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Was andere an diesem Buch begeistert

Jerrad Lopes schreibt kurzweilig und witzig, aber auch tiefgründig und ermutigend. Ein Buch mit Sprengkraft für alle, die mehr darüber erfahren wollen, wie Mann- und Vater-Sein in göttlicher Ordnung geht.

Konstantin Fritz, 42, Community Pastor Men im ICF München,

Vater von drei Kindern

Ein unterhaltsames Leseerlebnis mit guten geistlichen Impulsen! Auch nach einem vollen Arbeitstag nimmt man es noch gerne in die Hand!

Jonathan Maul, 34, Grafiker, Vater eines Sohnes

Humorvoll, herausfordernd und demütig erzählt Jerrad Lopes Geschichten aus seinem Leben und auch aus der Bibel. Es ist sein tiefes Anliegen, dass wir Väter uns, unsere Ehe und unsere Erziehung auf Jesus fokussieren. Ich wünsche mir so sehr, dass dieses Anliegen bei uns vielbeschäftigen Vätern ankommt. Dieses Buch ist eine super Hilfe dazu!

Nikolai Löwen, 41, Theologe, Buchhalter und Vater von vier Kindern

Aus dem Leben – für das Leben: Jerrad Lopes ist es gelungen, das Vatersein in seiner tiefsten Bedeutung zu erfassen. Väter sind keine Stereotypen, sondern Weltveränderer. Hey Männer, loslesen und losleben!

Moor Jovanovski, 44, Pastor und Coach, Vater von zwei Kindern

„Was nützt die beste Erziehung, wenn dir deine Kinder sowieso alles nachmachen?“ Jerrad Lopes möchte uns Männer in diesem Buch begeistern, mutig Vorbilder im Glauben für unsere Kinder zu sein! Ein sehr herausforderndes, aber zugleich sehr inspirierendes Buch – auch für unsere Rolle als Ehemann und Jesus-Nachfolger. Lopes versteht es, mit kleinen Anekdoten aus dem Alltag den Glauben bewusst erlebbar zu machen! Für Männer jedes Alters ist etwas dabei!

Torben Becker, 45, Versicherungsmakler, Vater von zwei Kindern

Wenn du ein Buch lesen möchtest, das das Potenzial hat, dein Leben für immer zu verändern, dann ist dies das Richtige. Es ist faszinierend und absolut ermutigend. Väter, wir sind zu etwas Größerem berufen!

Jefferson Bethke, 31, Blogger und Bestsellerautor, Vater von drei Kindern

Ehrlich, authentisch und humorvoll erzählt Jerrad Lopes aus seinem Leben und von seinen Herausforderungen und Fehlern. Er spornt Väter an, mutig ihre Rolle als Vorbild für die Familie einzunehmen; aber sagt ihnen, dass sie nicht (von Anfang an) alles richtig machen müssen, sondern lernen dürfen. Eine tolle Ermutigung!

Sonja Yeo, 37, Übersetzerin, Mutter von zwei Kindern

JERRAD LOPES

How to

DAD

Warum du nicht perfekt sein musst,
um deiner Familie
im Glauben voranzugehen

Deutsch von Sonja Yeo

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Die Originalausgabe erschien unter dem Titel: DAD TIRED …

AND LOVING IT

Copyright © 2019 by Jerrad Lopes

Published by Harvest House Publishers

Eugene, Oregon 97408

www.harvesthousepublishers.com

Bibelzitate folgen, wo nicht anders angegeben, dem Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung. Neue Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen.

Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft; Sprüche

© 2015 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart; Genesis u. Exodus

© 2020 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, Brunnen Verlag GmbH, Gießen.

Weitere verwendete Übersetzungen sind wie folgt gekennzeichnet:

NLB – Neues Leben. Die Bibel

© 2002 und 2006 SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten.

Hfa – Übersetzung Hoffnung für alle®, Copyright

© 1983, 1996, 2002 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher

Genehmigung von Fontis – Brunnen Basel.

EÜ – Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift

© 1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart.

Deutsche Ausgabe © 2021 Brunnen Verlag GmbH, Gießen

Lektorat: Konstanze von der Pahlen

Umschlagfoto: Adobe Stock; Shutterstock

Umschlaggestaltung: Jonathan Maul

Satz: DTP Brunnen

ISBN Buch 978-3-7655-2109-6

ISBN E-Book 978-3-7655-7580-8

www.brunnen-verlag.de

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Für meine Frau,

die mir immer wieder zeigt, wie Gottes radikale Gnade
und Liebe hier auf der Erde aussehen.

Für meine Mutter,

die sicher oft sowohl „Mama-müde“ als auch „Papa-müde“ war,
weil sie mich allein großziehen musste.

Für meine Schwiegermutter,

die immer wieder auf meine Kinder aufgepasst hat,
damit ich in Ruhe dieses Buch schreiben konnte.

Und für meine Kinder,

durch die Gott wirkt, um mich ihm ähnlicher zu machen.

Inhalt

Der Handtuch-Junge

Teil 1: Das Reich Gottes um dich herum

1 Farbenblind

2 Auf Wildwasserfahrt

3 Footballtrikots

Teil 2: Das Reich Gottes in dir

4 Das Sirup-Desaster

5 Versteckspiel

6 Eichhörnchenfutter

Teil 3: Das Reich Gottes durch dich

7 Im Wald verlaufen

8 Ein Fall von Vergesslichkeit

9 Auf dem Weg nach Aspen

Danke!

Der Handtuch-Junge

Als ich in der Highschool in der 11. Klasse war, bekam ich meinen allerersten Job in einem Fitnessstudio. Ich muss zugeben, dass es sich als Sechzehnjähriger ziemlich cool anfühlte, meinen gleichaltrigen Freunden zu erzählen, dass ich in einer Muckibude angestellt war. Was dort genau meine Aufgabe war, verschwieg ich allerdings; meine Freunde sollten sich einfach nur vorstellen, dass es etwas ganz Tolles war. Ich erhoffte mir, dass sie sich ausmalten, wie ich Gewichte stemmte und anderen Leuten zeigte, wie sie sich in Bestform bringen konnten.

Die Wahrheit war aber: Ich war ein Handtuch-Junge.

Meine Aufgabe bestand darin, die ekligen, verschwitzten, gebrauchten Handtücher einzusammeln, die überall im Fitnessstudio herumlagen, sie in einen riesigen Behälter zu tun, zu waschen, in den Trockner zu werfen und zusammenzulegen. Später überreichte ich die frischen Handtücher dann den Fitnessstudio-Mitgliedern am Empfangstresen.

Es war alles andere als glamourös. Genau genommen war es meistens total ekelhaft. Den größten Teil meiner Schicht verbrachte ich mit dem Versuch, mich nicht zu übergeben. Dennoch war ich fest entschlossen, meine Freunde davon zu überzeugen, dass ich den besten Job der Welt hatte und – was noch wichtiger war – dass ich ein Fitnessexperte war.

Ich war aber gar kein Fitnessexperte. Ich war ein Handtuch-Junge.

Ich besaß nicht die Fähigkeit, Klub-Mitglieder in Form zu bringen, aber ich konnte ihnen ein sauberes Handtuch reichen.

Manchmal, wenn ich Leuten erzähle, dass ich „Dad Tired“* gegründet habe, wo ich Männer in ihrer Rolle als Vater coache und ermutige, hoffe ich insgeheim, dass sie mich für einen Super-Dad halten. Ich stelle mir dann vor, dass sie mich bewundern und denken, dass ich viel mehr Weisheit habe als irgendjemand anderes in meinem Alter.

Die Wahrheit ist aber: Wenn es um Erziehung geht, bin ich ein Handtuch-Junge.

Während ich an diesem Buch schreibe, habe ich einen siebenjährigen Sohn, eine fünfjährige Tochter und eine weitere Tochter ist unterwegs. Von langjähriger Erfahrung kann also nicht die Rede sein. Und es wäre schwachsinnig, dir vorzugaukeln, ich hätte ein Geheimwissen darüber, wie man ein Super-Dad ist.

Gerade wenn es darum geht, geistlich in der Familie voranzugehen, stolpern du und ich Seite an Seite. Es ist sogar so: Beim Schreiben dieser Einleitung bin ich ziemlich wütend vom Schreibtisch aufgestanden, um meinen Kindern den Marsch zu blasen, die im Vorgarten Unsinn machten. Klingt nicht sehr souverän, oder?

Die Sache ist die: Als junger Vater suche ich gar nicht nach einer magischen Erziehungsformel, die jemand mit viel Erfahrung geschrieben hat. Natürlich werde ich jeden guten Rat befolgen, den ich bekomme. Aber ich weiß auch, dass es keine Abkürzungen oder einfachen Methoden gibt, wie man das perfekte Kind bekommt.

Ich bin nicht auf der Suche nach den neuesten Erziehungstipps. Ich bin auf der Suche nach Jesus. Darum habe ich dieses Buch geschrieben. Ich wollte wissen, was die Bibel darüber zu sagen hat, wie ich meine Familie geistlich gut leiten kann.

Wie viele Leute in meinem Alter bin ich ohne Vater groß geworden. Deshalb hatte ich niemanden, der mir beigebracht hätte, wie man ein guter Papa und Glaubensvorbild ist. Dieses Buch ist voller praktischer Tipps, wie du in deiner Familie geistlich vorangehen kannst, und doch geht es weit über eine Schritt-für-Schritt-Anleitung hinaus. Dieses Buch zielt auf den Kern dieser Tipps ab.

Wenn du Kinder hast, die älter sind als zwei Jahre, kennst du die „Warum“-Phase, in der sie alles hinterfragen. In gewisser Weise bin ich mir nicht sicher, ob ich diese „Warum“-Phase jemals hinter mir gelassen habe. Ich weiß, dass ich für meine Familie im Glauben Vorbild sein soll, aber ich wollte wissen, warum das so ist. Warum hat Gott uns diese Aufgabe übertragen? Und wie sieht geistliche Leiterschaft heutzutage aus?

Ich denke nicht, dass ich qualifiziert bin, dir beizubringen, wie man der perfekte Vater ist. Aber ich bin bereit, dir ein sauberes Handtuch zuzuwerfen. Ich bin bereit, mich auf das Laufband neben dir zu stellen und in dieser „Vorbildsache“ einen Neubeginn zu versuchen.

Ich bin nicht auf der Suche nach den neuesten Erziehungstipps. Ich bin auf der Suche nach Jesus.

Und was am wichtigsten ist: Ich bin bereit, mit dir zusammen dem einen perfekten Vater nachzujagen. Und dabei wollen wir gemeinsam lernen, was es bedeutet, Kinder großzuziehen, die ihm mit Leidenschaft nachfolgen.

Im Grunde ist es mein Gebet, dass du dich am Ende dieses Buches mehr in Jesus verliebt hast und dadurch deiner Frau und deinen Kindern hilfst, es dir gleichzutun.

Ich bin froh, mit dir zusammen unterwegs zu sein. Also, stolpern wir los!

*Wenn du Englisch verstehst, lohnt sich ein Blick auf: dadtired.com. Dort kannst du Teil der Community werden und dir auch meinen Podcast anhören.

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Farbenblind

Warum das Evangelium alles verändert

Ich bin farbenblind.

Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich mir Onlinevideos von farbenblinden Menschen ansehe, die zum ersten Mal für sie angefertigte Spezialbrillen ausprobieren. Falls du noch nichts davon gehört hast: Anscheinend hat jemand Brillen erfunden, die es einem farbenblinden Menschen ermöglichen, die Welt in normalen Farben zu sehen.

In einem dieser Videos überraschte eine Frau ihren Mann mit einer dieser Brillen. Als Zuschauer können wir beobachten, wie er reagiert, als er die Welt zum ersten Mal in Farbe wahrnimmt.

Am Anfang macht er noch einen auf cool. So wie jeder Mann, der etwas auf sich hält, tut er so, als ob ihn das alles nicht besonders beeindrucken würde. Dann hört man seine Frau hinter der Kamera sagen: „Schau dir die Augen deiner Kinder an.“ Ab diesem Moment wendet sich das Blatt. Als er zu seiner Tochter heruntersieht, kann er nicht mehr an sich halten. Er kämpft mit den Tränen, als er zum ersten Mal die wunderschöne Augenfarbe seiner Tochter sieht. Er wurde farbenblind geboren. Jetzt kann er zum ersten Mal in seinem Leben entdecken, wie die Welt um ihn herum wirklich aussieht.

Einmal hat Leila, meine Frau, mich am örtlichen College zu einer Studie für Farbenblinde angemeldet. Sie hatte die Hoffnung, dass wir auch so ein ähnliches Video hinkriegen. Ich verbrachte Stunden in einem Labor, wo ich durch alle möglichen Tests fiel, die meine Farbenblindheit bestätigten. Ich probierte eine Brille nach der anderen aus, aber ohne Erfolg. Leila stand mit ihrer Kamera daneben und filmte alles. Doch nichts passierte. Es gab keine einzige Brille, die meine Farbenblindheit korrigieren konnte.

Bis heute kann ich die Welt nicht so sehen, wie sie ist.

Manchmal denke ich, dass niemand von uns die Welt so sehen kann, wie sie ist. Eines der schockierendsten Dinge auf dieser Welt ist, dass uns nichts mehr so richtig schockieren kann. Denk mal darüber nach: Welchen Nachrichtenbeitrag müsstest du hören, um ernsthaft überrascht oder schockiert zu sein? Wenn ich die Nachrichten einschalte oder durch die News-App auf meinem Handy scrolle, wird dort von einer Horrorgeschichte nach der anderen berichtet. Aber um ehrlich zu sein, bin ich gar nicht mehr entsetzt darüber. Wir haben schon so viele schreckliche Geschichten gehört, dass wir sie mittlerweile normal finden. Sogar etwas so Furchtbares wie ein Amoklauf an einer Schule überrascht uns nicht mehr. Wir rechnen schon fast damit. Zerbrochenheit, Bosheit, Tragödien und Schmerz sind unsere neue Normalität geworden.

Manchmal denke ich, dass niemand von uns die Welt so sehen kann, wie sie ist.

Dabei ist das alles andere als normal.

So sollten die Dinge eigentlich nicht sein.

Wo alles begann

Meine Kinder lieben den Bericht über die Schöpfung und über den Beginn der Menschheit aus 1. Mose. Wir lesen ihn jede Woche. Sie sind fasziniert von der Vorstellung, dass Gott aus nichts etwas machen kann. Besonders toll finden sie den Abschnitt, in dem Gott mit den Menschen im Garten spazieren geht. Und natürlich kichern sie jedes Mal, wenn sie hören, dass Adam und Eva nackt waren und sich nicht schämten.

Schon die allerersten Worte, die wir von Satan lesen, sind eine Lüge.

„Genau so sollte es sein!“, erkläre ich ihnen dann regelmäßig.

Ich versuche meinen Kindern immer beizubringen, dass es nicht normal ist, sich zu schämen. Es ist nicht normal, sich vor Gott zu verstecken. Es ist nicht normal, sich weit weg von Gott zu fühlen. Ja, diese Dinge beschreiben das, was wir als normal ansehen. So fühlen wir uns vielleicht häufig, aber so sollte es nicht sein.

„Normal“ hält im 1. Buch Mose und in der Geschichte der Menschheit etwa drei Kapitel lang an, bevor der Bericht eine schreckliche Wendung nimmt. Satan, verkleidet als Schlange, stellt Adam und Eva eine interessante Frage: „Hat Gott wirklich gesagt, dass ihr von keinem Baum im Garten essen dürft?“ (1. Mose 3,1).

Schon die allerersten Worte, die wir von Satan lesen, sind eine Lüge.

Gott hatte nämlich gar nicht gesagt, dass sie von keinem Baum essen dürfen. Im Gegenteil: Gott hatte Adam und Eva erlaubt, von jedem Baum im Garten zu essen, außer von einem – dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.

Satan hat von Anfang an Lügen über Gott verbreitet und er tut es noch immer. Aber er versuchte Adam und Eva nicht wirklich mit einem Stück Obst. Immerhin befanden sie sich im herrlichsten und üppigsten Garten der Weltgeschichte. Um sie herum mangelte es nicht an guten Früchten. Satan brachte sie nicht mit einem Stück Obst in Versuchung – er lockte sie mit dem Versprechen, Erfüllung außerhalb von Gott zu finden.

Satans Ziel war es, Adam und Eva davon zu überzeugen, dass Gott ihnen etwas vorenthielt. Dass es außerhalb von Gottes Plan etwas Besseres und Erfüllenderes gab. Und sie fielen darauf herein.

Bis heute versucht der Satan dich und mich mit derselben Lüge. Er pflanzt uns noch immer diese verführerischen Fragen in den Kopf: „Wie würde das Leben ohne Gott wohl aussehen? Vielleicht gibt es etwas Besseres für mich, etwas Erfüllenderes als Gott allein?“

Seine Taktik ist extrem effektiv, aber sie ist nicht neu. Er hatte von Anfang an ein einziges Ziel: Menschen davon zu überzeugen, dass das Leben am besten außerhalb von Gottes Plan und auf andere Weise gelebt wird, als ursprünglich von ihm vorgesehen.

Nach nur drei Kapiteln der Bibel wenden sich die Dinge drastisch zum Schlechten. Was bis dahin normal war, wird ganz und gar unnormal. Bis dahin war es normal, mit Gott spazieren zu gehen. Jetzt besteht die neue Normalität darin, vor Gott wegzulaufen und sich vor ihm zu verstecken. Bis dahin war es normal, mit Gott und anderen Menschen ohne Spannungen und Schamgefühl in Beziehung zu sein. Jetzt ist es normal, Spannungen zu ertragen und zu erleben, wie Beziehungen in die Brüche gehen.

Bis dahin war es normal, mit Gott spazieren zu gehen. Jetzt besteht die neue Normalität darin, vor Gott wegzulaufen und sich vor ihm zu verstecken.

Alles, was normal war, alles, was genau so war, wie Gott es sich gedacht hatte, wurde auf den Kopf gestellt. Wäre er so wie wir, hätte er uns sitzen lassen. Er entwarf eine Welt, in der wir mit ihm und miteinander aufblühen konnten. Eine Welt ohne Tod, ohne Tränen, ohne Scham und ohne Schmerz. Sie war perfekt. Und wir – in unserem Wunsch, Erfüllung außerhalb von Gott zu finden – begaben uns aus dem Schutz seiner guten Idee hinaus. Es war unsere Wahl, nicht seine. Er hätte weggehen können – und vielleicht hätte er es tun sollen.

Aber er ist nicht gegangen.

Wäre die Bibel neu für mich und würde ich diese Geschichte zum ersten Mal hören, würde ich vermuten, dass in den nächsten Kapiteln beschrieben wird, wie Gott einen Wutanfall bekommt. Alles, was er so perfekt erschaffen hatte, ist gerade zerstört worden, und es wäre doch normal, wenn er darauf wirklich verärgert reagieren würde – vielleicht sogar die Menschen vernichten würde, die er gerade erschaffen hat. Ich wäre nicht überrascht, wenn ich dort etwas von Blitzen und Zorn lesen würde. Er hatte das Recht und allen Grund, wütend zu sein.

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Aber weißt du, was Gott am wahrscheinlich schlimmsten Tag der Menschheitsgeschichte tut?

Er geht spazieren (siehe 1. Mose 3,8). Das muss man erst mal kapieren: Am schlimmsten Tag der Weltgeschichte stampft Gott nicht herum wie ein Kleinkind, dem gerade das Tablet weggenommen wurde. Stattdessen können wir ihn beim Spaziergang im Garten beobachten.

Weißt du, was Gott am wahrscheinlich schlimmsten Tag der Menschheitsgeschichte tat? Er ging spazieren.

Anstatt vor dem Chaos wegzurennen oder sich lautstark zu beschweren, sehen wir den Gott des Universums in seiner Schöpfung herumlaufen und nach den Menschen suchen. Schon auf den allerersten Seiten der Bibel erfahren wir, dass er keine Angst hat, kaputten und chaotischen Menschen nah zu sein.

Versteh mich nicht falsch – Gott ist auf jeden Fall wütend. Wie hätte er es nicht sein können? Er hat alles erschaffen und weiß, wie es am besten funktioniert, und doch muss er zusehen, wie seine Geschöpfe alles kaputt machen.

Ich habe einmal eine ganze Woche damit zugebracht, ein Holzspielhaus für meine Kinder zu bauen. Und was taten sie damit? Sie nahmen es komplett auseinander, weil sie es lustiger fanden zu beobachten, wie das Holz im Gartenpool herumschwimmt. Es ist frustrierend, wenn jemand etwas kaputt macht, an dem man so lange gearbeitet hat.

Aber trotz all der Konsequenzen für unser Handeln, die wir seitdem tragen müssen, gibt es einen Hoffnungsschimmer. Anstatt zu verschwinden und alles zu zerstören, verspricht unser guter Vater uns, alles wieder so zu machen, wie er sich es ursprünglich erdacht hatte. Im Wesentlichen sagt Gott: „Mach dir keine Sorgen, ich bring das wieder in Ordnung.“

Eine neue Normalität

Spulen wir mal Tausende von Jahren weiter. Da ist es schwer, in der Bibel jemanden zu finden, der sich noch daran erinnert, wie normal es war, mit Gott im Garten spazieren zu gehen. Was früher normal war, scheint jetzt unnormal zu sein. Und was früher unnormal war, scheint normal zu sein.

Krankheit und Tod waren nicht normal. Jetzt wird jeder Mensch krank und stirbt irgendwann. Mord gab es nicht. Jetzt findet man im Alten Testament keine Geschichte, in der nicht nach mehr als drei Seiten ein Mord geschieht. Ehebruch war unbekannt. Jetzt ist Treue eine seltene Eigenschaft. Zerbrochenheit, Schlechtes und Boshaftigkeit sind zur neuen Normalität geworden.

Das Markusevangelium berichtet davon, wie Jesus einen gelähmten Mann heilt. Die Freunde des Mannes sind voller Glauben und wollen ihn um jeden Preis zu Jesus bringen, damit er ihren Freund gesund macht. Leider ist der Raum so überfüllt, dass sie das Dach des Hauses abdecken müssen, um ihren Freund nach unten zu lassen. Das nenne ich Einsatz!

Der Mann hängt also da und Jesus sieht ihn an und sagt: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!“ (Markus 2,5). Interessant, oder? Der Mann wollte von Jesus ja nicht seine Sünden vergeben bekommen, sondern dass seine Beine geheilt werden. Jesus wusste immer, was das eigentliche und tiefer liegende Problem war, und sprach es auch an.

In Gottes Reich gibt es nur Gnade.

Dass Jesus über Sündenvergebung redete, verärgerte die religiösen Leiter. Sie wussten, dass nur Gott Sünden vergeben konnte. Darum war diese vollmächtige Aussage von Jesus die bedeutendste und mutigste überhaupt. Sie sollte am Ende zu seinem Tod führen.

Und so geht die Geschichte weiter:

„Wie kann dieser Mensch es wagen, so etwas zu sagen?“, dachten sie. „Das ist ja Gotteslästerung! Niemand kann Sünden vergeben außer Gott.“

Jesus hatte in seinem Geist sofort erkannt, was in ihnen vorging. „Warum gebt ihr solchen Gedanken Raum in euren Herzen?“, fragte er sie. „Was ist leichter – zu dem Gelähmten zu sagen: ‚Deine Sünden sind dir vergeben‘ oder: ‚Steh auf, nimm deine Matte und geh umher!‘? Doch ihr sollt wissen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben.“

Und er wandte sich zu dem Gelähmten und sagte: „Ich befehle dir: Steh auf, nimm deine Matte und geh nach Hause!“

Da stand der Mann auf, nahm seine Matte und ging vor den Augen der ganzen Menge hinaus. Alle waren außer sich vor Staunen; sie priesen Gott und sagten: „So etwas haben wir noch nie erlebt.“

Markus 2,7-12

„Alle waren außer sich vor Staunen“, berichtet Markus. Und auch im restlichen Evangelium findet man Menschen, die sich darüber wundern, wie Jesus gesprochen, gelehrt und geheilt hat.

Sie staunten, weil es für sie nicht normal war, radikale Gnade, endlose Vergebung oder körperliche Heilung zu erleben. So etwas hatten sie noch nie gesehen! Aber für Jesus ist genau das das normale Leben. In seinem Reich gibt es keine Krankheit und keinen Tod. In seinem Reich gibt es nur Gnade.

Jesus war nicht unnormal; stattdessen zeigte er den Menschen, was eigentlich normal ist.

Jesus war nicht unnormal; stattdessen zeigte er den Menschen, was eigentlich normal ist. Er erinnerte sie daran, wie er die Dinge erschaffen hatte, bevor die Menschen sich aus dem Schutz seiner guten Idee hinausbegaben. Jesus gab ihnen eine Spezialbrille für Farbenblinde und zeigte ihnen, wie die Welt eigentlich aussehen sollte. Er öffnete ihnen die Augen wieder für das normale Leben.

Dein Reich komme

Als Kind dachte ich, beim Christsein gehe es darum, in den Himmel zu gelangen – oder genauer gesagt, nicht in die Hölle zu kommen. Ich erinnere mich, wie ich eines Tages im Gottesdienst saß und der Pastor eine lange Predigt über die Qualen der Hölle hielt. Er sagte, man könne vor der Hölle errettet werden, indem man ihm einfach ein Gebet nachsprach. Natürlich wiederholte ich das Gebet. So wie das auch jeder andere logisch denkende Mensch getan hätte, der nicht für alle Ewigkeit in einem Feuer verbrannt werden möchte.

Als ich an diesem Abend nach Hause kam, war ich sehr nervös, weil ich befürchtete, mein Gebet sei vielleicht zu oberflächlich gewesen. Also betete ich noch einmal, um Gott wissen zu lassen, dass ich es wirklich ernst meinte. In den darauffolgenden Jahren sprach ich dieses Gebet noch etwa zehntausend Mal. Ich machte mir ständig Sorgen, dass ich beim Beten nicht aufrichtig genug war oder dass Gott vielleicht vergessen hatte, dass ich wirklich nicht in die Hölle kommen wollte.

Später fand ich heraus, dass Jesus niemanden aufgefordert hatte, ihm ein Gebet nachzusprechen, um in den Himmel zu kommen. Die Bibel sagt nirgends, der Schlüssel zur Erlösung bestehe darin, ein Gebet zu wiederholen, bei dem man Jesus in sein Herz aufnimmt. Jesus macht den Menschen auch keine Angst vor der Hölle, um sie so in den Himmel zu bekommen.

In Matthäus 6 bringt Jesus seinen Jüngern bei, wie man betet:

Ihr sollt so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe auf der Erde, wie er im Himmel geschieht. Gib uns heute unser tägliches Brot. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir denen vergeben haben, die an uns schuldig wurden. Und lass uns nicht in Versuchung geraten, sondern errette uns vor dem Bösen.

Matthäus 6,9-13

Das musst du dir mal reinziehen! Im zweiten Satz sagte Jesus seinen Jüngern: „Betet, dass Gottes Reich und sein Wille auf der Erde so sichtbar werden, wie es im Himmel der Fall ist.“ Jesus sagte nicht: „Bittet Gott darum, dass dieses Leben so schnell wie möglich vorbeigeht, damit ihr eines Tages erleben könnt, wie es im Himmel ist.“ Nein. Stattdessen forderte er sie auf, zu beten, dass der Himmel hier auf die Erde kommt. Jesus zeigte seinen Jüngern, dass es beim Himmel nicht nur um Zukünftiges geht. Der Himmel ist auch im Hier und Jetzt wichtig.

Jesus nachzufolgen, bedeutet, dass wir miterleben dürfen, wie der Himmel schon heute auf die Erde kommt.

Wenn Jesus radikale Vergebung predigt und die Kranken heilt, gibt er der Welt einen Einblick in den Himmel. Er bringt Eigenschaften des Himmels und Gottes Willen zu uns auf die Erde. Und das Verrückte ist: Er sagt seinen Jüngern, dass sie genau dafür beten sollen.

Jesus nachzufolgen, bedeutet nicht nur, dass wir nicht in die Hölle kommen. Es bedeutet, dass wir miterleben dürfen, wie der Himmel schon heute auf die Erde kommt.

Worum es wirklich geht

Wahrscheinlich liest du dieses Buch, weil du auf der Suche nach praktischen Erziehungstipps bist. Aber wenn wir nicht wissen, worum es wirklich geht, werden wir einfach nur versuchen, moralisch gute Erwachsene zu sein, die versuchen, moralisch gute Kinder zu erziehen. Doch darum geht es Gott gar nicht.

Gott will dir zeigen, worum es ihm inmitten deines hektischen Alltags im Job und zu Hause wirklich geht: Er hält das Versprechen, das er auf den ersten Seiten der Bibel gegeben hat. Er stellt alles wieder so her, wie es einmal war. Er verwandelt das Unnormale in unserem Herzen und Leben wieder in etwas Normales. Das ist Gottes Plan für dich. Nichts ist ihm wichtiger, als das Zerbrochene in uns neu zu machen. Und was total verrückt ist: Du darfst ihm dabei helfen, dass auch deine Kinder genau das erleben.

Gott wusste schon vor der Erschaffung der Welt, was passieren würde. Er wusste, dass wir uns aus dem Schutz seiner guten Pläne und Ideen hinausbegeben und deswegen in einer kaputten Welt leben würden. Er wusste, dass er Tausende von Jahren darum kämpfen würde, unser Herz zurückzuerobern. Und er wusste, dass er das Herz deiner Kinder mit dir zusammen zurückerobern will.

Gott will nicht, dass du einfach nur moralisch korrekte Kinder erziehst. Er will, dass ihre Herzen tief in seinem Herzen und seiner Liebe verwurzelt sind. Er weiß, was er tut. Und mitten in den Herausforderungen deines Lebens will er dich an dieser Aufgabe teilhaben lassen.

Das ist die gute Nachricht, das Evangelium von Jesus Christus: Gott hat uns nicht sitzen lassen. Er hat uns stattdessen versprochen, alles Kaputte wieder heil zu machen.

Gott will nicht, dass du moralisch korrekte Kinder erziehst. Er will, dass ihre Herzen tief in seiner Liebe verwurzelt sind.

Gott will das Kaputte in deinem Herzen reparieren. Er will deinen Schmerz, deine Zerbrochenheit, deine Vergangenheit und deine Schwächen auf sich nehmen und dir im Austausch ein neues Leben geben. Gott bemüht sich unermüdlich darum, dein Herz zu erobern und alles wieder so zu machen, wie es einmal war. Allein die Tatsache, dass du dieses Buch und diese Worte liest, beweist, dass Gott immer noch um dein Herz kämpft. Er wird nicht damit aufhören, bis alles wieder so ist, wie es früher einmal war.

Doch jetzt sieht es oft noch so aus, dass wir als müde Väter einfach nur den Tag überleben wollen. Ich habe schon oft abends im Bett gelegen und darüber nachgedacht, was ich als Vater eigentlich erreicht habe. Nicht selten habe ich dann das Gefühl, dass ich die meiste Zeit über Sachen sage wie: „Nein!“ oder: „Nicht anfassen!“ oder: „Jetzt nicht.“ Wenn ich mir mein Leben und meinen Erziehungsstil genauer anschaue, bin ich oft entmutigt. Ich könnte mir vorstellen, dass es dir als Vater auch schon so gegangen ist.

Und doch bin ich davon überzeugt: Wenn man mit Jesus lebt, kann es beim Vatersein um mehr gehen als nur ums nackte Überleben. Ja, der alltägliche Wahnsinn von vollen Windeln, schwierigen Kollegen und sich auftürmenden Geschirrbergen ist real. Wir können uns sogar darin verlieren. Doch dann verlieren wir auch den Blick auf das, worum es Gott bei seinem Erlösungswerk tatsächlich geht. Dann vergessen wir, dass Gott unermüdlich an dem arbeitet, was in unseren Herzen kaputt ist, und dass er uns dazu ausrüstet, genau das auch unseren Kindern weiterzugeben.

Wenn du nicht verstehst, worum es Gott eigentlich geht, dann wird der Rest dieses Buches für dich keinen Sinn ergeben. Doch wenn du durch dieses Buch nur eins verstehst – nämlich worum es beim Evangelium wirklich geht und was Gott in dieser Welt tut –, dann hat es sich schon gelohnt.

Wenn man mit Jesus lebt, kann es beim Vatersein um mehr gehen als nur ums nackte Überleben.

Und klar, ich verstehe: Du bist Vater und du bist müde – ich bin auch müde. Aber lass uns nicht vergessen, worum es wirklich geht und dass Gott uns in seine Geschichte mit einbezieht. Ich bete für dich und für mich, dass die folgenden Worte von Paulus eines Tages auch auf uns zutreffen werden:

„Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe das Ziel des Laufes erreicht, ich habe am Glauben festgehalten“ (2. Timotheus 4,7).

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Auf Wildwasserfahrt

Wie deine Ehe deine Kinder auf das Evangelium hinweist

Im Sommer vor meinem Highschool-Abschluss wollten ein paar Schulfreunde und ich der qualvollen Hitze Kaliforniens entgehen. Und so beschlossen wir, mit dem Kajak den American River hinunterzufahren. Ich liebe alles, was mit Wasser zu tun hat! Als wir ablegten, trug ich nichts weiter als Badeshorts und ein paar alte Flip-Flops. Wir quetschten uns zu fünft in ein Schlauchboot und mein Freund John stieg in seinen aufblasbaren Kajak. Wir verbrachten den Tag damit, uns langsam den Fluss hinuntertreiben zu lassen. Dabei redeten wir – wie typische Highschool-Jungs – dummes Zeug und machten jede Menge peinliche Witze.