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JACK ALEXANDER

Vorwort von Timothy Keller

Mehr als genug

Frei von der Angst, zu kurz zu kommen

Deutsch von Anja Findeisen-MacKenzie

Copyright 2017 by Jack C. Alexander

Originally published in English under the title The God Guarantee

by Baker Books, a division of Baker Publishing Group, Grand Rapids, Michigan, 49516, U. S. A.

All rights reserved.

Titel der englischen Originalausgabe: The God Guarantee

Bibelzitate aus dem Neuen Testament, den Psalmen und den Sprüchen folgen, wo nicht anders angegeben:

Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen.

Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft. Wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten.

Und: Neue Genfer Übersetzung. Die Sprüche, © 2015 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Die sonstigen alttestamentlichen Bibelzitate folgen, wo nicht anders angegeben, der Übersetzung:

Hoffnung für alle®, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica, Inc.®.

Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis.

Ferner wurden verwendet und sind wie folgt gekennzeichnet:

L – Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Hfa – Hoffnung für alle®, Copyright wie oben.

Zürcher Bibel (ohne Abk.) © 2007 Zürcher Bibel / Theologischer Verlag Zürich

© 2019 Brunnen Verlag Gießen

Lektorat: Konstanze von der Pahlen

Umschlagfoto: Shutterstock

Umschlaggestaltung: Jonathan Maul

Satz: DTP Brunnen

Druck: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN Buch 978-3-7655-1303-9

ISBN E-Book 978-3-7655-7524-2

www.brunnen-verlag.de

Stimmen zum Buch

Jack Alexander ist nicht nur ein erfolgreicher Geschäftsmann, sondern auch einer der scharfsinnigsten Bibelkenner, die ich kenne. Manche Bücher bestärken mich in dem, was ich schon weiß; andere bringen die Dinge besser auf den Punkt als irgendjemand sonst. Doch nur großartige Bücher schaffen es, dass sich in meinem Geist ein Paradigmenwechsel vollzieht: Plötzlich sehe ich das Leben, Gott und mich selbst wie nie zuvor! „Mehr als genug“ ist so ein Buch. Ich kann es nur ausdrücklich empfehlen!

Chip Ingram,
Pastor und Autor

Jack Alexander führt uns hinein in tiefe, radikale Gedanken über unser Leben in Gottes Welt. Ich halte seinen theologischen Feinsinn sowohl für klug als auch verlässlich und ich bin sehr dankbar für seine Ausführungen.

Walter Brueggemann,
Theologieprofessor und Autor

„Mehr als genug“ legt präzise das biblische Verständnis von Wohlstand und Mangel dar. Sie werden dieses Buch immer und immer wieder lesen wollen.

Michael Youssef, Pastor,
Autor und Leiter von „Leading the Way“

Allzu oft gründen wir unsere Sicherheit mehr auf unsere eigenen Bemühungen und gehorteten Reichtümer als auf Gottes wiederholtes Versprechen, für seine Kinder zu sorgen. Jack Alexander führt uns aufschlussreich vor Augen, dass wahre Sicherheit nur im Kennen von Gott und im Glauben an ihn zu finden ist.

Jim Daly,
Vorsitzender von „Focus on the Family“ und Autor

Für Lisa –

meine liebevolle Frau,

ein Vorbild in unbegrenzter Großzügigkeit

Für Randy Pope –

meinen treuen Pastor, Mentor und Freund

Inhalt

Stimmen zum Buch

Vorwort

Einführung
Auf der Suche nach „genug“

Teil 1
Möglichkeiten entdecken

Kapitel 1
Das Land der Möglichkeiten

Kapitel 2
Die Zeit der Aussaat

Teil 2
Sich Gott zur Verfügung stellen

Kapitel 3
Eine unsichtbare Hand

Kapitel 4
Ein annehmbares Opfer

Teil 3
Herausforderungen bestehen

Kapitel 5
Die Wüste und der Marktplatz

Kapitel 6
Die Wüste und ich

Teil 4
Gemeinschaft leben

Kapitel 7
Im richtigen Orbit?

Kapitel 8
Füreinander da sein

Zum Schluss
Das Geheimnis eines erfüllten Lebens

Quellenangaben

Vorwort

Das Buch von Jack Alexander, das Sie in Händen halten, passt nicht so recht in die heute üblichen Kategorien christlicher Literatur.

Es ist kein Buch zur Selbsthilfe. Ja, es übt sogar Kritik an all jenen Büchern, die uns ein großartiges Leben versprechen. Stattdessen sollen wir uns eher darauf gefasst machen, dass die Dinge manchmal schiefgehen, dass wir Zerbruch erleiden, dass unser Leben auseinanderfällt. Jedoch liegt in all dem ein zutiefst biblischer, hoffnungsvoller Realismus: Es wird Schwierigkeiten geben, aber unser Leid kann uns in etwas Wunderbares verwandeln (siehe 2. Korinther 4,17). Jack Alexander zeigt uns, dass nur im Schmelzofen des Leids aus unserem Erz Gold oder aus unserer Kohle Diamanten werden können.

Das Buch beschäftigt sich nicht auf herkömmliche Weise mit der Frage, wie wir mit unserem Besitz umgehen sollen. Es liefert uns nicht alle möglichen Gründe, warum, wie und wie viel wir spenden sollen. Das ist zwar ein wichtiges Thema, aber Jack Alexander gräbt noch tiefer – und er setzt viel früher an, nämlich bei dem, was unsere Motivation bestimmt. Er hat erkannt, dass die meisten Menschen ihre Ressourcen wegschließen, sie kaum mit anderen teilen, obwohl es dafür vernünftige biblische und praktische Gründe gäbe. Großzügig zu sein, fällt ihnen so schwer, weil sie eine ganz bestimmte Herzenseinstellung haben. Welche ist das?

Die Ursache für unseren Mangel an Freigiebigkeit ist weder Geiz noch Habgier, sondern Furcht. Das Horten von Ressourcen ist oftmals die Strategie, mit der wir unsere eigene Welt kontrollieren und für uns selbst sorgen wollen, weil wir befürchten, Gott nicht vertrauen zu können. Darum sehen wir auch nicht die Möglichkeiten, Gutes zu tun, die in so vielen Situationen verborgen sind. Wir lassen uns vom Leid niederdrücken, anstatt daran zu wachsen.

Und wir sind so wenig großzügig mit uns selbst und mit unserem Besitz. In der westlichen Welt wimmelt es von Leuten, die einen komfortablen Wohlstand genießen und dennoch den Eindruck haben, nicht genug zu besitzen. Sie lassen sich von einem alles durchdringenden Gefühl der Ressourcenknappheit und der Unsicherheit bestimmen.

Jack Alexander spricht dieses Problem offen an, um den Weg frei zu machen für ein Leben, das von Visionen, nachhaltigem Handeln, Freude und Großzügigkeit geprägt ist. Das gelingt ihm aufgrund von zwei wichtigen Einsichten.

Erstens zeigt er auf, dass Furcht im Grunde etwas Egoistisches ist. Wenn wir uns fürchten, merken wir nicht, dass wir auf uns selbst ausgerichtet sind. Doch in 1. Johannes 4,18 heißt es, dass das Gegenteil von Liebe nicht Hass ist, sondern Furcht. Denn die Liebe lässt uns an andere denken, während die Furcht uns vor allem an uns selbst denken lässt. Liebe macht uns immer verwundbar. Die Furcht sperrt sich gegen diese Verwundbarkeit und ernennt den Selbstschutz zur höchsten Priorität.

Um großzügiger zu werden, müssen wir daher zuerst diese selbstsüchtige Furcht loswerden, die uns davon abhält, Gott zu vertrauen und andere Menschen zu lieben.

Zweitens legt Jack Alexander dar, dass das Praktizieren biblischer Großzügigkeit der Schlüssel zu unserer eigenen Versorgung ist. Gott macht uns deutlich, dass er in und durch unsere Beziehungen für uns sorgt – erst durch die Beziehung zu ihm, dann durch die zu anderen Menschen.

Wie ein roter Faden zieht sich das Wunder der Brot- und Fischvermehrung, das Jesus vollbracht hat, durch das ganze Buch. Der Autor gebraucht es als Illustration für die Art und Weise, wie Gott für uns sorgt. Diesen Hauptgedanken möchte ich gern mit dem Hinweis auf einen weiteren Bibeltext unterstreichen, in dem es um das wichtige Thema geht, wie Christen von dem Geist des Mangels und der Furcht zum Geist der Fülle und der Fürsorge gelangen können.

In Apostelgeschichte 4 lesen wir von einer Gemeinschaft, in der das großzügige Teilen wirtschaftlicher Güter zutiefst verwurzelt war:

Die ganze Schar derer, die an Jesus glaubten, hielt fest zusammen; alle waren ein Herz und eine Seele. Nicht ein Einziger betrachtete irgendetwas von dem, was ihm gehörte, als sein persönliches Eigentum; vielmehr teilten sie alles miteinander, was sie besaßen. Vollmächtig und kraftvoll bezeugten die Apostel, dass Jesus der auferstandene Herr ist. Und die ganze Gemeinde erlebte Gottes Gnade in reichem Maß. Es gab unter ihnen auch niemand, der Not leiden musste. Denn wenn die Bedürfnisse es erforderten, verkauften diejenigen, die ein Grundstück oder ein Haus besaßen, ihren Besitz und stellten den Erlös der Gemeinde zur Verfügung (Apostelgeschichte 4,32-35).

Es war auch eine Gemeinschaft, in der „alle mit dem Heiligen Geist erfüllt“ waren und die Botschaft Gottes „frei und unerschrocken“ verkündeten (Vers 31). Hier erfahren wir, dass Unerschrockenheit ein grundlegendes Kennzeichen eines geisterfüllten Lebens ist.

Warum ist das so? In Römer 8,15-16 heißt es, dass der Heilige Geist dem Geist der Furcht entgegenwirkt. Wenn also der Heilige Geist das Gegenteil von Furcht bringt, dann ist natürlich die Furchtlosigkeit das Kennzeichen eines vom Heiligen Geist erfüllten Menschen.

Aber wie genau macht der Heilige Geist uns furchtlos? Laut dem Text aus dem Römerbrief schenkt uns der Heilige Geist die Gewissheit, dass wir Kinder Gottes sind. (Auf dieselbe Weise bevollmächtigte der Heilige Geist auch Jesus bei seiner Taufe, indem er ihm versicherte: „Dies ist mein geliebter Sohn. An ihm habe ich Freude“ [Matthäus 17,5].) Das ist also das Wesen der geistlichen Kühnheit: eine tiefe Gewissheit durch Christus, dass der Vater im Himmel uns persönlich liebt.

Der Text aus der Apostelgeschichte verdeutlicht, dass diese Gewissheit der Liebe Gottes nicht nur unsere Worte, sondern auch unsere Taten beeinflusst. Ein Lebensstil der radikalen Hingabe an Gott und des radikalen Teilens unserer Ressourcen, so sieht es der Apostel Lukas, entspringt aus einem Herzen, das durch die Erfüllung mit dem Heiligen Geist verändert wurde.

Doch was ist, wenn uns diese Gewissheit fehlt? Nehmen wir die finanzielle Großzügigkeit als Beispiel. Die meisten Menschen sind weit davon entfernt, die biblische Richtlinie des Gebens zu erfüllen (10 Prozent unseres Einkommens oder der „Zehnte“; siehe Maleachi 3,8-10; Lukas 11,42). Warum? Geben heißt, dass wir für den Fall einer Krise weniger zur Seite gelegt haben – es ist also ein Problem unseres Sicherheitsdenkens. Geben kann auch bedeuten, dass die Menschen, denen ich etwas anvertraue, dies missbrauchen – das ist ein Problem der mangelnden Kontrolle. Geben bedeutet außerdem, dass ich mich selbst nicht mehr so wohlhabend und abgesichert fühle – eine Frage des Selbstwertgefühls. Und die Wurzel all dieser Probleme sind Furcht und mangelndes Vertrauen.

Doch die Realität der rettenden Liebe Gottes, über die der Heilige Geist uns Gewissheit schenkt, verändert diese Furcht. Wir erkennen, dass Gott sich viel mehr uns zugute einsetzt, als wir es geahnt haben. Schauen wir doch auf das, was er durch Jesus getan hat! Dann sehen wir, dass wir Gott vertrauen können. Jesus ist für uns nun kostbarer als alles andere (1. Petrus 2,7). Wenn wir ihn haben, dann halten wir selbst Diamanten für überflüssig.

Dieses Buch ist also keines zur Selbsthilfe, obwohl Jack Alexander uns daran erinnert, dass wir Verantwortung haben und durchaus etwas dazu beitragen können, das Gefühl des Mangels zu überwinden. Gott gebraucht unsere Großzügigkeit in unseren Beziehungen, um für andere zu sorgen – und auch für uns.

Das ist kein Buch über unseren Umgang mit Finanzen, aber es ist meiner Meinung nach hervorragend als Grundlage für alle weiterführenden Gedanken zu diesem Thema geeignet. Jack Alexander weiß, dass die Frage: „Werde ich genug haben?“ immer vor der Frage kommt: „Warum soll ich etwas geben, was und wie viel?“ Der wahrscheinlich größte Dienst, den dieses Buch der christlichen Gemeinde erweist, besteht darin, dass es diese erste Frage auf überzeugende Weise beantwortet, sodass alle nachfolgenden Fragen in Freiheit und mit Freude beantwortet werden können.

Und noch etwas gibt es über dieses aufschlussreiche, hilfreiche Werk zu sagen: Es ist zwar kein Andachtsbuch, aber es bewirkt trotzdem, dass wir unseren Schöpfer tiefer verstehen und ihn anbeten.

Dr. Timothy Keller
Bestsellerautor und Vorsitzender der
Organisation „Redeemer City to City“

Einführung

Auf der Suche nach „genug“

Jaden Hayes hatte eine schwere Kindheit. Sein Vater starb, als er vier Jahre alt war. Nur zwei Jahre später fand er die Leiche seiner Mutter, die im Schlaf gestorben war.

Der Sechsjährige überstand die beiden Beerdigungen mit erstaunlicher Gefasstheit und lebte fortan bei seiner Tante. Mehrere Medien berichteten, dass er zu seiner Tante gesagt habe, er habe „all die traurigen Gesichter satt“. Er wollte wissen, wie man Menschen wieder glücklich machen kann. Die Tante antwortete, die beste Methode, jemanden zum Lächeln zu bringen, sei, ihm mit einem Lächeln zu begegnen.

Und so begann Jaden nur wenige Wochen nach dem Tod seiner Mutter mit dem „Lächel-Experiment“, wie es später genannt wurde. Dazu fuhr er mit seiner Tante in die Stadt Savannah, die in der Nähe ihres Wohnortes im US-Bundesstaat Georgia liegt. Dort gingen sie auf Leute zu, die traurig oder ernst aussahen. Jaden lächelte sie an und schenkte ihnen ein kleines Spielzeug, um seine Erfolgschancen noch zu erhöhen.

„Es war, als ob die reine Freude aus diesem Kind strömte“, erzählte seine Tante. „Und je mehr Leute er zum Lächeln brachte, desto heller schien dieses Licht.“1

Vor gut einem Jahr hörte ich zum ersten Mal von Jaden und seinem Experiment. Es treibt mir noch heute jedes Mal die Tränen in die Augen, wenn ich darüber nachdenke. Und ich war nicht der Einzige, den dieser Bericht berührte. Landesweit griffen die Medien Jadens Geschichte auf. Wildfremde Menschen schickten Jaden Geschenke und Fotos, auf denen sie selber lächelten.

Was war an Jadens Geschichte so besonders, dass sie eine landesweite Bewegung auslöste? Ich glaube, sie hat die Leute an ihre eigenen Verluste und ihre eigene Hoffnungslosigkeit erinnert. Sie fragten sich: Wie kann ein Junge, der so viel verloren hat, so viel weiterschenken?

Statt aufzugeben, wozu wir oft versucht sind, wurde er zum Überwinder. In einer Welt, die von Isolation, Zweifeln und vor allem von einem Gefühl des Mangels geprägt ist, fand dieser Junge einen Ausweg.

Nicht genug

Mangel ist ein Wort, das seit dem letzten Jahrzehnt häufig verwendet wird. Alle – ob Psychologen, Werbefachleute oder Talkshow-Gäste – versuchen zu erklären, auf welche Weise der Mangel uns als Menschen prägt, und nicht selten schlagen sie auch Kapital daraus. Doch wenn wir einmal von all dem wissenschaftlichen Gerede absehen, was bedeutet Mangel wirklich?

Eine einfache Definition lautet: Das Gefühl des Mangels ist die Furcht, dass von etwas nicht genug für alle vorhanden ist – dass es nicht für alle reicht.

Was ist, wenn ich nicht genug Geld habe, wenn ich in Rente gehe?

Wie soll ich all diese Rechnungen bezahlen?

Können wir uns wirklich ein Kind leisten?

Doch die heimtückischen Folgen der Mangelmentalität gehen noch tiefer. Die Furcht, nicht genug zu haben, wirkt sich nicht nur auf unseren Geldbeutel aus, sondern auch auf unseren Geist.

Habe ich genug Zeit, mich in diesem Projekt zu engagieren?

Besitze ich genug seelische Kraft, um diesem Menschen in Not zu helfen?

Was ist, wenn ich für mich selbst nichts mehr übrig habe?

Diese und viele ähnliche Fragen belasten unsere Kultur. Seit der letzten großen Wirtschaftskrise haben zahlreiche Menschen, die ich kennengelernt habe, mit einem Gefühl des Verlusts und einer pessimistischen Sicht der Zukunft zu kämpfen. Ich habe mit Dutzenden von Familien gesprochen, die den Eindruck haben, am Rand eines Abgrunds zu leben. Sie fürchten, eine unerwartete Rechnung oder Krise könnte sie in eine Situation bringen, in der sie finanziell nicht mehr klarkommen. Und wenn man sich die Zahlen ansieht, erkennt man schnell, warum.

Der technologische Fortschritt hat die Erwartung der ständigen Erreichbarkeit geschürt, wodurch sich die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Amerikaner verlängert hat, bei gleichzeitiger Senkung der Gehälter. Für den durchschnittlichen Amerikaner hat sich das Realeinkommen unter Berücksichtigung der Inflation seit dem Jahr 2000 nicht mehr erhöht. Die Rentenansprüche schrumpfen und Arbeitnehmer, die sich bisher finanziell sicher fühlten, müssen sich inzwischen tief verschulden, um die rasant wachsenden Ausbildungs- und Gesundheitskosten stemmen zu können. Der Klassenkampf bestimmt das gesellschaftliche Klima, da der Graben zwischen Arm und Reich mittlerweile so breit ist wie nie zuvor. Zum ersten Mal in der amerikanischen Geschichte wird die nächste Generation aus der Arbeiter- und Mittelschicht ihre Eltern im Blick auf Ausbildung, Einkommen und berufliche Chancen wohl nicht mehr übertreffen.

Die Probleme, mit denen wir uns beschäftigen müssen, betreffen jedoch weit mehr als nur die Höhe unseres Bankguthabens. Der Stresslevel steigt und unsere mentale Kraft wird ebenso überstrapaziert wie unser Budget. Die Nachrichten sind voll von Tragödien und Skandalen, sie hinterlassen bei uns ein Gefühl der Ohnmacht, sodass wir unsere Türen doppelt verriegeln und jeden Fremden misstrauisch beäugen. Unsere Kultur fordert, dass wir niemanden beleidigen, und doch wird der Ton der öffentlichen Debatten von Tag zu Tag rauer. Kurz: Wir sind von Botschaften umgeben, die allesamt lauten: „Fürchte dich!“, und es fällt leicht, ihnen Glauben zu schenken.

Die Furcht ist ein erstickendes Gefühl. Sie lässt uns egoistisch, verbittert und von anderen entfremdet zurück. Das Mangeldenken ist ein Ableger der Furcht; es bringt uns dazu, die Welt als Nullsummenspiel zu betrachten: Alles, was andere bekommen, bedeutet, dass für mich weniger vorhanden ist. Wenn ich etwas von mir selbst oder von meinen Ressourcen verschenke, dann bleibt nicht mehr genug für meine eigenen Bedürfnisse übrig. Es ist einfach nicht so viel vorhanden – ob Geld, Vertrauen oder sogar Liebe –, dass es für alle reicht. Das daraus resultierende Gefühl des Mangels treibt uns Schritt für Schritt in die Hoffnungslosigkeit. Das war jedenfalls meine persönliche Erfahrung.

Mir ist wichtig, dass Sie wissen: Dies ist kein Buch über die Probleme anderer Leute. Über große Strecken meines Lebens waren Furcht und Mangel meine ständigen Begleiter. Ich lernte sie kennen, als mein Vater, so wie Jadens, unerwartet verstarb. Ich war erst neun Jahre alt. Meine Mutter heiratete erneut, aber es war keine glückliche Beziehung. Ja, meine Mutter und ihr Mann schienen sich sogar die meiste Zeit zu hassen. Ich wuchs in einer Familie auf, in der ständig über Geld gestritten wurde. Die beiden zankten sich um jede Kleinigkeit, zum Beispiel von welchem Konto man welche Rechnungen bezahlen oder was man mit kleinen, sentimentalen Erbstücken machen sollte. Wenn es nach meinem Stiefvater ging, gab es nie genug.

Mit seinen Gefühlen war er ebenso sparsam wie mit dem einen Dollar, den er jeden Sonntag in den Klingelbeutel warf. Meine Schwestern und ich wurden nicht zum Träumen ermutigt. Stattdessen wurden wir ausgeschimpft, wenn wir nicht die erforderlichen Leistungen erbrachten. Es gab keine Gnade und kein Sicherheitsnetz.

Ich reagierte darauf, indem ich schon als Junge hart arbeitete. Wenn ich nicht darauf vertrauen konnte, dass andere meine Bedürfnisse erfüllten, so dachte ich, dann musste ich es eben selbst tun. Im endlosen, eisigen Winter von New England trug ich Zeitungen aus und während der langen, feuchtwarmen Sommermonate verdingte ich mich als Caddie auf den Golfplätzen. Ich arbeitete bis spät in die Nacht als Hilfskellner und fuhr mit dem letzten Bus nach Hause.

Meine Welt war eine Welt des Mangels. Wir hatten weder Geld noch Liebe noch Trost zu verschenken. Ich lernte, dies von niemandem zu erwarten. Also arbeitete ich während meiner ganzen Collegezeit und studierte Wirtschaft und Rechnungswesen – eine sichere, clevere, vernünftige Wahl. Nach dem College nahm ich einen Job in einer Buchführungsfirma an. Davon konnte ich gut leben.

Nach außen hin war alles in Ordnung. Aber innerlich war es nicht so. Was wir als Kinder lernen, vergessen wir nie – und meine Lehrerin war die Angst gewesen. Sie hielt mich davon ab, Risiken einzugehen und meinem Herzen zu folgen. Sie ließ mich das ganze Leben als Konkurrenzkampf sehen. Ich fing an, mein Gehalt beim Poker aufs Spiel zu setzen. Wenn ich nicht gewann, meinte ich, sterben zu müssen.

Etwas fehlte in meinem Leben und ich hatte immer das Gefühl, ich müsse kämpfen, um nicht in ein Loch zu fallen.

Als ich fünfundzwanzig war, verfasste ich die „10 Alexander-Regeln“, eine Liste mit idealistischen Anregungen zur Selbstmotivation, die mich aus meinem Trott herausholen sollten. Eine Regel lautete: Wenn ich jemals 10 000 Dollar habe – das entsprach damals fast einem Jahresgehalt –, dann gebe ich meinen Job auf und mache, was ich will.

Dieser Plan war in meinen Augen der einzige Ausweg aus der Furcht. Ich hatte keine Ahnung, woher ich so viel Geld bekommen sollte, doch ich war überzeugt: Falls ein solches Wunder geschah, dann würde mich die Sicherheit, die mit so viel Wohlstand verbunden war, von meinen drängendsten und tiefsten Sorgen befreien.

Das passierte natürlich nicht. Im Lauf der nächsten Jahre machte ich zwar Karriere und hatte 10 000 Dollar und mehr auf meinem Bankkonto. Was aber noch wichtiger war: Ich wurde Christ und blühte geistlich auf. Ich heiratete eine wunderbare Frau und wir bekamen drei Söhne. Ich lebte ein Leben, das nach außen hin von Erfolg und Erfüllung gekrönt war.

Doch selbst in dieser Zeit verschwand die Furcht nie wirklich. Das Gefühl des Mangels war in mein Leben eingezogen, als ich neun war, und erst viel später zog es wieder aus – durch eine Reihe von Ereignissen, die ich Ihnen im vierten Teil dieses Buches schildern werde.

Alles Geld dieser Welt kann ein tief sitzendes Gefühl des Mangels nicht überdecken. Die Wissenschaftlerin und Bestsellerautorin Brené Brown schreibt dazu: „Sich wegen Mangels Sorgen zu machen ist die Version von posttraumatischem Stress in unserer Kultur. Er tritt auf, wenn wir zu viel hinter uns haben, und statt uns im Interesse der Heilung zusammenzuschließen (was Verletzlichkeit voraussetzt), sind wir ärgerlich und verängstigt und gehen uns gegenseitig an den Kragen.“2

Das ist kein Problem, das nur die Mittelschicht betrifft. Das Gefühl des Mangels wirkt sich auf alle Ebenen der Gesellschaft aus. Bei einer Umfrage unter amerikanischen Millionären aus dem Jahr 2015 sagte mehr als die Hälfte von ihnen, sie fühlten sich finanziell nicht sicher. Die meisten äußerten die Sorge, eine unerwartete Veränderung – der Verlust der Arbeitsstelle, ein Börsencrash oder eine Fehlinvestition – könnte ihr Leben von einem Augenblick zum anderen verändern. 52 Prozent fühlten sich „wie in einer Tretmühle“. Egal auf welchem Niveau sich der Wohlstand der Befragten bewegte, sie alle gaben an, sie müssten doppelt so viel besitzen wie in der Gegenwart, um sich sicher zu fühlen.3

Und doch fand ein kleiner Junge namens Jaden, der fast nichts besaß, einen Ausweg aus diesem Gefühl des Mangels. Was hatte dieser Sechsjährige erkannt, das die reichsten Leute im Land nicht erkannten?

Zwischen zwei Lügen gefangen

Der Theologe Walter Brueggemann schreibt, dass die Mangelmentalität das erste Mal im alten Ägypten auftrat, zur Zeit des Pharaos. Nach 1. Mose 41 träumte der Pharao, dass es in seinem Land eine Hungersnot geben würde, und das flößte ihm Angst ein. Seine Furcht führte dazu, dass ein möglicher Mangel an Ressourcen sich zum ersten Mal auf ein ganzes wirtschaftliches System auswirkte, zumindest wurde zum ersten Mal schriftlich über so etwas berichtet. Der Pharao begann, Getreide und andere Ressourcen zu horten, und übernahm so die Kontrolle über etwas, das ihm ursprünglich nicht gehörte.4

Wenn wir fast 3500 Jahre nach vorn spulen, dann sind es immer noch in erster Linie der Staat und säkulare Einrichtungen, die Botschaften des Mangels verkünden. Die Steuern nehmen uns, was wir haben. Die Medien wecken in uns die Lust auf größere Häuser, bessere Kleidung und mehr Besitz. Das moderne Schulsystem sagt uns, dass unser Körper ein Zufall der Evolution sei, das Ergebnis unvorhersehbarer Zellmutationen. Er lebe in einem System der Willkür, wo der Stärkere überlebt und alles andere ausgerottet wird.

In den besten Zeiten der menschlichen Geschichte widersetzte sich die christliche Kirche diesen Botschaften, indem sie ein größeres, göttlich inspiriertes Bild aufzeigte und so ein Gegengewicht schuf. Die sonntägliche Ruhezeit nahm uns aus dem Rennen ums Geld heraus und erinnerte uns daran, dass wir uns auf einen liebevollen, mächtigen und ewigen Gott ausrichten sollten. Und die Bibel machte uns klar, dass es einen höheren Sinn gibt und ein ewiges Leben, das auf uns wartet.

Doch als sich der Graben zwischen Kirche und Kultur vertiefte, verloren wir die Balance. Die Christen von heute sind gegen die Mangelmentalität nicht gefeit. Auch sie machen sich Sorgen über steigende Kosten und stagnierende Einkommen. Auch ihre Zeit ist durch das digitale Zeitalter zum Bersten überstrapaziert und genau wie Nichtchristen sind sie überfüttert mit Bildern und Berichten, in denen Verletzung, Zerbrochenheit und der Mangel in der Welt im Vordergrund stehen.

Auch sie haben Fragen.

Kann Gott wirklich unsere Bedürfnisse erfüllen?

Wie können wir sagen, dass Gott uns liebt, wenn er uns scheinbar nicht ausreichend versorgt?

Klar, damals vor langer Zeit hat Gott seinem Volk Manna zu essen gegeben. Aber wo ist er heute? Was tut er für uns jetzt?

In einer komplexen Welt voller Herausforderungen wissen viele, die auf Jesus vertrauen, nicht genau, was sie eigentlich glauben sollen. Sie sehen die Nachrichten, aber nicht den Retter. Sie sind gefangen zwischen zwei verheerenden Lügen in Bezug auf Gottes Fähigkeit, auch in der modernen Zeit für uns zu sorgen.

Auf der einen Seite sind diejenigen, die der Lüge glauben, sie seien von Gott im Stich gelassen worden. Viele Christen haben ihr Herz verschlossen und versuchen nicht mehr, den Gedanken eines liebenden Gottes mit einer schwierigen Welt in Einklang zu bringen. Sie fühlen sich übergangen, ungeliebt und unversorgt, sie verlassen die Gemeinde und den Gott, von dem sie denken, dass er seinen Teil der Abmachung nicht gehalten hat. Heutzutage kehren fast 60 Prozent der Menschen, die in der christlichen Kirche aufgewachsen sind, dieser im ersten Jahrzehnt ihres Erwachsenenlebens den Rücken – und wollen vom Glauben möglicherweise gar nichts mehr wissen.5

Und selbst diejenigen, die der Kirche treu bleiben, geben oft innerlich den Glauben an Gottes Verheißung der Fürsorge auf. Sie leben als funktionale Agnostiker; sie hoffen, dass es Gott wirklich gibt, aber sie glauben nicht, dass er tatsächlich spürbar in ihren Alltag eingreift. Klar, denken sie, Gott regiert das Universum, aber es ist ihm egal, ob ich ein Auto finde, das funktioniert, oder zumindest kümmert er sich nicht darum. Diese Menschen vertrauen mehr auf die Gesetze der Ökonomie als auf die Verheißungen von Jesus; Regierungsprogramme sind für sie von größerer Wichtigkeit als Gottes Familie. Und wenn das alles nicht klappt, bleiben ihnen nur Mangel und Isolation.

Auf der gegenüberliegenden Seite des christlichen Spektrums befindet sich eine andere Lüge, die ebenso heimtückisch und zerstörerisch ist. Die glänzenden, hohlen Versprechungen der sogenannten Wohlstandstheologie ziehen entmutigte und verängstigte Menschen mit ihrem Wunschdenken an. Wohlstandsprediger, vor allem solche, die sich als Diener des Evangeliums bezeichnen, erzählen den Gläubigen, sie hätten das Recht, von Gott gesegnet zu werden, und Gott habe die Pflicht, sie zu versorgen. Sie stellen ihn als einen allwissenden Geldautomaten dar, zu dem man durch ein „positives Glaubensbekenntnis“ Zugang bekommt. Der Mensch kann durch sein Wort etwas ins Leben rufen und Gott umkreist ihn wie ein Satellit. Wenn wir alles „richtig“ machen, dann gehören uns Gesundheit, Wohlstand und Macht. (Wenn wir nicht bekommen, was wir wollen, dann haben wir wohl etwas falsch gemacht. Auf jeden Fall aber darf der Wohlstandsprediger unsere Spendengelder behalten.)

Wenn diese Anspruchshaltung nicht funktioniert – und ich bin hier, um Ihnen zu sagen, dass sie nicht funktioniert –, dann bleiben betroffene Christen erschöpft und desillusioniert zurück, im schlimmsten Fall haben sie keine Verbindung mehr zum Gott der Bibel.

Doch was wäre, wenn ich Ihnen sagen würde, dass es noch eine andere Möglichkeit gibt, diesen Punkt zu betrachten, an dem unsere Furcht unseren Glauben herausfordert? Ein Weg, der zwischen den beiden Lügen hindurchführt zu einer echten Hoffnung, mit der wir der Zukunft entgegengehen können? Gott lässt sich schließlich nicht durch unsere falschen Überzeugungen und kostspieligen Lügen begrenzen. Er hat einen besseren Weg.

Das Muster der Fürsorge Gottes erkennen

Denken wir an 1. Mose 1, wo Gott über der Tiefe schwebt und die Dinge durch sein Wort ins Leben ruft. Es übersteigt meinen Verstand, dass Gott mehrere Hundert Milliarden Galaxien geschaffen hat, wahrscheinlich über zwanzig pro Person der derzeitigen Weltbevölkerung.6 Mit ein paar einfachen Worten schuf er die Sonne und den Himmel, die Berge und die Wiesen, Fische und Blumen.

Und was schuf er noch? Richtig – uns. Aus dem Staub der Erde schuf er Menschen mit fünf Sinnen und ein Umfeld, das sie spielerisch erleben und erkunden durften. Haben Sie gewusst, dass die menschliche Zunge mehr als zehntausend Geschmacksknospen besitzt und dass diese alle zwei Wochen regeneriert und ersetzt werden, einfach nur, damit wir bei dem, was wir essen, ein Geschmackserlebnis haben? Oder dass das menschliche Auge mehr als zehn Millionen Farben wahrnehmen kann?

Das lässt mich fragen: Wenn Gott in seiner Großzügigkeit, seiner Kreativität und seinem überfließenden Reichtum uns Menschen bis ins kleinste Detail so komplex geschaffen hat, warum bezweifeln wir dann, dass er sich um jeden Einzelnen von uns zu kümmern vermag? Gilt seine Fürsorge nur scheinbar unwichtigen und nutzlosen Dingen wie einer Galaxie von Sternen, die Millionen von Kilometern entfernt ist, und ausgerechnet nicht den Wesen, die er als sein Ebenbild geschaffen hat?

Wenn wir bestreiten, dass Gott sich um uns kümmert, oder wenn wir ihn in eine Kiste einsperren, wo wir ihn vermeintlich beherrschen können, dann verkennen wir seinen wahren Charakter. Es ist ein Fehler, Gott abzuschreiben, zu glauben, dass ihm die Einzelheiten eines Menschenlebens oder der Welt als Ganzer gleichgültig sind. Und es ist ein Fehler, unser Leben ohne ihn „unter Kontrolle“ haben zu wollen.

Wenn wir nicht darauf vertrauen, dass Gott sowohl für unsere geistlichen als auch für unsere körperlichen Bedürfnisse sorgen will, bleiben uns nur diese zwei Lügen: das Mangeldenken oder das Wohlstandsevangelium. Statt auf Gottes Fürsorge zu hoffen, wenden wir uns an den Staat. Statt die Bibel zurate zu ziehen, hoffen wir auf den menschlichen Einfallsreichtum. Statt an die Macht eines liebenden, souveränen Gottes zu appellieren, verlassen wir uns auf uns selbst.

Wir sind enttäuscht, wenn diese Bemühungen nicht ausreichen, wenn wir nicht genug sind. Doch in Wahrheit sind wir nicht dazu geschaffen, uns selbst zu genügen. Gott liebt uns und sehnt sich nach einer Beziehung zu uns. Diese Liebe hat er in aller Öffentlichkeit demonstriert – an einem Kreuz. Er wirbt um uns, damit wir ihm vertrauen. Er bittet uns, ihm nahezukommen, und er kommt uns nah. Er verspricht, diejenigen zu belohnen, die ihn aufrichtig suchen.

Die beiden Begriffe „nahekommen“ und „aufrichtig suchen“ lassen sich als Rhythmus unserer Beziehung zu Gott verstehen. In diesem Buch wollen wir uns diesen Rhythmus, dieses Muster genauer ansehen, damit wir Zugang zu dem bekommen, was Gott schon für uns bereithält. Wenn wir uns auf diesen Rhythmus einlassen, erschließen wir uns dadurch seine Verheißungen, die de facto Garantien sind, denn Gott sagt: „Nähert euch mir und ich will mich euch nähern.“

Wenn wir Gott jedoch aus der Welt entfernen, führt unser daraus entstehender falscher Glaube an die Selbstgenügsamkeit dazu, dass wir unsere eigenen Grenzen missverstehen. Was uns von der „Nicht-genug-Kultur“ befreien kann, sind nicht mehr Geld, mehr Zeit oder mehr Sicherheit.

Als ich die 10 000 Dollar, die ich mir gewünscht hatte, bekam, veränderte das mein Leben nicht. Doch in jenem Jahr, als ich die „10 Alexander-Regeln“ schrieb, fing ich etwas Neues an, aus dem eine ganz andere Liste entstand – vier Prinzipien, durch die sich der Rhythmus unserer Beziehung mit Gott verdeutlichen lässt. Sie brachten meine Furcht endlich zum Schweigen und waren die Antwort auf mein Gefühl des Mangels.

Diese vier Prinzipien sind die Garantie der Fülle Gottes, die er uns schon die ganze Zeit angeboten hat.

Jesus hat gesagt: „Ich bin gekommen, um ihnen Leben zu bringen – Leben in ganzer Fülle“ (Johannes 10,10; Hervorhebung durch den Autor). Dieser Weg der Wahrheit führt uns viel weiter als die beiden Lügen des Mangeldenkens und der Wohlstandstheologie. In den folgenden Kapiteln werden wir diesem Weg hin zur wahren Fülle gemeinsam folgen – vielleicht nicht so, wie Sie es sich bisher vorgestellt haben, aber so, wie Gott verspricht, alle Ihre Bedürfnisse heute zu erfüllen.

Eine hungrige Menschenmenge auf einem Hügel

Jesus sagt, dass wir wie Kinder werden müssen, wenn wir in sein Reich kommen wollen (siehe Matthäus 18,3). Immer wieder hören wir von Kindern wie Jaden, die durch ihren Mut und ihre reine Güte dem Reich Gottes näher zu sein scheinen als die meisten desillusionierten Erwachsenen heute.

Jadens Geschichte erinnert mich an einen anderen Jungen. Sein Name ist uns nicht bekannt, aber was er schenkte, wird in der Bibel nicht nur einmal, sondern viermal berichtet. Auch er fand den Weg heraus aus seinem eigenen Mangel in die Fülle Gottes.

Um jedoch zu verstehen, wie wichtig das war, was der Junge tat, müssen wir uns ein wenig in den Zusammenhang hineinversetzen, in dem diese Geschichte steht. Das Leben, das Wirken und die Auferstehung von Jesus werden im Neuen Testament viermal berichtet, in vier unterschiedlichen Evangelien, die von vier verschiedenen Autoren verfasst wurden. Jedes dieser Bücher enthält zahlreiche Beispiele dafür, wie Jesus die physischen Bedürfnisse der Menschen in seiner Umgebung erfüllte. In jedem der vier Evangelien finden sich Berichte darüber, wie Jesus Blinde geheilt und Ausgestoßene angenommen hat. Doch nur eines dieser Wunder, die vor der Auferstehung geschahen, wird in allen vier Büchern erzählt, was seine besondere Bedeutung hervorhebt.

Nachdem Jesus vom Tod Johannes des Täufers gehört hat, zieht er sich an einen einsamen Ort zurück. Wir wissen nicht, wie lange er dort allein war, aber schließlich gehen die Jünger ihn suchen. Jesus ist zu einer bekannten Persönlichkeit geworden und so strömen die Menschen aus der Gegend herbei und folgen ihm und seinen Jüngern weit hinaus in die Wildnis. Die Bibel berichtet, dass Jesus Mitleid mit den Leuten hat, als er ihre Not erkennt. Er stellt seine eigene Trauer zurück und hilft ihnen. Er lehrt, heilt und inspiriert sie.

Fünftausend Männer hören ihm an jenem Tag zu und die meisten Ausleger schätzen, dass die gesamte Zuhörerschaft einschließlich Frauen und Kindern an die fünfzehntausend Menschen umfasste. Angesichts dieser Menschenmenge fordert Jesus seine Jünger auf: „Gebt ihnen zu essen“ (Matthäus 14,16; Markus 6,37; Lukas 9,13).

Im Johannesevangelium heißt es weiter, dass Jesus Philippus beiseitenimmt und ihn fragt: „Wo können wir so viel Brot kaufen, dass alle diese Leute zu essen bekommen?“ (6,5). Obwohl Philippus in diesem Moment den Sohn Gottes vor sich hat, ist er immer noch in den Regeln der menschlichen Ökonomie gefangen und antwortet: „Selbst für zweihundert Denare würde man nicht genug Brot bekommen, um jedem auch nur ein kleines Stück zu geben“ (Vers 7).