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Genelle Guzman-McMillan/William Croyle

Engel gibt’s wirklich

Ich war 27 Stunden verschüttet

Eine wahre Geschichte

Die amerikanische Originalausgabe erschien unter dem Titel
„Angel in the Rubble – The miraculous rescue of 9/11’s last survivor“ bei
Howard Books, a Division of Simon & Schuster, Inc, 1230 Avenue of the
Americas, New York, NY 10020

Copyright © 2011 by Genelle Guzman-McMillan

Alle Rechte vorbehalten.

Veröffentlicht durch Vereinbarung mit dem Originalverlag, Howard Books,
a Division of Simon & Schuster, Inc.

Deutsch von Dr. Friedemann Lux

© der deutschen Ausgabe:

Brunnen Verlag Gießen 2012

www.brunnen-verlag.de

Umschlagfoto: Getty Images

Umschlaggestaltung: Ralf Simon

Satz: DTP Brunnen

ISBN 978-3-7655-4066-0

eISBN 978-3-7655-7079-7

Für Roger, meinen Mann, unsere vier wunderbaren Kinder und alle meine Verwandten und Freunde. Dieses Buch wäre nicht möglich gewesen ohne eure stetige Liebe und Unterstützung.

Für die Familien der Opfer des 11. Septembers 2001. Eure Lieben werden nie vergessen sein. Mögt ihr immer Gottes liebende Arme mit Frieden und Trost spüren.

Für euch Helden, die ihr damals selbstlos, bedingungslos und mit ganzer Hingabe eure Zeit, Fähigkeiten und Mittel geopfert habt, für eure Mitmenschen, die euch brauchten. Wir stehen für immer in eurer Schuld.

Inhalt

Prolog

11. September 2001

Bleiben oder gehen?

Terror!

„Wir müssen hier raus“

Auf dem Weg nach unten

Lebendig begraben

Mein Kind

Späte Klarheit

Hölle

Wunder

Reue

Kein Traum

Die Retter

Paul

Wieder im Licht

Rückhalt in der Not

Heilung

Ein neues Leben

Suche nach Paul

Dankbarkeit

Geschichten vom 11. September

Warum ich?

Anhang

Was ich gelernt habe

Die Terroristen

Epilog

Danke!

Prolog

Ich war die letzte Überlebende, die nach den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 unter den Trümmern des World Trade Centers gefunden wurde. Meine Bergung kam 27 Stunden, nachdem der Nordturm auf mich gestürzt war.

Es wurden damals noch etliche andere gerettet. Aber wir leben in einer Welt, in der Zahlen und Platzierungen wichtig sind. Der Erste sein, der Hundertste, der Tausendste, der Millionste, der Letzte – es scheint bedeutsam zu sein für die Menschen. Für mich war die Bezeichnung „letzte Überlebende“ immer bittersüß.

Jedes Mal, wenn ich das höre, muss ich daran denken, dass nach mir keine Überlebenden mehr geborgen wurden. Die mutigen Retter – Feuerwehrleute, Polizisten und ganz normale Bürger aus New York, aus den USA und aus der ganzen Welt – haben damals tagelang geschuftet, um so viele Überlebende zu finden, wie sie konnten. Immer wieder hofften sie darauf, noch einen zu finden. Und noch einen.

Aber einer musste der Letzte sein.

Nach so langer Zeit noch ausgegraben zu werden, war ein echtes Wunder, die Frucht der Mühen und Opfer zahlloser Fremder. Ich werde ewig dankbar sein für das zweite Leben, das sie mir schenkten. Ihnen und der Gnade Gottes verdanke ich es, dass ich der Welt heute meine Geschichte erzählen kann. Ich hoffe und bete, dass diese Geschichte denen Hoffnung bringt, die am meisten Hoffnung brauchen.

Genelle Guzman-McMillan

11. September 2001

Ich öffnete langsam die Augen, langte nach dem Wecker und drückte die Schlummertaste. Es war wenige Minuten vor sechs. Draußen, vor den Fenstern meiner Wohnung in East Brooklyn, war es noch stockdunkel, aber der Tagesanbruch war nicht mehr fern, vielleicht noch eine halbe Stunde.

Mit einem Lächeln streckte ich meine Arme über den Kopf und schob die Bettdecke mit den Füßen beiseite. Ich fühlte mich putzmunter; so tief und gut hatte ich schon lange nicht mehr geschlafen.

Es war ein frischer, klarer Morgen. Durch das Fliegengitter meines offenen Schlafzimmerfensters kam eine kühle Brise. Die Wettervorhersage versprach einen herrlichen, warmen Spätsommertag. In der Mittagspause würde ich mit einer Kollegin die endgültigen Pläne für unseren lang ersehnten gemeinsamen Florida-Urlaub in Miami im Oktober machen. Mein Freund Roger und ich waren wieder ein glückliches Paar. Vor zwei Wochen hatte ein hässlicher Streit unsere Beziehung fast ruiniert, aber am Wochenende hatten wir uns wieder versöhnt. Wir waren richtig aufgeregt, denn diese Versöhnung hatte unsere sechs Monate alte Liebesbeziehung nicht nur gerettet, sondern ihr eine neue Leidenschaft gegeben. Wir waren gewisser denn je, dass wir zusammengehörten.

Am Morgen des 11. Septembers 2001 hätte ich die Welt umarmen können. Das Leben war schön! Echt.

Zuerst gönnte ich mir eine kurze, aber warme und entspannende Dusche, dann putzte ich rasch die Zähne und durchsuchte meinen Kleiderschrank nach einem Outfit, das zu meiner aufgekratzten Stimmung passte. Ich zog eine zartlila Bluse, meinen schwarzen Lieblingsrock und Stöckelschuhe an. Seit meiner Kindheit auf der Insel Trinidad in der Karibik zog ich mich gerne schön an. Egal, ob ich zur Kirche ging oder mit meinen Freunden draußen spielte – es war mir immer wichtig, dass ich gut aussah.

Ich legte letzte Hand an Make-up und Frisur an, dann holte ich tief Luft und blieb ein paar Minuten vor dem Spiegel stehen. Sah ich so aus, wie ich mich fühlte – schön, zuversichtlich, voller Energie? Ich lächelte. Jawohl, ich war bereit für den Tag. Ich legte meine Armbanduhr an, knipste das Badezimmerlicht aus und lief in die Küche, wo meine Schlüssel, die Handtasche und die Sonnenbrille auf dem Tisch lagen. Ich setzte die Brille fest auf und sauste zur Tür hinaus. Im hellen Morgensonnenschein ging ich die Fulton Street hinunter den kurzen Weg zur U-Bahn-Station, wo ich gerade noch rechtzeitig die 7-Uhr-Bahn nach Manhattan erwischte.

Es war ein ziemlich typischer Dienstagmorgen, außer dass Roger, der normalerweise mit mir fuhr, bereits in der City war; er war um einiges vor mir gefahren, um früher mit irgendeiner Extraarbeit anzufangen, die in seinem Büro wartete. Ansonsten war die Zugfahrt so wie immer, mit den gleichen nichtssagenden Gesichtern um mich herum, die ich jeden Tag sah. Der Zug hielt an den üblichen Haltestellen – Chambers Street, dann Broadway-Nassau, wo ich gegen 7.50 Uhr ausstieg. Die Station lag etwa einen Block entfernt vom World Trade Center, einem Komplex aus sieben Gebäuden in Lower Manhattan. Ich arbeitete in der Hafenbehörde der US-Bundesstaaten New York und New Jersey, im 63. Stock des 110-stöckigen Nordturms, der auch unter dem Namen Tower One (Turm 1) bekannt war. Er war einer jener Riesenwolkenkratzer, bei denen einem schwindlig wird, wenn man davorsteht und gerade nach oben schaut. Ich musste zwei der mehrere Dutzend Aufzüge nehmen, um meine Etage zu erreichen.

Dann trat ich aus dem Lift in den Flur des 63. Stocks, ging durch eine der vier Glastüren und steuerte auf meinen Schreibtisch zu. Dort ließ ich meine Handtasche auf meinen Stuhl fallen und schaute auf meine Armbanduhr. 8.05 Uhr. Mist! Fünf Minuten zu spät, und ich hatte mich noch gar nicht zum Dienst eingecheckt. So schnell meine nicht zum Laufen gedachten Pfennigabsätze mich trugen, sauste ich, Kollegen ausweichend, ans andere Ende der Etage zum Einchecken.

Die Hafenbehörde ist seit ungefähr 1921 für einen Gutteil der Verkehrsinfrastruktur zuständig, wie Brücken, Verladehäfen, Busbahnhöfe und Flughäfen. Ihre Aufgabe besteht kurz gesagt darin, „die Region zu bewegen“. Schätzungsweise 70 oder 80 der über 1000 Angestellten der Behörde, die im World Trade Center tätig waren, arbeiteten auf meinem Stockwerk, darunter Topmanager, Architekten und Techniker. Ich war administrative Assistentin und hatte meine Stelle zu Beginn des Jahres als Mitarbeiterin einer Zeitarbeitsfirma bekommen. Dies mag nicht nach einem aufregenden Job klingen, aber ich war sehr stolz auf meine Arbeit, ob es nun darum ging, wichtige Dokumente zu schreiben, Konferenzen von Topleuten vorzubereiten, Telefonate entgegenzunehmen, Botengänge zu machen oder gleichzeitig für zwei Chefs zu arbeiten. Mein Schreibtisch stand in einer der vielen Einzelkabinen in der Mitte der weitläufigen Etage, die durch triste, graue Trennwände voneinander abgeteilt waren. Bis auf die kleine persönliche Note, die ich ihm mit ein paar Familienfotos (darunter ein Bild von meiner Tochter Kimberly) und ein, zwei kleinen Topfpflanzen zu geben versuchte, war mein Arbeitstisch nichts Besonderes, aber er erfüllte seinen Zweck. Die eleganten, richtig abgeteilten Büros an den Rändern des Stockwerks mit ihren Panoramafenstern, die einen fantastischen Blick auf die Stadt boten, waren den leitenden Angestellten vorbehalten.

Nach dem Einchecken pilgerte ich zurück zu meinem Schreibtisch und startete meinen Computer. Da das Hochfahren einige Minuten dauerte, nutzte ich die Zeit, um zurück in den Lift zu steigen und hinunter zur Cafeteria im 43. Stock zu fahren. Obwohl ich so fit war, dass ich den Großteil des Tages hätte durcharbeiten können, knurrte mein Magen ungeduldig und verlangte nach seinem üblichen Frischkäse-Bagel und heißer Schokolade. Ich sagte ein paar Kolleginnen, die an den Tischen saßen und frühstückten, lächelnd Hallo; für einen Plausch reichte meine Zeit nicht.

Dann kehrte ich an meinen Schreibtisch zurück und hatte gerade einen kleinen Bissen von meinem Bagel und einen winzigen Schluck von der Schokolade – mein tägliches Frühstück – zu mir genommen, als das übliche Büro-Hamsterrad sich zu drehen begann und in null Komma nichts sein volles Tempo erreichte. Mehrere Telefone klingelten gleichzeitig. Jemand warf einen Stapel Briefe, dicker als mein Bagel, zum Sortieren auf meinen Schreibtisch. Vom vorigen Abend hatte ich noch für den einen meiner Chefs einen Brief aufzusetzen. Es war ein System, das wie geschmiert lief, und ich hatte selten Zeit zum Däumchendrehen. Ich mochte dieses ständige Beschäftigtsein – und die Menschen, mit denen ich arbeitete.

Kurz nach halb neun kam Susan Miszkowicz vorbei. Susan arbeitete als Bauingenieurin zwei Schreibtische weiter und war für mich eine liebe Freundin geworden. Sie war Ende dreißig, ledig und wohnte bei ihrer Mutter in Brooklyn. Meistens war sie eine eher ruhige Frau, mit atemberaubend blauen Augen und einem tollen Kurzhaarschnitt, den ich immer wieder bewunderte. Sie war in ihrem Beruf sehr engagiert. Bis vor einiger Zeit war sie Mitglied der „Society of Women Engineers“ (Bauingenieurinnen-Vereinigung; d. Übers.) gewesen, für die sie zeitweise die Sektion New York geleitet hatte. Susan war eine sehr nette, intelligente und schöne Frau.

Halb an meinen Schreibtisch gelehnt, halb auf ihm sitzend und mit beiden Händen (als könnte er ihr sonst entwischen) einen großen, dampfenden Kaffeebecher haltend, fragte sie mich, wie es mir ging. Eigentlich war sie gekommen, um etwas Dampf über ihren Frust mit ihrem Chef abzulassen. Nichts Dramatisches, nur der übliche Alltagsstress, den wir manchmal mit den Menschen haben, für die wir arbeiten. Sie wusste, dass ich zu tun hatte, aber so wie sie immer ein Ohr für mich hatte, wenn ich sie brauchte, hörte ich ihr jetzt auch zu. Nach acht Monaten bei der Hafenbehörde war ich sowieso eine kleine Expertin im Multitasking. Ein kleiner Plausch, diverse Telefonate, ein Brief, der geschrieben werden musste, Post sortieren, einen Bagel essen und das alles gleichzeitig kein Problem.

Susan machte also Kaffee trinkend ihrem Herzen Luft. Je mehr Frust sie ablud, um so heller wurde ihre Miene. Wir unterhielten uns vielleicht zehn Minuten und Susan wollte gerade zurück an ihren Schreibtisch, als sie mitten im Satz anhielt, während meine Finger, die wie von alleine den Brief für meinen Chef tippten, in der Luft erstarrten. Mein Telefon klingelte wieder. Ich überließ den Anruf dem Anrufbeantworter, meine Ohren auf ein anderes Geräusch gespitzt, das plötzlich von irgendwoher kam.

„Hast du das gehört?“, fragte Susan.

„Ja.“

Es war ein kurzes, aber starkes Geräusch gewesen. Es klang wie ja, wie klang es? Irgendwie bekannt und doch … Ich hatte außer im Kino und Fernsehen noch nie einen Schuss gehört, aber nein, ein Schuss war es nicht. Eher wie zerbrechendes Glas. Ja, genau etwas wie ein Schlag, der etwas zerschmetterte. Aber die ganze Fassade unseres Hochhauses bestand aus Fenstern. Der Knall konnte von oben oder von unten gekommen sein. Vielleicht war es auch gar nicht unser Gebäude, sondern eine Explosion in einem der anderen Gebäude des Komplexes. Der Südturm, der Zwilling unseres Nordturms, stand gleich nebenan. Susans Gesicht war genauso ein Fragezeichen, wie meines es sein musste.

„Was war …?“

Es waren die einzigen beiden Worte, die Susan hervorbrachte, bevor sie wieder verstummte. Diesmal hörten wir etwas wie ein verhaltenes, dumpfes Brummen, ein grollendes Zittern, das durch den Fußboden, die Decke und die Wände ging, ein pulsierender Bass, der vom einen Ende des Raumes zum anderen ging.

Bumbumbumbumbumbumbumbumbum …

Ich packte instinktiv mit beiden Händen meine Schreibtischplatte, Daumen oben, Finger unten, während ich die Füße auf den vibrierenden Fußboden stützte. Susan stellte ihren Kaffeebecher auf meinen Schreibtisch und hielt sich an der Trennwand zum Nachbarbüro fest. Ich hörte, wie mehrere Kollegen kurz schrien oder aufkeuchten; vielleicht waren es noch mehr, die aber in dem dumpfen Geräusch untergingen. Möbel und Menschen wurden durchgeschüttelt, dass es uns eine halbe Handbreit in die Luft hob. Es war, als ob eine gigantische Welle einmal quer durch das Gebäude rollte.

Doch das war erst der Anfang. In dem Augenblick, als das Zittern aufhörte, begann der ganze Büroturm, von oben nach unten zu schwanken.

„Oh Gott!“ Susans Stimme zitterte vor Angst. Sie hielt weiter die Trennwand mit den Armen umklammert. 110 Stockwerke aus solidem Stahl und Beton, in denen Tausende von Menschen waren, schwankten sachte hin und her, hin und her, wie eine Baumkrone in einem leichten Wind. Es war nicht stark genug, um uns durch die Gegend zu schleudern oder stürzen zu lassen, aber es reichte, um uns in Angst und Schrecken zu versetzen. Man hörte wieder Schreie.

Das Ganze, von dem krachenden Geräusch über das grollende Vibrieren bis zu dem Schwanken, dauerte vielleicht 15 bis 20 Sekunden, aber es fühlte sich viel, viel länger an. Als das Schwanken aufhörte und der Turm wieder gerade stand, erhob ich mich vorsichtig. Eine Hand weiter um die Tischplatte gepresst, falls noch mehr Überraschungen kamen, schaute ich mich ängstlich um. Über mehrere der Zwischenwände erschienen perplexe Gesichter. Niemand schien verletzt zu sein, und so weit ich ausmachen konnte, standen alle Möbel an ihrem Platz. Doch das hielt einige der Kollegen nicht davon ab, instinktiv ihre Sachen zusammenzupacken und zu den Ausgängen zu gehen. Es war keine Panik, alle waren relativ ruhig. Man sah halt überall verdutzte Gesichter und forschende Blicke; viele unterhielten sich halblaut darüber, was das gerade gewesen sein mochte.

Mein so vielversprechender Morgen hatte einen gründlichen Dämpfer bekommen. Wolkenkratzer durften sich nicht bewegen.

Bleiben oder gehen?

In den ungefähr 28 Jahren, die ich in Trinidad gelebt hatte, hatte ich mehrere schwere Erdbeben erlebt. So etwas ist nicht lustig. Man kann sich nicht auf sie vorbereiten; das Grollen und Zittern kommt ohne jede Vorwarnung. Man ist ihnen mehr oder weniger ausgeliefert, sucht Schutz, wenn man kann, und hofft, dass sie bald wieder vorbei sind. In New York wohnte ich noch keine zwei Jahre, aber ich war ziemlich sicher, dass an der Ostküste der USA Erdbeben selten waren. Doch wie konnte man das, was wir da gerade erlebt hatten, anders erklären, als dass es ein Erdbeben war? Es was alles gerade so wie bei den Erdbeben, die ich in Trinidad erlebt hatte. Gut, ich war dabei nie in einem Hochhaus gewesen, aber dass so ein Gebäude zu schwanken anfing, machte Sinn.

Susan und ich gingen vorsichtig den Gang entlang zum leeren Büro meines einen Chefs. Vielleicht konnte man durch das Fenster etwas sehen?

Man konnte. Draußen tanzten Hunderte von Papierblättern und andere Gegenstände durch die Luft. Wenn man so weit oben ist, ist alles, was den freien Ausblick stört – außer vielleicht ein Flugzeug oder ein Vogel –, ungewöhnlich. Die Blätter drifteten fast vor unserer Nase vorbei. Ein Blatt verfolgte ich mit meinen Augen so weit nach unten, wie es ging, wie gebannt von dem Anblick. Es taumelte sachte hin und her und schien viel langsamer nach unten zu gleiten als die anderen. Ich versuchte vergeblich, es zu lesen. Dann wurde ich durch etwas abgelenkt, das von ganz unten zu kommen schien.

„He, Susan, ist das ein Feuer da unten?“

„Wo?“ Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und kniff die Augen zusammen, um die 63 Stockwerke nach unten sehen zu können. Irgendetwas flackerte und war abwechselnd orange und schwarz, wie Flammen und Rauch.

Ob das nun ein Feuer war oder nicht, die Blätter, die von oben heruntersegelten, machten es eher unwahrscheinlich, dass das hier ein Erdbeben war. Irgendwo musste ein Fenster kaputt sein, und dass ein Erdbeben ein Sicherheitsglasfenster hoch oben in einem Wolkenkratzer zerstörte, fand ich reichlich unwahrscheinlich.

„Da muss ein Fenster kaputtgegangen sein“, sagte ich.

„Ja, das würde dieses Geräusch erklären“, stimmte Susan mir zu.

Wir pressten die Köpfe seitlich gegen das Glas und versuchten, die Fassade des Turms so hoch nach oben entlangzuschauen, wie wir konnten. Es kam noch mehr Papier aus dem klaren blauen Himmel. Jede Menge Papier. Hatte es in einem Stockwerk weiter oben eine Gasexplosion gegeben? Aber gab es überhaupt Gas in dem Gebäude? Ich kannte mich mit seiner Technik überhaupt nicht aus.

Enttäuscht, dass wir nicht viel schlauer geworden waren, gingen Susan und ich wieder aus dem Büro meines Chefs hinaus, um zu sehen, ob wir durch ein anderes Fenster vielleicht mehr sehen konnten. In mehreren der Büros drehten Kollegen, die dasselbe gemacht hatten wie wir, ihre Gesichter von den Fenstern zurück, ihre Mienen genauso verblüfft. Wir gingen von einem Büro zum nächsten. Seit dem ersten Geräusch mochten zehn Minuten vergangen sein, als wir Rosa Gonzales erblickten.

Rosa arbeitete fünf Schreibtische von mir entfernt und war mir während meiner kurzen Zeit bei der Hafenbehörde eine sehr gute Freundin geworden. Sie war die Kollegin, mit der ich im Oktober nach Miami wollte. Wir hatten vieles gemeinsam: Wir waren beide Assistentinnen und ungefähr im gleichen Alter, unverheiratet und hatten eine Tochter aus einer früheren Beziehung, und beide gönnten wir uns gerne einmal einen Ausflug ins Nachtleben von New York. Doch wir waren noch nie zusammen in einem Nachtklub gewesen. Wir hatten zwar darüber geredet, aber unsere Terminkalender wollten nie zusammenpassen, sodass wir uns nur im Büro sahen – in der Mittagspause und in der einen oder anderen Kaffeepause. Was ein wichtiger Grund dafür war, dass wir uns so auf unseren gemeinsamen Urlaub freuten.

Rosas Stimme war ruhig, aber sie sah nervös aus und eine Spur blass.

„Ich glaub, ein Flugzeug ist in unser Gebäude gekracht“, sagte sie leise.

Hatte ich richtig gehört? „Ein Flugzeug? Mach keine Witze!“

Aber sie lächelte nicht.

Ein Flugzeug … „Wie kommst du darauf?“, fragte ich.

Sie sah zum Fenster hinaus. „Das hab ich gerade gehört.“

„Es ist ein Phänomen, wie schnell Gerüchte sich selbstständig machen.“ Ich lächelte nervös, um die Spannung in mir abzubauen. Doch Rosa sah mich ernst an, als wäre sie sicher, dass etwas Furchtbares passiert war.

Ungefähr im gleichen Augenblick kam ein Abteilungsleiter namens Joe Roque zu uns und sagte, dass wir das Gebäude verlassen mussten. Er erklärte uns nicht groß, warum, aber sein Ton war ernst. Doch Rosa, Susan und ich reagierten nicht weiter. Irgendwie glaubte ich immer noch nicht, dass dies ein echter Notfall war. Jetzt war das Schwanken schon eine Viertelstunde her, und der Turm schien sich beruhigt zu haben. Warum in Panik verfallen? Und der Gedanke, zusammen mit Tausenden anderen Menschen zig Stockwerke nach unten zu sausen, entweder in überfüllten Liften oder zu Fuß auf der Treppe, war sowieso nicht sehr einladend. Ich fand, dass ich erst mehr Information brauchte.

Es erstaunte mich, dass Rosa, die solche Angst zu haben schien, sich nicht auf dem Absatz umdrehte und ging. Ich war froh darüber; sie, Susan und ich – so fand ich – mussten zusammenhalten.

Einige Kollegen in unserer Etage zögerten nicht, Joes Aufforderung nachzukommen, und begaben sich sofort zu den Aufzügen und Treppen. Ich glaube, viele von ihnen arbeiteten schon länger hier und waren 1993 mit dabei gewesen, als ein mit Sprengstoff vollgestopfter Lastwagen in der Tiefgarage explodiert war. Die Explosion hatte sechs Menschen das Leben gekostet und mehrere der unteren Stockwerke stark beschädigt. Wenn ich damals auch dabei gewesen wäre – ich wäre wohl eher geneigt gewesen, dem Evakuierungsaufruf zu folgen.

Was mich zögern ließ, war auch die Tatsache, dass wir gar keine Sirene und keine Lautsprecherdurchsage gehört hatten. Seit ich meine Stelle hier hatte, hatte ich schon mehrere Male Probealarm erlebt, und das erste Zeichen dafür, dass ein Notfall eingetreten war, war immer dasselbe: die Sirene und danach eine Durchsage. Ich sah und hörte nichts, was darauf schließen ließ, dass wir das Gebäude verlassen mussten. Soweit ich feststellen konnte, war der Strom nicht ausgefallen. Es gab auch keinen Rauch. Mein Instinkt sagte mir, dass das Schlimmste vorüber war.

Bald gingen Rosa, Susan und ich an unsere Schreibtische zurück, um einige Anrufe zu machen. Ich wählte Rogers Nummer. Er arbeitete ganz in der Nähe, als Maschinenbediener bei American Direct Mail; von dort aus konnte er unser Gebäude gut sehen. Vielleicht konnte er mir mehr sagen.

„Hallo, Schatz“, sagte ich lässig, als er sich meldete.

„Hallo. Was gibt’s?“

„Das weiß ich nicht genau. Hier bei uns ist was passiert, aber wir wissen nicht, was.“

„Wie meinst du das – ,ist was passiert‘?“

„Keine Ahnung. Wir haben so ein krachendes Geräusch gehört und gemerkt, wie der Turm wackelt. Es war echt abartig. Ich glaub, es ist irgendwo über uns, weil draußen ein Haufen Papier runtergefallen ist. Ein paar Leute glauben, dass vielleicht ein Flugzeug in uns rein ist …“

„Ein Flugzeug?“

„Ja. Ein Kollege hat gesagt, wir sollen raus, aber wir sind uns da nicht sicher; man hört keine Sirene oder so. Und wenn womöglichalle gleichzeitig hier rauswollen, mit ’ner riesen Menschentraube im Treppenhaus – also, ich weiß nicht. Kannst du von deinem Platz aus sehen, ob bei uns irgendwas Besonderes ist?“

Er erwiderte, dass er in seinem Büro noch nichts gehört hatte – was im Rückblick merkwürdig ist, aber auch zeigt, wie urplötzlich der Angriff kam. Er bat mich, kurz zu warten, während er zu einem Fenster ging, von dem aus man unseren Turm sehen konnte.

Er kam zurück. „Mensch, von ziemlich oben kommt ’ne Menge Rauch.“

„Rauch?“

„Ich weiß nicht, wie weit oben, aber auf jeden Fall über euch. Kann schon möglich sein, dass das ein Flugzeug war, aber da guckt nirgends was raus oder so.“

„Und was meinst du, was ich machen soll?“

Roger holte tief Luft. „Wahrscheinlich ist es am besten, du gehst tatsächlich raus. Chaotisch wird’s so oder so, und sicher ist sicher.“

„Ich glaub, da hast du recht.“

„Ich gehe hier auch“, sagte er. „Wir treffen uns in ungefähr 20 Minuten im Century 21, klar?“ Der „Century 21 Department Store“, ein beliebter Kleidungsdiscounter in Manhattan, lag auf der anderen Straßenseite vom Nordturm und war unser üblicher Treffpunkt, wenn Roger aus seinem Büro herüberkam.

„Okay“, sagte ich. „Klingt gut. Ich liebe dich.“

„Ich dich auch.“

Ich legte auf und holte tief Luft. Einerseits war ich erleichtert, dass alles gut werden würde. Andererseits fragte ich mich, wie schlimm es in den oberen Stockwerken war. Wie viel Rauch war „’ne Menge“? Konnte ein kleines Flugzeug wirklich so viel anrichten? Waren die Menschen in den Büros da oben vor dem Unfall, oder was immer das war, evakuiert worden? Und wenn nicht, wie ging es ihnen jetzt?

Die Fahrt mit dem Aufzug nach unten, selbst wenn er voll war, würde nur ein paar Minuten dauern. Ich hatte also genügend Zeit, noch eine kleine Runde durch das Stockwerk zu drehen, um zu sehen, was die anderen so machten oder sagten. Fast jeder war am Telefonieren. Ein paar schienen mit ihren Angehörigen zu reden. Mindestens einer rief offenbar den Polizeinotruf an, ein anderer die Polizei der Hafenbehörde. Aber eines war allen gemeinsam: Wenn sie wieder aufgelegt hatten, nahmen sie ihre Jacken und bewegten sich schweigend zu den Ausgängen.

Ich ging zurück zu meinem Schreibtisch und speicherte kurz den Brief in meinem Computer, bevor ich diesen ausschaltete. Fertig schreiben konnte ich ihn ja morgen. Ich nahm meine Handtasche und ging zu Susans Schreibtisch, aber Susan war nicht da. Da ihr Computer noch eingeschaltet und ihre Handtasche da war, musste sie noch irgendwo auf der Etage sein. Ich beschloss, sie zu suchen, um zu sehen, ob sie mit mir kam. Doch zuerst ging ich weiter zu Rosas Arbeitsplatz; es konnte ja sein, dass sie auch mitwollte. Als ich ihren Schreibtisch erreichte, saß sie wie ein Häufchen Elend auf ihrem Stuhl, das Gesicht in den Händen vergraben.

„Rosa?“ Sie sah zu mir hoch, Tränen in den Augen. Die Rosa, die ich kannte, war immer fröhlich und lustig gewesen, mit viel Sinn für Humor, eine Frau, die so leicht nichts erschüttern konnte. So hatte ich sie noch nie erlebt.

„Was ist los? Bist du okay?“, fragte ich, während ich sie an der Schulter fasste.

Ihre Stimme zitterte. Die Angst schien sie zu überwältigen. „Genelle“, sagte sie. „Wir müssen hier raus.“

Terror!

Ich habe mich immer als einen innerlich starken Menschen betrachtet. Schon als Kind musste ich stark sein, denn mit neun Geschwistern galt es ständig, sein Territorium zu verteidigen und darum zu kämpfen, beachtet zu werden. Meine Geschwister und ich kamen im Großen und Ganzen gut miteinander aus, aber manchmal musste ich für das, was ich gerade wollte, kämpfen und mich durchsetzen. Gut, ich konnte auch sanft und gefühlvoll sein, aber ich erlebte es selten, dass ich einer Situation nicht gewachsen war. Doch jetzt stieß mein Schneid an seine Grenzen.

„Rosa, was ist? Warum weinst du?“ Die Tränen und die Angst in Rosas Augen ließen mein Herz rasen; ich war auf einmal kurzatmig.

„Ich hab Angst“, sagte sie. „Ich möchte jetzt bei Jennifer sein.“

Jennifer war ihre Tochter, die an diesem Morgen in der Schule war. Sie war ungefähr im gleichen Alter wie meine zwölfjährige Tochter Kimberly. Ich hatte Jennifer noch nie gesehen, aber Rosa hatte mir so viel von ihr erzählt, dass ich den Eindruck hatte, sie zu kennen. Sie war Rosas Ein und Alles; ich kannte dieses Gefühl.

Rosa reagierte ganz anders als ich auf die Situation, in der wir hier waren. Ich wusste, dass wir das Gebäude verlassen mussten. Rosa schien zu glauben, dass der Tod an unsere Tür klopfte, dass wir womöglich nie nach draußen kämen und sie ihre Tochter nie wiedersehen würde. Was, wenn sie recht hatte?

Ich musste an Kimberly denken, mein Ein und Alles, und wie ich sie vermisste. Kimberly wohnte in Trinidad, bei ihrem Vater, Elvis. Wir hatten sie bekommen, als ich gerade 18 Jahre gewesen war. Elvis und ich waren nicht verheiratet, aber wir hatten sechs Jahre lang in einem ruhigen Haus auf dem Land zusammengewohnt, bevor wir uns trennten. Wir waren gute Eltern gewesen. Er war der Ernährer der Familie, während ich zu Hause geblieben war, bei Kimberly. In schlaflosen Nächten hatte ich sie in den Armen gewiegt und am Tag für sie gesorgt. Wenn Elvis abends von der Arbeit zurückgekommen war, hatte er mich abgelöst und uns das Abendessen gemacht. Wir hatten Kimberly alles gegeben, was sie brauchte, und sonntags waren wir mit ihr zur Kirche gegangen. Wir waren ein eingespieltes Team gewesen. Noch nach unserer Trennung blieben wir Freunde und unser Leben drehte sich weiter um Kimberly.

Aber dann, im Jahre 2000, verließ ich mein Kind und ging nach New York, um mir meinen lang gehegten Traum zu erfüllen und den Beruf einer Sängerin und Tänzerin zu ergreifen. Ich hatte vor, Kimberly nachzuholen, sobald ich auf der Karriereleiter Fuß gefasst hatte. Bis dahin besuchten wir uns nur zwei, drei Mal im Jahr; es war über einen Monat her, dass ich sie das letzte Mal gesehen hatte. Jetzt fragte ich mich, ob ich sie je wiedersehen würde. Oder Roger. Oder den Rest meiner Verwandtschaft. Das Herz wurde mir schwer.

Dann kam die nächste Hiobsbotschaft. Es hieß, dass durch mehrere der Glastüren auf unserem Stockwerk schwarzer Rauch nach innen drang. Einige Kollegen schnappten sich ein paar Mäntel und Jacken, tränkten sie in der Küchenspüle mit Wasser und legten sie vor die Türen auf den Boden. Sie versiegelten die Türrahmen mit Klebeband, um den Rauch draußen zu halten. Pat Hoey und Pasquale Buzzelli, zwei der Manager auf unserem Stockwerk, rannten zu einer Tür, die jemand wohl beim Verlassen des Stockwerks aus Versehen offen gelassen hatte, sodass der Rauch noch schneller hereinkam, schlossen sie, legten mehrere nasse Jacken vor sie und verklebten auch sie. Ich weiß nicht, wie lange das Ganze dauerte – wahrscheinlich nur wenige Minuten. Rosa saß weiter auf ihrem Stuhl, allmählich wieder ruhiger. Sie schien von dem Rauch nichts mitzubekommen, was mir auch lieber war. Ich war genug mit mir und meinen Gefühlen beschäftigt. Besser Rosa nicht noch mehr aufregen. Sie schien mehr zu ahnen als alle anderen, wie ernst die Lage war.

„Rosa, das wird schon“, sagte ich und hoffte insgeheim, dass es stimmte. „Aber du hast recht, wir müssen hier raus.“

Was ich jetzt eigentlich brauchte, war eine Pause – zwei Minuten, in denen die Welt stillstand und in denen ich Susan finden und wir drei in aller Ruhe darangehen konnten, das Gebäude zu verlassen. Zwei Minuten, in denen uns nichts ablenkte, unsere Gedanken in andere Bahnen lenkte, uns fragen ließ, ob wir wirklich hier raussollten. Aber so ist das Leben halt nicht. In den nächsten beiden Minuten stieg der Druck noch.

Pat Hoey war zurück an seinen Schreibtisch gegangen, nicht sehr weit von Rosa und mir, und telefonierte gerade. Er sprach mit einem Polizeibeamten der Hafenbehörde1, der ihm Instruktionen gab.

Pat: „Sergeant, hier Pat Hoey von der Hafenbehörde im World Trade Center.“

Polizist: „Was gibt’s?“

Pat: „Ich bin im 63. Stock.“

Polizist: „Okay.“

Pat: „Im Turm 1.“

Polizist: „Gut.“

Pat: „Bei mir sind etwa 20 Personen.“

Polizist: „Okay.“

Pat: „Was schlagen Sie vor? Sollen wir erst mal hierbleiben?“

Polizist: „Das würde ich sagen, ja. Gibt’s bei Ihnen ein Feuer?“

Pat: „Nein. Nur etwas Rauch auf dem Fußboden.“

Polizist: „In Turm 2 scheint es eine Explosion gegeben zu haben.“

Pat: „Ja …“

Polizist: „Seien Sie also vorsichtig. Bleiben Sie in der Nähe der Treppen und warten Sie, bis die Polizei zu Ihnen kommt.“

Pat: „Ach, kommen die rauf? Okay. Gucken die in jedes Stockwerk? Können Sie denen sagen, dass wir hier oben sind?“

Polizist: „Machen wir.“

Pat: „Und ich habe … Falls Sie meine Telefonnummer brauchen, die ist 5397.“

Polizist: „Verstanden.“

Pat: „Danke.“

Polizist: „Okay. Wiederhören.“

Eine präzise Anweisung, wie wir uns verhalten sollten, war genau das, was wir brauchten, aber was der Hafenpolizist da sagte, veränderte unser Denken und wahrscheinlich unsere ganze Zukunft komplett. Pat legte auf und kam aus seinem Büro heraus. Er faltete die Hände als improvisiertes Megafon vor dem Mund und rief: „Alle herhören! Die Hafenbehörde sagt, wir sollen hier oben bleiben. Sie schicken die Polizei rauf, wir sollen hier warten. Also keine Bange.“

Meine Nervosität legte sich etwas. Ein paar der Kollegen fingen sogar an, zu lächeln und sich über dies und das zu unterhalten. Rosa war nicht so aufgekratzt, aber sie weinte auch nicht mehr; offenbar fühlte auch sie sich besser nach Pats Meldung. Nicht nur sollten wir hier bleiben, sondern die Polizei war zu uns unterwegs. Na bitte, so schlimm konnte es also doch nicht sein …

Die nächsten 20 oder 30 Minuten verbrachten meine Kollegen und ich damit, einander Mut zu machen und zu versichern, dass schon alles gut werden würde. Einige von uns spekulierten weiter darüber, was überhaupt passiert war (wir wussten es immer noch nicht), ein paar riefen wieder Verwandte und Freunde an. Das Einzige, was keiner von uns machte, war arbeiten; dazu waren wir viel zu abgelenkt.

Ich blieb bei Rosa. Nach ein paar Minuten kam Susan zu uns. Rosa und ich unterhielten uns über alles Positive, das uns einfiel – Jennifer, Kimberly, unsere Reise nach Miami und ob wir es nicht doch schaffen würden, eines der nächsten Wochenenden gemeinsam zu verbringen. Das half – bis wir einen lauten Schrei hörten.