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Wort für heute 2019

Kalender mit biblischen Betrachtungen für alle Tage des Jahres 2019

Evangelisch-methodistische Kirche, Frankfurt/M.
J. G. Oncken Nachf. GmbH, Kassel
SCM Bundes-Verlag gGmbH, Witten

© Kalender Wort für heute 2019

Herstellung:

Satz:

J. G. Oncken Nachf. GmbH, Kassel

Druck:

BasseDruck GmbH, Hagen

Gestaltung:

Edward de Jong, J. G. Oncken Nachf. GmbH

© Coverfoto: StevanZZ/shutterstock.com

© Foto Rückseite: Fernando Jose V. Soares/shutterstock.com

ISBN für die Abreißausgabe:

978-3-7655-9969-9

Brunnen Verlag

978-3-87939-881-2

J. G. Oncken Nachf. GmbH

978-3-86258-071-2

SCM Bundes-Verlag gGmbH

ISBN für die Großdruck-Buchausgabe:

978-3-7655-9979-8

Brunnen Verlag

978-3-87939-994-9

J. G. Oncken Nachf. GmbH

978-3-86258-072-9

SCM Bundes-Verlag gGmbH

ISBN für die Buchausgabe:

978-3-7655-9959-0

Brunnen Verlag

978-3-87939-991-8

J. G. Oncken Nachf. GmbH

978-3-86258-070-5

SCM Bundes-Verlag gGmbH

Wort für heute ist auch als E-Book erhältlich:

978-3-7655-7517-4

Inhalt

Kalender 2019

Jahreslosung 2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

JANUAR

FEBRUAR

MÄRZ

APRIL

MAI

JUNI

JULI

AUGUST

SEPTEMBER

OKTOBER

NOVEMBER

DEZEMBER

Preisrätsel zur Bibellese 2019

Bibelstellenverzeichnis 2019

Gedenktage 2019

Einführungen in biblische Bücher

Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen 2019

Quellenhinweise

Anschriften der herausgebenden Verlage

Kalender 2019

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Jahreslosung 2019

Suche Frieden und jage ihm nach!

(Psalm 34,15 L)

Oft ist es tatsächlich ein Suchen und Hinterherjagen, wenn es um den Frieden geht. Das Bemühen, Frieden zu stiften, gleicht oft einem Wettlauf. Kaum ist ein Ziel erreicht und an einer Stelle ein bisschen Frieden in Sicht, bricht an anderer Stelle der nächste Konflikt umso mächtiger auf.

Friedensstifter zu sein, ist keine leichte Aufgabe. Wir brauchen dazu andere, die zusammen mit uns suchen und darum ringen, was wirklich Frieden stiftet. Hellwache Sinne brauchen wir, offene Augen und Ohren und eine disziplinierte Sprache, die sich der Wahrheit verpflichtet hat und sich der Hetze enthält. Friedensstifter zu sein, ist eine große Aufgabe. Wir brauchen Beharrlichkeit und ein unerschrockenes Herz, um dazu beizutragen, dass Friede und Gerechtigkeit sich küssen (Psalm 85,11 L).

Einfach und bequem ist das alles nicht. Trotzdem sind wir genau dazu berufen. Friedensstifter sollen wir sein und Botschafter der Versöhnung. Dabei sollen wir das das Entscheidende nicht vergessen: Christus ist unser Friede! Ihn wollen wir immer wieder suchen und ihm wollen wir nachfolgen.

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Harald Rückert
(Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland)

Liebe Leserin, lieber Leser,

Wir laden Sie ein, 2019 mit unserem Kalender die Bibel zu entdecken. Die Reise geht durch fortlaufende Texte aus dem Alten und Neuen Testament und bietet einen Einblick in Geschichten, Gleichnisse und Briefe. Gottes Weg mit den Menschen aus biblischer Zeit und mit uns wird lebendig, die Facetten des christlichen Glaubens treten hervor. Es schreiben über 100 Autorinnen und Autoren Auslegungen zu je einem Bibelvers aus der ökumenischen Bibellese und versuchen, die biblische Botschaft für uns heute lebendig und greifbar werden zu lassen. Die Bibellese wird von der ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen ausgesucht. Die Bibeltexte stammen aus der „Gute Nachricht Bibel“ (Fassung 1997). Bibeltexte aus der Lutherbibel (revidierte Fassung von 2017) sind durch ein L gekennzeichnet. Bei den Monatssprüchen weißt ein E auf die Einheitsübersetzung hin. Gerne stellen wir den Andachten Liedstrophen, Zitate und Gebete an die Seite. Dies wird jedoch durch Urheberrechtsfragen und die dadurch entstehenden Kosten begrenzt.

An passender Stelle finden Sie Einführungen in die biblischen Bücher und inspirierende Lebensbeschreibungen von Christinnen und Christen. Am Monatsanfang steht der Monatsspruch, am Monatsende eine Rätselfrage zur Bibellese. Folgende Symbole weisen auf sie hin:

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Liedstrophe

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Zitat, Gedanken, Gebet

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Monatsspruch, Einführung, Gedenktag

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Rätselfrage zur Bibellese

Es grüßen die Redakteure und Verlage:

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Ute Armbruster-Stephan

Evangelisch-methodistische Kirche,

Frankfurt/M., Brunnen Verlag, Gießen

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Hans-Werner Kube

Bund Freier evangelischer Gemeinden in

Deutschland K.d.ö.R.

SCM Bundes-Verlag gGmbH, Witten

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Nicola Bourdon

Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in

Deutschland K.d.ö.R.

J. G. Oncken Nachf. GmbH, Kassel

1

Dienstag

JANUAR

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8.26

16.25

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3.29

13.45

Neujahr

Bibellese: Psalm 8

Herr,

du hast dem Menschen Macht und Würde verliehen;

es fehlt nicht viel und er wäre wie du.

Du hast ihn zum Herrscher gemacht

über deine Geschöpfe,

alles hast du ihm unterstellt.

(Vers 6.7)

Es fehlt nicht viel. Der Mensch ist die Krone der Schöpfung. Gott erschuf ihn zu seinem Ebenbild. Er gab ihm die Macht und den Auftrag, diese Welt zu gestalten. Gott gab dazu jedem Menschen die gleiche Würde – unabhängig von all den Unterscheidungsmerkmalen wie Herkunft, Geschlecht, Alter oder Nationalität. Es fehlt nicht viel und der Mensch wäre wie Gott. Und doch fehlt ihm etwas. Was?

Macht wird missbraucht. Täglich. Auch in diesem Jahr wird das wieder so sein. Es sind nicht nur die Großen, die ihre Macht auf Kosten anderer zu ihrem eigenen Vorteil nutzen und damit deren Würde antasten. Arbeitgeber nutzen Mitarbeiter aus, Erwachsene missbrauchen Kinder, Ehemänner schlagen ihre Frauen, Menschen werden aus der Gemeinschaft der Gemeinde ausgeschlossen, weil sie anders sind. „Bei euch muss es anders sein!“, sagte Jesus zu seinen Jüngern (Matthäus 20,26). Aber oft genug ist es doch so. Was fehlt? Es ist die Gesinnung von Jesus, sein demütiges, dienendes Herz. Seine Bereitschaft, sich hinzugeben, der Menschenliebe Gottes treu zu sein. Der Schreiber des Hebräerbriefes bezieht diese Psalmworte auf Jesus. Dieser sei wegen seines Sterbens mit Ruhm und Ehre gekrönt worden. „Denn Gott hat in seiner Gnade gewollt, dass er allen Menschen zugute den Tod erleidet“ (Hebräer 2,9). Was fehlt, ist dieses Herz von Jesus, das bereit ist, sich hinzugeben um Gottes und der Menschen willen.

Ein neues Jahr hat begonnen. Wird alles beim Alten bleiben? Das muss es nicht. Denn ich darf mich neu entscheiden, Jesus nachzufolgen, das neue Jahr unter der Leitung seines Geistes und in seiner Gesinnung zu leben. Ich darf mein Herz Gott und den Menschen zuneigen. Ein guter Vorsatz!

Christoph Stiba

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Monatsspruch

Gott spricht: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.

(1. Mose/Genesis 9,13 L)

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Zum 2. Januar 2019

Was die Welt im Innersten zusammenhält

Einführung in das 1. Buch Mose/Genesis

Das erste Buch der Bibel handelt, wie der Name Genesis besagt, vom Gewordensein und Werden: des Himmels und der Erde (Kp 1), der Menschen (Kp 2-4), der Völker und Sprachen (Kp 10-11). Und es handelt von einzelnen Familien, deren Ahnherr Abraham als „Vater vieler Völker“ bezeichnet wird (17,4-6) und in dessen Namen alle Menschen der Erde gesegnet sein sollen (12,3). Das Volk Israel, um das es in der hebräischen Bibel hauptsächlich geht, spielt im Buch Genesis noch eine sehr versteckte Rolle. Diese Rolle hat auch mit dem Werden zu tun: Im Stammbaum Sems, eines Sohnes Noachs, taucht der Name Eber auf (10,25; 11,16), von dem sich das Wort „Hebräer“ ableitet, mit dem in den fünf Büchern Mose und zum Teil darüber hinaus gelegentlich Israeliten bezeichnet werden. In ägyptischen Texten heißen sie „hapiru“ und meinen dort kein homogenes Volk, sondern lose Gruppen, die außerhalb der städtischen Kultur leben. Wenn im Buch Genesis punktuell Hebräer erwähnt werden, bewahrt sich darin die Erinnerung, dass Israel weniger eine ethnische als eine soziale Gemeinschaft verkörpert. Auch der „Ur-Israelit“ Jakob (32,29) findet seinen Weg mit Gott nur in der Auseinandersetzung mit seinen engsten Nachbarn, den Edomitern (alias Esau: Kp 27 und 33) beziehungsweise den Aramäern (also Laban: Kp 29-31). Nimmt man alle diese Beobachtungen zusammen, lautet eine zentrale Botschaft der Genesis, dass sich Israel – das „Volk Gottes“ – seine Identität nur in der Rückbesinnung auf sein Werden inmitten aller Menschen, Völker und Nationen bewahren kann.

Folglich wollen die Texte nicht informieren über das, was sich in ferner Urzeit einmal abspielte, sondern im Lichte jener Urzeit erhellen, wie alles wurde, was immer noch ist. Es geht kurz gesagt um das, was die Welt im Innersten zusammenhält, aber auch immer wieder zu zerstören droht. Es geht um die „conditio humana“, um die Grundfragen menschlicher Existenz. Warum sollten Frauen und Männer um Herrschaft konkurrieren (3,16), wenn sie doch als gleichberechtige Partner geschaffen sind (2,23)? Warum wenden Menschen immer wieder tödliche Gewalt an (Kp 4), obwohl sie doch Gut und Böse unterscheiden können (2,9; 3,22)? Ausgehend von diesen Urproblemen dreht es sich in der Genesis um Kanaan als Land der Verheißung (Kp 12-25) und nicht zuletzt um die enge Beziehung Israels zu Ägypten, dem Land der Zuflucht (Kp 37-50) wie der Versklavung. Es erklingt gleichsam das Präludium für die Geschichte Israels, die im Buch Exodus als Befreiungsouvertüre neu angestimmt wird.

Dirk Sager

2

Mittwoch

JANUAR

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8.26

16.26

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4.39

14.12

Bibellese: 1. Mose/Genesis 1,1-13

Gott sprach:

„Das Wasser unter dem Himmelsgewölbe

soll sich alles an einer Stelle sammeln,

damit das Land hervortritt.“

So geschah es.

Und Gott nannte das Land Erde,

die Sammlung des Wassers nannte er Meer.

(Vers 9.10)

Der Schöpfungsbericht am Anfang der Bibel beschreibt die Erschaffung von Himmel und Erde. „Am Anfang schuf Gott.“ Dieser Satz sagt zu Beginn das Wichtigste, das, worauf es ankommt. Nicht die physikalisch-biologisch-wissenschaftlichen Details stehen im Mittelpunkt. Sie entstammen dem Weltbild der damaligen Zeitgenossen. Aber „Gott sprach“ und „So geschah es“, das sind Kernaussagen, auf die es ankommt. Denn biblisch kann die Schöpfung nicht ohne Schöpfer gedacht werden. Es gibt nichts Vorfindliches, aus dem sich etwas entwickeln könnte, zu dem Gott sagt: „Es ist gut.“ Alles Geschaffene hat seinen Grund in dem Schöpferwillen und in dem Schöpferwort Gottes. Er spricht und es geschieht. Gott ist im Schöpfungsbericht durchgehend das handelnde Subjekt. Gott schafft nach seinem Plan und Willen. Darauf kommt es an.

Gott will Leben auf dieser Welt. Dafür ordnet er das anfängliche Tohuwabohu, gibt Licht in das Dunkel und den Wassern Raum und Grenze. Wohl mehr als heute machte den Menschen damals die Urgewalt des Wassers Angst. Umso wichtiger wurde der Glaube an die Allmacht und Umsicht Gottes, der den Naturgewalten Grenzen setzte. So erschuf Gott die Welt, in der wir leben, als Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen. Bei ihm sind die Menschen in guten Händen, brauchen sie Mächte und Gewalten nicht zu fürchten. Jeder Tag endet mit einem Qualitätsurteil: Gut! Was Gott tut, ist gut. Gott macht nichts Schlechtes und er segnet das, was er macht. Diesem Schöpfer der Welt und meines Lebens darf ich vertrauen. An jedem Tag.

Christoph Stiba

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Seht, der Wasserwellen Lauf,

wie sie steigen ab und auf;

von der Quelle bis zum Meer

rauschen sie des Schöpfers Ehr.

Joachim Neander 1680
Aus: Himmel, Erde, Luft und Meer

3

Donnerstag

JANUAR

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8.26

16.27

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5.47

14.44

Bibellese: 1. Mose/Genesis 1,14-25

Gott sprach: „Die Erde soll Leben hervorbringen:

alle Arten von Vieh und wilden Tieren

und alles, was auf der Erde kriecht.“

So geschah es.

(Vers 24)

Gott hat Freude an der Vielfalt seiner Schöpfung! Wer hat je „alle Arten von Vieh und wilden Tieren und alles, was auf der Erde kriecht“ zählen und bewundern können? Nicht einmal die einheimischen Tiere kenne ich alle – und will es auch gar nicht. Die Mücken zum Beispiel. Dass Gott sich an ihnen freuen kann, ist für mich in jedem Sommer ein deutlicher Hinweis darauf, wie weit ich noch von seinem Herzen entfernt bin. Aber auch sie sind ein Zeichen dafür, dass Gott die Vielfalt liebt. Die Erde, auf der wir leben, ist reich. Reich an Mitbewohnern, reich in ihrer so unterschiedlichen Tierwelt.

Auf der Internetseite des Naturkundemuseums in Kassel ist zu lesen, dass derzeit weltweit 5 501 verschiedene Säugetiere bekannt sind, 6 771 Amphibien, 9 547 Reptilien, 10 064 Vögel, 32 400 Fische, 47 000 Krebstiere, 85 000 Weichtiere, 102 248 Spinnentiere, 71 000 sonstige niedere Tiere und über 1 000 000 Insektenarten! Eine grob angenäherte Zahl aller Tiere auf unserem Planeten liegt bei einer Trillion Tiere. Die Internationale Rote Liste der Weltnaturschutzunion vom Dezember 2017 weist allerdings inzwischen 25 821 von 91 523 untersuchten Tier- und Pflanzenarten als bedroht aus. Aber noch an demselben Schöpfungstag beauftragte Gott den Menschen mit der Fürsorge für seine Schöpfung. Ein Ausdruck des Vertrauens, das Gott in die Menschen setzt, und zugleich eine hohe Verantwortung bis zu dem Tag, an dem auch die Geschöpfe „von der Versklavung an die Vergänglichkeit befreit werden und teilhaben an der unvergänglichen Herrlichkeit, die Gott seinen Kindern schenkt“ (Römer 8,21). Die Menschen sollen die Schöpfung achten und sich täglich an ihr erfreuen. Dann folgen wir dem Vorbild Gottes.

Christoph Stiba

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Seht, wie Gott der Erde Ball

hat gezieret überall.

Wälder, Felder, jedes Tier

zeigen Gottes Finger hier.

Joachim Neander 1680
Aus: Himmel, Erde, Luft und Meer

4

Freitag

JANUAR

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8.26

16.28

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6.50

15.23

Bibellese: 1. Mose/Genesis 1,26-2,4a

Gott segnete die Menschen

und sagte zu ihnen:

„Seid fruchtbar und vermehrt euch!

Füllt die ganze Erde und nehmt sie in Besitz!

Ich setze euch über die Fische im Meer,

die Vögel in der Luft

und alle Tiere, die auf der Erde leben,

und vertraue sie eurer Fürsorge an.“

(Vers 28)

Der sechste Tag. Gott erschafft die Landtiere und den Menschen. Alles Lebensnotwendige ist bereits da. Gott hat vorgesorgt. Er setzt den Menschen nicht in eine feindliche Umwelt, in der er nicht überleben kann. Er gibt dem Menschen auch nicht einen Auftrag, dem er nicht nachkommen kann. Im Gegenteil: Für die Aufgabe, sich zu mehren, segnet Gott den Menschen mit dem Wunder der Liebe und der Sexualität – was so viel mehr ist als nur der Instinkt der Tiere zur Fortpflanzung. Der Auftrag der fürsorglichen Herrschaft des Menschen über seine Schöpfung ist ebenso ein besonderer Segen, mit dem Gott sein Ebenbild in dieser Welt begabt.

Die Reihenfolge ist wichtig. Gott erschafft sich ein Ebenbild, das er beauftragt und befähigt. Er segnet die Menschen und gibt ihnen dann Hinweise für ihr Leben in seiner Schöpfung. Der Segen Gottes, das ist Gottes Zusage, dass er dem Menschen helfen und ihn fördern wird. Nur so kann die Aufgabe, das Leben in dieser Welt, gelingen. Der Theologe Gerhard von Rad schreibt dazu: „Sowohl seiner Herkunft wie seinem Wesen und seiner Bestimmung nach wird hier der Mensch ganz auf Gott bezogen und von Gott her verstanden.“

Probleme entstehen immer dann, wenn die Beziehung zu diesem Gott zerbricht. Wenn der Mensch nicht mehr aus dem Segen Gottes heraus, sondern auf sich selbst bezogen lebt. Dann pervertiert Sexualität, bedient sich der Mensch rücksichtslos der Natur oder stuft Tiere einfach zu Rohstoffen oder Biomasse herab. So muss es und soll es nicht sein. Jesus Christus versöhnt Menschen mit Gott und erlöst sie von ihrer Selbstbezogenheit. Jesus zieht den Menschen zurück in die fürsorgende Liebe Gottes. Sein Geist lässt ihn wieder als Ebenbild Gottes leben und handeln. So können sie gemeinsam diese Welt gestalten. Zur Ehre Gottes und zum Wohle der ganzen Schöpfung!

Christoph Stiba

5

Samstag

JANUAR

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8.26

16.29

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7.47

16.08

Bibellese: 1. Mose/Genesis 2,4b-17

Gott, der Herr, brachte den Menschen in den Garten Eden. Er übertrug ihm die Aufgabe, den Garten zu pflegen und zu schützen.

(Vers 15)

Wer einen Garten anlegt, reißt ein Stück Erde aus dem Chaos der Natur und unterwirft es seiner Gestaltungskraft. Darin zeigt sich, dass er ein Ebenbild Gottes ist. Der Garten muss eingezäunt werden, die Erde muss bearbeitet werden, Samenkörner werden gesammelt und gesät, es wird gejätet und gegossen, bis sich endlich, nach kürzerer oder längerer Wartezeit, der erhoffte Segen einstellt. Es gibt Gärten, die das Auge durch prachtvolle Blumen und sattgrüne Rasenflächen erfreuen. In den Mangeljahren nach den Kriegen sicherte ein Gemüsegarten manch einem das Überleben. Darüber hinaus aber ist ein Garten auch ein Schutzraum, in dem man sich vor der Welt abschirmen kann. Das Paradies, diese wunderbare Einrichtung am Anfang der Menschheitsgeschichte, war das alles gleichzeitig: ein friedvoller Ort zur Auferbauung der Seele, ein Spender edler Früchte und eine Augenweide. Gott gab seinen Garten in die Hände des Menschen, damit dieser ihn bebaut und pflegt. Diese Aufgabe ist uns bis heute geblieben. Vieles gelingt uns auch ganz wunderbar. Die Blumen sind schöner und die Ernten ertragreicher als je zuvor. Es müssen ja auch mehr Menschen ernährt werden als in all den Jahrhunderten vorher. Doch die Schattenseiten sind unübersehbar. Ein Übermaß an Düngemitteln und Unkrautvernichtungsmitteln vergiftet die Gewässer. Die strikte Planung der Felder lässt den sogenannten Wildpflanzen keinen Raum zur Entfaltung. Tiere finden keine Nahrung mehr, weil der Mensch ihren Lebensraum beschneidet. Wir haben aus dem Auftrag, die Erde zu pflegen und zu bebauen, die Erlaubnis herausgehört, sie gnadenlos auszubeuten. Viele Wissenschaftler führen die Häufung aktueller, klimabedingter Naturkatastrophen auf den menschgemachten Klimawandel zurück. Auf vielen Konferenzen ringen die Menschen um Schadensbegrenzung. Doch es bleibt die Frage, ob die Menschheit die Kraft aufbringen kann, ihre Arbeit an der Natur zum Bebauen und Pflegen zurückzuführen. Im Gedenken an das einstige Paradies und an das zukünftige, das uns bei Gott erwartet.

Diederich Lüken

6

Sonntag

JANUAR

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8.25

16.31

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8.37

17.00

Epiphanias (Erscheinungsfest)

Bibellese: Psalm 72

Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels,

der Einzige, der Wunder vollbringt!

Sein ruhmreicher Name sei für immer gepriesen,

seine Macht setze sich durch in aller Welt!

Amen, so soll es sein!

(Vers 18.19)

Wenn ein Mensch ganz aus dem Häuschen ist vor lauter Freude und Begeisterung, hat er etwas erlebt, das ihn völlig überrascht und überwältigt. Oft sind es Worte, die diese Freude hervorbringen. Zum Beispiel die drei Worte: „Ich liebe dich!“ Oder vier Worte, von einem Arzt gesprochen: „Sie werden wieder gesund!“ Dann ist einem zumute, als sei ein Wunder geschehen. Auch Menschen, die sonst dem Glauben fernstehen, pflegen zu sagen: „Gott sei Dank!“ Und das ist auch die richtige Adresse für den Dank, denn letztlich gründet jedes Wunder, das wir erleben, in dem wunderbaren Wirken Gottes. Er ist es, der Menschen fähig macht zur Liebe, zum Heilen und Geheiltwerden.

Manchmal warten wir auch vergeblich auf ein Wunder. Doch sind Gottes Wunder manchmal von einer Art, dass man sie nicht sofort erkennt. Von außen betrachtet bleibt alles gleich: Eine schwierige Situation bleibt schwierig, eine Heilung kommt nicht zustande, die Welt bleibt allen Gebeten zum Trotz für viele Menschen ein unheilvoller Ort. Da will das Lob Gottes schnell verstummen und sich in Klage und Anklage verwandeln. Das ist auch durchaus angemessen; die Psalmen sind nicht nur voller Lob, sondern auch voller Klagen gegenüber Gott. Doch darin besteht schon eines der verborgenen Wunder: Gottes Ohr ist geöffnet für die Klagen und Anklagen seiner Menschen.

Ein größeres Wunder ist es, dass Gott bei uns bleibt, auch wenn wir meinen, er habe sich weit von uns entfernt. Gottes Treue zu seinem Volk Israel ist dafür ein lebendiges Zeichen. Das größte Wunder aber konnte der Psalmdichter noch nicht wissen. Es ist die Begegnung Gottes mit uns in und durch Jesus Christus. In seinem Leiden ist unser Leiden verborgen und in seiner Auferstehung unsere Auferstehung und unser Leben. Für dieses Wunder ist Gott gar nicht genug zu preisen und zu loben.

Diederich Lüken

7

Montag

JANUAR

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8.25

16.32

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9.19

17.58

Bibellese: 1. Mose/Genesis 2,18-25

Gott, der Herr, brachte die Frau zu dem Menschen. Der

freute sich und rief:

„Endlich! Sie ist‘s!

Eine wie ich! Sie gehört zu mir,

denn von mir ist sie genommen.“

(Vers 22.23)

Mann und Weib und Weib und Mann reichen an die Gottheit an!“ In Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ singen dies der Vogelfänger Papageno und die Tochter der Königin der Nacht, Pamina. Beide sehnen sich nach Liebe, beider Sehnen wird am Ende auch erfüllt: Papageno findet seine Papagena und Pamina ihren Tamino. Zuvor aber müssen sie noch allerlei Verwicklungen und Prüfungen über sich ergehen lassen. So heidnisch die Oper sich gibt – unter anderem werden die ägyptischen Götter Isis und Osiris angerufen –, so allgemein menschlich ist das Anliegen. Ein Mann wünscht sich eine Frau an seiner Seite, die zu ihm passt, und eine Frau möchte einen Mann, der ihr entspricht. Das finden wir in jeder Liebesgeschichte. Dahinter finde ich eine Erklärung aus der Psychologie, die mir weiterhilft: In jedem Mann steckt ein weiblicher Anteil, in jeder Frau ein männlicher. Dieser gegengeschlechtliche Anteil sehnt sich danach, sich in einem anderen Menschen zu spiegeln. Deshalb gehen Mann und Frau auf die Suche nach einem Partner, der dem inneren Bild vom anderen Geschlecht entspricht. Wer auf diese Weise einen Menschen findet, der dem inneren Bild nahekommt, erblüht oft in Liebe zu ihm. Wenn das gegenseitig geschieht, ist das ein berührendes Erlebnis und Jubel bricht auf: Dieser Mensch gehört zu mir; in ihm wird ein Teil meiner selbst sichtbar und erfahrbar. Dieser Jubel ist gottgewollt. Denn Gott hat den Menschen zur Liebe geschaffen. Höchstes Glück ist deshalb in der Liebe zu finden. Das liegt daran, dass Gott selbst die Liebe ist und sich verschwenden möchte an den Menschen und diese Beziehung ist das Vorbild für die Liebe zwischen zwei Menschen: Der eine verschwendet sich am anderen. Sicherlich gelingt das nicht immer; jeder möchte auch für sich selbst als eigener Mensch leben. Dazu hat er das Recht und das gehört zu jeder Partnerschaft unbedingt dazu. Aber dann kann man sich auch wieder ganz dem anderen zuwenden und für ihn unvollkommenes, aber beglückendes Abbild der Liebe Gottes werden.

Diederich Lüken

8

Dienstag

JANUAR

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8.25

16.33

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9.53

18.59

Bibellese: 1. Mose/Genesis 3,1-13

Die Schlange sagte: „Gott weiß: Sobald ihr davon esst, werden euch die Augen aufgehen; ihr werdet wie Gott sein und wissen, was gut und was schlecht ist. Dann werdet ihr euer Leben selbst in die Hand nehmen können.“

(Vers 4.5)

Manche Leute schlängeln sich überall durch. So jedenfalls beschreiben wir ein Verhalten, wo jemand auf unrechte Weise, aber doch geschickt, sein Ziel erreicht. Hier werden wir Zeugen, wie sich der Böse zum menschlichen Herzen durchschlängelt. Es ist einer der bewegendsten Abschnitte des Alten Testaments. Dieser Moment entscheidet über Jahrtausende der Menschheitsgeschichte.

Die Bibel geht nicht der Frage nach, woher die todbringende Schlange mit all dem Bösen kommt. Schritt für Schritt entpuppt sie sich jedenfalls als Gegenspieler Gottes und des Menschen. Sie schleicht sich in die Seele und verspritzt ihr Gift des Misstrauens. Der Mensch, der sein Leben und sein Schicksal bisher in der Hand eines guten Vaters gesehen hat, bekommt Zweifel an Gottes Güte. Bis heute läuft die „Schlängelaktion“ des Widersachers mit großem Erfolg. Er untergräbt das Fundament jeder heilen Beziehung: das Vertrauen. Die Saat geht auf: „Gott beschränkt euer Leben. Er verbirgt vor euch das letzte Glück. Er sagt euch nicht alles. Er hält euch unmündig.“ Diese Linie verlängert sich immer weiter, bis das Misstrauen schließlich in der völligen Leugnung eines gütigen Schöpfers endet.

Mit einer Person, bei der wir uns nicht sicher sind, ob sie es gut mit uns meint, geht jeder distanziert um. Ihre Gegenwart ist kein Geschenk, das man mit Dank und kindlicher Freude annimmt. Ihre Worte wirken bedrohlich. Unser Leben ist als Echo auf die Güte Gottes angelegt. Ist das Herz stumpf geworden für diese Güte, muss ein Mensch ohne Gott selbst Gott sein. Von jetzt an gilt: Ich, Mensch, muss wachsen, er, Gott, aber muss abnehmen bis er am Ende für viele ganz verschwunden ist.

Gegen dieses Schlangengift des Misstrauens hilft nur ein Serum, das Gott selbst herstellen muss, und es wird ihn viel kosten.

Friedrich Zahn

9

Mittwoch

JANUAR

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8.24

16.34

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10.22

20.03

Bibellese: 1. Mose/Genesis 3,14-24

Gott sagte: „Nun ist der Mensch wie einer von uns geworden und weiß, was gut und was schlecht ist. Es darf nicht sein, dass er auch noch vom Baum des Lebens isst. Sonst wird er ewig leben!“

(Vers 22)

Gnadenstoß oder Gnadenschuss – das ist ein verrücktes deutsches Wort. Kann es Gnade sein, ein Leben zu beenden? Im Altertum wird der Gnadenstoß einem tödlich verwundeten Kämpfer von seinem Gegner mit einem Dolch versetzt, um ihm unnötiges Leiden zu ersparen. Der Begriff Gnadenschuss wird verwendet, wenn Soldaten im Kriegsfall schwerverletzte Kameraden oder feindliche Soldaten mit oder ohne Zustimmung töten, um ihnen endloses Leid zu ersparen. In Traueranzeigen liest man, dass jemand durch den Tod aus schweren Leiden erlöst wurde. Nicht sterben können oder gar nicht sterben dürfen, das kann offensichtlich sehr qualvoll sein. Der Tod ist der Sünde Sold. Doch ein Sterben, das nie ein Ende findet, das wäre bereits die Hölle. Das Elend des Menschen, der die Nähe Gottes verloren hat, ist groß genug. Gott will es nicht noch bis in alle Ewigkeit vergrößern.

Gott bleibt nur die Wahl zwischen schlimm und noch schlimmer. In diesem Sinn redet dieses Wort von einer Art himmlischem Gnadenstoß in einem geistlich längst erstorbenen Leben. In der Nähe Gottes hält es der sündige Mensch nicht mehr aus. Er muss sich vor Gottes Gericht verstecken. Gott ist jetzt nicht mehr ein Vater, dem man vertraut, sondern bedrohlicher Gegner, der einengt. Doch fern von Gott kann der Mensch auch nicht leben. Er leidet ja bis heute unendlich in einer Welt, in der er gottlos, Gott losgeworden, ist und nun selbst wie Gott ist und bestimmt, was gut und was schlecht ist. Paulus bringt diesen Konflikt später auf die kurze Aussage: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes?“ (Römer 7,24 L).

Hier fällt eine Tür ins Schloss. Der Weg in den vertrauten Umgang mit Gott und zum Leben ist verschlossen. Der Weg ohne Gott ist, wenn er nicht irgendwo ein gnädiges Ende findet, unerträglich. Das wird so lange gelten, bis jemand kommt, der Weg und Tür und Leben zugleich ist und den Gnadenstoß zum Tod in ein Gnadengeschenk zum Leben umwandelt.

Friedrich Zahn

10

Donnerstag

JANUAR

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8.24

16.36

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10.46

21.07

Bibellese: 1. Mose/Genesis 4,1-16

„Weh, was hast du getan?“, sagte der Herr. „Hörst du nicht, wie das Blut deines Bruders von der Erde zu mir schreit?“

(Vers 10)

Delete“ steht auf einer der Tasten meiner Computer-Tastatur. Delete heißt löschen oder entfernen. Ein Geschehen soll ungeschehen gemacht werden. Kain jedenfalls glaubt, das geht so einfach. Der Mörder verscharrt sein Opfer, Schwamm oder besser Erde drüber. Wird Kain gefragt, heißt es nur: „Ich weiß von nichts. Ich bin nicht der Beschützer meines Bruders.“ Indem er seine Verantwortung ablehnt, hat er in seinem Herzen den Bruder schon längst vor der Tat beseitigt und verscharrt.

Wenn Gott seine Stimme erhebt, dann hilft keine Delete-Taste. Kein Mensch kann sich der Verantwortung vor Gott entziehen. Jeder kennt die Stimme seines Gewissens. Sie ist Teil unserer Gottesebenbildlichkeit. Gott selbst hat diese heilige, richtende Instanz in uns angelegt, einen Mitwisser unseres Tuns, einen Zeugen für oder gegen uns, der noch immer fragt: „Weh, was hast du getan?“ Man kann versuchen, nicht nur einen Menschen, sondern auch die Stimme Gottes im Gewissen aus der Welt zu schaffen. Ein Gewissen kann man beschädigen, ignorieren oder einschlafen lassen, aber totzukriegen ist es nicht. Gottes Anrede und Wort leuchten wie ein Scheinwerfer in die dunklen Räume des Herzens und decken sie auf: die verscharrten Leichen auf unserem Weg.

Kain rechnet nicht mit der unsichtbaren Wirklichkeit Gottes. Der Himmel kennt keine Delete-Taste. Dort wird nichts gelöscht. Auf Erden heißt es: Abel ist früh verstorben. Im Himmel heißt es: „Weh, was hast du getan?“ Es braucht ein demütiges Herz, das dem Licht Gottes nicht ausweicht. Der Apostel Paulus sagt: „Darin übe ich mich, allezeit ein unverletztes Gewissen zu haben vor Gott und den Menschen“ (Apostelgeschichte 24,16 L). Manche versuchen, Gottes Stimme, die im Gewissen laut wird, zu ignorieren. Andere suchen Frieden mit Gott in einem guten Gewissen. Schon immer hat das Wort Gottes auf das Gewissen wie ein Wecker gewirkt, der es aufweckt und manchmal dabei auch erschreckt. Dann sucht das Gewissen einen Weg, um mit Gott ins Reine zu kommen, und bekennt: „Weh, was habe ich getan?“

Friedrich Zahn

11

Freitag

JANUAR

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8.23

16.37

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11.07

22.12

Bibellese: 1. Mose/Genesis 6,5-22

Der Herr sagte: „Ich will die Menschen wieder von der Erde ausrotten – und nicht nur die Menschen, sondern auch die Tiere auf der Erde, von den größten bis zu den kleinsten, und auch die Vögel in der Luft. Es wäre besser gewesen, wenn ich sie gar nicht erst erschaffen hätte.“

(Vers 7)

Ist das Kunst oder kann das weg? So fragt man manchmal ironisch, wenn man sich von zu viel Hausrat trennen möchte. Hätte Noach diese Frage dem Schöpfer so stellen dürfen: „Ist das dein kreatives Kunstwerk Mensch oder kann das weg?“ Wäre das zu sarkastisch gewesen? Nun, immerhin ging es um Gottes eigene, kunstvoll geschaffenen Lebewesen, welche Gott auszulöschen gedachte. Warum bedauerte der Schöpfer seinen Entschluss, die Lebewesen auf der Erde gestaltet zu haben? War Gott am Ende seiner Kunst?

Es wäre wirklich angemessen, wenn einen die Geschichte der todbringenden Flut tief erschrecken würde. Was für einen schockierenden Entschluss fasste denn Gott da?! Der Schöpfer entschloss sich zum GAU, zum größten anzunehmenden Unglück. Er wollte den Menschen das Leben wieder nehmen, das er ihnen anvertraut hatte. Der wunderbar geordnete Kosmos sollte wieder im Chaos versinken. Gott nahm sein Wort vom zweiten Schöpfungstag zurück, als er die bedrohlichen Wassermassen vom Erdboden trennte. Damals konnte das Leben aufblühen. Aber jetzt hielt der Schöpfer die gezähmte Urflut nicht länger zurück. Er ließ den Zerstörungsenergien freien Lauf.

Wie konnte es zu dieser verheerenden Entwicklung kommen? Die sogenannte „Krone der Schöpfung“ erwies sich als Störfaktor für das Zusammenleben. Der Mensch als Verwalter Gottes auf der Erde stellte sich als Fehlbesetzung heraus.

Und ich bleibe ratlos zurück und versuche, den Schmerz und den Zorn des Schöpfers nachzuspüren. Vielleicht höre ich zwischen den Zeilen auch den Rückruf aus der Schöpferwerkstatt? Mensch, hast du ein Glück: Gott ruft dich zurück! Denn es gibt auch heute das Seufzen Gottes über die menschliche Neigung zu Feindschaft und Bosheit. Es wäre schlimm, das zu ignorieren.

Rainer Döllefeld

12

Samstag

JANUAR

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8.22

16.39

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11.27

23.18

Bibellese: 1. Mose/Genesis 7,1-16

Der Herr sagte zu Noach: „Nimm von allen reinen Tieren je sieben Paare mit, aber von den unreinen Tieren nur jeweils ein Männchen und ein Weibchen. Auch von den verschiedenen Vögeln nimm je sieben Paare mit. Ich möchte, dass jede Art erhalten bleibt und sich wieder auf der Erde fortpflanzen kann.“

(Vers 1-3)

Keine Frage: Gott ist ein Gott alles Lebendigen. Gott liebt das Leben, denn er hat es ja erfunden. Diese Schöpferliebe konnte auch sein Zorn über die Maßlosigkeit der Bosheit nicht auslöschen. Und das wird an den detaillierten Rettungsanordnungen überaus deutlich, die der Schöpfer Noach nach dem Archebau gab. Von Nachhaltigkeit hatte der Mensch damals noch keine Ahnung. Die musste er sich von Gott erklären lassen. Deshalb diktierte Gott seinem Rettungsassistenten die genaue Passagierliste der Rettungsarche. Bis ins Kleinste hatte der Retter an alles gedacht. In weiser Voraussicht plante Gott sogar auch die Tiere ein, die Noach nach der Flut aus Dank an ihn opfern würde. Denn so viel war klar: Eine von Gott erfahrene Rettung löst garantiert Dank und Anbetung aus.

Aber dass Gott zum Schluss das Rettungsschiff hinter Noach persönlich abschließt, ist noch einmal besonders anrührend. Als die lebendigen Wesen in Sicherheit waren, versiegelte der Schöpfer allen Lebens die Tür. Die Rettung war schließlich Chefsache. Das erinnert mich an das Lied aus den 1980er Jahren: „Wo ist solch ein Gott, so wie du? … Der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er ist barmherzig! Wo ist solch ein Gott?“

Die Umsicht, mit welcher der Schöpfer in der Fluterzählung beschrieben wird, ist wirklich bemerkenswert. Das Leben auf der Erde musste um jeden Preis erhalten bleiben. So wollte es Gott. Das Überleben durch Paarung sollte sichergestellt werden. Und so sieht man wie in einer Kinderbibel dargestellt die männlich-weiblichen Paare auf Gottes Anordnung zur Arche laufen, kriechen oder fliegen. Menschen und Tiere kommen miteinander vereint an. Das sieht schon irgendwie paradiesisch aus. Kaum ein Mensch kann sich dieser Rettungsgeschichte entziehen. Und Gottes Rettungsabsichten haben sich bis heute nicht geändert. Das darf keiner vergessen.

Rainer Döllefeld

13

Sonntag

JANUAR

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8.22

16.40

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11.47

—.—

1. Sonntag nach Epiphanias

Bibellese: Psalm 71

Gott, schlimme Zeiten hast du mich sehen lassen,

doch immer wieder schenkst du mir das Leben

und rettest mich vor dem sicheren Grab.

(Vers 20)

Je näher mein Ruhestand rückt, desto näher rücken mir ungeahnte Ängste auf den Leib: Was habe ich noch, wenn ich beruflich nicht mehr gefragt bin? Was bleibt mir noch an Lebenszeit? Warten Menschen vielleicht schon darauf, dass ich endgültig abtrete? Werden die Jungen über mich lästern, wenn ich an der Kasse zu langsam bezahle? Muss ich mich schämen, wenn ich Namen vergesse? Reicht mein Glaube aus, wenn ich sehr hilflos sein werde?

Die wiederholte Bitte im Psalm: „Auch im Alter, Gott, verlass mich nicht!“, kann ich inzwischen besser verstehen als früher. Das sehnsüchtige Greifen nach der Hand des Vaters im Himmel erscheint mir sehr naheliegend. Und es rührt mich an, wie engagiert der Bedrängte sein Vertrauen immer wieder bekennt und hofft, dass ihn dieses Vertrauen auch im Alter noch trägt. Was wäre auch ein Glaube wert, der in Zeiten der Schwäche abhandenkommt?

Und an dieser Stelle steht die Grundfrage im Raum: Wo kommt mein Glaube eigentlich her? „Ich gehe einher in der Kraft Gottes!“ (Vers 16 L), bekennt der Beter und macht sich selbst klar, aus welcher Quelle sein Glauben schöpft. Das ist gut zu wissen: Das Vertrauen begann bei Gott, bei seinem Ruf. Und genau dort findet sein furchtsames Fragen täglich eine Zuflucht. „Herr, auf dich traue ich“ (Vers 1 L). Ja, worauf auch sonst, auf meine eigene Überzeugungskraft vielleicht? „Du bist meine Hoffnung, Herr!“ (Vers 5). Es ist so auffällig, wie oft diese Worte in diesem berührenden Gebet auftauchen: „du, dich, deine“. Ich habe dieses „Du“ des Vertrauens 22-mal gezählt. Darauf möchte ich achten, in starken wie in schlimmen Zeiten, dass sich meine Hoffnung an der Begegnung mit meinem Gott entzündet. Ich will bei ihm und seiner Liebe anfangen, wenn ich bete und meine Ratlosigkeit betrachte. Denn er hat mich zuerst geliebt. Und wie sehr, das erkenne ich an Jesus Christus.

Rainer Döllefeld

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Du unsere Hoffnung und unsere Freude, du Gerechtigkeit, du Maß, du all unser Reichtum, mehr als wir brauchen.

Franz von Assisi (1181-1226), Ordensgründer der Franziskaner

14

Montag

JANUAR

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8.21

16.42

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12.07

0.26

Bibellese: 1. Mose/Genesis 7,17-24

Vierzig Tage lang regnete es ununterbrochen. Das Wasser stieg an und hob die Arche vom Boden ab.

(Vers 17)

Im Sommer 2017 überflutete ein Tropensturm mit Sturzregen die Millionenmetropole Houston in Texas (USA). Ein Mann beschrieb seine Erfahrungen: Nachts rettete er sich mit mehreren Tieren aus dem Wohngebiet in den zweiten Stock des Nachbarhauses wie in Noachs Arche. Auch als im selben Sommer eine ganze Woche lang ein Starkregengebiet über Deutschland kreiste, wurde sehr bald in den sozialen Medien an die Sintflut erinnert. Denn mit dieser urzeitlichen Erzählung erahnen Menschen etwas vom bedrohten Leben auf dieser Erde. Die Hochwasserkatastrophen an Oder, Elbe und Saale und auch die verheerenden Tsunamis in Asien brannten sich in das kollektive Gedächtnis ein. Das Zerstörungspotential, das sich zu Noachs Zeiten auf der Erde entlud, ist bis heute nicht wirklich gebannt. Wissenschaftler gehen bei weiter anhaltender Erderwärmung sogar von überfluteten Inseln und Wohngebieten auf der Erde aus.

Die Frage drängt sich auf: Wie sieht die „Arche Noach“ heute aus und wer ist bereit, sie zu bauen? Vermutlich nur derjenige, der auf Gott zu hören versteht. Noach war damals offenbar der einzige Mensch, der für Gott auf Empfang war. Er gab Gott eine Chance, für Rettung zu sorgen. Darf man diese Frage tatsächlich stellen: Wer gibt Gottes Rettungsabsicht für die Welt heute eine Chance? Dabei ist es heute auf vielfältige Weise notwendig, die Menschheit zu retten. Wer bremst die Maßlosigkeit und die Gier? Wer mildert das Stöhnen der überforderten Schöpfung und die Schmerzen gequälter Tiere? Wer baut einen Rettungsort für resignierte Männer, versklavte Frauen und ungewollte Kinder? Wer schafft einen sicheren Platz für Familien, die in Schulden versinken? Die Liste scheint ohne Ende zu sein, so dass man aufgeben möchte. Schließlich kann niemand verhindern, dass Existenzen untergehen.

Und doch lehrt mich Noach, einfach das zu tun, was Gott unmissverständlich klarmacht. „Auf Gott hören und tun, was er sagt!“ Ist das eine zu einfache Formel? Hätte ich es gern komplizierter? Gott will von seinen Haushaltern bekanntlich nur, dass sie treu umgehen mit dem, was er ihnen anvertraut hat.

Rainer Döllefeld

15

Dienstag

JANUAR

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8.20

16.43

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12.29

1.35

Bibellese: 1. Mose/Genesis 8,1-12

Gott dachte an Noach und an all die Tiere, die bei ihm in der Arche waren.

(Vers 1)

Noach hatte kein Handy, um auf sich aufmerksam zu machen und Hilfe zu holen. Während ich diese Zeilen schreibe, zieht Hurrikan Harvey über den Süden von Texas (USA). Nach tagelangem Regen versinkt die Millionenstadt Houston im Wasser. Und stündlich gehen 1 000 Notrufe bei den Behörden ein. Noach saß mit seiner Familie und den Tieren in der Arche – vor der Flut gerettet, aber dem weiteren Geschehen völlig ausgeliefert ohne eigene Handlungsmöglichkeit. Sie konnten nur warten, wie es mit ihnen weitergehen wird.

„Gott dachte an Noach.“ Das ist der Wendepunkt in der Sintflutgeschichte. Von da an steigt das Wasser nicht mehr an, sondern fällt. Aber ob Noach diese Wende gleich mitbekommen hat? Die Arche schaukelt nach wie vor auf dem Wasser und wird von der Strömung und dem Wind hin- und hergetrieben. Wahrscheinlich erst, als sie auf dem Ararat aufsetzen und das Schiff zur Ruhe kommt, merken die in der Arche, dass sich draußen etwas verändert hat.

„Gott dachte an Noach.“ Das klingt fast, als hätte Gott die Menschen und Tiere in der Arche eine Zeit lang aus den Augen verloren, vergessen, im Trubel der großen Flut übersehen. Ich denke, wer durch schwere Phasen im Leben geht oder gegangen ist, kennt das Gefühl: Gott hat mich vergessen. Ich sitze hier in meinem Schlamassel, mit meinen Sorgen, meinen Schmerzen, meinem Verlust, meiner Trauer. Wenn ich bete, verhallt es im Raum und nichts kommt zurück. Alles bleibt so unerträglich, wie es ist. „Gott dachte an Noach.“ Das ist auch eine Verheißung für uns. Gott denkt an uns und verliert uns nicht aus dem Blick. Auch wenn wir den Wendepunkt noch gar nicht bemerkt haben, Gott hat schon angefangen, das Chaos in unserem Leben zu ordnen.

Holger Meyer

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Denk nicht in deiner Drangsalshitze,

dass du von Gott verlassen seist

und dass ihm der im Schoße sitze,

der sich mit stetem Glücke speist.

Die Folgezeit verändert viel

und setzet jeglichem sein Ziel.

Georg Neumark (1641)1657
Aus: Wer nur den lieben Gott lässt walten

16

Mittwoch

JANUAR

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8.19

16.45

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12.55

2.47

Bibellese: 1. Mose/Genesis 8,13-22

Der Herr roch den besänftigenden Duft des Opfers und sagte zu sich selbst: „Ich will die Erde nicht noch einmal bestrafen, nur weil die Menschen so schlecht sind!“

(Vers 21)

Ungefähr ein Jahr lang kann Noach in der Arche nichts anderes tun als warten, geduldig warten, bis es mit seinem Leben, dem Leben seiner Familie und dem Leben der Tiere weitergeht. Und das Erste, was er tut, als er aus der Arche herauskommt, ist: einen Altar zu bauen, ein Opfer darzubringen, einen Gottesdienst zu feiern. Noach nimmt sich Zeit für Gott. Und Gott weiß das zu schätzen. Gott „riecht“ die Dankbarkeit und Lebensfreude des Noach und freut sich mit. Aber das ändert nicht die Urteilskraft Gottes: Die Menschen sind schlecht, böse von Jugend auf.

Das ist für mich so bemerkenswert an der Sintflutgeschichte: Das Urteil über die Menschen ist am Anfang (1. Mose/Genesis 6,11.12) und am Ende gleich, aber die Folgen, die Konsequenzen sind total verschieden. Gott kündigt keine weitere Vernichtung an, sondern die Bewahrung. Gott garantiert den Fortbestand einer von bösen Menschen bevölkerten Welt: „solange die Erde besteht“. Man hat den Eindruck, die Sintflut hat nicht die Menschen verändert, sondern Gott. Das Alte Testament scheut sich nicht, Gott ganz menschlich darzustellen: Gott, der im frischen Abendwind in seinem Garten Eden flaniert und Adam besuchen möchte. Gott, der neugierig näherkommt, als die Menschen ein riesiges Gebäude bauen. Und hier Gott, den der Duft von Gebratenem besänftigt. Aber gleichzeitig wird der Gott Israels nicht als launisch dargestellt, der ständig besänftigt werden müsste. Das galt für alle anderen Götter der Antike. Der Gott Israels ist in seiner Liebe verlässlich. Nichts kann ihn davon abbringen, die Menschen zu lieben und solidarisch mit den Menschen zu sein. Auch nicht die Launen, die Schwachheit, die Bosheit der Menschen.

Holger Meyer

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Barmherziger Gott,

hab ganz herzlichen Dank für deine

bedingungslose Liebe.

Holger Meyer

17

Donnerstag

JANUAR

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8.18

16.46

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13.26

4.01

Bibellese: 1. Mose/Genesis 9,1-17

Gott sagte zu Noach und zu seinen Söhnen: „Das ist der Bund, den ich für alle Zeiten mit euch und mit allen lebenden Wesen bei euch schließe. Als Zeichen dafür setze ich meinen Bogen in die Wolken. Er ist der sichtbare Garant für die Zusage, die ich der Erde mache.“

(Vers 8.12.13)

Der erste Bund, den Gott schließt, ist nicht der mit seinem auserwählten Volk Israel. Der erste Bund, den Gott schließt, ist der mit Noach und mit allen lebenden Wesen.

Am Ende der Sintflut geht es zunächst einmal nur ums Überleben. Gott verspricht in diesem auf den ersten Blick einseitigen Bund: „Ich werde die Erde und alles, was auf ihr lebt, nicht noch einmal vernichten. Als Zeichen dafür hänge ich meinen (Kriegs-) Bogen in die Wolken.“ Das hebräische Wort für Regenbogen ist das gleiche wie für den Bogen, mit dem man Pfeile schießt. Das bedeutet, der Bogen, mit dem Jagd, Krieg und Vernichtung geschieht, wurde von Gott in den Himmel gehängt, als Zeichen: Vernichtung soll nicht mehr sein.

Doch das Thema Leben, Überleben, ist nicht nur ein Versprechen von Gott her, sondern auch eine Aufgabe, ein Gebot für die Menschen: Mord wird bestraft und Fleisch essen an Bedingungen geknüpft.

Wenn wir also das nächste Mal einen Regenbogen sehen, dürfen wir uns daran erinnern: Gott will das Leben. Gott will Frieden zwischen sich und den Menschen, von Mensch zu Mensch und zwischen den Menschen und allen seinen Geschöpfen. Wenn wir das nächste Mal einen Regenbogen sehen, können wir aber auch darüber nachdenken, wie es um unseren Teil des Bundes steht: Wie sieht unsere Beziehung zu Gott aus? Wie gehen wir mit unseren Mitmenschen um, wie mit Tieren und Pflanzen? Ist das lebensförderlich oder eher zerstörend? Der Bogen ist ein Hoffnungszeichen und ein Erinnerungszeichen – für Gott und für uns Menschen.

Holger Meyer

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„Solange die Erde steht“, hast du versprochen, Herr. Hilf uns, dass nicht wir die Erde zerstören, aus Dummheit, aus Größenwahn oder Gier. Du willst das Leben. Zeige uns, wie wir lebensförderlich für alle deine Geschöpfe leben.

Holger Meyer

18

Freitag

JANUAR

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8.18

16.48

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14.06

5.16

Bibellese: 1. Mose/Genesis 9,18-29

Zusammen mit Noach waren seine Söhne Sem, Ham und Jafet aus der Arche gegangen. Die Nachkommen der drei Söhne Noachs haben sich dann über die ganze Erde ausgebreitet.

(Vers 18.19)

Das klingt erst einmal nicht besonders spektakulär: Vier Männer steigen mit ihren Ehefrauen aus einem Schiff aus. Aber was bedeutete dieser Schritt für sie?

Nach Gottes Eingreifen, als Folge der Bosheit der Menschen, war nun wieder alles auf Anfang gestellt. Der Schritt auf festen Boden nach der langen Zeit in der Arche war zugleich der Schritt eines Neuanfangs. Es gab keine „Altlasten“, die sie weiter mit sich herumtragen mussten. Das Leben konnte unter Gottes guten Verheißungen noch einmal für sie beginnen. Die Zukunft stand ihnen offen. Eigentlich eine beneidenswerte Situation.

Der Wunsch und die Sehnsucht, noch einmal neu anfangen zu können, sind wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst. Und sie sind in unserer Zeit noch genauso präsent. Auf manches in unserem Leben schauen wir zurück mit dem Gedanken: Hätte ich es doch anders gemacht oder könnte ich wenigstens noch einmal neu beginnen. Aber Zeit lässt sich nicht zurückdrehen und Geschehenes nicht mehr ungeschehen machen. Und trotzdem gibt es etwas, was uns der Erfahrung, die Noach und seine Familie machen durfte, nahebringen kann. Es ist die Zusage von Jesus, dass wir bei und mit ihm immer wieder neu beginnen dürfen. Unsere Fehler, unser Versagen und unsere Schuld halten ihn nicht davon ab, uns ganz einfach zu lieben. Für ihn sind wir Menschen, die bei ihm eine Perspektive und eine Zukunft haben. Wir dürfen ihm ehrlich bekennen, was falsch gelaufen ist, und ihn um Vergebung bitten. Wie befreiend und wohltuend ist es dann zu spüren, dass wir wieder festen Boden unter den Füßen haben und wir befreit in die Zukunft schauen können.

Hartmut Hunsmann

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Im Vertrauen auf Gottes Liebe kann ich mit Schuld, Enttäuschungen, unerfüllten Hoffnungen und geplatzten Träumen umgehen.

Gisela Gießler

19

Samstag

JANUAR

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8.17

16.49

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14.58

6.28

Bibellese: 1. Mose/Genesis 11,1-9

Der Herr kam vom Himmel herab, um die Stadt und den Turm anzusehen, die sie bauten. Als er alles gesehen hatte, sagte er: „Wenn sie diesen Bau vollenden, wird ihnen nichts mehr unmöglich sein. Sie werden alles ausführen, was ihnen in den Sinn kommt.“

(Vers 5.6)

Schon mehr als einmal habe ich eine interessante Beobachtung gemacht. Wenn eine Gruppe kleinerer Kinder in einen Raum kommt, in dem es Bauklötze oder Legosteine gibt, dauert es in der Regel nicht lange, bis mindestens eines dieser Kinder anfängt, einen Turm zu bauen, so hoch, wie es eben geht, möglichst größer, als man selbst ist. Und dabei müssen auch mal die Steine der anderen mit herhalten, sonst reicht es ja nicht. Und mancher hört auch im Erwachsenenalter nicht mit dem Türmebauen auf. Die Wolkenkratzer in den großen Metropolen unserer Erde stellen es unter Beweis. Auch da scheint der größte Ehrgeiz darin zu liegen, noch höher zu bauen, als es andere schon getan haben. Die Motivation der Turmbauer von Babel war von noch größerem Ehrgeiz getrieben: Die Spitze ihres Gebäudes sollte den Himmel erreichen. Ein Symbol für menschliche Macht und Stärke sollte es werden. Und wie sieht Gott das Ganze? Zumindest erst einmal mit einer gehörigen Portion Humor. Die Menschen glauben, bis an den Wohnort Gottes hoch bauen zu können, und von Gott heißt es, er kam erst einmal herab, um überhaupt erkennen zu können, was da auf der Erde vor sich ging. So unterschiedlich sind die Blickwinkel. Wo wir meinen, Großes und Beständiges geschaffen zu haben, ist das aus Gottes Perspektive oft winzig und unbedeutend.

Diese Erkenntnis macht mich bescheiden und nachdenklich. Immer wieder ertappe ich mich dabei, mir durch das, was ich vollbringe, Ansehen und Sicherheit schaffen zu wollen. Oft verliere ich dabei aus dem Blick, wie nutzlos das ist und wie wenig Wert das alles vor Gott hat. Und gleichzeitig erfüllen mich dann eine große Freude und eine tiefe Dankbarkeit darüber, dass dieser große Gott mich als einzelnen Menschen sieht, kennt und wertschätzt. Dass er von mir gar nicht erwartet, hohe Türme zu bauen, weil er mich mit allem beschenken möchte, was meinem Leben Halt und Sicherheit gibt.

Hartmut Hunsmann

20

Sonntag

JANUAR