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Herausgeber
Matthias Büchle, Dr. Michael Diener, Gottfried Heinzmann,
Karsten Hüttmann, Wieland Müller

Redaktion

Frank Grundmüller (1. Januar bis 4. Juli)

Friedhardt Gutsche (5. Juli bis 31. Dezember)

Erstellung des Bibelleseplans

Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen

Caroline-Michaelis-Str. 1, 10115 Berlin

Bibeltexte folgen, wenn nicht anders vermerkt, der Lutherbibel,
revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung,
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Zu weiteren verwendeten Übersetzungen siehe Abkürzungen.

© 2016 Brunnen Verlag Gießen und CVJM-Gesamtverband
in Deutschland e. V.

Fotos:

mauritius images/Cultura/Matt Lincoln (Coverfoto der kart. Ausgabe)

Dudaeva, Dudarev Mikhail, Jne Valokuvaus, andreiuc88, AlenD,
Daniela Pelazza, ZouZou, g-stockstudio/Shutterstock.de

jala/photocase.de

Apelöga, Aliyev Alexei Sergeevich, Martin Wimmer/mauritius images

Umschlaggestaltung & Gestaltung der Monatssprüche: Jonathan Maul

Satz: Uhl + Massopust, Aalen


Kartonierte Ausgabe
ISBN 978-3-7655-3077-7 (Brunnen)
ISBN 978-3-7615- 6289-5 (Aussaat)

Gebundene Ausgabe
ISBN 978-3-7655-0637-6 (Brunnen)
ISBN 978-3-7615-6290-1 (Aussaat)

Elektronische Ausgabe

ISBN 978-3-7655-7409-2 (E-Book)

ISBN 978-3-7655-7380-4 (iOS-App)

ISBN 978-3-7655-7379-8 (Android-App)

Inhalt

Vorwort: Bibellesen 500 Jahre nach der Reformation

Januar

Februar

März

April

Mai

Juni

Juli

August

September

Oktober

November

Dezember

Gebete, Meditationstexte und Segenszusprüche

Mitarbeiter „Termine mit Gott 2017“

Bibelstellenregister

Abkürzungen

Vorwort:

Bibellesen 500 Jahre nach der Reformation

Allein die Schrift – wie sieht das praktisch aus?

Im Jahr 2017 feiern wir 500 Jahre Reformation. Was verdanken wir der Reformation? Sicherlich auch die Wiederentdeckung der Bibel. „Allein die Schrift“ – sola scriptura – ist Maßstab und Orientierung für den christlichen Glauben. Das war eine der wesentlichen Forderungen Martin Luthers. Wie kann das praktisch aussehen? Eine Nachahmung Martin Luthers in seinem Umgang mit der Bibel würde die allermeisten überfordern. Er übersetzte die Bibel. Er beschäftigte sich beim Vorbereiten seiner Predigten und Vorlesungen sehr intensiv mit biblischen Texten. Und nicht zuletzt war es ihm wichtig, für sich persönlich in der Bibel zu lesen. Es einfach Luther nachzumachen, hilft nicht weiter. Jeder und jede muss in evangelischer Freiheit herausfinden, welche Art des Bibellesens am besten für die persönliche Situation passt. Doch für jeden Christen bleibt die Frage: Wie kann ich ernst nehmen, dass allein die Schrift Quelle, Orientierung und verbindliche Vorgabe für meinen Glauben ist?

Wertvollwort zum SELBERLESEN

Ich beobachte im Blick auf das Bibellesen eine zunehmende Häppchen-Kultur. Weil wir die wertvollen Worte Gottes unter die Leute bringen wollen, versuchen wir die Bibel in möglichst attraktiven kleinen Häppchen zu servieren. So funktioniert die heutige Gesellschaft. Auch bei der Vermittlung der Bibel reagieren wir auf die Konsumgewohnheiten der Menschen. Doch was kommt nach diesen „Häppchen“? Ein selbstständiger Glaube braucht mehr als kleine Bibelhäppchen. Einzelne Bibelverse brauchen die Einbettung in den Gesamtkontext. Ein Wissen um die großen Linien in der Bibel ist notwendig, um die einzelnen Texte einordnen zu können. Deshalb gibt es Bibellesehilfen wie „Termine mit Gott“. Sie sollen durchaus in kleinen verdaulichen Tagesportionen die großen Linien aufzeigen und Hilfestellung zum Bibellesen bieten.

Ich wünsche mir, dass die Auslegungen in „Termine mit Gott“ dazu ermutigen, die Bibel als persönliches Lese- und Lebensbuch zu entdecken.

Wertvollwort zum SELBERDENKEN

In öffentlichen Debatten um die negativen Einflüsse von Religion taucht immer wieder das Stichwort „Fundamentalismus“ auf. Bei manchen Äußerungen entsteht der Eindruck, dass jeder, der sich auf die Bibel beruft, ein Fundamentalist sei. Mit der Forderung „Allein die Schrift“ war von Anfang an die Frage verbunden, wie die Bibel richtig ausgelegt werden soll. Dabei war es Martin Luther und den Reformatoren wichtig, in der Bibel selbst nachzuforschen, wie sie verstanden werden will.

Bibellesen geht nicht ohne Selberdenken. Wer Bibel liest, stellt Fragen. Selbstständiges Bibellesen regt dazu an, vorgefertigte Meinungen nicht einfach zu übernehmen, sondern kritisch zu prüfen. Und umgekehrt stellt die Bibel auch Fragen an uns: Sie hinterfragt eigene Festlegungen, Verhaltensweisen und Lieblingsdenkmuster.

Ich wünsche mir, dass die Auslegungen in „Termine mit Gott“ dazu anleiten, über die Worte der Bibel nachzudenken und sie zu befragen.

Wertvollwort zum SELBERFINDEN

Was finden wir, wenn wir in der Bibel lesen? Gotteswort oder Menschenwort? Oft wird versucht, an dieser Fragestellung das Schriftverständnis festzumachen. Die einen sagen: Die Bibel ist Gottes Wort. Die anderen: Die Bibel enthält Gottes Wort. Ich halte diese Verkürzung für nicht angemessen.

Wenn wir versuchen, jedes einzelne Wort in der Bibel als geistinspiriert und gottgegeben zu verteidigen, werden wir der Gestalt der Bibel nicht gerecht. Die Bibel ist nicht fertig vom Himmel gefallen, sondern hat eine ganz und gar menschliche Entstehungsgeschichte.

Und wenn wir meinen, von uns aus festlegen zu können, durch welche Worte der Bibel Gott redet und durch welche nicht, werden wir Gott nicht gerecht. Gott redet durch die Worte der Bibel mit uns. Nicht nur durch die Worte, die mir sympathisch sind und die ich als wichtig erachte.

Die Bibel bleibt auch fremd. Und manches in ihr unverständlich. Und doch gibt es in der Vielstimmigkeit der biblischen Bücher eine Stimme, die überall zu hören ist. In der Vielgestaltigkeit des biblischen Zeugnisses gibt es eine Gestalt, auf die alles zuläuft. Martin Luther hat deshalb ein Unterscheidungsmerkmal für das Bibellesen eingeführt. Wir sollen vor allem darauf achten, „was Christum treibet“. Von dieser Mitte Jesus Christus her ist die Bibel zu lesen und zu verstehen. Diese Mitte finden wir, wenn wir in der Bibel suchen.

Ich wünsche mir, dass die Auslegungen in „Termine mit Gott“ dabei helfen, Jesus Christus zu finden.

Gottfried Heinzmann

Leiter des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg

Jahreslosung 2017

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Hesekiel 36,26 (E)

Von Herzen aus Stein und vom Herzen Gottes

Der hat ein Herz aus Stein, so sagen wir, wenn einem Menschen jedes Mitgefühl für andere zu fehlen scheint. Die haben ein Herz aus Stein, so sagen wir, wenn Menschen nichts an sich heranlassen – keinen Rat, kein Mut-mach-Wort, keine Mahnung, keine Warnung, erst recht kein Gotteswort. Ich lasse mir von anderen nichts vorschreiben, ich weiß selbst, was ich will. Da ist kein Durchkommen, da prallt alles ab wie an einer Steinmauer. Die haben ein Herz aus Stein, die sind „zu!“, so sieht der Prophet Hesekiel im babylonischen Exil die Menschen, zu denen er gesandt ist, aber auch ganz Israel, ja uns Menschen damals und heute. Es klingt wie ein Widerspruch: hartherzig trotz aller Frömmigkeit. Da sind fromme Leute, die teils streng an ihren religiösen Traditionen festhalten, aber sie sind zu für Gottes Reden heute, Gottes aktuelles Wort trifft auf versteinerte Herzen. „Frömmigkeit ist das beste Versteck vor Gott“ – die das sagen, haben m. E. recht. Äußerlich gottesfürchtig, innerlich verstockt, steif wie ein Stock, außen noch in Bewegung, aber innen starr, gefühllos, leblos: ein Haus des Widerspruchs (7-mal in Hes 2 und 3).

Doch der Prophet sieht nicht nur die erstarrten Menschenherzen. Er kennt auch Gottes Herz und das ist voller Leben, voller Erbarmen, voller Sehnsucht, voller Hilfsbereitschaft. Gott ist in tiefer Sorge um sein Volk, um diese „Stein-Menschen“. Er will nicht, dass sie an ihrer Herzenshärte zugrunde gehen. Er will, dass sie leben (18,23), neu, erneuert leben und dankbar sind für seine guten und klaren Weisungen, die zum Leben führen und auf die man sich im Leben verlassen kann. Aber warnende oder ermutigende Worte genügen leider nicht mehr. Es muss Größeres passieren: Aus Stein muss Fleisch werden, aus Totem Lebendiges, aus Härte Empfindsamkeit, Sensibilität für andere, für Gottes Geschöpfe und seine Schöpfung. Was für ein Glück: Gottes Herz schlägt weiter kräftig für uns so versteinerte Menschen!

FGu

Wochenspruch

Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.

Kolosser 3,17

Neujahr 1.

„Ich will den Herrn loben, solange es mir möglich ist!“ Nicht beiläufig, nicht in abgedroschenen Phrasen. Der Psalmist sehnt sich mit allem, was ihn ausmacht, danach, dem Schöpfer des Himmels und der Erde nahe zu sein. Gott zu loben wird ihm so wichtig und natürlich wie das sekündliche Atmen. Er bringt Gott sein Lob und weiß weder, wo er anfangen, noch, an welcher Stelle er enden soll. Denn alle Welt ist durchzogen vom Wohlwollen des liebenden Schöpfers. Jede Ecke des Erdbodens, selbst das tiefe Meer, ist durch ihn wohl geordnet und regiert. Denn Gott umsorgt und erhält die Welt. Dabei weiß sich der Beter geborgen unter der Hand Gottes.

Auch wir dürfen uns zu Beginn des neuen Jahres dieser liebevollen Fürsorge Gottes bewusst sein. Warum also nicht das Jahr 2017 bewusst mit einem persönlichen Loblied beginnen?

„Das ist ein köstlich Ding, dem HERRN danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster!“

Psalm 92,2

Das Evangelium nach Lukas

Lukas erklärt zu Beginn, wie es zum Entstehen seines Evangeliums gekommen ist. Er ist allen Berichten sorgfältig nachgegangen und hat das Gesammelte in eine gut verständliche Ordnung gebracht, damit die Leser im Glauben gewiss und für ihr Leben und Zeugnis als Christen gestärkt werden (1,1-4). Ein Ergebnis dieser intensiven Nachforschung ist, dass das Lukas-Evangelium zur Hälfte Texte enthält, die in den anderen Evangelien nicht vorkommen. In diesem sog. Sondergut zeigt sich nun besonders das Christus-Zeugnis des Lukas.

1. Jesus – der Heiland aller. An Jesus wird vor allem die suchende und bergende Liebe Gottes deutlich, die keinen Menschen verloren gibt. „Euch ist heute der Heiland geboren“ (2,10 f.). „Alle Menschen werden den Heiland Gottes sehen“ (3,6). Jesus wendet sich allen Gruppen der Gesellschaft zu. Nur bei Lukas besucht Jesus Pharisäer (7,36; 11,37; 14,1). Wie oft ist er mit den damals Verrufenen und Diskriminierten zusammen (Samariter, Zöllner, Dirnen u. a.).

2. Jesus – Gottes Besuch bei den Menschen. Jesus ist für Lukas der Gast, durch den Gott bei uns Menschen einkehrt und uns so Heil und Versöhnung bringt (19,9). „Gott hat besucht und erlöst sein Volk“ (1,68.78; 7,16), um sie „aus Finsternis und Schatten des Todes auf den Weg des Friedens zu führen“ (1,78 f.). Viele Texte zeigen, wie er an Menschen handelt, die in ihrer Gesellschaft auf wenig Verständnis und Mitgefühl hoffen durften: Prostituierte, Zöllner, Frauen, Kinder, Hirten, Arme, der Verbrecher am Kreuz. Jesus zeigt uns einen leidenschaftlichen Gott, der Menschen sucht, die sich von ihm getrennt haben, der Kranken Heilung bringt und die aufrichtet und ermutigt, die mit ihrer Kraft am Ende sind (5,31 f.; 19,10).

3. Jesus – und die Würde der Frauen. Besondere Beachtung finden bei Lukas die Frauen. Jesus redet nicht über Gleichberechtigung oder gegen die Diskriminierung von Frauen – er handelt. Er nimmt sie in seinen Jüngerkreis auf (8,1-3), unterrichtet gegen alle Tradition Maria, die Schwester der Martha, stellt sie den Jüngern gleich (10,38-42), er macht Frauen in seinen Gleichnissen zu Vorbildfiguren (15,8-10; 18,1-8).

4. Jesus – Hoffnung der Armen und Krise der Reichen. „Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen“ – so singt Maria im Magnificat (1,52 f.). „Er hat mich gesalbt, zu verkündigen das Evangelium den Armen“ – das sagt Jesus in der Antrittspredigt in Nazareth über sich selbst (4,18). „Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer. Wehe euch Reichen! Ihr habt euren Trost schon gehabt“ (6,20-24). Nur Lukas erzählt die Gleichnisse vom reichen Kornbauern (12,16-21 ), vom armen Lazarus und reichen Mann (16,19-31). Nur er schildert, wie der reiche Oberzöllner Zachäus durchs „Nadelöhr“ (18,25) kommt (19,8), während ein Reicher scheitert, weil er seinen Besitz nicht mit den Armen teilen will (18,22).

5. Jesus – der Beter und der Garant der Gebetserhörung. Oft erwähnt Lukas, dass Jesus vor Begegnungen betet (3,21; 5,16; 6,12). Die Abhängigkeit von Gott und der Wunsch nach Übereinstimmung mit dem Vater werden so betont. – Weil die Jünger Jesus als Betenden erleben, entsteht in ihnen der Wunsch, auch so beten zu können wie ihr Meister (11,1). Mit eindrücklichen Gleichnissen (11,5-8; 18,1-8) ermutigt Jesus zum Gebet. Er selbst ist der Garant dafür, dass Beten Sinn hat und nicht ohne Antwort bleibt.

6. Jesus – die Feindesliebe in Person. Nach Lukas hat Jesus seinen Todeskampf vor allem in Gethsemane und nicht so sehr am Kreuz ausgetragen (22,44). Hier findet er zu einem vollen Ja zum stellvertretenden Sterben für uns. Deshalb ist er am Kreuz frei, für seine Feinde zu beten: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (23,34), ist er offen für die Bitte des Verbrechers, der mit ihm gekreuzigt wird (23,42). Jesus lebt Feindesliebe (6,27), er stirbt für seine Feinde und bittet für sie bei Gott um Gnade.

Montag, 2.

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Gott macht sich auf den Weg zu uns. Mitten im Lauf der (römischen) Geschichte wird konkret, was Jesaja Jahrhunderte zuvor offenbart wurde: Alle sollen sehen, wie Gott die zerstörte Beziehung zu uns wieder in Ordnung bringt. Diese einmalige Rettungstat lässt Gott durch Johannes ankündigen. Nicht in Rom, nicht in Jerusalem, sondern mitten im Nirgendwo. Doch die Botschaft hat es in sich: Es geht darum, von Sünden loszukommen und sein Leben radikal zu ändern – äußeres Zeichen der Veränderung ist die Taufe. Denn wo der König der Könige einzieht, ist kein Platz für alte Schuld und krumme Wege. Diese Lebenswende bereitet dem kommenden Heilsbringer den Weg. Denn durch den, der kommt, wird alles neu.

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“

2. Korinther 5,17

Wochenspruch

Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Johannes 1,14b

Dienstag, 3.

Was für ein Volksauflauf. Unterschiedlichste Menschen wollen den exzentrischen Wanderprediger (Mt 3,4) erleben, von seiner Botschaft verwandelt werden und von ihm Absolution erhalten. Doch er hat harte Worte für manche bereit. Muss man sich so etwas bieten lassen? Als gläubiger Jude steht man doch in der Segens- und Verheißungslinie Abrahams. Aber Johannes entgegnet: Es kommt nicht auf eure Vorfahren an, sondern darauf, ob euer Leben Glauben widerspiegelt! Frommen Worten müssen auch fromme Taten folgen. Das gilt auch für Zöllner und Soldaten. Sie sollen ganz neu auf Gott vertrauen. Denn ohne „Extraeinnahmen“ (hohe Zölle und Plünderungen) war auf einmal deutlich weniger Geld vorhanden.

Wo wird eigentlich in meinem Leben Gottvertrauen sichtbar?

„Seid nicht geldgierig, und lasst euch genügen an dem, was ist. Denn der Herr hat gesagt: Ich will dich nicht verlassen und nicht von dir weichen.“

Hebräer 13,5

Mittwoch, 4.

Er hätte groß rauskommen können. Doch Johannes lässt sich nicht beirren: Er ist nicht der Messias, er ist nur sein Bote. Immerhin, er hat klargemacht, was wirklich zählt und dass Gott sein Volk nicht vergessen hat. Aber auf dem Höhepunkt der messianischen Erwartung weist er auf den, der nach ihm kommen wird: Gottes Sohn. In dem wird Gottes Gegenwart und Macht zur Person – Gott selbst tritt mitten unter die Menschen. Verglichen mit ihm ist Johannes nur ein einfacher Sklave (V. 16). Weil sich Johannes ehrfürchtig vor Gott neigt, kann er aufrecht vor Menschen stehen, selbst vor dem Landesfürsten. Herodes bekommt wie alle anderen den Ruf zu Umkehr heiß serviert und er schmeckt ihm überhaupt nicht. Und so landet Johannes im Gefängnis. Sein Leben endet; aber der, der neues Leben bringt, kann beginnen.

„Erhebt den HERRN, unsern Gott, betet an vor dem Schemel seiner Füße; denn er ist heilig“.

Psalm 99,5

Donnerstag, 5.

„Woher komme ich?“ Das kann man manchmal durch handschriftliche Eintragungen in einer alten Bibel herausfinden. Sie geben Zeugnis vom Stammbaum (meist in männlicher Abfolge) und verzeichnen Taufen in der Familie. Lukas erzählt von der menschlichen Herkunft Jesu in umgekehrter Reihenfolge: Zuerst kommt die Taufe, dann die Ahnenreihe. Der beeindruckende Stammbaum, den Jesus aufweisen kann, lässt, menschlich gesprochen, auf etwas Besonderes und Großartiges hoffen. Und diese Hoffnung trügt nicht! Das Großartige und Besondere an Jesus führte aber nicht auf direktem Weg zu Berühmtheit oder allgemeiner Anerkennung, sondern es führte ins Leiden und einen grausamen Tod. Dies geschah mit Absicht, damit wir über unseren Tod hinweg und durch unsere Taufe durch Gott auferweckt werden zu neuem Leben – als seine geliebten Kinder!

„Er soll leben, solange die Sonne scheint und solange der Mond währt, von Geschlecht zu Geschlecht.“

Psalm 72,5

Freitag, 6. (Epiphanias)

Heute feiern Christen in aller Welt Epiphanias, das Fest der Erscheinung des Herrn. Dazu gehören Lesungen über die Taufe Jesu, das Wunder auf der Hochzeit in Kana und Jesu Verklärung. Und schon kommt die Passion Jesu in den Blick. Gleich nach seiner Taufe geht es los: Mit der Versuchung in der Wüste beginnt bereits der Leidensweg, den Jesus gehen wird: in die Wüste, in den Garten Gethsemane und schließlich ans Kreuz. Zuerst geht es um Hunger, dann um Anerkennung und Macht, schließlich um Vertrauen und Gehorsam. Ein Kampf hat begonnen, der mit Unterbrechungen erst mit dem Sieg über den Tod in der Auferweckung Jesu beendet sein wird. Aber die Wüste ist nicht nur ein Ort der Versuchung. Auch das Heil nimmt hier seinen Anfang. Zuerst für Israel, mit dem Auszug aus Ägypten; danach für Jesus, dessen Glaube standhält und ihn als einen Gerechten erweist.

„Halleluja. Lobet den Herrn alle Heiden! Preiset ihn alle Völker. Denn seine Gnade und Wahrheit waltet über uns in Ewigkeit. Halleluja.“

Psalm 117

Samstag, 7.

Ein Gottesdienst in der Synagoge in Nazareth; ein erfülltes Prophetenwort: „Heute.“ Das Heil Gottes ist jetzt da. Später hört auch Zachäus in Jericho ein „Heute“. Dann der Schächer am Kreuz. Weil diese Menschen von Gott wert geachtet sind! Gottes Anrede gilt auch hier und „heute“, an diesem Tag, ohne Ansehen der Person, ganz gleich, ob Menschen arm, bedrückt, besorgt, gefangen, gefoltert oder getötet werden – auch um des Glaubens willen. Gerade Menschen, die Schweres zu bestehen haben, dürfen wissen: Der Heiland ist trotzdem da. Mitten im Leid, mitten in Sorge und Tod. Er trägt mit, er geht mit. Jesus weckt keine falschen Hoffnungen; er macht Menschen in ihrer persönlichen Not keine leeren Versprechungen und stützt keine Illusionen. Sondern er rettet sie – trotzdem!

„Er wird gnädig sein den Geringen und Armen, und den Armen wird er helfen. Er wird sie aus Bedrückung und Frevel erlösen und ihr Blut ist wert geachtet vor ihm.“

Psalm 72,13.14

Wochenspruch

Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.

Römer 8,14

Sonntag, 8.

Ein König wird besungen. Der in diesem Lied besungene und noch erhoffte König hat besondere Qualitäten: Er sorgt für Gerechtigkeit – gerade im Blick auf Arme und Unterdrückte. Mehrfach wird dies im Psalm herausgestellt! Fruchtbar wie von Körnern schweres Getreide auf dem Land, wie grünende Bäume in einer Stadt sollen sie werden. Dieser König sorgt für Frieden. Dafür stehen ihm Ehre und Anbetung zu. Als Christen lesen wir diesen Psalm auf Jesus Christus hin; nicht nur weil hier Epiphanias anklingt (die Könige bringen ihre Geschenke, V. 10), sondern vielmehr wegen der Aufnahme einer Zusage, die schon Abraham galt: „In dir sollen gesegnet sein alle Völker“ (auch Ps 72,17b). Welch ein großes Glück! Jetzt dürfen wir uns dem Volk Gottes einreihen und den Messias anbeten. Gott hat dies ermöglicht; ihm gebührt dafür die Ehre.

„Sein Name bleibe ewiglich; solange die Sonne währt, blühe sein Name. Und durch ihn sollen gesegnet sein alle Völker, und sie werden ihn preisen.“

Psalm 72,17

Montag, 9.

Jesus, der Sohn des Josef, soll der von Gott versprochene Retter sein? Die Besucher der Synagoge erwarten ein Wunder, mit dem Jesus diesen unerhörten Anspruch belegt. Aber Jesus vollbringt kein aufsehenerregendes Wunder. Warum eigentlich gibt Jesus den Menschen nicht, was sie erwarten? Vielleicht, weil er weiß, dass auch ein noch so spektakuläres Wunder die Herzen der Menschen nicht verändert. Glaube erwächst nicht aus dem Wunder; er braucht die echte Begegnung mit Jesus selbst. Jesus ist nicht gekommen, um damalige oder heutige Erwartungen zu erfüllen; er kam, um zu tun, wozu der Vater ihn gesandt hat. Und das hat schon Jesaja angekündigt (V. 18-19). Das macht die Menschen wütend. Sie haben etwas anderes erwartet. – Wo werde ich wütend auf Jesus, weil er nicht so handelt, wie ich es erwarte?

„Denn die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit, wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit.“

1. Korinther 1,22-23

Dienstag, 10.

Die Reaktionen in der Synagoge in Kapernaum sind völlig anders als in Nazareth. Hier wird kein Wunder gefordert. Die Zuhörer sind beeindruckt von dem, was Jesus sagt. Sie sind offen für Gottes Reden in ihrem Leben. Und interessanterweise sind sie es dann, die ein Wunder erleben. Ein „unreiner Geist“, der von einem Menschen Besitz ergriffen hat, erkennt Jesus in seiner ganzen Vollmacht: „Du bist der Heilige Gottes!“ – Der Dämon erkennt, wer der Messias ist, und muss auf dessen Wort hin fliehen. Für alle in der Synagoge wird deutlich: Jesus ist mehr als nur ein Mensch, er ist der Auserwählte Gottes. Er hat Vollmacht, allein durch sein Wort Heilung und Befreiung zu wirken. Er hat Macht, Vollmacht – auch über Dinge, die über unseren Verstand hinausgehen und uns vielleicht Angst machen.

„Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“

1. Johannes 3,8b

Mittwoch, 11.

Menschen, die Jesus eben als Herrn über böse Geister erlebten, bitten nun für die Schwiegermutter des Simon (Petrus). Hohes Fieber, an dem sie litt, endete damals oft tödlich; es ging offenbar um Leben und Tod. Jesus heilt die schwer kranke Frau und viele andere Kranke und Leidende. Es erfüllt sich, was Jesus in der Synagoge in Kapernaum vorgelesen hat (Lk 4,18-19): Gott selbst ist in Jesus in die Welt gekommen, um zu heilen – um dieser kaputten Welt das Heil zu bringen.

Am Ende des Tages zieht Jesus weiter. Die frohe Botschaft, dass Gott diese Welt heil machen möchte, muss auch in den anderen Städten und Dörfern verkündigt werden.

„Der Geist Gottes des HERRN ist auf mir, weil der HERR mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen.“

Jesaja 61,1

Donnerstag, 12.

Als Simon merkt, dass da kein normaler Wanderprediger bei ihm im Boot sitzt, erschrickt er mächtig. In der Begegnung mit Jesus erkennt er schmerzlich: Ich bin ein Mensch, der vor Gott schuldig ist. Mein Leben passt nicht zu dem, wie Gott sich Leben vorstellt. Simon kann die Gegenwart des Sohnes Gottes nicht aushalten; er bittet Jesus wegzugehen. Aber der reagiert ganz anders. Er weiß genau um die Fehler, Schwächen und das Versagen des Simon und lässt ihn trotzdem nicht im Regen stehen. Jesus hält die Sünde des Simon aus – wie groß sie auch gewesen sein mag. Auch in unserem Leben ist keine Schuld so groß, dass Jesus sie nicht aushalten könnte. Jesus geht sogar noch einen Schritt weiter mit Simon und er geht ihn auch mit uns: Trotz unserer Sünden und Fehler möchte er uns gebrauchen, möchte uns einsetzen, um sein Reich in dieser Welt zu bauen.

„Fürchte dich nicht, von nun an wirst du Menschenfischer sein!“

Lukas 5,10b

Freitag, 13.

Heilungsgeschichten erscheinen unserer modernen Weltsicht sperrig. Der unumstößliche Glaube des Aussätzigen: „Willst du, so kannst du“ (V. 12) und die verzögerungsfreie Umsetzung: „Sogleich wich der Aussatz“ (V. 13) stehen wie selbstverständlich nebeneinander. Wie „verfügbar“ Heilung hier erscheint, ja, eben wie selbstverständlich! Auch heute geschehen wunderbare (spontane oder gegen jede Erwartung doch eintretende) Heilungen im Zeichen des christlichen Glaubens. Manchmal geschieht es, aber wie viele gläubige Menschen haben um Heilung gebeten – und sie trat nicht ein? Wie halten wir diese Spannung aus? Vielleicht müssen wir auch darin dem Beispiel Jesu folgen: sich zurückziehen „in die Wüste“ und beten (V. 16).

„Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.“

Matthäus 7,8

Samstag, 14.

Die Heilungen, die er gewirkt hatte, hatten es bewiesen: Mit Jesus war die „Kraft des Herrn“ (V. 17). Aber nun „toppt“ er, was er mit den Heilungen begonnen hatte, noch: Er vergibt dem Kranken seine Schuld – welche Befreiung! –, bevor er ihn körperlich heilt. Die körperliche Dimension der Heilung verbindet sich mit einer geistlichen und seelischen; Jesus sieht den Menschen ganzheitlich. Die Pharisäer stören sich genau an dem Punkt, den wir ohne Probleme akzeptieren, dass Jesus Sünde vergibt. Heute haben wir eher mit dem Heilungsteil unsere Schwierigkeiten. Die letzte Zeile bietet einen möglichen Schlüssel: Über seltsame Dinge erstaunt und entsetzt zu sein, signalisiert eine Offenheit im Herzen. Erstaunen zeigt, dass ich Gottes Wunder erleben kann, auch ohne sie für selbstverständlich und verfügbar zu halten.

„Wir sehen nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.“

2. Korinther 4,18

Wochenspruch

Das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.

Johannes 1,17

Sonntag, 15.

Auch dieser Psalm – wie die meisten anderen auch – ist einerseits kunstvolle sprachliche Komposition; zugleich aber auch Einblick in das lebendige Innere des Gebets. Anfangs sucht der Beter Erhörung seiner Bitte (zwei Mal in V. 2). Dann folgt in V. 3 einer der „wunden Punkte“, die ihn vielleicht ins Gebet geführt haben: Er ist mit Lüge und eitler Machtgier konfrontiert. Nun predigt er sich selbst (und anderen), was er über Gott weiß und nicht vergessen will. Am Ende kann er in eine Wahrnehmung des Friedens hineinfinden. Ein solches Gebet ist in sich ein Schritt auf dem Weg zu einem geheilten (Innen-)Leben. Nehmen wir seine „Grundmuster“ in unser Gebetsreden und Gebetsschweigen auf.

„Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater, … dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen.“

Epheser 3,14.16

Montag, 16.

Zöllner nahmen die Steuern für die verhasste Besatzungsmacht Rom ein. Diese Kollaborateure waren gemiedene Außenseiter, die hauptsächlich zu anderen Zöllnern Kontakte hatten (V. 29). Auch heute lassen sich Berufs- oder Bevölkerungsgruppen ausmachen, die „draußen“ sind. Während der Finanzkrise 2008/2009 war zum Beispiel „Investmentbanker“ ein regelrechtes Schimpfwort. Jesus provoziert damit, dass er sich davon nicht abhalten lässt; er isst nicht nur mit Levi, er beruft ihn sogar zum Jünger, nimmt ihn in den engsten Kreis auf. „Krankheit“ hat viele Gesichter (V. 31) und Jesus blendet keins davon aus. „Kranken“, belasteten, abgeschriebenen Menschen zu begegnen und ihr Leben zu verändern, nennt er seine zentrale Aufgabe – wie provokant das bis heute auch für die „aufrechte“ Gesellschaft sein mag.

„Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wieder gefunden.“

Lukas 15,32

Dienstag, 17.

Hätten die Pharisäer es nicht besser wissen können? Die Ankunft des Messias und der Anbruch der Heilszeit sollten das Fasten beenden. Wo Gott unter den Menschen wohnt, wird ein Stück Himmel auf Erden sichtbar. Das verglich man schon damals mit einer großen Hochzeitsfeier. Die Pharisäer verstehen das Verhalten Jesu und seiner Jünger nicht. Jesus versucht, ihnen klarzumachen, dass das Reich Gottes alles bisher Gedachte übertreffen wird und radikal anders ist, als Menschen es sich vorstellen können. Hätten wir es damals verstanden? Wo bleiben wir in unseren eigenen Vorstellungen und Bildern hängen und bemerken nicht, wo sich für uns der Himmel öffnet und Jesus uns begegnet?

„Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.“

Matthäus 25,35

Mittwoch, 18.

Gott machte den siebten Tag zum Ruhetag und erhob ihn zum heiligen Tag. Im NT lesen wir oft, dass Jesus den Sabbat als Gottes Tag feierte, indem er in Synagogen Gott und der Gemeinde begegnete. Hier nun heilt er am Sabbat in einer Synagoge einen Kranken. Die Pharisäer sehen darin wieder einen Verstoß gegen das Sabbatgebot. Doch Jesus stellt nicht das Sabbatgebot infrage, sondern er stellt die Liebe zum Nächsten und barmherziges Tun über die Gesetze. „Den Sabbat heiligen heißt, Gottes Wort hören und dem Nächsten helfen, womit man kann. Denn Gott will den Sabbat so heilig nicht halten, dass man den Nächsten in der Not darum lasse oder versäumen sollte“ (Luther). Welche Not wird aber dadurch gelindert, dass ich sonntags einkaufe, das Auto putze, die Steuererklärung und die Bügelwäsche erledige?

„Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst.“

1. Mose 20,8

Donnerstag, 19.

Jesus ist nun schon seit einiger Zeit unterwegs. Seine Mission entwickelt sich immer klarer und er braucht ein festes Team von motivierten, zuverlässigen Mitarbeitern, mit denen er sich beraten kann und die mit ihm durch dick und dünn gehen. Wie trifft er die Auswahl? Weder persönliche Sympathien noch objektive Anforderungsprofile entscheiden darüber, wer im Reich Gottes mitarbeitet. Jesus bespricht sich stattdessen eine ganze lange Nacht mit seinem Vater und bereitet so die Auswahl vor. Gott ist es, der entscheidet und die Mitarbeitenden auch befähigt. – An welcher Stelle hat Gott Sie eingeplant und welche Fähigkeiten hat er Ihnen dafür gegeben?

„Du warst tüchtig und zuverlässig. In kleinen Dingen bist du treu gewesen, darum werde ich dir größere Aufgaben anvertrauen.“

Matthäus 25,21 (Hfa)

Freitag, 20.

In dieser Predigt Jesu folgen nach vier Seligpreisungen vier Wehrufe (V. 24-26). Sie beklagen das Unglück von Menschen, die meinen, sich selbst zu genügen. Wem angehäufter Besitz und ein selbst erdachtes Bild von Gott und der Welt ausreichen, der wird Gottes Güte und Zuwendung nicht erkennen. Wer nur davon erfüllt ist, was diese Zeit und Welt anbieten, der wird seinen Hunger nach ewigem Leben damit vielleicht betäuben, aber nicht stillen können. Wer in irdischen Vergnügen seinen Lebensinhalt sucht und dabei gar Gott verlacht, wird am Ende seiner Zeit über ein verfehltes Leben klagen. Und wer sich jeder gerade herrschenden Meinung in der Gesellschaft anpasst und dafür anerkannt werden will, dem wird es egal sein, wie Gott sein Leben beurteilt. – Darum sind diese Wehrufe nichts anderes als Weckrufe:

„Hüte dich, dass dein Herz sich nicht überhebt und du den HERRN, deinen Gott, vergisst.“

5. Mose 8,14

Samstag, 21.

Ist diese Lehre Jesu nicht zu radikal? Sollen denn seine Nachfolger dem Bösen keinen Widerstand leisten und all denen wehrlos ausgeliefert sein, die auf Gewalt setzen? Nein, wehrlos sind sie ebenso wenig, wie Jesus es war, als er dem leibhaftigen Bösen gegenüberstand. Gegen dessen Versuchungen wehrte er sich mit dem Wort Gottes (Mt 4,1-11). Später setzt Jesus den Soldaten, die ihn schlagen, sein Wort entgegen (Joh 18,23). Er ermutigt uns, der Gewalt die von ihm geschenkte Liebe entgegenzusetzen. Er selbst ist diesen Weg gegangen, als er für die Feinde Gottes Versöhnung erwirkte (Röm 5,10). In den hier genannten Beispielen kommt zum Ausdruck, dass die mit Gott versöhnten Nachfolger Jesu an ihren Mitmenschen ähnlich handeln können. So erweist sich, dass sie Kinder ihres himmlischen Vaters sind.

„Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner?

Matthäus 5,46

Wochenspruch

Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.

Lukas 13,29

Sonntag, 22.

Schutz suchen wir gewöhnlich erst dann, wenn uns Gefahr droht. David hat ihn während der Bedrohung durch Feinde von Gott erbeten. Gut, wenn auch wir das in Zeiten der Not tun und dann Gottes Beistand und Hilfe erfahren. Wie ein Schild, an dem tödliche Pfeile abprallen, so kann Gott die bewahren, die sich ihm anvertrauen. Doch nicht nur dann, sondern zu jeder Zeit hält Gott seine schützende Hand über die Seinen. Gut, wenn uns das bewusst wird – wenn wir abends auf den Tag zurückblicken, uns unserem Schöpfer auch im Schlaf anbefehlen und morgens durch seine Güte wieder aufwachen. Was auch immer uns dann am Tag begegnen mag: Die Erinnerung daran, dass Gott uns schützend nah gewesen ist, stärkt das Vertrauen auf seine Gegenwart selbst in Not und Gefahr.

„Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen.“

Epheser 6,16

Montag, 23.

Was motiviert mich, dem anderen zu helfen und seine Eigenarten zu vergeben? Ist es die Liebe des himmlischen Vaters, der auch mir immer wieder aufhilft und meine Unzulänglichkeiten vergibt? Oder ist es die Aussicht auf himmlischen Lohn, den mir Gott eines Tages in dem Maß zuteilt, wie auch ich großzügig teile und weitergebe? Oder ist es mein Verlangen, so zu werden wie Jesus und ihm in allem nachzueifern? Oder ist es vielleicht die Einsicht, dass ich zuerst vor meiner eigenen Tür zu kehren habe und mit gutem Beispiel vorangehen muss, statt mit vermeintlichen Ratschlägen von mir abzulenken? Was auch immer mich motiviert: Auf das Ergebnis kommt es an. Jesus lässt keinen Zweifel daran, dass Barmherzigkeit nicht optional ist, sondern Herzenssache eines jeden Jüngers zu sein hat.

„So bekehre dich nun zu deinem Gott, halte fest an Barmherzigkeit und Recht und hoffe stets auf deinen Gott!“

Hosea 12,7

Dienstag, 24.

„Im Alter zeigt sich der wahre Charakter eines Menschen“, sagte die Stationsleitung zu mir. „Wenn die Kräfte schwinden, lässt auch die Fähigkeit nach, sich anders zu geben, als man ist“, so ihre provokante These. Während meines Zivildienstes in einem Seniorenheim konnte ich dies ein ums andere Mal bestätigt sehen. Jesus geht jedoch noch einen Schritt weiter und beschränkt diese Wahrheit nicht aufs Alter: Gute Taten kann man vortäuschen, guten Charakter nicht. Früher oder später kommt ans Licht, wer ich bin – was mich antreibt und was mich ausfüllt. Deshalb fordert uns Jesus auf, nicht zuerst unser Verhalten anzupassen, sondern vor allem unser Herz für die Gnade und Gerechtigkeit Gottes zu öffnen. Dann ergibt sich der Rest (fast) von selbst.

„Richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der Herzen offenbar machen.“

1. Korinther 4,5

Mittwoch, 25.

Wie kommt es, dass ein römischer Hauptmann diesem Jesus mehr zu- und vertraut als die Menschen seines eigenen Volkes? Man sollte es andersherum erwarten. Er, der sich selbst für ganz und gar unwürdig hält, wird von Ältesten für seine Großzügigkeit gewürdigt. Sie sehen jedoch nur die Äußerlichkeiten. Dass er die Synagoge möglicherweise nicht für sie und aus Liebe zum Volk, sondern aus Liebe zu Gott und für ihn gebaut hat, kommt ihnen nicht in den Sinn. Wie ernst es ihm mit Gott tatsächlich ist und wie grundlegend er die Machtbefugnisse von Gottes Sohn verstanden hat, wird erst in der Aufforderung deutlich: „Sprich ein Wort!“ Wer das Sagen hat, kann die Welt nach seinem Willen ordnen. Jesus erscheint als Mensch wie alle anderen und hat doch das Sagen. Das hat der römische Hauptmann im Gegensatz zu seinen Verehrern verstanden.

„Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.“

1. Samuel 16,7b

Donnerstag, 26.

Das Elend könnte größer nicht sein: Eine Witwe verliert ihren einzigen Sohn. Sie liebte ihn über alles. Wenn ein Kind stirbt, ist das eine der schlimmsten Katastrophen, die man sich denken kann. Bevor das Leben beginnt, findet es ein abruptes Ende. Man steht fassungslos daneben und weiß nicht, wie man helfen soll. Jesus hat mehr als gute Worte. Sein Befehl genügt und der Tod muss fliehen. Er holt den Jungen ins Leben zurück. Das geschieht nicht alle Tage. Wir werden Zeugen eines seltenen Wunders. Jesus zeigt seine Macht über den Tod – ein Vorgeschmack der Auferstehung am Jüngsten Tag. Doch Jesus hat noch mehr: Leben mitten im Leben. Wer lebendig ist, sich aber innerlich leer und tot fühlt, den kann Jesus zu neuem Leben erwecken – zum Leben mit Ausgang Richtung Himmel.

„Jesus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.“

Johannes 11,25

Freitag, 27.

Johannes, der wortgewaltige Wegbereiter für Jesus, bekommt plötzlich Bedenken. Er hört, dass man von Wundern und Worten Jesu im Land spricht. Doch nun nagt der Zweifel an seiner Gewissheit: Bist du wirklich der versprochene Retter? Glaubensgewissheit ist nicht stets in gleicher Dosierung verfügbar. Johannes ist nicht der Einzige, der diese Verunsicherung durchmacht. Die Frage ist nur: Wie gehe ich mit Zweifeln um? Man kann sie hegen, pflegen oder gar zur Tugend erheben. Johannes zeigt uns den besseren Weg: Er befragt Jesus selbst, den, an dem er zweifelt. Unsicherheit im Glauben ist keine Schande. Wer Jesus folgt, wird davon ein Lied singen können. Besser ist es dann, im Gebet mit ihm zu ringen, statt über ihn zu spekulieren. So unangenehm Zweifel auch sind: Wer sie mit Jesus durchlitten hat, dessen Glaube ist wieder ein Stück gewachsen.

„Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand.“

Psalm 73,23

Samstag, 28.

… Wer nicht will, findet Gründe. Die Menschen strömten zu Johannes, sie strömten auch zu Jesus. Doch warum? Es gab die unterschiedlichsten Erwartungen an beide. Und es gab Kritiker, die immer irgendetwas fanden, das sie störte. Doch leider hat solche Kritik einen bitteren Beigeschmack. Das Eigentliche einer Person geht dabei unter. Jesus kam nicht, um effektvoll für Gottes Reich Werbung zu machen. Er kam, damit Menschen zu seinen Freunden und Jüngern werden. Die Zeichen, die Jesus tat, sollten seine Absicht unterstreichen. Bis heute scheiden sich an Jesus die Geister. Die einen folgen ihm, die anderen verfolgen ihn. Es gibt Gründe, sich Jesus zu verweigern. Aber es gibt nur einen Weg zu Gott und der ist Jesus selbst. Wer ihm folgen will, findet Wege. Wer mit ihm lebt, findet, dass es nichts Besseres gibt.

„Und Nathanael sprach zu ihm: Was kann aus Nazareth Gutes kommen! Philippus spricht zu ihm: Komm und sieh es!

Johannes 1,46

Wochenspruch

Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.

1. Johannes 5,4c

Sonntag, 29.

Die Dankbarkeit zu Beginn des Psalms passt zum Sonntag. Heute loben wir Gott, weil Christus lebt. Was folgt, klingt schrecklich; Feinde stürzen, sind am Boden zerstört. Darf man sich da freuen? Widerspricht das nicht der Feindesliebe? Wir dürfen die verschiedenen Ebenen nicht vermischen: David ist als König verantwortlich für das Wohl des Volkes, das er zu schützen hat. Er spricht nicht als Privatperson, auch nicht primär als Handelnder, sondern er weiß um Gottes Hilfe. Dankbarkeit erwächst bei ihm aus dem Wissen, dass Gott Helfer und Richter ist. Letztlich zerstört sich der Mensch selbst, wenn er sich zum Maßstab und Richter aufschwingt: Der Mensch ohne Gott ist am Ende Gott los. David freut sich über seinen Retter. Wir freuen uns über die Rettung, die der „Sohn Davids“ gebracht hat.

„Ich habe dich den Heiden zum Licht gesetzt, dass du das Heil seist bis an das Ende der Erde.“

Apostelgeschichte 13,47

Montag, 30.

Echt peinlich: Die schönen Haare einer stadtbekannten „Sünderin“ trocknen Jesus die Füße – das geht gar nicht! Schon ihr Schatten macht einen Juden unrein. Wie handeln wir in solchen Situationen? Natürlich haben wir nicht den Durchblick, den Jesus hat. Aber wäre es nicht gut, kurz innezuhalten und zu fragen: „What would Jesus do?“ („Was würde Jesus tun?“) Wie souverän geht er zum Kern vor, wie deutlich wird Gottes Wille: Er freut sich über die, die umkehren; sie dürfen leben (Hes 18,23). Jesus will heilen, retten. Das kommt immer zuerst. Danach geht er mit jedem seinen Weg (Joh 21,22). Diese Liebe setzt sich über alle Grenzen hinweg ein für jeden Menschen. Wer sich lieben lässt, wird frei und in dem weckt die Liebe das Wunder des Glaubens. Solche Menschen durchbrechen alle Schranken gesetzlicher Frömmigkeit.

„Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“

1. Johannes 4,16

Dienstag, 31.

Wie wenig wissen wir über diese Frauen! Sie hatten keinen dem Mann ebenbürtigen Wert in der jüdischen Gesellschaft. In einem solchen Schülerkreis waren sie nicht üblich. Einige orthodoxe Juden beten heute noch: „Gott sei Dank bin ich keine Frau.“ Das NT kennt Frauen als Diakoninnen, Hausgemeindeleiterinnen und Mitarbeiterinnen der jungen Gemeinde (Röm 16,1.3-5.12). Unter Jesu befreiender Botschaft finden die Geschlechter einen neuen, gemeinsamen, gleichwertigen Weg. Jesus hat hier eine Spur gelegt, die leider in der Kirchengeschichte immer wieder verlassen wurde. Doch es ist ein wunderbares Zeugnis der Erlösung, wenn Frauen und Männer miteinander in dieser Art, die Jesus vorgelebt hat, vorwärtsgehen und einander helfen, ihre Gaben zu Gottes Ehre einzusetzen.

„Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.“

Galater 3,28