jesus ist viel zu faszinierend, als dass es genügen würde, ihr nur auf der Verstandesebene zu begegnen. Das Leben mit ihm bietet so viel mehr als nur äußere, monotone religiöse Formen. Bei Jesus findet man unbeschreibliche Freude, spürbare, tiefe Zufriedenheit und einen Sinn im Leben, der bis in die Ewigkeit Bestand hat – vorausgesetzt, man lässt sein Selbst sterben und lebt für ihn.

Im vorliegenden Buch möchte ich nicht so sehr auf die Dinge eingehen, die wir loslassen müssen, um Jesus nachzufolgen, sondern ich möchte Jesus selbst in den Mittelpunkt stellen. Wir wollen die Schönheit dessen betrachten, dem wir nachfolgen. Es soll deutlich werden, wie lohnend es ist, das eigene Ich zu begraben und in Jesus zu leben.

Ich werde einiges hinterfragen, das sich in unserem westlichen, abendländisch geprägten Christentum eingeschlichen hat. Dabei möchte ich niemanden kritisieren, der in guter Absicht handelt, sondern ich will auf die Gefahren hinweisen, die sich hinter manchen Klischees verbergen. Ich stelle viele Fragen, ohne mir anzumaßen, alle Antworten zu kennen. Auch will ich nicht so tun, als hätte ich in der Tiefe verstanden, was es heißt, Jesus nachzufolgen. Aber wir leben in einer Zeit, in der das durch kulturelle und theologische Einflüsse verwässerte Christentum oft falsch verstanden wird. Ich bin zutiefst überzeugt davon, dass ein Leben mit Jesus sehr viel mehr beinhaltet als die religiösen Gewohnheiten, mit denen viele Menschen sich zufriedengeben.

Wenn wir uns ernsthaft mit Jesu Aufforderung „Folge mir nach!“ auseinandersetzen, werden wir mehr Freude erleben und eine größere Kraft entdecken, dazu einen tieferen Sinn im Leben finden, als wir uns jemals hätten träumen lassen. Jeder, der das erkannt hat, wird bereitwillig und mit Freude sein selbstbestimmtes Leben aufgeben, um Jesus kennenzulernen und ihn bekannt zu machen. Genau das bedeutet es, ihm nachzufolgen.

Bete mir nach

Ich möchte von einem Freund berichten – nennen wir ihn John. In einer Folge von Tom und Jerry erfuhr er zum ersten Mal von der Existenz der Hölle. Weil Tom böse zu Jerry gewesen war, wurde er in die Hölle geschickt. Eigentlich war das Ganze lustig gemeint, doch die Szene war sehr eindrücklich, und John bekam furchtbare Angst. Das Thema ließ ihn nicht mehr los, bis er schließlich in einer Kirche Hilfe suchte. Dort fand er jemanden, der ihn verstand.

Der Christ sah ihn an und sagte: „Du willst also nicht in die Hölle kommen?“

„Nein“, antwortete John.

„Nun“, erklärte der Mann, „dann bete mir nach: Herr Jesus …“

Beide schwiegen. John wartete. Schließlich, nach einer langen, unangenehmen Pause ahnte John, dass er die Worte wiederholen sollte. Also murmelte er zögernd: „Herr Jesus …“

„Ich weiß, dass ich ein Sünder bin, und ich glaube, dass Jesus am Kreuz für meine Sünden gestorben ist“, sprach der Ältere vor.

John wiederholte die Worte.

„Bitte komm in mein Herz und vergib mir alle meine Sünden.“ John sprach alles Wort für Wort nach.

„Amen“, schloss der Mann.

Dann sah er John an und erklärte: „So, mein Junge, jetzt bist du gerettet, deine Sünden sind dir vergeben, und du musst dir wegen der Hölle keine Sorgen mehr machen.“

Hat Jesus das gemeint, als er „Folge mir nach“ sagte?

Wer nur ein bestimmtes Gebet wiederholt, einem Aufruf folgt oder eine Entscheidungskarte ausfüllt, der darf nicht automatisch davon ausgehen, dass er ein Nachfolger von Jesus ist. Dieses Gebet kann ein Anfang sein, aber es muss sich auf das weitere Leben auswirken.

Wenn Christen versuchen, so viele Menschen wie möglich in das Reich Gottes hineinzuziehen, dabei aber den Anspruch Jesu an seine Nachfolger herunterschrauben, dann schaden sie den Menschen mehr, als sie dem Reich Gottes nützen. Wir dürfen die Botschaft Jesu nicht verwässern. Jesu Forderungen sind absolut, radikal und in gewisser Weise auch schmerzhaft; man kann sie nicht verharmlosen. Kann es sein, dass sich viele Menschen zu einem falschen Christentum einladen lassen, das attraktiv zurechtgestutzt wurde und ihnen vorgaukelt, ewiges Leben zu haben, während sie doch unverändert auf die Hölle zusteuern? Ist das christliche Abendland vielleicht bevölkert von Christen, die nach Jesu Maßstäben gar keine sind?

„Ich kenne euch nicht“

Kann das sein? Ist es möglich, dass jemand sich Christ nennt und von Christus nicht gekannt wird? Wenn wir glauben, was Jesus sagt, ist es nicht nur möglich, sondern sogar häufig der Fall.

Es sind die Schlussworte am Ende seiner berühmten Bergpredigt. Jesus ist umringt von seinen Jüngern und vielen anderen, die sich zu ihm halten, als er sagt:

Nicht, wer mich dauernd „Herr“ nennt, wird in Gottes neue Welt kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut. Am Tag des Gerichts werden zwar viele sagen: „Aber Herr, wir haben doch als deine Propheten das weitergesagt, was du selbst uns aufgetragen hast! Wir haben doch in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mächtige Taten vollbracht!“ Aber ich werde ihnen antworten: „Ich kenne euch nicht, denn ihr habt nicht nach meinem Willen gelebt. Geht mir aus den Augen!“ (Matthäus 7,21-23)

Für mich ist das eine der beunruhigendsten Stellen der ganzen Bibel. Da ich Pastor bin, liege ich manche Nacht wach und frage mich, ob auch in meiner Gemeinde Leute im Gottesdienst sitzen, die eines Tages von Jesus hören werden: „Ich kenne euch nicht, denn ihr habt nicht nach meinem Willen gelebt. Geht mir aus den Augen!“

Jeder von uns steht in der Gefahr, geistlich verführt zu werden. Niemand ist davor gefeit. Jesus sprach mit diesen Worten keine Ungläubigen oder Atheisten an, er meinte weder die Heiden noch die Irrlehrer. Nein, seine Worte richteten sich an die guten, frommen Leute – Männer und Frauen, die sich in seiner Nähe aufhielten und die davon ausgingen, die Ewigkeit mit ihm verbringen zu dürfen. Ihnen galt die Warnung, dass es möglicherweise ein böses Erwachen geben könnte. Obwohl sie sich zum Glauben an ihn bekannten und in seinem Namen allerhand übernatürliche Taten vollbrachten, hatten sie ihn nie wirklich gekannt.

Diese Art der Verführung kam im 1. Jahrhundert vor, und sie ist im 21. Jahrhundert nicht weniger wahrscheinlich. Wenn ich die Worte in Matthäus 7 lese, dann denke ich oft an Tom, einen erfolgreichen Geschäftsmann aus Birmingham. Er hatte sich unserer Gemeinde angeschlossen, nachdem er schon sein ganzes Leben lang aktives Mitglied in verschiedenen Gemeinden gewesen war. Es gab kaum einen Bereich, in dem er nicht schon mitgearbeitet hatte. Als Tom in unsere Stadt zog, rief sein früherer Pastor bei uns an und erzählte meinem Kollegen, welch ein wunderbares Gemeindeglied Tom sei und wie froh wir sein könnten, einen so hervorragenden Mitarbeiter zu gewinnen.

Das Problem war nur, dass Tom auch nach über fünfzig engagierten Jahren in verschiedenen Gemeinden noch kein Nachfolger von Jesus geworden war. „Mein Leben lang war ich davon ausgegangen, dass ich Jesus kennen würde, aber ich kannte ihn eigentlich gar nicht“, stellte Tom eines Tages fest.

Etwas Ähnliches berichtet Jordan, eine Studentin, die zu unserer Gemeinde gehört:

Mit fünf Jahren lud ich Jesus in mein Herz ein. Von da an war ich froh, nicht in die Hölle zu kommen, lebte aber trotzdem weiter in der Sünde. Doch weil ich in der Jugendgruppe weniger negativ auffiel als die anderen, hielten mich alle für eine gute Christin. Äußerte ich gelegentlich Zweifel an meinem Glauben, so versicherten mir meine Eltern, Pastoren und Freunde, dass ich auf jeden Fall zu Gott gehören würde, denn ich hatte ihm schließlich mein Leben übergeben. Da ich äußerlich einen so guten Eindruck machte, waren alle überzeugt davon, dass ich eine gute Christin war.

Aber in meinem Herzen war Gottes Gnade noch nicht angekommen. Das Gebet, das ich als kleines Mädchen gesprochen hatte, reichte nicht aus, um mir neues, geistliches Leben zu geben. Ich war ratlos und ohne inneren Frieden. Mir blieb nichts anderes übrig, als meine Entscheidung für Jesus immer wieder zu erneuern. Trotzdem waren mir meine tatsächliche Verlorenheit und die Macht der Sünde nicht wirklich bewusst.

In all den Jahren hatte ich nicht erlebt, was echte Umkehr bedeutete, sondern war immer noch geistlich tot. Ich dachte, mein gutes Leben würde mir in Bezug auf Gott etwas nützen. Letztlich glaubte ich daran, dass ich mich mit meinen guten Werken selbst würde retten können. Ich leitete Bibelgruppen und nahm an Missionseinsätzen teil – aber das blieb alles bedeutungslos. Ich war immer noch kein Kind Gottes.

Erst als Studentin kam ich an den Punkt, wo ich die Kluft zwischen meinem sündigen Wesen und Gottes Heiligkeit erkannte. Jetzt endlich verstand ich, dass Jesus am Kreuz für mich sterben musste, um Gottes Zorn, der mir galt, und Gottes Strafe für meine Sünde auf sich zu nehmen. Erschrocken fiel ich auf meine Knie, zitternd vor Entsetzen, bekannte Gott meine Sünden und bat ihn unter Tränen, mich zu retten. In diesem Moment erlebte ich, wie dringend ich Jesu Erlösung brauchte, und aus tiefster Seele dankte ich ihm und betete ihn an für alles, was er für mich getan hatte. Seither kann ich wirklich sagen: „Mein altes Leben ist mit Christus am Kreuz gestorben. Darum lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir!“ (Galater 2,19-20)

Jordan war jahrelang in die Gemeinde gegangen, ehe sie diese tief greifende Erfahrung machen durfte, die von da an ihr ganzes Leben veränderte. Endlich wusste sie nicht nur vieles über Jesus, sondern sie lebte in Jesus. Sie musste nichts mehr für Gott tun, um sein Wohlgefallen zu gewinnen, sondern sie lebte ihren Alltag mit Jesus aus einem von Freude und Liebe erfüllten Herzen heraus.

Ich nehme an, dass die Geschichten von Tom und Jordan keine Einzelfälle sind. Vielmehr sind sie Ausdruck einer Schieflage, von der weite Teile der Christenheit betroffen sind. Unzählige Männer, Frauen und Kinder sitzen überall auf der Welt in den christlichen Kirchen und Gemeinden, ohne wirklich zu wissen, was es heißt und was es kosten kann, Jesus nachzufolgen.

Der schmale Weg

Was Jesus in Matthäus 7 sagt, ist für uns heute von großer Bedeutung. Er spricht über unsere gefährliche Neigung, uns mit den oberflächlichen, angenehmen Dingen zu beschäftigen. Warnend erklärt er: „Geht durch das enge Tor! Denn das Tor zum Verderben ist breit und ebenso der Weg dorthin! Viele Menschen gehen ihn. Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng, und der Weg dorthin ist schmal. Deshalb finden ihn nur wenige“ (Matthäus 7,13-14).

Es gibt also einen breiten, einladenden religiösen Weg, den jeder finden und gehen kann. Dieser schöne, angenehme Weg ist voller Menschen, weil er so viele Annehmlichkeiten bietet. Wer sich einmal entschieden hat, Christ sein zu wollen, ist auf diesem Weg willkommen, ohne dass er sich um Gottes Vorstellungen, seine Gebote und seine Ehre Gedanken zu machen braucht. Der Platz im Himmel scheint garantiert zu sein, auch wenn er in Selbstgerechtigkeit und Selbstbezogenheit sein sündiges Leben weiterführt. Das stört auf diesem Weg niemanden.

Aber das ist nicht Jesu Weg. Er lädt uns auf einen engen Pfad ein. Das Wort, das hier für „eng“ verwendet wird, steht in anderen Zusammenhängen für „schmerzhaft, mit Druck verbunden, Schwierigkeiten und Verfolgung nach sich ziehend“. Es ist nicht gerade leicht, den Weg von Jesus zu gehen, und er ist vielen verhasst.

Nur wenige Kapitel später lesen wir, wie Jesus seinen Jüngern sagt, dass sie damit rechnen müssen, geschlagen, betrogen, schlecht behandelt, gefangen genommen und getötet zu werden. „Nehmt euch in Acht vor den Menschen! Denn sie werden euch vor die Gerichte zerren, und in den Synagogen wird man euch auspeitschen. Nur weil ihr zu mir gehört, werdet ihr vor Machthabern und Königen verhört werden. … In dieser Zeit wird ein Bruder den anderen dem Henker ausliefern. Väter werden ihre eigenen Kinder anzeigen. … Alle Welt wird euch hassen, weil ihr euch zu mir bekennt“ (Matthäus 10,17-18.21-22).

Bei einer anderen Gelegenheit wurde Petrus von Jesus dafür gelobt, dass er an Jesus glaubte als den „Christus, den von Gott gesandten Retter, den Sohn des lebendigen Gottes“. Doch kurz darauf tadelte ihn Jesus, weil er nicht wirklich erkannt hatte, was das bedeutete. Ähnlich wie viele Christen heute wünschte sich Petrus einen Messias ohne Kreuz, einen Retter, der nicht leiden musste. Jesus sah ihn und die anderen Jünger ernst an und sagte: „Wer mir nachfolgen will, darf nicht mehr sich selbst in den Mittelpunkt stellen, sondern muss sein Kreuz auf sich nehmen und mir nachfolgen. Wer sich an sein Leben klammert, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben für mich einsetzt, der wird es für immer gewinnen“ (Matthäus 16,24-25).

Kurz bevor Jesus gekreuzigt wurde, erklärte er seinen Jüngern: „Dann werdet ihr gefoltert, getötet und in der ganzen Welt gehasst werden, weil ihr zu mir gehört“ (Matthäus 24,9). Aus all diesen Aussagen Jesu ist klar herauszuhören, dass der Ruf in seine Nachfolge etwas mit Sterben zu tun hat. Der Weg zum Himmel ist voller Gefahren, einsam, und wer ihn geht, muss auf vieles in dieser Welt verzichten. Nur wenige sind bereit, diesen Preis zu bezahlen. Wer den Weg Jesu gehen will, muss sein eigenes Leben aufgeben – doch er wird neues Leben in Jesus finden.

Es ist noch nicht lange her, seit ich in Nordafrika war, wo ich mit verfolgten Brüdern und Schwestern zusammen Jesus diente. Ich sprach mit einem Mann, dessen Bein vor Kurzem zerfetzt worden war, als eine Bombe seine Kirche traf. Ein Pastor erzählte mir von Frauen in seiner Gemeinde, die entführt, missbraucht und vergewaltigt wurden, weil sie Christinnen waren. Ich war bei einer Familie zum Essen eingeladen. Sie erzählten mir von einem Christen, der nur ein paar Straßen von ihnen entfernt gewohnt hatte und niedergestochen wurde, weil er an Jesus glaubte.

Man erzählte mir die Geschichte von drei amerikanischen Christen, die nach Nordafrika gekommen waren, um dort in einem Krankenhaus zu arbeiten. Sie hatten ihr angenehmes Leben, ihre berufliche Laufbahn, ihre Verwandten, Freunde und viele Sicherheiten aufgegeben, um die Güte und Freundlichkeit Gottes in einem Land bekannt zu machen, in dem es verboten ist, Christ zu werden. Die meisten Menschen, auch viele Christen, konnten diese Entscheidung nicht nachvollziehen. Tag für Tag halfen sie den Patienten dort im Krankenhaus nicht nur körperlich, sondern gaben ihnen auch geistliche Wahrheiten weiter.

Natürlich wussten sie um die Gefahr, der sie ausgesetzt waren. Aber was dann geschah, hatten sie trotzdem nicht erwartet. Eines Tages kam ein Patient in ihre Klinik, der seinen Arm verbunden hatte und ein Bündel im Arm trug, das wie ein Baby aussah. Als er im Büro des Krankenhauses stand, öffnete er das Bündel. Eine Waffe war darin. Gezielt erschoss er alle drei ausländischen Christen.

Während ich mich in diesem Land aufhielt, jährte sich jenes Ereignis zum zehnten Mal. Wir nahmen uns Zeit, um der drei Märtyrer zu gedenken. Die Gedächtnisfeier fand in der Nähe des Grabes von Oswald Chambers statt. So beschlossen wir, aus dessen berühmtem Andachtsbuch „Mein Äußerstes für sein Höchstes“ den Text des aktuellen Tages zu lesen. Es war, als hätte Oswald Chambers diesen Text genau für uns geschrieben:

Nimm an, Gott gibt dir eine Anweisung, die deine Vernunft infrage stellt und ihr völlig zuwiderläuft. Was tust du dann? Zögerst du? Wenn du dir angewöhnst, etwas praktisch zu tun, wirst du es immer tun, wenn es darauf ankommt, bis du die Gewohnheit durch einen rigorosen Willensentschluss aufgibst. Dasselbe gilt auch im Leben mit Gott. Immer wieder wirst du vor die Entscheidung gestellt, zu tun, was Jesus will, aber du wirst jedes Mal am entscheidenden Punkt aufgeben, bis du dich entschlossen hast, dich doch vollkommen Gott auszuliefern

Jesus Christus erwartet von denen, die sich auf ihn verlassen, dieselbe ungezügelte Abenteuerlust, die im natürlichen Menschen liegt. Wenn jemand überhaupt einmal etwas tun will, was sich lohnt, dann muss er manchmal mit einem Sprung ins Ungewisse alles riskieren. Im Leben mit Gott will Jesus Christus, dass du alles riskierst, woran du natürlicherweise festhältst oder glaubst, und dass du im Glauben an ihn springst, wenn er es sagt. Sobald du gehorchst, siehst du gleich, dass das, was er sagt, so realistisch und praktikabel ist wie jede Vernunftüberlegung.

Rein verstandesmäßig betrachtet, erscheint manches unsinnig, was Jesus Christus sagt, aber wenn du es durch Glauben ausprobierst, zeigt dir das Ergebnis die Ehrfurcht gebietende Tatsache, dass Gott wirklich so handelt. Verlass dich vollkommen auf Gott, und wenn er dir eine Gelegenheit anbietet, Unbekanntes auszuprobieren, sieh zu, dass du sie wahrnimmst. In kritischen Situationen handeln wir meist wie Heiden: Nur einer von vielen hat den Mut, seinen Glauben an das Wesen Gottes praktisch einzusetzen.1

Als wir diesen Text von Oswald Chambers vor dem Hintergrund der drei ermordeten Missionare lasen, erschienen uns auch die folgenden Worte von Jesus in einem neuen Licht:

Wenn einer mit mir gehen will, so muss ich für ihn wichtiger sein als seine Eltern, seine Frau, seine Kinder, seine Geschwister, ja wichtiger als das eigene Leben. Sonst kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht bereit ist, sein Kreuz auf sich zu nehmen und mir nachzufolgen, der kann nicht zu mir gehören … Überlegt auch ihr vorher, ob ihr wirklich bereit seid, alles für mich aufzugeben und mir nachzufolgen. Sonst könnt ihr nicht meine Jünger sein (Lukas 14,26-27.33).

Für jeden, der nicht zu Jesus gehört, müssen diese Sätze verrückt klingen. Aber für Christen sind sie der Inbegriff des Lebens. Die Zahl der Menschen, denen Gottes Wille wichtiger ist als ihr eigenes Leben und die sich ihm ganz anvertrauen, die Jesus überallhin nachfolgen und die bereit sind, jeden Preis zu bezahlen, ist nicht so groß. Doch für sie ist diese Aufforderung von Jesus die Grundlage ihres Denkens und Handelns.

Rettender Glaube

Im letzten Abschnitt habe ich die Kosten der Nachfolge in den Vordergrund gestellt. Nun mag man sich fragen, wie die vielen Bibelstellen dazu passen, denen zufolge es genügt, an Jesus zu glauben, um gerettet zu werden. Sagte Jesus nicht zu Nikodemus: „Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben“ (Johannes 3,16, Hervorhebung durch den Autor)? Paulus und Silas versicherten dem Gefängnisaufseher in Philippi: „Glaube an den Herrn Jesus, dann werden du und alle, die in deinem Haus leben, gerettet“ (Apostelgeschichte 16,31, Hervorhebung durch den Autor). Im Brief an die Römer schreibt Paulus: „Wenn du mit deinem Mund bekennst: ‚Jesus ist der Herr!‘, und wenn du von ganzem Herzen glaubst, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, dann wirst du gerettet werden“ (Römer 10,9, Hervorhebung durch den Autor). Auf der Grundlage dieser Stellen muss man annehmen, dass es genügt, an Jesus zu glauben, um Christ zu werden.

Das stimmt natürlich auch. Aber wir müssen den Zusammenhang sehen, in dem die Bibel hier von „glauben“ spricht. Als Jesus mit Nikodemus sprach, ging es nicht nur darum, zu glauben, sondern Jesus erklärte ihm, dass er von Neuem geboren werden müsse. Er sollte ein vollkommen neues Leben beginnen, ein Leben als Nachfolger von Jesus. Als der Gefängnisaufseher den Glauben an Jesus annahm, war ihm bewusst, dass er sich damit einer Gruppe von Menschen anschloss, die um ihres Glaubens willen geschlagen, ausgepeitscht und gefangen genommen wurden. Damals lag es auf der Hand, welchen Preis die Nachfolge kosten konnte. Auch in seinem Brief an die Christen in Rom schrieb Paulus darüber, dass der Glaube an die Auferstehungskraft Jesu auch bedeutet, die Herrschaft Jesu über alle Lebensbereiche anzuerkennen.

Bei allen drei Bibelstellen – und bei zahllosen anderen, ähnlichen Stellen – umfasst der Glaube an Jesus viel mehr als die bloße verstandesmäßige Akzeptanz. Immerhin „glauben“ sogar die Dämonen daran, dass Jesus der gekreuzigte und auferstandene Sohn Gottes ist (Jakobus 2,19). Dieser „Glaube“ hat nicht die Kraft, zu retten, aber er ist sehr verbreitet in unserer Welt. Fast jeder Süchtige, mit dem ich auf der Straße spreche, erklärt, dass er an Jesus „glaube“. Bei meinen Reisen traf ich überall auf der Welt Menschen, die in gewisser Weise an Jesus „glaubten“ – selbst Hindus, Animisten und Moslems. Auch die vielen gelegentlichen Kirchenbesucher, deren Herz Gott gegenüber gleichgültig ist und denen die weltlichen Dinge wichtiger sind als Gottes Gebote, geben vor, an Jesus zu „glauben“.

Jeder kann behaupten, an etwas zu glauben, was ihn aber innerlich weder berührt noch beeinflusst. Viele Menschen, die sich Christen nennen, gehören zu ihnen. Erinnern wir uns noch einmal an die Stelle in Matthäus sieben, wo wir den verzweifelten Ruf der Verlorenen hören: „Aber, Herr, wir haben doch …!“ Jesus wird ihnen antworten: „Ich kenne euch nicht, denn ihr habt nicht nach meinem Willen gelebt. Geht mir aus den Augen!“ (Matthäus 7,22-23). Wenn wir genau hinsehen, erkennen wir ganz deutlich, dass es nicht genügt, an Jesus zu glauben, um die Ewigkeit im Himmel verbringen zu dürfen. Nur die Menschen, die Jesus gehorchen, werden Bürger seines Reiches.

An dieser Stelle erhebt sich sofort die Frage: „Muss man denn gute Werke tun, um gerettet zu werden?“ In gewisser Weise schon, denn Jesus spricht von einem Leben der Nachfolge, zu dem auch ein bestimmtes Verhalten gehört.

Dennoch müssen wir an dieser Stelle sehr genau unterscheiden. Wir dürfen das Evangelium nicht verdrehen. Jesus hat an keiner Stelle gesagt, dass unsere Werke die Voraussetzung dafür seien, dass Gott uns als seine Kinder annimmt. Es ist allein Gottes Gnade, sein unverdientes Geschenk, das uns rettet. Im folgenden Kapitel werden wir uns noch eingehender damit beschäftigen. Aber manchmal sind wir so darauf fixiert, alles der Gnade Gottes zuzuschreiben, dass wir ganz übersehen, was Jesus auch gesagt hat. Nur, wer nach seinem Willen lebt und seinen Worten gehorcht, kann ein Bürger seines Reiches sein. Wenn unser Leben nicht die Früchte der Nachfolge trägt, dann sind wir auch keine Nachfolger von Jesus.

Gefährliche Täuschung

Studien zufolge nennen sich in den USA achtzig Prozent der Bevölkerung Christen2, in Deutschland sind es etwa sechzig Prozent3. Man muss sich fragen, wie viele von ihnen tatsächlich regelmäßig einen Gottesdienst besuchen, an die Wahrheit der Bibel glauben und ihr Leben nach biblischen Maßstäben ausrichten.

Die Umfrage in den USA hat leider auch ergeben, dass sich die Christen in ihrem alltäglichen Denken und Leben nicht von Nichtchristen unterscheiden. Dies trifft in den USA laut Umfrage sogar auf die Christen zu, die sich zu einem persönlichen Glauben an Jesus bekennen. Viele der befragten Christen glauben, dass sie durch gute Werke in den Himmel kommen, sie denken, Christen und Moslems verehrten denselben Gott, und sind der Meinung, Jesus hätte als Mensch auch gesündigt. Dazu geben sie an, dass Jesus in ihrem Leben nur eine untergeordnete Rolle spiele.

Als Reaktion auf diese amerikanische Umfrage wurde immer wieder behauptet, Christen würden auch nicht anders leben als Nichtchristen. Doch ich möchte die Studie anders deuten. Meines Erachtens gibt es sehr viele Menschen, die denken, sie seien Christen – es aber gar nicht sind. Sie wurden zu der Annahme verführt, zwischen ihnen und Gott sei alles in Ordnung, während sie in Jesu Augen gar nicht zu ihm gehören. Sie unterliegen einer gefährlichen Täuschung.

Angenommen, zwei Freunde hätten sich zum Essen in einem Restaurant verabredet. Doch auch eine halbe Stunde nach der vereinbarten Zeit ist einer der beiden noch nicht eingetroffen. Endlich taucht er auf, ist völlig außer Atem und erklärt: „Bitte entschuldige, dass ich so spät bin. Ich hatte mitten auf der Autobahn eine Reifenpanne. Also habe ich auf der Standspur den Reifen gewechselt. Dabei bin ich von einem Lkw erfasst worden, der mit hundert Sachen an mir vorbeigedonnert ist. Ich wurde fürchterlich durch die Luft geschleudert, aber dann habe ich mich wieder aufgerappelt, mein Ersatzrad festgeschraubt und bin hergekommen.“

Würden Sie ihm diese Geschichte abnehmen? Wer auf der Autobahn von einem Lkw erfasst wird, der sieht hinterher wohl etwas anders aus als vorher, oder?4

Entsprechend glaube ich auch, dass Menschen, die eine Begegnung mit Jesus hatten, danach anders sind als davor. Wer dem Schöpfer des Universums in menschlicher Gestalt begegnet ist, wer von ihm in der Tiefe seines Herzens berührt wurde, wen er aus den Klauen der Sünde befreit hat und wessen Leben er dahin gehend verwandelt, dass er als Jünger von Jesus weiterlebt, der kann nicht mehr derselbe sein. So eine Erfahrung sieht man einem Menschen an. Menschen, die behaupten, Christen zu sein, sich aber in nichts von Nichtchristen unterscheiden, sind Gott nicht begegnet.

Es handelt sich hier übrigens nicht um ein ausschließlich amerikanisches Problem. Kürzlich, als ich anhand des Buches „Gebet für die Welt“ für verschiedene Länder betete, kam ich auf Jamaika. Dort sind 84 % der Bevölkerung Christen. „Das Christentum ist zahlenmäßig stark, aber geistlich schwach. Ein Drittel der Bevölkerung geht zur Kirche“, aber das Land hat die „höchste Mordrate der Welt“, und „die Hälfte der männlichen Bevölkerung ist drogenabhängig“5. Ist es nicht erschütternd, sich vorzustellen, dass vielleicht zwei Millionen Menschen in Jamaika davon ausgehen, Christen zu sein, obwohl sie es gar nicht sind? Überall auf der Welt gibt es unzählige Menschen, denen es ebenso geht. Sie nennen sich Christen, doch sie sind keine Nachfolger von Jesus.

Geistliche Verführung ist gefährlich und führt in die Hölle. Es ist nicht schwer, sich etwas vorzumachen. Wir alle neigen in dieser Hinsicht dazu, die eigene Lage zu beschönigen. In der Bibel lesen wir, dass Satan das Denken der Menschen so verblendet, dass sie das helle Licht der göttlichen Wahrheit nicht mehr sehen können (2. Korinther 4,4). Anscheinend tut er das unter anderem auch dadurch, dass er den Menschen vorgaukelt, sie seien Christen, obwohl sie es gar nicht sind.

Eine neue Richtung

Wie kann man denn nun ein echter Nachfolger von Jesus werden? Was passiert mit einem Menschen, wenn die Herrlichkeit und Gnade Gottes wie ein schwerer Lkw auf sein Leben treffen? Genau damit wird sich das ganze restliche Buch beschäftigen. Doch zunächst soll noch ein Begriff untersucht werden, der als Zusammenfassung aller Botschaften von Jesus gesehen werden kann.

Es sind die ersten Worte, die Jesus damals an seine Zeitgenossen richtete: „Kehrt um zu Gott!“ (Matthäus 4,17). Mit exakt denselben Worten hatte Johannes der Täufer das Volk auf Jesu Kommen vorbereitet (Matthäus 3,2). Auch im Buch der Apostelgeschichte ist das die Hauptaussage der ersten Predigt. Petrus hatte den Menschen am Pfingsttag erklärt, dass Jesus zur Vergebung ihrer Sünden gekreuzigt worden war. Darauf fragten ihn die Zuhörer: „Was sollen wir tun?“ Petrus sah sie an und erklärte: „Kehrt um zu Gott!“ (Apostelgeschichte 2,38).

Umkehr oder Buße sind bedeutungsschwere biblische Begriffe, die für eine grundlegende Richtungsänderung im Denken und Leben eines Menschen stehen. Wenn Menschen umkehren, dann hören sie auf, eine bestimmte Richtung zu verfolgen, und schlagen eine neue Richtung ein. Von da an denken sie anders, glauben andere Dinge, fühlen sich anders, lieben und leben anders.

Als Jesus sagte: „Kehrt um!“, sprach er zu Menschen, die in Sünde lebten, gegen Gott rebellierten und alle Hilfe von sich selbst erwarteten. Die Zuhörerschaft von Jesus bestand fast ausschließlich aus Angehörigen des jüdischen Volkes. Sie waren überzeugt, dass ihre Familientradition, ihre soziale Stellung, ihr Wissen über die Gesetze Gottes und ihr Gehorsam diesen Gesetzen gegenüber ausreichen würden, um sie vor Gott gerecht erscheinen zu lassen.

Jesu Appell zur Umkehr hieß für sie, die Sünde aufzugeben und sich nicht mehr auf ihre eigenen religiösen Leistungen zu verlassen. Sie mussten sich von der Sünde und vom Vertrauen auf ihre eigene Gerechtigkeit abwenden und Jesus zuwenden, um gerettet zu werden.