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Henry Cloud

Entscheide

gut –

lebe besser!

Der heilsame Prozess,
aus Fehlern zu lernen

Aus dem amerikanischen Englisch
von Julian Müller

Dr. Henry Cloud
ist Psychologe und Mitgründer
der Cloud-Townsend-Klinik, Kalifornien.

Er ist Autor sowie viel gefragter Referent,
Seminarleiter, Berater und Coach.

Das Original erschien unter dem Titel „NEVER GO BACK.
10 Things You’ll Never Do Again“ in New York
bei Howard Books, A Division of Simon & Schuster

© 2014 Dr. Henry Cloud

Die zitierten Bibelstellen sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica, Inc.®.
Verwendet mit freundlicher Genehmigung
des Herausgebers Fontis – Brunnen Basel.

© der deutschsprachigen Ausgabe

2017 Brunnen Verlag Gießen

Lektorat: Petra Hahn-Lütjen

Umschlagfoto: Zamurovic Photography/shutterstock

Umschlaggestaltung: Jonathan Maul

Satz: DTP Brunnen

Herstellung: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN Buch 978-3-7655-0975-9

ISBN E-Book 978-3-7655-7479-5

www.brunnen-verlag.de

Meinen Klienten, Freunden und Mentoren gewidmet,
die mich an ihrem Leben und ihrer Weisheit teilhaben ließen. Ihr habt mir viele Umwege erspart.

Über „Entscheide gut – lebe besser!“

„Wir oft stecken wir fest und kommen einfach nicht raus aus der Rille unseres eingeübten Denkens oder Verhaltens. Dr. Henry Cloud entlarvt in der ihm üblichen humorvollen, praktischen und weisen Art unsere Denkfallen und weist einen Weg zu einem reiferen Leben. Biblisch fundiert und psychologisch klar reflektiert. – Ein Buch für Menschen, die sich auf den heilsamen Prozess einlassen wollen, aus ihren Fehlern zu lernen.

Jörg Ahlbrecht, Willow Creek Deutschland

„Ich hab in das Buch reingelesen und bin fast nicht mehr rausgekommen! …

… Bei Henry Cloud habe ich gelernt, nein zu sagen … ohne Schuldgefühle.

Zu diesem Buch kann ich nicht NEIN sagen: Es hilft, alte Fehler nicht mehr zu machen und gute Entscheidungen zu treffen, die das Leben einfacher und besser machen. Cloud schreibt lebendig und amüsant, liefert fundierte psychologische Erkenntnisse in pragmatischer Sprache und jede Menge Aha-Erlebnisse.“

Bianka Bleier, Buchhändlerin und Autorin

„Ein weises Buch, das Glauben und Psychologie auf gute Art verbindet. Ein praxisnaher Wegbegleiter für alle, die aus ihren eigenen Fehlern lernen wollen.“

Stefan Loß, Leiter ERF Plus

Danksagung

Ein Buch ist wie eine Wanderung. Es gibt jede Menge Wegweiser und Reiseführer. Auf dieser Wanderung haben mir viele Menschen zur Seite gestanden, und ich möchte einigen davon ganz besonders danken.

Vorwort

Die Drei-Meter-Leuchtschrift:
„Achtung Christ!“

Ich freute mich auf das Treffen mit dem Programmchef. Er arbeitete für einen großen Fernsehsender und wollte mit mir über ein neues Projekt reden. Einige Kollegen hatten ihn auf mich aufmerksam gemacht. Wir hatten ein anregendes Telefongespräch darüber gehabt, wie ich das von ihm gewünschte Thema angehen würde, und er schien von der Sache regelrecht begeistert. Ja, bis …

Ich ließ mich vom Kellner an seinen Tisch führen.

„Hallo, ich bin Henry“, sagte ich. „Freut mich, Sie persönlich kennenzulernen.“

„Hallo“, erwiderte er. Aber sein Auftreten war längst nicht mehr so enthusiastisch wie bei unserem Telefonat ein paar Tage zuvor. Nachdem wir bestellt hatten, redete er nicht lange um den heißen Brei herum.

„Also …“, setzte er an. „Ich habe Sie gegoogelt.“

„Und?“

„Ich habe nur Ihren Namen eingegeben, und schon blinkte da diese Drei-Meter-Leuchtschrift ‚Achtung, Christ!‘ über Ihrem Kopf.“

„Äh … wie bitte?“ Ich hatte diese Leuchtschrift noch nie gesehen und war dementsprechend verwirrt.

„Das meiste, was ich zu Ihrer Arbeit gefunden habe, war so … religiös“, monierte er. „Am Telefon machten Sie eigentlich einen ganz normalen Eindruck, deswegen war ich so schockiert. Ich meine, Sie sind doch ein richtiger Psychologe, oder? In einem der Videos hätte ich Sie fast für einen Pfarrer gehalten. Es ging nur um Gott und Jesus und lauter religiöses Zeug.“

Ich verschluckte mich vor Lachen fast am Kaffee.

„Schon klar“, meinte ich. „Entschuldigung, bei der ‚Drei-­Meter-Leuchtschrift‘ und dem ‚ganz normalen Eindruck‘ muss ich einfach lachen. Aber Sie haben schon recht, das ist manchmal problematisch.“

„Wieso problematisch?“

„Genau wie Sie sagen“, fuhr ich fort. „Ich nehme meine Arbeit sehr ernst. Sie basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Ich forsche viel im Bereich der klinischen Psychologie, Beziehungspsychologie und Persönlichkeitspsychologie. In diesem Sinne bin ich ein ‚richtiger Psychologe‘. Der Großteil meiner Arbeit findet auf einer ganz ‚normalen‘ Ebene statt, im säkularen Bereich. Wie bei diesem Fernsehsender, bei CNN oder Fox, oder bei Firmen und Führungskräfteseminaren. Nirgendwo geht es dabei um ­Spiritualität oder den christlichen Glauben. Wenn es um Depressionen, Beziehungskrisen oder das selbstzerstörerische Verhalten eines Geschäftsführers geht, halte ich mich an wissenschaftliche Methoden und Erkenntnisse. Deswegen haben wir auch bei unserem Telefonat einen guten Draht gefunden, denke ich. Eben das ganz normale ‚Psychologenzeug‘, wie Sie sagen.

Aber auch wenn ich nicht besonders religiös bin, wie Sie das nannten, bin ich trotzdem ein gläubiger Mensch. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass Wissenschaft und Forschung sich mit dem decken, was meine Glaubenstradition lehrt. Manchmal darf ich in einem Umfeld vortragen, schreiben oder arbeiten, wo der Glaube an Gott eine Rolle spielt. Insofern überrascht es mich nicht, dass Sie auf solches Material gestoßen sind. Aber keine Angst“, fasste ich amüsiert zusammen.

„Schön, aber Sie haben gesagt, dass Ihr Glaube manchmal problematisch ist. Inwiefern?“

„Nehmen Sie Ihren Gesichtsausdruck, als ich an den Tisch kam“, erwiderte ich. „Den sehe ich nicht zum ersten Mal.“

„Welchen Gesichtsausdruck?“

„Eigentlich haben Sie es selbst gut zusammengefasst: ‚Ich dachte, Sie wären ganz normal, und jetzt sind Sie einer von diesen komischen religösen Leuten.‘

Wissen Sie, weil ich auch über den Glauben an Gott und dessen Einfluss auf unser Leben schreibe, stecken die Leute mich manchmal mit religiösen Spinnern in eine Schublade, und ich muss sie erst einmal davon überzeugen, dass der Glaube etwas ganz Normales ist. Oder wie man so schön sagt: mitgefangen, mitgehangen. Für mich beißen sich nun mal Glauben und Wissenschaft nicht, sondern eins ergänzt das andere.“

„Hm. Das klingt vernünftig … irgendwie“, überlegte mein Gegenüber. „Am Telefon klangen Sie auch überhaupt nicht verrückt. Ich habe mich nur gewundert. Irgendwie hat mir das Angst eingejagt.“

„Ein wenig verrückt bin ich natürlich schon. Sie brauchen nur meine Familie und meine Freunde zu fragen. Ich kann Sie aber beruhigen, es ist nichts, was nach einer Zwangsjacke schreit. Eher durchschnittlich verrückt.“

Der Programmchef lachte, die Situation entspannte sich, und wir konnten über das bevorstehende Projekt sprechen.

Was hat das Gespräch mit diesem Buch zu tun? Sehr viel.

Mein Gegenüber hatte Angst, ich könnte „zu religiös“ sein. Und er ist damit nicht allein. Vielen Menschen ist alles, was zu sehr nach Spiritualität klingt, suspekt, und sie machen sofort zu. Ich möchte meinem Buch dieses Schicksal ersparen, und deswegen zu Beginn ein paar Worte darüber verlieren, woher ich komme.

Dieses Buch basiert auf zwei Grundlagen: 1. Erfolgreiche Menschen haben bestimmte Erkenntnisse und Aha-Momente, die die Richtung ihres Lebens dauerhaft verändern. Diese Erkenntnisse sind für ein gutes Leben unerlässlich und sowohl wissenschaftlich als auch biblisch belegbar. Es gibt klare Zusammenhänge zwischen Wissenschaft, Forschung und dem, was die Bibel lehrt. 2. Der erste Schritt ist es, die Prinzipien als gültig anzuerkennen. Danach müssen sie in Ihrem Leben aber auch zur Anwendung kommen.

Deswegen lege ich mein Augenmerk auf grundlegende Techniken, wie man sein Leben ändert und neue Erkenntnisse in die Tat umsetzt.

Für mich passt alles zusammen: Ich glaube, dass Gott als Erfinder des Lebens und des Universums die Quelle aller Weisheit ist. Er weiß, wie das Leben funktioniert, und hat uns durch die Propheten und Jesus die Schlüssel in die Hand gedrückt. Die Bibel lüftet die Geheimnisse des Lebens. Ich kombiniere in diesem Buch also meine Lieblingsthemen – die Wissenschaft des Lebens und das Leben als Christ. Wenn man so will, darf ich hier mein ganzes Ich einbringen – als Psychologe und als gläubiger Mensch.

Drei Bitten habe ich an Sie, meine Leserinnen, meine Leser:

Erstens hoffe ich, dass Sie die aus der Erfahrung und der Forschung gewonnenen Prinzipien in diesem Buch für sich prüfen und letztendlich davon profitieren. Probieren Sie sie aus und finden Sie heraus, ob sie funktionieren. Ich hoffe, sie bringen Sie sowohl in Ihrer Persönlichkeitsentfaltung als auch in Ihren Beziehungen und Ihrer beruflichen Laufbahn weiter.

Zweitens: Falls Sie nicht an Gott glauben, lassen Sie sich von der geistlichen Sprache und den Bibelzitaten nicht beirren. Lesen Sie darüber hinweg, wenn es sein muss, und profitieren Sie zumindest von den wissenschaftlichen Erkenntnissen und den Erfahrungen, die ich in diesem Buch erzähle. Selbst wenn Sie das Gefühl haben, über mir schwebt die Leuchtschrift „Achtung Christ!“

Drittens: Auch wenn Sie bisher schlechte Erfahrungen mit gläubigen Menschen oder deren Sprache gemacht haben, versuchen Sie bitte, einen neutralen Blick auf das Thema zu behalten. Nehmen Sie die Bibeltexte und meine Erklärungen für bare Münze; schauen Sie bitte nicht durch die Brille der Verrückten, die Sie kennengelernt oder im Fernsehen gesehen haben. Glauben Sie mir, ich sehe das so wie Sie und reagiere genauso negativ auf solche Leute.

Ich habe jedoch beschlossen, mir von den Spinnern nicht den Glauben an sich verderben zu lassen, und ich lade Sie ein, Ihre Vorurteile einmal hintenanzustellen. Glaube und Spiritualität sind in Wirklichkeit ganz anders als die Zerrbilder, die man Ihnen womöglich präsentiert hat. Schauen Sie also genau hin. Versuchen Sie die Weisheit in den geistigen Prinzipien zu entdecken. Wenn Sie mich fragen, zeigen diese nämlich sehr deutlich, dass sich jemand all das, was uns umgibt, ausgedacht haben muss und sich wünscht, dass wir mehr über ihn und darüber herausfinden, wie das Leben funktioniert.

Gott und Glauben sind eigentlich gar nicht so absurd. Mich haben meine Beziehung mit Gott und die Erkenntnis, dass sein Lebenskonzept stimmig ist, einmal aus einer tiefen Krise gerettet. Und seitdem stütze ich mich auf ihn, lerne von ihm und lasse mich in ein Leben führen, das ich mir nie habe träumen lassen.

Ich hoffe, dass Ihnen dieses Buch zum einen konkrete Handlungsprinzipien für Ihr Leben vermittelt und zum anderen einen unverstellten Blick auf Gott ermöglicht. Vielen Dank schon jetzt für die Gelegenheit, die Sie mir dazu geben.

Henry Cloud

Einleitung

Kehrtwende

Ich weiß es noch, als wäre es gestern gewesen. Ich saß auf der Veranda und hatte gerade herausgefunden, dass eine meiner Firmen in ziemlichen Schwierigkeiten steckte. Ich hatte jemanden als Geschäftsführer angestellt, der mir fast ein Jahr lang nur positive Zwischenmeldungen gegeben hatte. Eigentlich hatte ich keinen Grund, argwöhnisch zu sein … bis zu diesem Morgen.

Er war in mein Büro gekommen und hatte mir eröffnet, dass wir eine ordentliche Geldspritze bräuchten, um offene Forderungen zu begleichen. Ich fiel aus allen Wolken. Seine bisherigen Rückmeldungen hatten in mir eher den Eindruck erweckt, bald Früchte zu ernten, anstatt neues Geld in die Firma stecken zu müssen – vor allem nicht in dieser Höhe. Was zum Henker war da passiert?

Ich bohrte so lange, bis ich die Wahrheit herausgefunden hatte. Um es kurz zu machen: Die meisten seiner Zwischenberichte stimmten einfach nicht. Wir verdienten kein Geld; ganz im Gegenteil. Noch schlimmer aber war, dass die meisten Aufträge, die laut seiner Aussage todsicher in der Pipeline waren, gar nicht existierten. Seine Zwischenmeldungen waren eher seine Pläne gewesen – und nicht die Realität. Die Firma steckte in den roten Zahlen und hatte für das kommende Jahr so gut wie keinen Umsatz in Sicht. Ich war bedient.

An jenem Abend setzte ich mich auf die Veranda und sprach mit Gott. Das Telefon klingelte, und als ich den Hörer ans Ohr hielt, rutschte mir das Herz in die Hose. Es war einer meiner Mentoren. Er hatte mir von Anfang an zur Seite gestanden und über Jahre hinweg viel Zeit und Energie in mich investiert. Er selbst war in verschiedensten Branchen ungeheuer erfolgreich. Alles, was er anpackte, wurde zu Gold. Er war der Letzte, mit dem ich in meinem Zustand sprechen wollte. Wie sollte ich ihm erklären, dass ich so dämlich gewesen war? Er würde sich garantiert von mir abwenden. Ich wollte nicht mit ihm reden. Nur aus Loyalität und Dankbarkeit sagte ich nicht „Falsch verbunden“.

„Wie läuft’s?“, wollte er wissen.

„Na ja. Könnte besser laufen“, antwortete ich.

„Wieso, was ist los?“

„Ehrlich gesagt stecke ich in einem Riesenschlamassel …“, setzte ich an. „Ich habe wirklich großen Mist gebaut.“ Und dann erzählte ich ihm die ganze Geschichte. Dass ich den Falschen eingestellt und nicht mehr darauf geachtet hatte, was in meiner Firma los war. Ich fühlte mich so dumm, so naiv … Es war schlimm, mir selbst zuzuhören.

Als ich fertig war, schwieg das Telefon. Wahrscheinlich waren es nur einige Sekunden, aber mir kam es vor wie eine Ewigkeit. Ich wartete darauf, dass er mir gehörig den Kopf wusch. Aber dann sagte er:

„Ja … das haben wir alle durch.“

„Wie bitte?“ Ich dachte, ich hätte mich verhört. „Wir?“ Das klang, als wäre ihm genau dasselbe auch schon passiert, und das war schlichtweg unmöglich. Bei ihm klappte doch immer alles.

„Was meinst du?“, wollte ich wissen.

„Den Fehler. Den haben wir alle gemacht. Wir haben den Falschen eingestellt oder mit dem Falschen Geschäfte gemacht, hätten es kommen sehen sollen und haben teures Lehrgeld bezahlt.“

Dir ist das auch schon passiert?“ Ich traute meinen Ohren kaum.

„Natürlich“, erwiderte er. „Das hat jeder, der jemals irgendetwas aufgebaut oder auf die Beine gestellt hat. Diese Lektion mussten wir alle lernen.“

Und dann kam der Hammer:

„Aber das Gute ist, wenn du diese Lektion einmal gelernt hast, passiert es dir nie wieder. Den Fehler machst du nicht noch mal.“

Die Worte nie wieder blieben sofort hängen. Ich wusste, meinen Fehler wollte ich nicht wiederholen. Nie wieder wollte ich etwas so Wichtiges wie meine Firma jemandem anvertrauen, der nicht absolut zuverlässig war. Die Worte hallten in mir nach. Nie wieder klang wie Musik in meinen Ohren.

Und genau das soll das Thema dieses Buches sein: Nie wieder – 10 Dinge, die Ihnen nicht noch einmal passieren.

„Nie wieder.“ Nie wieder das versuchen, was sowieso nicht funktioniert. Was bedeutet das genau? Ich kam zu folgendem Schluss:

Es gibt gewisse Aha-Effekte, die Menschen – im persönlichen und beruflichen Leben – dazu bringen, nie wieder in ihre alten Verhaltensmuster zurückfallen. Menschen, die diese Aha-Effekte haben, sind nicht mehr dieselben wie vorher. Kurz gesagt, sie haben etwas dazugelernt.

Mein Erlebnis ist nun einige Jahre her. Es weckte natürlich mein Interesse als klinischer Psychologe und Trainer für Führungskräfte. Welche Aha-Effekte erleben Menschen auf dem Weg zum Erfolg? Was ändert ihre Herangehensweise an das Leben, an Beziehungen, an die Karriere? Diese Schlüsselerlebnisse zu identifizieren wäre doch ein hervorragendes Werkzeug, um Menschen voranzubringen, dachte ich.

Und wie setzt man die Erkenntnisse in die Tat um? Etwas zu „verstehen“ ist eine Sache; dieses Verständnis anzuwenden eine andere. Leider tendieren wir oft dazu, dieselben Fehler wieder und immer wieder zu machen. Wie durchbricht man diesen Kreislauf?

In diesem Buch werden wir uns genau diese beiden Fragen stellen.

  1. Welche Schlüsselerlebnisse haben Menschen auf dem Weg zum Gelingen und zum Erfolg?
  2. Wie setzt man seine Erkenntnisse in die Tat um?

Meiner Erfahrung nach sind das die zwei wichtigsten Stellschrauben, um im Leben voranzukommen. Wer das versteht, kann aus dem Vollen schöpfen. Es gibt Menschen, für die ist das in der Theorie sonnenklar. Aber sie erkennen die Verhaltensmuster nicht, die sie in ihrem Vorankommen zurückhalten. Deswegen werde ich in diesem Buch destruktive Verhaltensmuster nennen, die ab sofort der Vergangenheit angehören sollen.

Andere wiederum begreifen, welche Erkenntnisse vonnöten sind, wissen aber nicht, wie man sie in stabile Verhaltensmuster umwandelt. Auch darum wird es in diesem Buch gehen.

Mottenkiste

Als ich anfing, über dieses Buch nachzudenken, wollte ich es zuerst Tut Buße! nennen. Ich wollte diesen alten religösen Ausdruck, der irgendwie zu Unrecht in Verruf geraten ist, neu beleben. Aber mein Umfeld war dagegen. Immer, wenn ich jemandem davon erzählte, hörte ich Dinge wie:

„Bitte nicht!“

„Viel zu negativ.“

„Hört sich an wie ein wütender alter Pfarrer, der mich von der Kanzel aus anbrüllt. Das Buch würde ich niemals lesen.“

„Grauenvoll. Viel zu negativ. Das lege ich gleich wieder weg.“

Und dann versuchte ich zu erklären, worum es eigentlich gehen sollte. „Die Frage dahinter ist, welche Erkenntnisse Menschen haben müssen, die in ihrem Leben Großes erreichen wollen. Und wenn sie es einmal begriffen haben, dann kehren sie nie wieder zu ihrem alten Denken und Verhalten zurück. Es ist, als wäre ein Schalter umgelegt. Die Veränderung ist dauerhaft. Sie sind glücklicher, haben bessere Beziehungen und sind erfolgreicher. Ich sehe es als eine Art ‚mentale Pubertät‘. In der richtigen Pubertät verändert sich der Körper, und man lässt manche Dinge für immer hinter sich. Die Veränderung ist unumkehrbar. Ein Jugendlicher verändert sich im wahrsten Sinne des Wortes.

Und dasselbe trifft auf unser intellektuelles, persönliches und berufliches Wachstum zu. Wer gewisse Türen des Verstehens durchschritten hat, kehrt nicht mehr zum alten Denken zurück“, sagte ich dann. „Es gibt Erkenntnisse, die Menschen richtig nach vorn bringen. Sie verabschieden sich endgültig von ihren ausgetretenen Pfaden und gehen neue Wege.“

„Also das klingt doch viel interessanter als ‚Tut Buße!‘“, kam dann meist zurück. „So ein Buch würde ich lesen!“

Das ist der Grund, warum Sie Entscheide gut – lebe besser! in der Hand halten und nicht Tut Buße. Aber ich möchte trotzdem versuchen, dem negativ behafteten Ausdruck einen positiven Beigeschmack zu geben. „Buße“ ist nämlich eigentlich ein sehr nützlicher Freund, und die Gehirnforschung bestätigt das.

Buße – wahre Umkehr – bedeutet, die Realität zu begreifen

Die Reaktion mit dem wütenden alten Pfarrer sagt eigentlich alles. Bei Reue und Buße sehen die meisten Menschen entweder ihre Eltern, den Pfarrer, eine Nonne oder eine Lehrerin, die mahnend den Zeigefinger hebt. „Mach das nicht noch mal!“ Buße ist ein religiöses Wort, das mit jeder Menge kulturellem Gepäck daherkommt. Man hat das Gefühl, als würde einem eine Autoritätsperson etwas verbieten. Das erregt Widerwillen, und man tut es erst recht. Und das ist das Problem.

Dabei ist die Sache so: Immer, wenn uns der dezente Hinweis, wir sollten irgendetwas in Zukunft lieber lassen, aufbrausend werden lässt, zeigt das, dass wir den Kontakt zur Lebensrealität verloren haben.

Stellen Sie sich ein Kind vor, dessen Eltern es ermahnen, nicht auf die Straße zu laufen. Das Kind sieht die Eltern an, als wäre die Botschaft oder der Bote das Problem, setzt ein bockiges Gesicht auf und geht erst recht los. Gefährlich, oder?

Dabei steckt in „Umkehr“ etwas ganz anderes. Umkehr ist, nach links und rechts zu schauen, bevor man die Straße überquert, und erst dann loszugehen, wenn sie wirklich frei ist – vor allem, wenn man schon einmal angefahren wurde, weil man nicht aufgepasst hat. Dahinter steckt die Erkenntnis: Das passiert mir nicht noch einmal. Es war kein schönes Erlebnis und wird sich auch beim nächsten Mal nicht gut anfühlen. Die Erkenntnis und das Festhalten an der Realität sind stärker als der Impuls, es doch zu tun. Man ist dauerhaft verändert. Man läuft nicht mehr achtlos auf die Straße oder stellt die falsche Person ein, weil man es besser weiß – und weil die Erkenntnis viel Geld, Schweiß und Zeit gekostet hat. Man hat eine Umkehr erlebt, man denkt anders. Diese Bedeutung steckt eigentlich in dem Wort Buße. Buße heißt zu wachsen. Erwachsen zu werden. Anders ausgedrückt: weiser.

Wie schön wäre es doch, wenn wir ständig solche Aha-Erlebnisse hätten! Wir würden andauernd sagen: „Ich tue Buße! Das passiert mir nie wieder“, und es auch so meinen. Es würde bedeuten, dass wir das Wort Buße als positive Kraft und als Geschenk Gottes anerkannt haben.

Aber ich möchte Ihnen das Wort nicht aufzwingen. Nennen Sie es ruhig anders, wenn Sie möchten. Ich werde versuchen Ihnen zu zeigen, wie viel Kraft darin steckt, wenn der Groschen wirklich fällt. Wenn man sich der Realität stellt und einen richtigen, echten Sinneswandel durchmacht. Und wenn man sich von Dingen ein für alle Mal abwendet, die einen am Vorankommen hindern. Wie Sie das nennen möchten, ist mir egal. Ich finde „Buße tun“ nach wie vor gut, aber „einmal und nie wieder“ funktioniert genauso.

Im ersten Teil des Buches geht es um echte Schlüsselerlebnisse: Wir werden zehn Erkenntnisse über Verhaltens- und Gedankenmuster untersuchen, die uns von unseren Zielen abbringen und behindern. Wenn Sie diese Prinzipien begriffen haben und sich an die konkreten Hilfestellungen im zweiten Teil halten, werden Sie Ihre alten Pfade für immer hinter sich lassen können. Sie werden nicht mehr der- oder dieselbe sein. Sie werden nie wieder …

  1. zu dem zurückkehren, was noch nie funktioniert hat
  2. versuchen, „ein anderer Mensch“ zu sein
  3. versuchen, aus jemandem „einen anderen Menschen“ zu machen
  4. versuchen, es allen recht zu machen
  5. sich an kurzfristige Sicherheit klammern, wenn sie einem langfristigen Nutzen im Wege steht
  6. jemandem oder etwas vertrauen, das zu schön ist, um wahr zu sein
  7. das große Ganze aus den Augen verlieren
  8. Sorgfalt und Fleiß vermissen lassen
  9. sich vor der Frage drücken, warum Sie sind, wo Sie sind
  10. vergessen, dass Erfolg von innen kommt

Das alles sind Erkenntnisse, an die sich weise und erfolgreiche Menschen halten. Und sie sind alle mehr oder weniger auf demselben Weg dorthin gekommen. Egal, welchen Lebensbereich es betrifft: Wachstum und Vorankommen folgt einem vorhersehbaren Pfad, der sich sowohl durch Erfahrung als auch durch Forschungsergebnisse belegen lässt. Und er findet sich auch in den Geboten und Geschichten der Bibel wieder. Menschen, die ihm folgen, sind sich der Konsequenzen planlosen Vorgehens sehr genau bewusst; sie haben das derart begriffen, dass sie sich davon endgültig verabschiedet haben. Nun ist es an Ihnen, sich diese Erkenntnisse zu eigen zu machen. Ich möchte Sie dabei unterstützen, sie nach und nach in Ihr Leben zu integrieren.

Wenn „Buße tun“ Sie also stört, lassen wir das endgültig hinter uns. Auf geht’s!

Teil 1

Erkenntnisse, die man nicht mit Gold aufwiegen kann

Für mich war es gut, dass ich erkennen musste: „So geht es nicht weiter!“ Denn da erst lernte ich, wie hilfreich deine Gebote sind.
Psalm 119, 71 (Hfa)

Prinzip

Kehren Sie niemals zu etwas zurück, was noch nie funktioniert hat.