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Adam Stadtmiller

Meine
100
Elefanten

Sprenge die Grenzen
deiner Gebete und erlebe
Gottes Wunder

Deutsch von Beate Zobel

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Titel der US-amerikanischen Originalausgabe: Praying for Your Elephant
Copyright © 2015 Adam Stadtmiller
David C Cook, 4050 Lee Vance View, Colorado Springs, Colorado 80918 U.S.A.

Wenn nicht anders angegeben, sind die Bibelstellen der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung von Fontis – Brunnen Basel.

L – Lutherbibel, revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe, © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

NGÜ – Neue Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen. Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft. Wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten.

GNB – Gute Nachricht Bibel, revidierte Fassung, durchgesehene Ausgabe, © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

NLB – Neues Leben. Die Bibel © 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten.

EÜ – Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift
© 1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart.

© 2016 Brunnen Verlag Gießen
www.brunnen-verlag.de
Lektorat: Konstanze von der Pahlen
Elefantenillustration: vichkared/shutterstock
Umschlaggestaltung: Daniela Sprenger
Satz: DTP Brunnen
ISBN 978-3-7655-7381-1

Dieses Buch möchte ich meiner Mutter, Virginia Stadtmiller, widmen. Sie stand an den Pforten der Hölle und kämpfte und betete für mich, während ich als Süchtiger versuchte, mein Leben wegzuwerfen. Von ihr habe ich das Beten gelernt. „Gebet ist immer die Antwort!“, lautet ihr Lebensmotto. Das hat auch mein Leben geprägt.

Einleitung
Ein entspanntes Gebetsleben

Es gibt verschiedene Gründe, warum ich dieses Buch schreiben wollte. Ich kenne viele Christen, die dem Thema Gebet am liebsten ausweichen, weil sie dabei ein schlechtes Gewissen bekommen. Sie denken, dass sie zu wenig beten. Andere haben Angst, zu viel von Gott zu verlangen. Manche wissen nicht, was sie beten sollen, oder sie können sich nicht vorstellen, dass ihr Beten etwas bringt. Für sie ist dieses Buch ganz besonders bestimmt. Ihnen möchte ich zeigen, wie schön ein entspanntes Gebetsleben sein kann.

Scham und Schuldgefühle schaden unserem Beten nur. Sie reduzieren die unendlichen Möglichkeiten der unsichtbaren Welt auf unsere eigenen begrenzten Fähigkeiten. Schuldgefühle hindern uns auch daran herauszufinden, was Gott alles für uns hat. Trotzdem lässt Gott es sich nicht nehmen, in uns und in unserer Umgebung zu wirken. Schade ist nur, dass wir dann die spannende Erfahrung verpassen, Mitarbeiter Gottes zu sein – und das nur, weil wir nicht mit ihm reden.

Ich habe dieses Buch geschrieben, damit Christen beim Thema Gebet kein schlechtes Gewissen mehr haben. Es kommt aus dem Reich der Finsternis und hat in unseren Gebetszeiten nichts zu suchen. Durch Schuldgefühle wird unsere Zeit mit Gott trocken und zäh, statt eine kostbare Zeit des tiefen Austauschs zu sein. Ich bete, dass wir wieder mutig und kühn zu Jesus gehen und ihn um alles bitten, was wir wollen.

Zum Schluss muss ich noch betonen, dass dieses Buch nur einen Teil des Themas Gebet behandelt. Hier geht es ausschließlich um das bittende Gebet. Daneben gibt es noch viele andere Formen des Gebets, wie das hörende Gebet, das Dankgebet oder das Gebet um Heilung. Sie alle kommen in diesem Buch nicht vor. Aber da das Beten ja Gottes Idee ist, kann man dazu so viel sagen und schreiben, wie über Gott selbst: unendlich viel!

Teil eins
Elefanten-Gebete

 

1 Um Elefanten bitten

Worum ihr in meinem Namen bitten werdet, das werde ich tun, damit durch den Sohn die Herrlichkeit des Vaters sichtbar wird.

Johannes 14,13

Den Teufel stört es nicht, wenn wir Bücher über das Gebet lesen, ihm geht es nur darum, uns vom Beten abzuhalten.

Paul E. Billheimer

Mit Knoblauch und Kaffee

Es war genau 5.27 Uhr, als ich auf den Parkplatz meiner Gemeinde in Newport Beach, Kalifornien, fuhr. Seit Kurzem war ich dort als Jugendpastor angestellt. Und irgendwie hatte Bill mich dazu überredet, jeden Morgen um 5.30 Uhr mit ihm zu beten, einen ganzen Monat lang. Bill hatte schon beim vorigen Jugendpastor ehrenamtlich mitgearbeitet. Geistlich war er eine Mischung aus traditionellem Pfingstler und modernem Charismatiker.

Am vergangenen Donnerstag beim Mittagessen waren wir beide noch ganz begeistert gewesen von der Idee, uns dreißig Tage lang in der Früh zum Gebet zu treffen. Aber heute Morgen war ich mir da nicht mehr so sicher. Ich bin jemand, der sich schnell für neue Ideen gewinnen lässt. Doch meistens holt mich die Realität sehr bald wieder ein.

Dass Bill zu spät kam, war da nicht gerade hilfreich. Außerdem hatte er eine unglaubliche Knoblauchfahne. Jemand hatte ihm gesagt, dass roher Knoblauch bei Zahnschmerzen hilft. Seit zwei Tagen kaute er nun schon rohe Knoblauchzehen und hoffte inständig, dass Gott seinen Zahn heilen würde.

Es dauerte ein bisschen, bis das Koffein in meinem Körper zu wirken begann. Dann beteten wir los. Mit Kaffee kann ich das einfach besser. So kommt es mir jedenfalls vor. Ich weiß nicht mehr, wofür wir gebetet haben. Damals notierte ich meine Gebetsanliegen noch nicht. Mein Gebetsstil glich einer alten Schrotflinte, die ihre Munition in alle Richtungen feuert.

Dann waren wir fertig. Ich hatte nicht das Gefühl, dass irgendetwas passiert war. Wir hatten keine Gotteserscheinung gehabt, keine Stimme gehört und waren nicht in den Himmel entrückt worden. Da war nichts außer Bill, seinem Knoblauch und meinem Kaffee.

Ich wollte gerade gehen, als Bill noch etwas einfiel: „Warte mal, wir haben vergessen, um den Elefanten zu bitten.“

Er hatte recht.

Ich muss das jetzt erklären. Als Bill und ich neulich beim Mittagessen zusammensaßen, entdeckten wir nämlich einen Elefanten. Vor der Mittagsverabredung war ich noch kurz in der Gemeinde gewesen und hatte in mein Postfach geschaut. Dort entdeckte ich einen dieser Werbekataloge, in denen Dinge angeboten werden, die Jugendleiter für ihre Jugendlichen mieten können. (Heute kriegt man solche Kataloge nur noch per E-Mail, sehr schade!) Die Gruppen, die ich bis dahin geleitet hatte, konnten sich das alles nicht leisten. Trotzdem liebte ich es, die Kataloge durchzublättern, und freute mich sehr, an jenem Donnerstag so einen bunten Prospekt in meiner Post zu finden. Sollte uns der Gesprächsstoff ausgehen, konnten Bill und ich darin ja blättern.

Wir verstanden uns auf Anhieb. Bill ist wirklich ein Mann Gottes, ein bisschen verrückt, aber auf eine gute Art. Ich mochte ihn sofort. Wer keinen pfingstlich-charismatischen Freund hat, sollte sich dringend einen suchen. Man braucht solche Leute, die einen wieder aufbauen, wenn man ein Tief hat.

Während wir aßen, schauten wir uns also den Katalog an. Was man da alles mieten konnte: von der Hüpfburg über aufblasbare Sumo-Ringer-Anzüge bis hin zur Kletterwand. Tolle Sachen, wirklich – aber unbezahlbar. Als wir die letzte Seite des Katalogs aufschlugen, blieb uns der Mund offen stehen. Da konnte man einen riesigen, echten Elefanten mieten. Unglaublich! Ehrfürchtig bestaunten wir ihn.

Es sollte 2500 Dollar kosten, diesen lebendigen Dickhäuter in die Jugendgruppe kommen zu lassen. Bill und ich waren uns sofort einig: Den mussten wir haben! Nur leider hatten wir keinen Koffer voller Geld. Aber wir waren Diener eines großen Gottes, dem alle Elefanten auf der ganzen Welt gehören. Und unsere Vision für die Jugendlichen war groß genug, dass auch ein Elefant ins Bild passte.

Also beschlossen wir, Gott um diesen Elefanten zu bitten.

Gar nicht so einfach …

… um einen Elefanten zu bitten. Solange noch unzählige Kinder auf der Welt verhungern, kann ich doch nicht ernsthaft dafür beten, dass eine Jugendgruppe mitten in einer der reichsten Gegenden der Welt von einem Elefanten besucht wird, oder? Wozu sollte das gut sein? Mir ist aber auch bewusst, dass Gott unendlich groß ist und sich um die riesigen Probleme seiner Schöpfung kümmert – und trotzdem auch die alltäglichen und manchmal eigentümlichen Anliegen seiner Kinder im Blick hat. Vielleicht kann man um beides gleichzeitig bitten, um den Elefanten für die Jugendgruppe und um Hilfe für die hungernden Kinder überall auf der Welt?

Je nachdem, wie man darüber denkt, wird man mehr oder weniger mutige Gebete wagen und entsprechend auch mehr oder weniger Übernatürliches erleben. Unser Gebetsleben wird kaum durch biblische Vorgaben eingeschränkt, sondern vor allem durch die Grenzen, die wir uns selbst setzen. Wenn wir Gott gegenüber ein schlechtes Gewissen haben, fallen unsere Gebete bescheiden aus. Oft beten wir auch immer wieder dieselben Floskeln, von denen wir annehmen, dass Gott sie gerne hört. So kann sich unser Gebetsleben nicht entfalten, und manchmal endet es dann damit, dass wir kaum noch beten. Wie Vermessungsingenieure ziehen wir Grenzen und passen die Größe unseres Terrains der eigenen Zaghaftigkeit an, statt uns an Gottes Vorgaben zu orientieren.

Ich möchte mit diesem Buch Grenzen sprengen und Mut machen, auf eine ganz neue, andere Art zu beten.

Grenzen erweitern

Ich denke, die meisten Christen beten in irgendeiner Form. Aber nur wenige überlegen gezielt, wie sie die Grenzen ihres Gebetslebens erweitern könnten. Nur an die eigenen Kräfte und Möglichkeiten zu denken, hilft da nicht weiter. Deshalb ist es gut, sich immer wieder daran zu erinnern, was Gebet bewirken kann, und die eigenen Gebete mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Beten wir nur noch aus Disziplin und ohne große Erwartungen? Oder haben wir abenteuerliche Anliegen auf unserer Liste?

Die Frage ist ja nicht nur, was wir in Bezug auf das Gebet glauben, sondern was wir tatsächlich beten. Ist uns bewusst, wie viel Kraft im Gebet liegt? Gibt es Gründe, warum wir unsere Gebete verkürzt und unsere Bitten verkleinert haben? Ist irgendwo Zweifel an die Stelle von Glauben getreten? Können wir Gott um einen Elefanten bitten? Beten wir für freie Parkplätze? Beten wir auch um Heilung für unsere krebskranken Freunde? Können wir uns vorstellen, dass unser Gebet beim Haarekämmen, im Auto oder auf dem Weg zur Arbeit stark genug ist, um in Afrika einem unter Dürre leidenden Landstrich Regen zu bringen? Glauben wir, dass unsere Ehe durch Gebet heil werden kann? Haben wir auch Glauben für die Heilung unseres gebrochenen Herzens? Denken wir, dass Gebet in jeder Situation grundsätzlich richtig ist? Wie sehr fasziniert uns das Thema?

Wie könnte unser Gebetsleben aussehen, wenn wir uns über alle Grenzen hinwegsetzen würden? Was wäre, wenn unser Gebetsleben grenzenlos wäre, wenn wir alles beten und um alles bitten könnten? Warum will unser Verstand die Anliegen immer vorsortieren? Warum lassen wir nicht Gott bestimmen, welche Gebete er erhören will und welche nicht? Was wäre, wenn wir einfach nur beten und den Rest Gott überlassen würden? Können wir die Verantwortung für die inhaltliche und terminliche Bearbeitung unserer Gebete nicht ganz in Gottes Hände legen?

Das verhinderte Gebet

Samuel Chadwick schrieb einmal: „Der Teufel tut alles, um die Christen vom Beten abzuhalten. Wo viel Theologie betrieben, viel gearbeitet und viel Religiosität gepflegt, aber wenig gebetet wird, fürchtet er sich nicht. Er spottet über unseren Fleiß, er amüsiert sich über unsere Weisheit, aber er zittert, wenn wir beten.“1

Je weniger wir beten, desto harmloser sind wir. Der Teufel unterstützt uns gern dabei, unser Gebetsleben zu begrenzen. Es stört ihn nicht, wenn wir uns in einem kleinen, gemütlichen Gebets-Zimmerchen einrichten, solange wir nicht merken, dass uns eine wunderschöne, weitläufige Gebets-Villa zur Verfügung steht.

Ich habe mit Absicht gesagt: Der Teufel unterstützt uns dabei. Er selbst kann nämlich unser Gebet nicht begrenzen. Gebet ist geistliches Dynamit, das Gott und seine Leute gezielt einsetzen. Satan hat keinen Einfluss auf unsere Gebete. Ist ein Gebet erst einmal ausgesprochen, wird es Gottes Thron erreichen – dagegen kann der Teufel nichts tun. Jedes Gebet wird in Ewigkeit als Wohlgeruch vor Gott sein. Johannes schrieb im Buch der Offenbarung: „Im selben Augenblick fielen die vier Gestalten und die vierundzwanzig Ältesten vor dem Lamm nieder. Jeder von ihnen hatte eine Harfe und goldene Schalen voller Weihrauch. Das sind die Gebete aller, die zu Gott gehören“ (Offenbarung 5,8).

Deshalb ist das Gebet für Satan so gefährlich. Gebet überwindet die Barrieren unserer sichtbaren Welt. Es ist unvergänglich. Nichts kann seine ewige Wirkung eindämmen. Seine Kraft ist grenzenlos. Satan bleibt nur die Hoffnung, dass wir nicht beten. Also versucht er ständig, uns vom Beten abzuhalten. Denn ein Gebet, das nie gebetet wurde, kann auch nichts bewirken.

Bitten, suchen und anklopfen

Wozu ist das bittende Gebet überhaupt gut? Dazu, dass Gott es beantwortet?

Also eigentlich geht es – genau wie bei allen anderen Arten des Gebets – vielmehr um die Beziehung zwischen Gott und uns. Wer nur bittet, weil er etwas braucht, ist auf einem gefährlichen Weg. Der benutzt den Glauben und das Gebet dafür, dass es ihm gut geht. Dann aber hat das Evangelium seine Kraft verloren.

Wenn Gott uns gibt, worum wir ihn bitten, empfinden wir das dann als göttliche Wertschätzung? Wenn er unsere Bitten nicht oder nicht schnell genug erhört, fragen wir uns dann, ob er uns noch liebt? Das wäre eine ziemlich ergebnisorientierte Beziehung zu Gott. Der Feind wird immer versuchen, betende Menschen auf diesen Irrweg zu locken, auf dem es mehr um die erfüllten Wünsche als um die Freundschaft mit Gott geht.

Jesus wusste, dass auch beim bittenden Gebet die Beziehung zum himmlischen Vater im Mittelpunkt steht. Er ermutigte seine Jünger, um Elefanten und Ähnliches zu bitten. Doch im selben Atemzug lenkte er ihre Aufmerksamkeit auf den Vater und dessen Fürsorge. Bei jeder Bitte, die wir an Gott richten, soll uns bewusst sein, dass wir als geliebte Kinder zu unserem himmlischen Papa kommen. Das war Jesus sehr wichtig.

Bittet Gott, und er wird euch geben! Sucht, und ihr werdet finden! Klopft an, und euch wird die Tür geöffnet! Denn wer bittet, der bekommt. Wer sucht, der findet. Und wer anklopft, dem wird geöffnet. Würde jemand von euch seinem Kind einen Stein geben, wenn es um ein Stück Brot bittet? Oder eine giftige Schlange, wenn es um einen Fisch bittet?

Matthäus 7,7-10

Jedes Mal, wenn wir uns mit einer Bitte an Gott wenden, haben wir Kontakt mit dem Vater im Himmel und erleben, wie er liebevoll und mitfühlend auf uns reagiert. Je mehr Bitten wir vor ihn bringen, desto intensiver lernen wir ihn als Vater kennen. Und genau das ist sein Wunsch.

Erhört Gott unsere Gebete auf dramatische Weise, dann staunen wir über seine Kraft und Fürsorge. Wenn seine Antworten aber (zeitlich) nicht so eintreffen wie erwartet, können wir lernen, ihm und seiner Fürsorge zu vertrauen. Sagt er Nein und unsere Träume platzen oder ein lieber Mensch stirbt, dann dürfen wir ihn als Tröster kennenlernen, der unsere Trauer teilt.

Gepriesen sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater voller Barmherzigkeit, der Gott, der uns in jeder Not tröstet! In allen Schwierigkeiten ermutigt er uns und steht uns bei, sodass wir auch andere trösten können, die wegen ihres Glaubens leiden müssen. Wir trösten sie, wie Gott auch uns getröstet hat. Weil wir Christus gehören und ihm dienen, müssen wir viel leiden, aber in ebenso reichem Maße erfahren wir auch seine Hilfe.

2. Korinther 1,3-5

Wenn wir Gott als unseren himmlischen Vater kennenlernen wollen, dann ist es gut, mit all unseren Anliegen vor seinen Thron zu kommen.

Doch das ist erst der Anfang. Im sechsten Kapitel werden wir sehen, dass das bittende Gebet noch viel mehr bewirkt. Ganz abgesehen davon, dass unsere Beziehung zum Vater sich vertieft und wir seine Liebe erfahren, hat es drei weitere tolle Auswirkungen. Erstens wird Gottes Herrlichkeit hier auf der Erde sichtbar, zweitens macht Gott unser Leben fruchtbar und drittens werden andere Menschen sehen können, dass wir seine Jünger sind. Je tiefer wir in das Thema einsteigen, desto deutlicher werden wir erkennen, dass es beim bittenden Gebet nur am Rande um die Dinge geht, die wir uns von Gott wünschen.

Einhundert Bitten

Ich wünschte mir, dass meine Gemeinde all das erlebt, was Gott durch unser bittendes Gebet bewirken kann. Also schlug ich vor, eine Liste mit einhundert Gebetsanliegen zu erstellen. Auch die verrücktesten Bitten waren erlaubt. Nur eins war verboten: Niemand sollte etwas nicht auf seine Liste schreiben, weil das vielleicht zu unverschämt oder zu viel verlangt wäre. Zu große Bitten gab es nicht.

Was dann geschah, ist einer der Gründe, warum ich dieses Buch schreibe. Gemeinsam hatten wir angefangen, kühn zu beten. Und wir ernteten nicht nur ein paar schöne Früchte, sondern ein ganzer Obstgarten blühte auf. Eine Unmenge von Geschichten wurde mir erzählt. Es war erstaunlich, was Gott alles tat, als die Leute anfingen, ihn um alle großen und kleinen Dinge ihres Lebens zu bitten.

Daniel schickte mir zum Beispiel folgende Nachricht: „Mein Gebet Nummer 26 wurde, schon eine Woche nachdem ich es aufgeschrieben hatte, beantwortet. Ich hatte mir Ruhe und eine Zeit zu zweit mit meiner Frau gewünscht. Gott hat uns reich beschenkt, viel großzügiger, als ich es erwartet hätte.“

Cindy traf ich auf dem Parkplatz unserer Gemeinde. Sie erzählte mir, dass sie sich 6000 Dollar von Gott gewünscht hatte, um einmal eine richtig schöne Reise mit der Familie zu machen, bevor die Kinder ausziehen würden. Bis dahin hatte sie mit Gott nicht über diesen Wunsch geredet, weil er ihr zu egoistisch vorgekommen war. Dann erzählte sie mir, dass sie vor drei Tagen im Briefkasten einen Scheck über genau 6000 Dollar gefunden hatte. Sie und ihr Mann waren Teil einer Sammelklage gewesen. Jetzt hatten sie die Klage gewonnen und ganz unerwartet diese 6000 Dollar bekommen. Glücklich buchten sie ihre Reise.

Das sind nur zwei Beispiele, aber wir haben es hundertfach erlebt. Seit ich meine Gemeindeglieder ermutige, Gott um alles zu bitten, was sie sich wünschen (einschließlich Elefanten), erleben wir die erstaunlichsten Dinge.2

Konkret

Wenn ich über das bittende Gebet spreche, fällt mir auf, dass viele Christen selbst gar nicht genau wissen, was sie von Gott wollen. Sie beten zwar, aber ihre Gebete sind konturlos und schwammig. Zum Beispiel kann das Gebet für die Kinder so klingen: „Gott, bitte segne meine Kinder. Hilf, dass sie dich lieben, und bewahre sie vor Sünde.“ Das ist ein wichtiges Gebet, aber es ist nicht konkret.

Ein gezieltes Gebet würde eher so klingen: „Gott, bitte segne meine Tochter. Bitte schenke ihr gute Freundinnen und Freunde, die dich lieben. Hilf ihr, diese Versagensangst loszuwerden, und bitte hilf ihr auch, immer die Wahrheit zu sagen. Ich bitte dich darum, dass sie heute nicht lügt. Ich wünsche mir von dir, dass sie ein ehrlicher, aufrichtiger Mensch wird. Und du weißt ja auch, dass sie an diesem Schreibwettbewerb teilnimmt. Ich bitte dich, dass du ihr hilfst, gut abzuschneiden.“

Der Unterschied ist klar, oder? Das erste Gebet ist weitläufig und flach, das zweite ist konkret und geht tief. Beide Gebete sind wertvoll, und beide erreichen Gottes Herz. Aber ich habe herausgefunden, dass konkrete, gezielte Gebete mehr bewirken und Gottes Kraft in stärkerem Maß freisetzen.

Konkretes Beten beschleunigt Gottes Wirken. Unser Gott vergisst keinen i-Punkt und keinen t-Strich, er achtet auf alle Details. Wenn wir spezifisch beten, wird er uns nicht nur besonders segnen und unsere Bitten exakt beantworten, sondern er kann uns auf diese Weise auch seine Liebe zeigen.

Es ist unvergleichlich schön zu erleben, wie Gott ein Gebet bis ins kleinste Detail erhört, sei es ein benötigter Geldbetrag, eine bestimmte Farbe von etwas, das wir von Gott erbeten haben, die Bedingungen eines neuen Arbeitsplatzes oder die Eigenschaften eines Ehepartners.

Gebetserhörungen

Es war im Sommer 1998. Ich war immer noch Jugendpastor in dieser kleinen Gemeinde in Newport Beach. Damals brachte Gott mich auf die Idee, nicht nur konkret zu beten, sondern meine Gebete auch aufzuschreiben. Das begann damit, dass ich ständig über eine bestimmte Bibelstelle stolperte. Egal, ob ich für mich alleine in der Bibel las oder im Auto einen christlichen Radiosender hörte, ob ich sonntags der Predigt lauschte oder mich mit Freunden unterhielt – immer tauchte diese Stelle aus dem Lukasevangelium auf.

Dort erzählt Jesus seinen Jüngern die Geschichte von dem Mann, der um Mitternacht vor dem Haus seines Freundes aufkreuzte und ihn um drei Brote bat. Der Freund fand das zwar lästig, stand aber schließlich auf und gab ihm die Brote, damit er ihn endlich in Ruhe ließ.

Dann sagte Jesus zu den Jüngern: „Stellt euch vor, einer von euch hat einen Freund. Mitten in der Nacht geht er zu ihm, klopft an die Tür und bittet ihn: ‚Leih mir doch bitte drei Brote. Ich habe unerwartet Besuch bekommen und nichts im Haus, was ich ihm anbieten könnte.‘ Vielleicht würde der Freund dann antworten: ‚Stör mich nicht! Ich habe die Tür schon abgeschlossen und liege im Bett. Außerdem könnten die Kinder in meinem Bett aufwachen. Ich kann jetzt nicht aufstehen und dir etwas geben.‘

Das eine ist sicher: Wenn er schon nicht aufstehen und dem Mann etwas geben will, weil er sein Freund ist, so wird er schließlich doch aus seinem Bett steigen und ihm alles Nötige geben, weil der andere so unverschämt ist und ihm einfach keine Ruhe lässt.“

Lukas 11,5-8

Na ja, Gott hat nicht hörbar zu mir gesprochen und mir gesagt, dass ich eine Liste mit einhundert präzisen Gebetsanliegen erstellen soll. Aber ich habe es getan. Einhundert Gebetsanliegen klingt ja zunächst nach sehr viel. Doch ich war überrascht, wie schnell ich sie zusammenhatte. Ohne lange nachzudenken, schrieb ich ein Stichwort nach dem anderen in ein altes Notizbuch: Zehn Punkte in Bezug auf meine Ehe, zehn für meinen Dienst in der Gemeinde, zehn für meine Verwandten, zehn für Freunde, dann schrieb ich zehn Kranke auf, die ich kannte – es war nicht schwer. Die letzten zehn Punkte waren ein paar ganz verrückte, geheime Wünsche. Ich würde zum Beispiel gerne der Pastor meiner Lieblingsmannschaft sein. Das hat Gott noch nicht erfüllt. Außerdem wollte ich gerne an der Goldküste Australiens arbeiten – und 2004 waren wir tatsächlich dort!

In den achtzehn Monaten, nachdem ich meine Liste geschrieben hatte, passierten Dinge, die man wirklich nur übernatürlich nennen kann. Kaum hatte ich die Anliegen aufgeschrieben, begann Gott schon, sie zu erfüllen. Die Jugendgruppe bekam ein neues Soundsystem geschenkt – und zwar genau das Modell, für das ich gebetet hatte. Meine Wirbelsäule wurde geheilt. Vier Monate lang hatte eine Bandscheibe neun Millimeter weit zwischen den Wirbeln herausgestanden und ich hatte nicht gerade stehen können. Am Tag nachdem Gott mich heilte, war ich sogar joggen. Ich hatte seither nie wieder Beschwerden an der Stelle. Die Schuhfirma Vans schenkte unserer Gemeinde einen Skatepark, nachdem wir angefangen hatten, dafür um Geld zu beten. Jugendliche kamen zum Glauben. Einmal verdienten wie achtundzwanzigtausend Dollar, weil wir am Wochenende des Nationalfeiertages Feuerwerkskörper verkauften. Davon konnten wir dann einen Missionseinsatz mit den Jugendlichen machen, den wir aus finanziellen Gründen schon fast abgesagt hätten.

Nach eineinhalb Jahren war meine Liste schon doppelt so lang. Wenn man erlebt, wie ein Gebet nach dem anderen erhört wird, ist die Motivation hoch, neue Anliegen zu formulieren.

Ich glaube, es war dabei ziemlich wichtig, dass ich zu keinem Zeitpunkt gesetzlich wurde, was den Umgang mit dieser Liste betraf. Gebet ist so etwas wie ein guter, konstanter Rhythmus, kein starres System. An manchen Tagen war ich einfach zu müde zum Beten, hielt Gott nur die Liste hin und sagte, dass er doch bitte an alles denken solle. Es gab aber auch Tage, an denen Gott mich drängte, intensiv für einzelne Punkte zu beten. Dann ging ich in die Tiefe und betete von allen Seiten für ein Thema.

So ähnlich war es auch an dem Tag, als Gott mich dazu brachte, für eine mietfreie Wohnung zu beten.

Für die meisten Menschen ist die Miete die höchste monatliche Ausgabe. Uns ging es auch so. Ich war ein frisch verheirateter Jugendpastor in Newport Beach, einem wirklich teuren Pflaster an der kalifornischen Atlantikküste. Außerdem besuchte ich eine Bibelschule, die auch nicht kostenlos war. Wir mussten ganz schön sparen, um über die Runden zu kommen. Eine passable Wohnung hätte für uns damals etwa tausendsechshundert Dollar gekostet. Ich fand es von daher schon ziemlich mutig, Gott um eine Wohnung für achthundert Dollar zu bitten.

Doch kaum hatte ich angefangen, dafür zu beten, kam der Gedanke: Bitte um eine kostenlose Wohnung! Ich kann mich noch genau an meinen nächsten Gedanken erinnern: Denk mal an die vielen Obdachlosen – ist es nicht unverschämt, um so etwas zu bitten? Ist das nicht Undankbarkeit? Nein, das wollte ich nicht beten. Achthundert Dollar wäre wirklich ein ausreichend großes Wunder.

Aber jedes Mal, wenn ich beim Beten zu diesem Punkt auf meiner Liste kam, war da wieder dieser drängende Gedanke. Inzwischen klang er etwa so: Wie lange dauert es eigentlich noch, bis du anfängst, mich um eine kostenlose Wohnung zu bitten? Widerwillig begann ich schließlich, dafür zu beten.

Es ging gar nicht lange, als ein Anruf von einer Universität am Stadtrand von Newport Beach kam. Ich wurde gefragt, ob wir bereit wären, die Verwaltung der Studentenwohnheime zu übernehmen. Dafür könnten wir umsonst wohnen und zusätzlich noch ein kleines Gehalt bekommen. Begeistert sagten meine Frau und ich zu und lebten die nächsten zwei Jahre auf dem Gelände der Concordia University.

Das ist nur eines von vielen Beispielen. Immer wieder ging Gott weit über das hinaus, was ich normalerweise gebetet hätte. Und auch die Geschichte von der kostenlosen Wohnung war damit noch nicht zu Ende. In den siebzehn Jahren, die Karie und ich jetzt verheiratet sind, haben wir insgesamt acht Jahre lang umsonst gewohnt. Die zwei Jahre an der Universität waren nur der Anfang.

Der Elefant ist da!

Vier Jahre waren vergangen, seit Bill und ich damals frühmorgens um einen Elefanten gebetet hatten. Jetzt war ich zusammen mit achtunddreißig Jugendlichen in Bangkok, Thailand. Es war der letzte Missionseinsatz, den ich leiten würde. Schon ein paar Wochen zuvor hatte ich meine Kündigung eingereicht. Ich spürte, dass es an der Zeit war, Newport Beach zu verlassen und weiterzuziehen.

Während des Einsatzes dachte ich oft über meine Entscheidung nach. Die Gemeinde ging durch eine schwierige Phase und es sah so falsch aus, die Jugendlichen jetzt im Stich zu lassen. Immer wieder fragte ich Gott, ob ich das Richtige tat. Ich wünschte mir eine klare Bestätigung von ihm.

Dann kam die letzte Nacht unseres Einsatzes. Ich lag auf dem harten, aber wunderbar kühlen Marmorboden der Gemeinde, bei der wir zu Gast waren. Erst gegen Mitternacht wurden die Jugendlichen ruhig. In dem nun stillen Gemeinderaum bat ich Gott wieder einmal, mir doch ein Zeichen zu geben. Ich wollte mir so gerne sicher sein, ob ich mich in seinem Willen bewegte. Kaum hatte ich zu Ende gebetet, da hörte ich die Stimme eines Jugendlichen: „Da ist ein Elefant im Hof! Ein Elefant ist im Hof!“ Schnell sprangen wir alle auf und rannten nach draußen. Tatsächlich, da stand ein lebendiger Elefant in all seiner Größe und Majestät!

Ich erinnere mich noch genau, wie ich auf den Elefanten zuging. In dem Moment dachte ich nicht an das Gebet, das Bill und ich vier Jahre davor gebetet hatten. Es hatte es nicht auf meine Liste der hundert Anliegen geschafft. Ich hatte es eher als einen Witz und nicht als ein echtes Anliegen eingestuft. Als ich direkt vor ihm stand, erhob der Elefant seinen vom Mondlicht beschienenen Rüssel und erlaubte mir, dass ich seine feuchte Nase streichelte. Genau in dem Augenblick, als ich das Tier berührte, sagte Gott zu mir: Bitte schön, hier ist dein Elefant! Plötzlich spürte ich die Gegenwart Gottes ganz intensiv.

Ehrfürchtig stand ich vor diesem Elefanten, kraulte staunend seinen Rüssel und dachte: Gott, ist das dein Ernst? Ich kann es nicht glauben. Du hast uns tatsächlich einen Elefanten geschickt!

In jener Nacht begriff ich ein bisschen mehr von Gottes Wesen. Er zeigte mir nicht nur, dass er ein Gott des Überflusses ist, sondern dass er auch sehr genau auf die Details und das Timing achtet. Dieser Elefant war der krönende Abschluss eines vierjährigen, kostbaren Dienstes unter diesen Jugendlichen. Gleichzeitig war er genau das Zeichen, das ich brauchte, um zu wissen, dass ich auf dem richtigen Weg war. Der Elefant wurde mir zu einem Zeichen dafür, dass bei Gott kein Gebet verloren geht, auch wenn wir es selbst längst vergessen haben. Er lässt die Dinge genau zur rechten Zeit geschehen.

Doch vor allem war der Elefant für mich ein Zeichen dafür, wie sehr mein Gott mich liebt. Im Brief an die Epheser schreibt Paulus: „Gott aber kann viel mehr tun, als wir jemals von ihm erbitten oder uns auch nur vorstellen können. So groß ist seine Kraft, die in uns wirkt“ (Epheser 3,20).

Brauchte ich diesen Elefanten? Nein. Hätte Gott mir in jener Nacht gesagt, ich hätte ein paar Wünsche frei, dann hätte ich mir ganz sicher keinen Elefanten gewünscht. Ich hatte Gott in meinem Leben schon um sehr viele Dinge gebeten, die nach meiner Einschätzung alle viel wichtiger waren.

Wenn ich jetzt, während ich dieses Buch schreibe, darüber nachdenke, fällt mir auf, dass Gott mir einen viel größeren Elefanten gab, als ich mir von ihm gewünscht hatte. Mir war es einfach nur um einen Spaß mit den Kids gegangen. Aber Gott hatte viel größere Pläne mit meinem Elefanten. Doch das alles war nur so gekommen, weil ich irgendwann einmal so mutig war, Gott um einen Elefanten zu bitten.

So gesehen habe ich das alles Bill zu verdanken.

Deine Elefanten

Meine Hoffnung ist natürlich, dass viele Leser durch dieses Buch in ihrem Beten und in ihrem Leben mit Gott inspiriert werden. Das Buch soll eine neue Leidenschaft für das Gebet wecken. Es soll Mut machen, Träume zulassen und dem persönlichen Gebet wieder eine neue Zielrichtung geben. Über allem steht der Wunsch, dass wir Gott besser kennenlernen und dass er auf der Erde besser bekannt wird.