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Dirk Garthe

AUFTANKEN,

BEVOR DIE SEELE STREIKT

Kraftquellen finden,
wenn alles zu viel wird

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Abdruck des Textes auf S. 63 „Der unbegreifliche Gott“
mit freundlicher Genehmigung der Autorin,
© Sabine Naegeli

4. Auflage 2010

© 2009 Brunnen Verlag Gießen
www.brunnen-verlag.de
Umschlagfoto: Corbis, Düsseldorf
Umschlaggestaltung: Sabine Schweda
Illustrationen: Dirk Garthe (S. 4: gezeichnet
nach einer afrikanischen Holzplastik)
Satz: DTP Brunnen
Herstellung: CPI – Ebner & Spiegel, Ulm
ISBN 978-3-7655-4052-3
eISBN 978-3-7655-7055-1

INHALT

1. Tu deiner Seele etwas Gutes
Wie Sie gut mit Ihrer Seele umgehen

2. Der eigenen Seele Luft machen
Willkommen im „Gefühlsnebel“!

3. Die Macht Ihrer Gedanken
Der „Logik des Herzens“ auf der Spur

4. Das Träumen nicht versäumen!
Höhenluft für Ihre Seele

5. Vom Glauben, der Berge versetzt
Oder: Vom allerersten Spatenstich

6. Ermutigung mit Folgen
Das regelmäßige Atemholen der Seele

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Für alle, die mich bisher ermutigt haben

„Du holst mich wieder herauf aus den Tiefen der Erde. Du machst mich sehr groß und tröstest mich wieder.“

PSALM 71,20.21

1. TU DEINER SEELE ETWAS GUTES

Wie Sie gut mit Ihrer Seele umgehen

Sei nun wieder zufrieden, meine Seele!

PSALM 116,7 (L)

David befand sich in einer schwierigen Lage. Da suchte David Zuflucht bei seinem Gott, und das Vertrauen auf ihn gab ihm wieder Mut und Kraft.

1. SAMUEL 30,6

Es war ein eher peinlicher Akt der Verzweiflung. Besucher eines Stockholmer Schifffahrtsmuseums werden noch heute Zeugen eines Untergangs, der sehr nachdenklich macht.

Im Dreißigjährigen Krieg lag Schweden unter dem damaligen König Gustav II. Adolf unter anderem im Krieg gegen Polen. Wegen dieser Bedrohung ließ Gustav Adolf 1625 ein hochmodernes Kriegsschiff bauen, die Vasa – ein Prestigeobjekt sondergleichen, bestückt mit 64 Kanonen, deren Feuerkraft der gesamten polnischen Flotte gleichkommen sollte. Nun hatte Gustav Adolf erfahren, dass der Feind ein ähnlich großes Schiff bauen ließ. So entschied er sich kurzerhand, auf dem Schiffsdeck noch einmal die gleiche Menge an Kanonen zu installieren wie bereits im unteren Batteriedeck standen. Die Feuerkraft sollte verdoppelt werden.

Gesagt, getan – doch das Ergebnis war verheerend! Beim versuchten Auslaufen sank das gewaltige Schlachtschiff noch im Hafenbecken. Die gesamte Statik des Schiffes war durch das zusätzliche Kanonendeck außer Kontrolle geraten. Das Schiff hatte nicht mehr genügend Tiefgang!

So erinnerten schließlich nur noch die ca. 15 Meter hoch aus dem Wasser ragenden Masten an dieses ehrgeizige Rüstungsprojekt, bis auch sie aus Wut über diesen gescheiterten Einsatz schließlich abgesägt wurden!

Wie ein Sinnbild für unser Leben erscheint mir der Untergang der Vasa. Auch wir „rüsten“ nicht selten kräftig auf im Leben, versuchen durch immer mehr Einsatz den wachsenden Anforderungen an uns gerecht zu werden. Schmerzlich machen wir dann aber die Erfahrung, dass wir in manchen Krisen den Kopf seelisch nicht mehr über Wasser halten können. Die Kanonen glänzen zwar, das Deck wird fleißig geputzt, aber o weh: Das Schiff hat ja gar nicht genügend Tiefgang!

Kennen auch Sie z. B. das Gefühl, ausgebrannt zu sein? Sie haben alles gegeben und doch die Erfahrung gemacht, in der Fülle der Anforderungen „unterzugehen“? Oft lässt sich dieses Gefühl zunächst auch gar nicht so klar benennen. Wir spüren eine schleichende Unzufriedenheit, die uns innerlich zerfrisst. Es scheint nicht wirklich vorwärtszugehen, obwohl wir uns alle Mühe geben, das Tempo „im Hamsterrad“ unseres Lebens noch zu beschleunigen. Zwar spüren wir unbestimmt, dass etwas nicht stimmt, mühen uns aber trotzdem verzweifelt ab, noch mehr zu schaffen und zu leisten. Es wird ja schließlich von allen Seiten von uns erwartet, als starke, erfolgreiche Persönlichkeiten aufzutreten, die siegreich auf den Wogen des Lebens dahingleiten. Doch wer beachtet dabei eigentlich, dass dazu ein gewisser Tiefgang notwendig ist? Wer hilft uns dabei, die nötigen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass wir nach außen hin stark und den Belastungen dauerhaft gewachsen sind?

Um diesen Tiefgang geht es in diesem Buch. Es soll unser Lebensschiff quasi noch einmal in das Trockendock ziehen, um in aller Ruhe eventuelle Statikprobleme unseres Lebens korrigieren zu können.

Lassen Sie sich einladen zu einem Mini-Urlaub für die Seele, zum befreienden Aufatmen an einer Oase mitten im Alltag. Gönnen Sie sich diese Zeit! Vielleicht suchen Sie sich dazu bewusst einen Ort der Stille aus, einen Ort, an dem Sie sich so richtig wohlfühlen, an dem Sie nicht so rasch abgelenkt werden. Da, wo es um unsere seelische Hygiene geht, sind gerade diese äußeren Faktoren entscheidend!

Vielleicht legen Sie sich dazu eine wohltuende CD mit entspannender Musik ein. Ein angenehmer äußerer Rahmen allein hat schon eine enorm heilsame Wirkung!

image Fragen Sie sich zunächst bewusst: „Wie viel Zeit nehme ich mir für meine seelsorgerliche Auszeit?“ Wird es etwa eine Stunde sein, ein ganzer Nachmittag, ein Tag – oder gar mehrere Tage an einem für Sie inspirierenden Ort? Klären Sie den äußeren Rahmen, denn nur dann hat Ihre Seele auch wirklich die Chance, ganzheitlich aufzuatmen und den nötigen Tiefgang zu gewinnen.

In der Bibel wird immer wieder auf die Dringlichkeit solcher Auszeiten für die eigene Seele hingewiesen. So heißt es von David: Als er in großer Bedrängnis war und die Seele des ganzen Volkes erbittert war, „da suchte David Zuflucht bei seinem Gott, und das Vertrauen auf den Herrn gab ihm wieder Mut und Kraft“ (1. Samuel 30,6).

In den Psalmen werden wir Zeugen regelrechter Zwiegespräche eines Betenden mit der eigenen Seele (vgl. z. B. Psalm 42,6; 62,6; 103,1.2 oder 116,7).

Auch im Neuen Testament werden beispielsweise ein entmutigter Timotheus oder die Ältesten von Ephesus dazu aufgerufen: „Achte auf dich selbst!“(1. Timotheus 4,16; Apostelgeschichte 20,28).

Die Bibel fordert uns regelrecht dazu auf, selbst gut für unsere Seele zu sorgen! Jesus Christus selbst, der allerbeste Seelsorger, lädt Sie zu Erholungszeiten für Ihre Seele ein: „Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben“ (Matthäus 11,28).

ganz konkret