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Ulrike Becker

Schiffbruch
inbegriffen

Scheitern und wie es danach weitergeht

© 2016 Brunnen Verlag Gießen
www.brunnen-verlag.de
Umschlagillustration: Macrovector/shutterstock.com
Umschlaggestaltung: Olaf Johannson, spoon design
Satz: Uhl + Massopust, Aalen
ISBN 978-3-7655-7394-1

Inhalt

Wenn unsere Pläne und Visionen an den Klippen der Realität zerschellen

Die Geschichte der Princess Hope

Am Anfang stand ein hoffnungsvoller Aufbruch

Eine erwartungsvolle Spannung liegt in der Luft

Wir brauchen einen Kompass

Zusagen Gottes, die Raum und Zeit überdauern

Der Wille des Reeders – die gesellschaftliche Seite von Scheitern

Scheitern als Folge der Leistungsgesellschaft?

Wal oder Eisberg?

Gott rechnet mit unserem Schiffbruch

Bekennen und verantworten heißt auch loslassen

Mit den Konsequenzen unserer Fehler vor Gott kommen

Ein vollkommener Teppich trotz unserer Webfehler

An der Klippe zerschellt

Den existenziellen Ängsten begegnen

Wie wir mit unseren Sorgen umgehen können

Vergessen Sie Ihr „Apfelbäumchen“ nicht!

Nicht allein bleiben – Gemeinschaft und gesunde Beziehungen sind eine unschätzbare Ressource

Gefühle sind keine Nebensache!

Im Rettungsboot gibt es nur eines, was trägt

Zweifel gehören dazu

Wir dürfen zweifeln … und lernen zu vertrauen

Wir dürfen uns unsere Überforderung eingestehen … und erfahren, dass Gott mit im Boot ist

Halten Sie Gott hin, woran Sie zerbrechen

Der Stoff, aus dem das Meer gemacht ist

Kein Spielball der Wellen

Spielregel Nr. 1:
Sie brauchen einen langen Atem und ein waches Herz

Spielregel Nr. 2:
Lassen Sie Ihre eigene Bedürftigkeit zu und erlauben Sie Gott, sie zu stillen

Spielregel Nr. 3:
Seien Sie bereit, Hilfe anzunehmen

Spielregel Nr. 4:
Vergeben Sie denen, die an Ihrem Scheitern eine Mitschuld tragen, und lassen Sie los, was vergangen ist

Spielregel Nr. 5:
Kapitulieren Sie vor dem Unvermeidbaren

Spielregel Nr. 6:
Suchen Sie Ihre Gestaltungsspielräume

Ein Segel am Horizont

Weder Kopf-in-den-Sand- noch Formel-1-Syndrom

Die Reise ist noch nicht zu Ende

Ein ehrlicher Blick

Die Kunst der kleinen Schritte

Vom Matrosen zum Seenotretter

Gott handelt

Lebe deine Fragen – wie ein Kind

Scheitern als Chance – eine Frage der Beziehung

Rechtenachweis

Anmerkungen

Wenn unsere Pläne und Visionen an den Klippen der Realität zerschellen

Es gibt Dinge in unserer Gesellschaft, über die man nicht spricht. Oder nur wenn es sich gar nicht mehr vermeiden lässt. Das Scheitern von Lebenszielen, beruflichen Plänen oder freiberuflichen Unternehmungen gehört dazu.

Wer scheitert, hatte Pläne, Träume, wollte etwas bewegen und erreichen. Pläne, die ihm über den Kopf gewachsen sind, die er nicht zu Ende bringen konnte. Er muss wohl etwas falsch gemacht haben … oder er war der Aufgabe nicht gewachsen, so denken wir. Auf jeden Fall hat er (oder sie) es nicht geschafft. Kein Erfolg. Die Pläne alleine zählen in einer Leistungsgesellschaft nicht. Was zählt, sind Ergebnisse und Gewinne. Scheitern bedeutet, die Zielvorgaben nicht zu erreichen und an den eigenen Vorstellungen oder den äußeren Erwartungen und Maßstäben zu zerbrechen.

Wenn wir solche Niederlagen erleiden, zerbersten all unsere Träume, Pläne und Unternehmungen, so wie ein Schiff an einem Felsen zerschellt. Denn das war die ursprüngliche Bedeutung von „scheitern“. Das Wort stammt aus der Sprache der Seeleute im 17. Jahrhundert, als Schiffe noch aus Holz gebaut wurden. Wenn in einer Schiffskatastrophe so ein hölzerner Rumpf auf ein Riff auflief, dann zersplitterte das Holz in unzählige „Scheite“ (ein Wort, das wir heute nur noch vom behaglichen Kaminfeuer kennen). Das Schiff war „gescheitert“ und mit ihm auch die Hoffnungen und Unternehmungen der Menschen auf diesem Schiff. Und die Pläne all derer, die das Schiff auf die Reise geschickt hatten – der Reeder, der Handelsgesellschaften, der Eroberer und Entdecker, der stolzen Kriegsherren und der demütigen Religionsflüchtlinge. All ihre Ziele mit einem Schlag zerborsten – gescheitertes Holz in der tosenden See.

Glücklich, wer da noch ein Rettungsboot findet.

In diesem Buch möchte ich Ihnen erzählen, wie meine Familie und ich Scheitern erlebt haben, und möchte zugleich diesem Thema, über das man nicht spricht, eine Stimme geben. Ich möchte fragen, was Scheitern ausmacht, was es mit uns macht und auch, wie wir damit umgehen können. Mit unseren Enttäuschungen und Fehlern, unseren Emotionen, unserer Ohnmacht, den Scherben unserer Existenz.

Doch Scheitern ist mehr als nur ein grausamer Schicksalsschlag. Ich bin durch eigenes Erleben zu der Überzeugung gekommen, dass dieses Zerbrechen auch eine Chance ist – nicht nur eine persönliche, sondern auch eine Chance für unsere Gesellschaft, die verlernt hat, mit Misserfolg und Krisen umzugehen. Wie können wir durch unser Scheitern menschlich und geistlich wachsen? Was braucht es, damit aus dem Scheitern – das sich wahrlich niemand wünscht und das auch ich niemandem wünsche – eine positive, kraftvolle Erfahrung wird?

Und vielleicht die wichtigste Frage: Wie steht eigentlich Gott zu unserem Scheitern? Wie sieht er uns, die Menschen, die gescheitert sind?

Das, was meine Familie und ich erlebt haben, hat mein Bild vom Leben, von mir selbst und von Gott verändert. Es hat mich Dinge wie Lebenssinn und Lebensfreude, Gemeinschaft, Geben und Nehmen, Bedürftigkeit und Reichtum mit neuen Augen sehen lassen. Bei allem, was wir verloren haben, habe ich auch Dinge gewonnen, die ich auf keinen Fall missen möchte.

Dieses Buch soll ein Buch für die Praxis sein: für Menschen, die selbst an irgendeinem Punkt ihres Lebens gescheitert sind; für Menschen, die anderen in ihren Lebensbrüchen zu Seite stehen; für Menschen, die noch mitten im Aufbruch sind und sich fragen, ob wohl alles gut gehen wird …

Doch weil es nicht leicht ist, über solche Erfahrungen ganz offen und ungeschützt zu sprechen, möchte ich Sie zunächst einladen, sich mit mir auf eine Reise zu begeben – mit einem Schiff, das so niemals über die Weltmeere gefahren ist. Nennen wir es die Princess Hope, die Prinzessin Hoffnung. Lassen Sie uns gemeinsam den hoffnungsvollen Aufbruch, die Reise und das Scheitern dieses Schiffes durchleben.1 So können wir uns diesem schwierigen Thema in einer Weise annähern, die niemanden überfordern muss. Weder Sie als Leser, die möglicherweise an eigene Erfahrungen erinnert werden, noch mich als Autorin, die nicht nur in ihrer Rolle als christliche Beraterin schreibt, sondern Ihnen auch einen ganz persönlichen Einblick gewähren möchte.