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Impressum

Herausgeber: Matthias Büchle, Dr. Michael Diener,
Gottfried Heinzmann, Karsten Hüttmann, Wieland Müller

Redaktion: Klaus Jürgen Diehl (NT-Texte),

Uwe Bertelmann (AT-Texte)

Quellennachweise

8. Juli: Text: Friedrich Karl Barth, Peter Horst

Musik: Peter Janssens

aus: Wir fassen uns ein Herz, 1985

alle Rechte im Peter Janssens Musik Verlag, Telgte-Westfalen

23. Nov.: Timothy Keller, Warum Gott?

Giessen: Brunnen Verlag, 2015, S. 274.

Bibelleseplan: „Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen“,
Caroline-Michaelis-Straße 1, 10115 Berlin.

Bibelübersetzungen folgen, wenn nicht anders vermerkt,
der Lutherbibel, revidierter Text 1984, durchgesehene Auflage in neuer
Rechtschreibung, © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Bibel für heute 2016 ist auch als EPUB erhältlich,

Bestell-Nr.: 9783765573057

 

© 2015 Brunnen Verlag Gießen und CVJM Gesamtverband in Deutschland e. V.

Umschlagfoto: shutterstock

Umschlaggestaltung: Ralf Simon

Satz: Die Feder GmbH, Wetzlar

ISSN 0941-7753

ISBN 978-3-7655-0646-8

eISBN 978-3-7655-7305-7

Inhalt

Vorwort

Januar

Februar

März

April

Mai

Juni

Juli

August

September

Oktober

November

Dezember

Mitarbeiter

Bibelstellen-Verzeichnis 2008-2016

BIBEL

FÜR HEUTE

Die Bibellese
fur jeden Tag

KOMMENTARE - ANREGUNGEN - FRAGEN - IMPULSE

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Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser von Bibel für heute,

als der Reformator Martin Luther im Februar 1546 starb, fand man neben seinem Bett einen Zettel, auf dem stand: „Die Heilige Schrift meine niemand genügsam geschmeckt zu haben, er habe denn hundert Jahre lang mit Propheten wie Elias und Elisa, Johannes dem Täufer, Christus und den Aposteln die Gemeinden regiert. Versuche nicht diese göttliche Aeneis, sondern neige dich tief anbetend vor ihren Spuren! Wir sind Bettler, das ist wahr.“

Diese Worte sind so etwas wie ein Vermächtnis des großen Reformators, das einerseits von seiner großen Ehrfurcht gegenüber der Heiligen Schrift zeugt und andererseits den unerschöpflichen Reichtum der Bibel zum Ausdruck bringt. Selbst wenn wir ein Leben lang Tag für Tag in der Bibel lesen, bleiben wir Bettler, die darauf angewiesen sind, dass Gottes Wort den Geist erfrischt und die Seele satt macht. Stets werden wir neu überrascht werden, welche nahrhafte Speise die Bibel für uns bereithält: mal Honig oder Milch, die uns leicht runtergehen, und ein andermal Schwarzbrot, an dem wir kräftig zu kauen haben.

Auch 2016 möchte Bibel für heute Ihnen wieder helfen, sich von der Bibel wie Bettler beschenken zu lassen und satt zu werden. Mehr als 50 Autorinnen und Autoren aus Kirche, Freikirchen, Werken und Verbänden haben dabei mit ihren Auslegungen, Impulsen und Fragen Gottes Wort als Speise so zubereitet, dass es für Sie bekömmlich ist und Sie sich nicht daran verschlucken müssen.

Wir wünschen Ihnen jeden Tag neu einen gesunden Hunger nach Gottes Wort und dass Sie im Meditieren des jeweiligen Bibeltextes rundherum satt und gestärkt werden.

Uwe Bertelmann (Redaktion der Auslegungen des AT)

Klaus Jürgen Diehl (Redaktion der Auslegungen des NT)

Neujahr, 1. Januar Psalm 148

Was für eine Perspektive am ersten Tag des neuen Jahres: ein ungemein vielstimmiges Lied, das von der Herrlichkeit und Großzügigkeit des Schöpfergottes erzählt, ein wahres Schöpfungsoratorium (Erich Zenger).

☐ Israel verbindet alles, was es aufzählen kann, von den Engeln, von Sonne und Mond bis zum Vieh und den wilden Tieren – und bis zu den Menschen – zu einem vielstimmigen Schöpfungslied. Nicht nur der Sonnenschein, sogar Feuer, Hagel, Schnee und Nebel werden zum Schöpfer in Beziehung gesetzt und aufgerufen, den HERRN (Jahwe) zu loben.

☐ Auch Israel lebte damals, als es diesen Psalm betete, nicht im Paradies. Wir finden hier keine naive Weltanschauung, sondern aus seinem Glauben an den Schöpfer des Himmels und der Erde setzt Israel alles, auch das unbegreiflich Bedrohende, zu seinem Gott in Beziehung, indem es ihn lobt – und alles, was nur existiert, in dieses Lob Gottes hineinnimmt.

☐ Die Gliederung von Ps 148:

Die beiden Teile (V 1-6: „Lobpreis im Himmel“ und V 7-13: „Lobpreis auf Erden“) haben die gleiche Struktur: Sie beginnen beide mit einem Aufruf zum Lob Jahwes, wobei dann die einzelnen Adressaten (insgesamt 30) listenartig aufgeführt werden. Danach folgt jeweils zusammenfassend: Die sollen loben den Namen des HERRN mit einer Begründung, die mit denn angefügt ist: Denn er gab der Schöpfung eine unerschütterliche Ordnung (V 5f), denn sein Name ist hoch erhaben (V 13). Der Schlussvers (V 14) blickt auf die Geschichte Israels, in der Jahwe seinem Volk Lebenskraft (Macht), Würde und Auftrag (das Volk, das ihm dient) gegeben hat.

Vieles, was in unserer Welt oft brutal gegeneinander steht, wird durch das Gotteslob verbunden. Es ist das Gegenteil von Ausbeutung, Unterdrückung und Zerstörung der Kreatur und ihrer Umwelt: Alte mit den Jungen, die sollen loben den Namen des HERRN (V 12f).

Was würden Sie heute in Ihrer „Lobliste“ (vielleicht als Begleiter für das neue Jahr …) einander gegenüberstellen?

Das Markusevangelium

Markus beginnt sein Evangelium mit Johannes dem Täufer. Jesu Geburt und Jugend werden nicht erwähnt. Jesus tritt gleich zu Anfang auf mit der entscheidenden Ansage: Die Zeit ist erfüllt. Das Reich (die Herrschaft) Gottes ist nahe herbeigekommen (1,15). Worin Gottes Reich besteht, wird besonders an Jesu Taten sichtbar. Markus überliefert nur wenige für sich allein stehende einzelne Jesus-Worte bzw. Jesus-Reden und nur wenige Gleichnisse, dafür aber umso mehr Wundergeschichten. Jesus erweist sich als Sieger über alle Leben zerstörenden Mächte. Mit Jesu Taten beginnt die neue Schöpfung. Nur Markus sagt es so deutlich: Er hat alles wohl gemacht (7,37). Das klingt wie das Schöpfungsprädikat: Siehe da, es war sehr gut (1Mo 1,31). Die Sündenvergebung (2,5), die vielen Heilungen und Befreiungstaten zeigen Jesu Vollmacht, aber sie führen nicht zu einem Verstehen seiner Person. Die Blindheit der Pharisäer (3,6; 8,11-13), der Mitbürger Jesu in Nazareth (6,1-6), seiner Familie (3,20f) und selbst seiner Jünger (8,14-21) kann nur ein Wunder, eine „Blindenheilung“ überwinden. Die Gefahr ist groß, dass Menschen damals wie heute bei Jesus, dem Wundertäter stehen bleiben und nicht zu Jesus, dem gekreuzigten Gottessohn durchbrechen. Erst am Kreuz wird wirklich erkannt, wer Jesus ist; in der Kreuzesnachfolge werden die Augen aufgetan. Überraschend kommt es nach den drei Leidensankündigungen (8,31; 9,31; 10,33) zur Ablehnung bzw. zum Missverstehen der Jünger (8,32f; 9,33-39; 10,35-45). In der Passion versagen die Jünger völlig (14,18-21.37-50.66-72). Es fällt auf, dass der Zentralabschnitt von der Ankündigung seines Kreuzesweges (8,27– 10,52) eingerahmt ist von je einer Blindenheilung (8,22-26 und 10,46-52). Von uns aus verstehen wir Jesus nicht. Da muss uns Gott selbst zu Hilfe kommen durch seinen Heiligen Geist (1Kor 12,3c).

Markus betont, dass der römische Hauptmann unter dem Kreuz (!) als erster Mensch bekennt: Dieser ist Gottes Sohn (15,39); vorher bezeichnen nur die Dämonen (3,11; 5,7) und Gott selber (1,11; 9,7) Jesus als den Gottessohn. – Bei Markus ist das Leiden Jesu die zentrale Mitte. Schon in 3,6 beschließen die Pharisäer seinen Tod; ein Drittel des gesamten Evangeliums (Kap. 11–15) nimmt der Bericht von Jesu Passion ein. Zu Recht nennt man das Markusevangelium eine Passionsgeschichte mit ausführlicher Einleitung.

Ein anderes Kennzeichen des Markusevangeliums sind die vielen Streitgespräche Jesu mit den Frommen und Verantwortlichen seiner Zeit, besonders in 2,1-26 und 11,15–12,44. Markus zeichnet keinen harmlosen, friedfertigen Jesus, sondern einen streitbaren Kämpfer für den Heilswillen Gottes und das damit geschenkte Leben der Menschen, z. B. in der Diskussion um die Sabbatheiligung: Der Sabbat ist für den Menschen gemacht und nicht der Mensch für den Sabbat (2,27f). Von Anfang an sehen wir Jesus im Streit um die Wahrheit. Durch treffende Worte weiß er die Gespräche zu führen und zu überzeugen.

Er erweist sich als Herr über alle Gesetze, Ordnungen und Institutionen (2,28 u. ö.).

Samstag, 2. Januar Markus 1,1-8

V 1 steht als Überschrift über dem Markusevangelium. Jedes Wort hat hier Bedeutung:

☐ Das Alte Testament beginnt mit den Worten: Im Anfang schuf Gott … (1Mo 1,1). Und jetzt beginnt auch Markus sein Evangelium mit: Anfang des Evangeliums. Vielleicht will er damit deutlich machen, dass mit dem Kommen Jesu der Neue Bund beginnt und sich in Jesus die Verheißungen des Alten Testaments erfüllt haben. AT und NT gehören also zusammen.

☐ Was Markus in seinen Aufzeichnungen von Jesus erzählt, bezeichnet er als Evangelium. Dieses aus dem Griechischen stammende Wort bedeutet gute Nachricht, Freudenbotschaft. Der Grundton der Botschaft von Jesus ist also Freude. Der Sache nach stammt der Begriff aber aus Jes 52,7.

Lesen Sie Jes 52,7 und überlegen Sie, was diese Stelle für den neutestamentlichen Begriff „Evangelium“ bedeutet.

☐ Weiter macht Markus deutlich, dass dieses Evangelium an die Person Jesus Christus gebunden ist. Jesus heißt übersetzt Gott rettet. Schon im Jesusnamen ist also die Botschaft enthalten, die Markus erzählt. Das griechische Wort Christus (= der Gesalbte) ist die Übersetzung des hebräischen Messias. Damit wird festgehalten, dass Jesus der bereits im Alten Testament verheißene Erlöser und Messias ist.

☐ Aber nun ist Jesus nicht nur wahrer Mensch, sondern auch wahrer Gott, der ewige Sohn Gottes.

☐ In den V 2-8 wird Johannes der Täufer als der in Jes 40,3 und Mal 3,1 verheißene Wegbereiter Jesu beschrieben. Markus fasst das Wirken des Täufers summarisch zusammen. Er setzt wohl voraus, dass seine Leser mehr über ihn wissen. Von seiner Bußpredigt und Taufpraxis erfahren wir in Mt 3,1-12; Lk 3,1-20 und Joh 1,19-34. Johannes hatte großen Zulauf: Viele Menschen bekannten ihm ihre Sünden und ließen sich als Zeichen ihrer Umkehr von ihm taufen.

In den V 7f gibt Johannes Zeugnis von Jesus. Er bekennt ihn als Stärkeren, der den Heiligen Geist geben wird.

Sonntag, 3. Januar Psalm 138

Ps 138 ist ein Dank- und Bekenntnisgebet.

Du gibst meiner Seele große Kraft (V 3). Was für eine Erwartung! Meine seelischen Kräfte erstarken, wenn ich zu Gott rufe und er mir antwortet. Die Psychologie weiß von seelischen Kräften, die dem Menschen durch Gebet und Meditation erwachsen. Der Beter von Ps 138 hat das erfahren und bezeugt es nun öffentlich. Vielleicht geschah das auch im Exil in Babylon, dass sich Israel mutig – fast trotzig – im Anblick der übergroßen, heidnischen Götterbilder zu seinem Gott bekennt, vor den Göttern will ich dir lobsingen (V 1). Und das nicht nur so nebenbei, sondern von ganzem Herzen. Ist das nicht wie ein Echo auf das Gebot aus 5Mo 6,5: Du sollst den HERRN, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft!

Du hast deinen Namen herrlich gemacht (V 2). Israel erkennt: Unser Gott (Jahwe), der Schöpfer des Himmels und der Erde, den ich mit meinen Augen nicht sehen kann, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der wendet sich mir zu und nennt mir seinen Namen. Gottes Name ist die mir zugewandte Seite Gottes, die zuletzt in Jesus Christus sichtbar in diese Welt gekommen ist.

Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquickst du mich (V 7). Der Beter ist angefochten – in Angst – und zugleich behütet. Er vertraut auf Gottes Blick und Hilfe für die Niedrigen, die auf seine Hilfe angewiesen sind. Martin Luther: „Je tiefer einer ist, desto besser sieht ihn Gott.“

Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich (V 3). Gottes Eingreifen und Helfen bezeugt eine ganze Wolke von Zeugen. Wo sind mir in meinem Leben solche Zeugen begegnet? Gehöre ich auch dazu? Ich will Gott nicht vorschreiben, wie er mir helfen soll, aber ich traue ihm zu, dass er meine Sache hinausführt, zu einem guten Ende führt, und dass er das Werk seiner Hände an mir und aller Welt vollendet (Phil 1,6).

Was liegt Ihnen besonders am Herzen, das Gott zu einem guten Ende führen soll? Bringen Sie es dankend vor ihn!

Montag, 4. Januar Markus 1,9-13

Kurz, aber mit großem Tiefgang wird in den V 9-11 die Taufe und in den V 12f die Versuchung Jesu beschrieben.

☐ V 9-11: Jesus stellt sich unter die Johannestaufe zur Vergebung der Sünden (V 4), obwohl er doch als Einziger ohne Sünde ist. Er stellt sich damit solidarisch in eine Reihe mit uns Sündern, deren Schuld er stellvertretend übernehmen wird. Die Taufe Jesu ist mit begleitenden Zeichen verbunden. Als Jesus aus dem Wasser steigt …

☐ sieht er, dass sich der Himmel auftut. Das lesen wir z. B. auch in Hes 1,1 bei der Berufung des Hesekiel und in Apg 10,11 bei der Berufung des Petrus zur Heidenmission. Jesus erhält also bei seiner Taufe wie der Prophet und der Jünger von Gott die Berufung für seinen Auftrag.

☐ Dann sieht Jesus den Geist Gottes nicht als, sondern wie eine Taube auf ihn herabkommen. In Jes 11,2 ist verheißen, dass der Geist Gottes auf dem Messias ruhen wird. Diese Verheißung erfüllt sich nun. Jesus wird hier also dauerhaft für sein messianisches Wirken ausgerüstet.

☐ Und schließlich hört Jesus über sich die Stimme seines Vaters, die drei Dinge über Jesus bekennt:

Du bist mein Sohn. Gott macht gleich am Anfang des öffentlichen Auftretens Jesu deutlich, dass er nicht nur wahrer Mensch ist, sondern auch der einzigartige, ewige Gottessohn.

☐ Du bist mein Geliebter (lieber Sohn). Der geliebte Sohn ist der einzige Sohn. Als Geliebter wird in 1Mo 22,2 auch Isaak bezeichnet, den Abraham opfern sollte. Was Abraham erspart bleibt, das mutet Gott sich selbst zu (Joh 3,16). Jesus bekommt hier also den Auftrag, sich für uns als Opfer zu geben.

An dir habe ich Wohlgefallen. Das ist ein Zitat aus Jes 42,1. Jesus ist also der Gottesknecht, von dem in Jes 53 gesagt wird, dass er sein Leben als Opfer für unsere Sünde gibt.

☐ V 12f (vgl. dazu Mt 4,1-11; Lk 4,1-13): Vom Geist Gottes wird Jesus nach der Taufe in die Wüste geführt, um versucht zu werden. Anders als Adam (1Mo 3) besteht Jesus, der zweite Adam, die Versuchung. So wird er zu unserem Retter.

Dienstag, 5. Januar Markus 1,14-20

Der Abschnitt besteht aus zwei Teilen. Die V 14f beschreiben den Beginn der öffentlichen Wirksamkeit Jesu. Die V 16-20 erzählen von der Berufung der ersten Jünger am See Genezareth oder auch Galiläisches Meer genannt.

☐ V 14f: Erstes Zentrum der öffentlichen Wirksamkeit Jesu ist das als „heidnisch“ verschriene Galiläa, die Region westlich des Sees Genezareth. Nach Mt 4,14ff erfüllt sich damit die Verheißung aus Jes 8,23 und 9,1. Im Zentrum seines Wirkens steht die Predigt des Evangeliums Gottes. Jesus ist von Gott gesandt, um die froh machende Botschaft zu verkündigen, dass es bei ihm Frieden mit Gott, Rettung und ewiges Heil gibt (vgl. Jes 52,7). Bei seiner Predigt knüpft Jesus an die Botschaft des Täufers an. Wie Johannes ruft auch er zur Umkehr, zu einem Leben mit Gott. Doch während Johannes seinen Bußruf mit dem sonst drohenden Gericht über ein unbußfertiges Israel begründet (Lk 3,7ff), überwiegt bei Jesus der Ton der Freude. Denn mit ihm ist die Gottesherrschaft in der Welt jetzt da. Wer an ihn glaubt, gehört jetzt schon in Gottes Reich. Vollendet wird die Gottesherrschaft aber erst, wenn Jesus wiederkommt und alles neu wird. Deshalb bitten wir im Vaterunser: Dein Reich komme.

Lesen Sie Mt 3,2; Lk 3,7ff und vergleichen Sie die Predigt des Johannes mit der Predigt Jesu in Mk 1,15.

☐ In den V 16-20 erzählt Markus, wie Jesus die beiden ersten Brüderpaare in seine Nachfolge ruft: Simon (Petrus) und Andreas sowie die Zebedäussöhne Jakobus und Johannes. Alle vier waren von Beruf einfache Fischer. Mit so schlichten Männern wie sie baut Jesus sein Reich in dieser Welt – bis heute! – Nachfolgen heißt: Hinter Jesus hergehen, ihm auf seinem Weg folgen – und nicht ihn vor den Karren seiner Wünsche und Träume spannen (vgl. Mk 8,31-33). Auch wir sind gerufen, mit Jesus durchs Leben zu gehen, uns ihm anzuvertrauen und in der Nachfolge auf ihn und seine Stimme zu hören. Zugleich sind wir berufen, mit Liebe und Leidenschaft Menschen für das Reich Gottes zu gewinnen.

Mittwoch, 6. Januar Markus 1,21-28

☐ Die V 21-22 erzählen vom Lehren Jesu in der Synagoge von Kapernaum. Jesus geht zusammen mit seinen bisherigen vier Jüngern nach Kapernaum. Schon zu Lebzeiten Jesu stand dort eine stattliche Synagoge. Wie es seine Gewohnheit war (Lk 4,16) – es gibt also auch gute und hilfreiche Traditionen! – geht Jesus am Sabbat in die Synagoge, wo sich die jüdische Gemeinde zum Gebet, zum Singen, zur Lesung und zur Auslegung alttestamentlicher Schriften versammelt. Man konnte sich als Mann im Gottesdienst zum Vorlesen aus den Schriften und zur Auslegung melden. Das tut Jesus in Kapernaum. Denn mit der Aussage er lehrte (V 21) ist gemeint, dass Jesus die Schriftrolle nimmt, einen alttestamentlichen Text auswählt, ihn liest und anschließend auslegt.

Sein Lehren führt zur Verwunderung, ja löst sogar Entsetzen aus. Jesus unterscheidet sich von den Schriftgelehrten durch seine Vollmacht. Er erklärt die Bibeltexte nämlich nicht wie die Schriftgelehrten durch Berufung auf die Auslegung bekannter Rabbiner. Er legt die Texte in göttlicher Autorität aus. Darum tun wir gut daran, auch heute auf Jesus zu hören.

Schon von Beginn seines öffentlichen Wirkens an fragen die Menschen: – „Wer ist Jesus? Woher hat er diese Vollmacht?“ Vgl. Sie dazu Mk 1,27; 2,7; 4,41; 6,2.3; 8,27-29. – Und wer ist Jesus für Sie? Formulieren Sie ein persönliches Bekenntnis.

☐ Die V 23-28 erzählen von der Heilung eines Menschen, der von einem bösen Geist besessen ist. Daran zeigt sich gleich zu Beginn der Wirksamkeit Jesu, dass er gekommen ist, die Werke des Teufels zu zerstören (1Joh 3,8). Der Dämon weiß, dass Jesus der Messias und ihm überlegen ist: Du bist der Heilige Gottes. Später bekennen das auch die Jünger von Jesus (vgl. Joh 6,69; Mt 16,16). Im Unterschied zu den Dämonen geht es jedoch nicht nur um das richtige Wissen über Jesus, sondern um den vertrauenden Glauben. – Jesus treibt den unreinen Geist aus und macht damit deutlich, dass er stärker ist als der Böse. Diesmal entsetzen sich die Menschen über seine Macht über die Dämonen.

Donnerstag, 7. Januar Markus 1,29-39

Der Abschnitt enthält drei Teile. In den V 29-31 wird die Heilung der Schwiegermutter des Petrus erzählt. In den V 32-34 lesen wir von verschiedenen Heilungen. Und in den V 35-39 erfahren wir, wie Jesus seinen Dienst unter den Menschen im Gebet vorbereitet.

☐ V 29-31: Nach der Heilung in der Synagoge geht Jesus mit seinen bisherigen Jüngern in das Haus des Andreas und Simon. Obwohl sie aus Bethsaida stammen (Joh 1,44), wohnen sie nun mit ihren Familien in Kapernaum. Als Jesus mit ihnen in ihr Haus kommt, erfährt er vom Fieber, das die Schwiegermutter des Simon befallen hat. Gemeint ist ein hohes Fieber (Lk 4,38), das im Altertum wegen des Fehlens geeigneter Medikamente oft tödlich ausging. Ohne weitere Worte fasst Jesus sie an der Hand und richtet sie zum Zeichen der Heilung auf. Aus Dank dafür dient sie Jesus.

Was ist Ihre Antwort auf erfahrene Hilfe und Beschenktwerden durch Jesus? Motiviert Sie das auch zum Dienst für ihn?

☐ V 32-34: Nachdem Jesus einen Besessenen und die kranke Schwiegermutter des Petrus geheilt hat, werden in der abendlichen Kühle Kranke und Besessene zu Jesus gebracht. Alle Kranken ist mit Gerhard Maier als Kranke mit allerlei Krankheiten zu verstehen. Zwar heilt Jesus viele Menschen, aber noch beseitigt er nicht grundsätzlich alle Krankheit. Die Beseitigung allen menschlichen Leids ist der künftigen Herrlichkeit bei Gott vorbehalten (vgl. Offb 21,4). Interessant ist die Bemerkung: Er ließ die bösen Geister nicht reden. Er will also nicht ausgerechnet von bösen Mächten als Messias und Gottessohn öffentlich propagiert werden.

☐ V 35-39: Am anderen Morgen geht Jesus vor Tagesanbruch an einen einsamen Ort, um zu beten. Das wird von Jesus in den Evangelien oft erzählt (Mt 14,23; 26,36; Lk 3,21; 5,16; 6,12; 9,18.28; 11,1). Ganz offensichtlich braucht Jesus das Zwiegespräch mit seinem himmlischen Vater, um seines Weges gewiss zu sein. Er hält jetzt das Gebet für wichtiger, als den nach ihm suchenden Menschen zu Diensten zu sein.

Freitag, 8. Januar Markus 1,40-45

Nach verschiedenen Heilungsgeschichten erzählt Markus die Heilung eines Aussätzigen. Alle Heilungsgeschichten zeigen, dass Jesus der Messias ist. Ein unverbrüchliches Kennzeichen für den Anbruch der messianischen Heilszeit ist nämlich, dass Kranke geheilt werden (Jes 29,18f; 35,5f).

Aussatz (Lepra) war eine ansteckende und in damaliger Zeit oft zum Tod führende Krankheit. Wer Aussatz hatte, musste nach 3Mo 13,45f außerhalb des Ortes wohnen und war von jeglicher menschlichen und gottesdienstlichen Gemeinschaft ausgeschlossen. Nun durchbricht ein Aussätziger den vorgeschriebenen Sperrbezirk, läuft zu Jesus hin und bittet ihn um Heilung: Willst du, so kannst du mich reinigen (V 40). Was für ein großes Vertrauen zu Jesus steckt in diesen Worten! Ob er auch bei uns so großes Vertrauen findet?

☐ Jesu Hilfe ist in seinem Erbarmen begründet. Das griechische Wort für es jammerte ihn heißt ursprünglich es drehte ihm die Eingeweide um, es bewegte sein Innerstes. Jesu Erbarmen, seine Barmherzigkeit gegenüber Menschen in Not und Leid rühren von einer tiefen seelischen Erschütterung und echtem Mitleiden her (vgl. auch 2Mo 34,6 u. a.).

Lesen Sie dazu auch Mt 9,36; 14,14 und 15,32 und überlegen Sie, wo Sie selber über Jesu Erbarmen staunen können.

☐ In V 41 streckt Jesus die Hand aus und berührt den Aussätzigen. Er macht damit deutlich, dass er keine Angst vor einer Ansteckung hat. Nach der Heilung schickt ihn Jesus weg und gebietet ihm eindringlich, dass er nichts von der Heilung weitererzählen soll. Wahrscheinlich will Jesus nicht nur als Wundertäter gesehen werden. Er ist ja zuallererst gekommen zu predigen (V 38). Nach V 44 soll sich der Geheilte, wie es in 3Mo 14,1ff vorgesehen ist, dem Priester zeigen, denn der war die offizielle Gesundheitsbehörde. Durch das Wunder sollen die Priester erkennen, dass Jesus der Messias ist. Der Geheilte hält sich nicht an Jesu Weisung (V 45). Er posaunt überall herum, wer ihn geheilt hat, und „bremst“ so Jesu missionarischen Plan von V 38.

Samstag, 9. Januar Markus 2,1-12

Mit dieser Geschichte beginnen fünf Streitgespräche Jesu mit Schriftgelehrten, die in Kap. 3,6 mit ihrem Entschluss enden, Jesus zu töten. Zugleich geben sie kompakt Antworten auf die Frage, wer Jesus ist. Diese erste Heilungsgeschichte ist eigentlich eine Heilsgeschichte. Die Heilung des Gelähmten ist ein Beleg für Jesu Vollmacht, Sünden zu vergeben. Jesus offenbart sich als Menschensohn – ein der jüdischen Apokalyptik entlehnter messianischer Titel (Dan 7,13f): Der Menschensohn ist der von Gott bevollmächtigte Weltenrichter.

☐ Jesus befindet sich in einem Haus – vielleicht, um sich zurückzuziehen. Als die Menge sich in und vor dem Haus versammelt, sagt er ihnen das Wort (V 2).

☐ Neben Jesus kann man vier andere Gruppen erkennen:

Der Gelähmte: Von ihm erfahren wir am wenigsten, obwohl er neben Jesus doch eigentlich die Hauptfigur ist.

Die Freunde: „Not macht erfinderisch“, sagen wir heute. Ihre Not war keine eigene, sondern die ihres gelähmten Freundes. Sie nehmen einen ungewöhnlichen Weg, um ihr Ziel zu erreichen. „Geht nicht, gibt’s nicht.“ Ihr Glaube ist es auch, der Jesus motiviert, dem Gelähmten zu helfen.

Die Schriftgelehrten: Sie sprechen nicht aus, was sie denken. Dennoch erkennt Jesus ihre im Grunde richtigen Gedanken, denn Gott allein (bzw. sein Messias) kann die Mauer der Sünde zwischen ihm und Gott niederreißen. So beweist Jesus ihnen seine Macht durch die Heilung.

Die Menge: Sie waren gekommen, um zu hören, und werden nun sehende Zeugen. Wort und Tat gehören zusammen.

Mit welcher der vier Gruppen fühle ich mich heute am meisten verbunden?

Heil und Heilung. Beides ist hier eng miteinander verwoben. Weil Jesus dem Gelähmten zunächst Vergebung zuspricht, wird deutlich, dass es ihm in erster Linie um sein Heil geht. Das Wunder der Heilung ist eine „Zugabe“.

☐ Wie sich in der Taufe (Mk 1,10) der Himmel öffnet, ist auch hier sinnbildlich durch Jesus der Blick nach oben zu Gott frei.

Sonntag, 10. Januar Psalm 2

☐ „Wer die Psalmen laut liest, spürt sofort, dass dieser Psalm nach Stil und Inhalt zu den gewaltigsten Texten der ganzen Bibel gehört“ (Helmut Lamparter). Es ist kein Lehr- oder Dank- oder Klagepsalm, es ist ein prophetischer Psalm. Es ist Prophetie auf den Messias hin. So versteht ihn das ganze NT. Es ist der meistzitierte Psalm im NT.

☐ Ausgangspunkt ist die Herrschaft des HERRN (Jahwes) und seines Gesalbten, in die die Völker der ganzen Welt durch die Schöpfungsordnung eingebunden sind. Aber die Mächtigen wollen diese Bindung zerreißen. Die Weltgeschichte ist ein durch die Jahrtausende tobender Aufruhr: Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche! (Lk 19,14); eine Ablehnung von Gottes Schöpfungsordnung und seinen Geboten. – Warum nur? Es ist doch nur zum Schaden der Menschheit! Und es ist letztlich vergeblich.

Aber – der im Himmel wohnt, lachet ihrer (V 4). Nicht schadenfroh, aber überlegen. Er sieht nicht zu, er handelt: Ich aber habe meinen König eingesetzt auf meinem heiligen Berg Zion (V 6). Im Psalm prophetisch angekündigt, in Jesus von Nazareth erfüllt: Du bist mein lieber Sohn (Lk 3,22).

Gott hat Jesus Christus, der sich – auf dem Zion – erniedrigte bis zum Tode am Kreuz (Phil 2,8), mit der Weltherrschaft und mit dem Amt des Weltenrichters betraut.

So seid nun verständig … und lasst euch warnen (V 10)! Die Weltgeschichte und auch euer kleines Leben gehen dem Tag entgegen, der allen Aufruhr gegen Gott, alles Sein-Wollen wie Gott ans Licht bringt. Nicht zum Spaß steht hier (V 11f): Dienet dem HERRN mit (Gottes-)Furcht und küsst ihm seine Füße mit Zittern (= nicht frech oder auch nur gleichgültig!), dass er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Wege!

Der Psalm schließt aber – auch hierin wirklich Messias-Prophetie – mit einem Ausruf, der gleichzeitig Aufruf zum Evangelium ist: Wohl allen, die auf ihn trauen!

Welche Mächtige und Mächte lehnen sich heute gegen Gott auf – von der großen Weltpolitik bis hin in Ihr persönliches Leben?

Montag, 11. Januar Markus 2,13-17

Eine neue Situation. Jesus ist am Meer, d. h. am See Genezareth bei Kapernaum. Wieder folgt ihm eine Menge. Die Menschen wollen Jesus erleben und sind gespannt, was er tun und sagen wird.

☐ Jesus fordert im Vorübergehen den Zöllner Levi auf, ihm nachzufolgen. Nicht der „Fangemeinde“, die ihm schon folgt, gilt seine besondere Aufmerksamkeit, sondern einem am Rand Stehenden, scheinbar Unbeteiligten. Im Gegensatz zu anderen jüdischen Lehrern, denen sich Schüler aus eigener Initiative anschlossen, beruft Jesus, wen er will.

Levi war als Zöllner aus seinem eigenen jüdischen Volk ausgegrenzt. Als Kollaborateur der Besatzungsmacht, der sich auch noch durch Betrug bereicherte, galt er als Sünder.

☐ Levi trägt den Namen des Jakobssohnes, der für priesterliche Dienste zuständig war. In 1Chr 26 wird den Leviten die Aufgabe des Torhüters und des Schatzmeisters zugewiesen. Sein Platz am Zoll ist also das Gegenteil dessen, wozu die Leviten von Gott berufen waren.

☐ Wahrscheinlich spielt die Szene ab V 15 in Levis Haus. Neben ihm sind noch andere Zöllner und Sünder anwesend. Das gemeinsame (Fest-)Mahl ist für die Schriftgelehrten ein Grund, das Verhalten Jesu zu beanstanden. Denn durch die Tischgemeinschaft mit einem offensichtlich in Sünde lebenden Menschen macht sich Jesus aus ihrer Sicht selber unrein. Während in der Geschichte zuvor der Zuspruch der Sündenvergebung als Anmaßung verstanden wurde, nehmen die Schriftgelehrten diesmal Anstoß an seinem Verhalten, das nicht zu seiner Rolle als jüdischer Rabbi passt.

Wieder sprechen die Schriftgelehrten ihre Kritik nicht offen Jesus gegenüber aus. – Wo und wie vermeiden Sie eine direkte Konfrontation mit der Person Ihrer Kritik, obwohl ein offenes Gespräch evtl. helfen könnte?

☐ Jesus benutzt ein geläufiges Zitat (V 17a) und wendet es auf sich an: So wie er zuvor durch ein Wort Sünden vergibt, tut er es hier, indem er einem Sünder Gemeinschaft gewährt.

Dienstag, 12. Januar Markus 2,18-22

Im dritten Streitgespräch wenden sich die Kritiker bzw. Fragesteller zum ersten Mal direkt an Jesus. Es sind diesmal Jünger des Johannes, die ihrem Vorbild entsprechend ein Leben der Askese und des Verzichts führten.

☐ Beim Fasten selbst ist das gebotene vom freiwilligen Fasten zu unterscheiden. Geboten war das Fasten am großen Versöhnungstag und zu anderen (Not-)Zeiten. Das freiwillige Fasten stellte für strenggläubige Juden eine Art Demütigung vor Gott bzw. eine Form der Buße dar.

☐ Die Hochzeit ist schon im AT ein Symbol für die Erfüllung der Heilszeit (vgl. zuvor das Festmahl). Mit dem Unterschied, dass dort Gott selbst der Bräutigam ist. Zur Gegenwart Jesu passt kein Fasten, weil kein Grund mehr dafür gegeben ist: Mit seinem Kommen ist die Gnadenzeit ja bereits da.

☐ Allerdings ist diese Zeit begrenzt, da der Bräutigam (noch) nicht für immer da sein wird – eine erste Vorschau auf Jesu Tod. Erst dann wird es auch wieder eine Zeit des Fastens geben: Für die Gemeinde des Markus ist dies ein Hinweis auf das Gedenken an Karfreitag, wodurch sich bis heute z. B. der Verzicht auf Fleisch am Freitag erhalten hat.

☐ Die erklärenden Bildworte versuchen vor allem den Unterschied zwischen alt und neu zu verdeutlichen. Die alten Traditionen werden nicht per se als falsch angesehen, sondern erst vom ganz Neuen als unzeitgemäß überholt. Gemäß dem Prediger (Kap. 3,1-8) hat alles seine Zeit. Dadurch, dass es auch wieder eine Zeit zum Fasten geben wird, deutet Jesus an: Traditionen sind nicht verkehrt, aber müssen in ihrem Sinn und Nutzen auf ihre Zeitgemäßheit überprüft werden.

Welche Traditionen bzw. Ordnungen haben sich in Ihrem Glaubens- und Gemeindeleben verselbstständigt, dass Sie ihren ursprünglichen Sinn nicht mehr erschließen können?

☐ Nach dem Mahl mit den Sündern veranschaulicht dieses Gespräch die neue Lehre Jesu. Zuvor hat er durch Wort (V 1-12) und Tat (V 13-17) seine Vollmacht gezeigt, nun sind seine Nachfolger aufgerufen, ihr Handeln an ihm zu messen.

Mittwoch, 13. Januar Markus 2,23-28

In diesem vierten Streit sind nun im Gegensatz zu vorher die Jünger von Jesus im Fokus und ihr Handeln Anlass für Kritik der Pharisäer. Letztlich wird Jesus aber quasi als ihr „Anführer“ für ihr Handeln haftbar gemacht.

☐ Das Sabbatgebot wurde unterschiedlich streng ausgelegt. Zwar durfte man bei Lebensgefahr auch am Sabbat einschreiten und Hilfe leisten. Davon konnte aber beim Ährenraufen der Jünger zur Stillung ihres Hungers – darauf weist Jesus mit der Geschichte in 1Sam 21 hin – keine Rede sein. Die Pharisäer sehen das Ährenraufen dagegen als Erntearbeit an – und die ist am Sabbat verboten. Jesus antwortet auf die kritische Frage der Pharisäer mit einer Gegenfrage. Durch die Antwort macht Jesus deutlich, dass er ebenso schriftgelehrt ist wie die Anfragenden. Damit könnte die Episode eigentlich schon zu Ende sein.

☐ Allerdings sollte beachtet werden, dass in der von Jesus angeführten Vergleichsgeschichte bei David der Sabbat keine Rolle spielt. Wesentlicher ist dort die Vollmacht Davids als Mann Gottes, der dieses Prädikat auf seine Gefährten ausweiten kann. Im Zusammenhang mit V 28 wird von Jesus ein höherer Anspruch vermittelt.

☐ Nicht nur in möglichen Ausnahmen (s. o. „Lebensgefahr“) kann das (Sabbat-)Gebot übertreten werden. Es ist generell dazu da, dem Menschen zu dienen.

☐ Das Wort von der Vollmacht des Menschensohns in V 28 bewahrt dann allerdings auch vor einer Laisser-faire-Haltung, in der die Gebote mit dem Hinweis auf menschliche Freiheit allzu schnell außer Kraft gesetzt werden. Erst in der Nachfolge Jesu, d. h. in der engen Bindung an seine Person und sein Wort wird eine Freiheit vom Gebot deutlich, die aber stets zugleich eine Freiheit zum Gebot einschließt.

Wo wird heute in unserer Gesellschaft gerade das Sabbatgebot immer mehr ausgehöhlt? Was können wir als Christen dagegen tun?

Donnerstag, 14. Januar Markus 3,1-6

Um den Sabbat geht es auch im fünften und letzten Streitgespräch. Wie beim ersten in Kap. 2,1-12 findet aber kein Gespräch statt. Wieder liest Jesus die Gedanken seiner Gegner. Auch wenn dies nicht explizit gesagt ist, lässt sein Reden und Handeln es erkennen. Die Absicht der Pharisäer, bewusst auf eine mögliche Gesetzesübertretung zu warten, um Jesus anzuklagen, verschärft die Situation im Vergleich zu den vorherigen Episoden und bündelt sie zugleich.

☐ Sicher hat die verdorrte Hand dem Menschen ohne Namen (vgl. Kap. 2,1-12) Not bereitet; dennoch wird es aber keine todbringende Erkrankung gewesen sein, die allein eine Heilung am Sabbat aus Sicht der Pharisäer erlaubt hätte.

☐ Während in Mk 2,1-12 der Gelähmte von oben zu Jesu Füßen heruntergelassen wird, soll sich dieser vor Jesus stellen: Tritt hervor! (V 3). Jesu Frage bleibt hier wie dort unbeantwortet. Sie zeigt, dass es für Jesus nur die Alternative zwischen Gut und Böse gibt. Beides bedingt sich: Gutes nicht tun heißt letztlich Böses tun.

Ist die Unterscheidung von Gut und Böse immer so einfach?

☐ Wie in Mk 2,27 ist das Gesetz für den Menschen da. Der Gesetzeseifer der Pharisäer lässt sie verstummen und Jesus zugleich betrübt und zornig über ihre Härte sein. Damit steht Jesus in einer Reihe mit den alttestamentlichen Propheten, die ebenfalls mit Zorn und Trauer auf die Hartherzigkeit gegenüber ihren Aussagen reagierten (vgl. z. B. Jer 8,18ff).

☐ Bei der anschließenden kurz und knapp berichteten Heilung fehlt im Vergleich zu Kap. 2,1-12 die Menge als Augenzeuge des Wunders. Auch von den Jüngern ist keine Rede. Alles spitzt sich auf die Konfrontation zwischen Jesus und seinen Gegnern zu.

☐ Zum ersten Mal berichtet Markus über die Absicht der Pharisäer, Jesus zu töten. Die Vollmacht, die er als Menschensohn mehrfach unter Beweis stellte, lässt V 4 noch einmal in neuem Licht sehen: Während Jesus durch die Heilung Gutes tut, beschließen die Pharisäer am Sabbat sein Todesurteil.

Erster u. zweiter Timotheusbrief und Titusbrief

Die zwei Timotheus- und der Titusbrief werden als Pastoralbriefe (= Hirtenbriefe) zusammengefasst, da sie in Sprache, wichtigen Gedankengängen und Zielsetzung stark übereinstimmen. Es geht um klare Anweisungen, Ermahnungen und Ermutigungen an Leitungspersonen, vor allem an das Hirtenamt der Gemeinde. Nach vielen Gemeindeneugründungen im Missionsgebiet des Paulus schafft das verstärkte Auftreten von Irrlehrern erhebliche Unruhe. Man ist offen für alles Neue; viele können aber nur begrenzt zwischen Irrtum und Wahrheit unterscheiden und lassen sich so für jeden Gemeindezwist und theologischen Zank missbrauchen.

Wie kann in Zukunft das Evangelium, hier gesunde Lehre genannt, in seiner ursprünglichen Form und Kraft bewahrt bleiben? Wie können Gemeinden in veränderten Zeiten und angesichts von Verfolgungen wachsen? Wie kann die Person und das Amt des Gemeindeleiters gestärkt und profiliert werden? Welche Kriterien müssen bei Amtsträgern erfüllt sein?

Nicht so sehr das missionarische Anliegen prägt diese Briefe, sondern vielmehr die seelsorgerliche Verantwortung für den Binnenbereich der Gemeinde. Nicht die Kernbotschaft von der Rechtfertigung des Gottlosen durch die Versöhnung Gottes in Christus steht im Zentrum – sie wird vorausgesetzt, sie gilt es zu bewahren, zu sichern; deshalb die vielen Bekenntnisformulierungen im Text –, sondern Fragen der christlichen Lebensführung („Frömmigkeit“) und die Vorbildfunktion der Leiter. Ihr Verhalten soll sich an Paulus orientieren – in seiner Hinwendung zur Gnade Christi (1Tim 1,12-17), in seinem persönlichen Einsatz für die Gemeinden (2Tim 3,10-13), in seiner Leidensbereitschaft bis hin zum Martyrium (2Tim 4,7f.16-18).

Die drei Briefe sind persönlich und zugleich dienstlich formuliert; Persönliches prägt den 2Tim, Amtliches überwiegt im Titusbrief.

Freitag, 15. Januar 1. Timotheus 1,1-11

Wie bei Briefen in der damaligen Zeit üblich, wird zu Beginn des 1. Timotheusbriefes der Absender, der Adressat und ein besonderer Gruß genannt.

Paulus, der Heidenmissionar und Apostel, schreibt an seinen jungen Mitarbeiter Timotheus. Paulus hat Timotheus auf seiner zweiten Missionsreise in Lystra in sein Mitarbeiterteam aufgenommen. Timotheus entstammt einer griechisch-jüdischen Familie (Apg 16,1-3) und ist vermutlich durch Paulus zum Glauben gekommen. Deshalb bezeichnet ihn Paulus als meinen rechten Sohn im Glauben (V 2).

☐ Paulus grüßt ihn mit einem dreigliedrigen Segenswunsch: Gnade, Barmherzigkeit und Frieden. Diese drei Heilsgüter brauchen Christen zu allen Zeiten und an jedem Ort – auch wir leben heute davon.

☐ V 3 macht deutlich, dass Paulus seinen jungen Mitarbeiter mit einer verantwortungsvollen Aufgabe betraut hat. Er soll in Ephesus bleiben – einer Gemeinde, die Paulus auf der zweiten Missionsreise gegründet hat (Apg 19), um den sich dort ausbreitenden Irrlehrern Einhalt zu gebieten.

Paulus traut seinem jungen Mitarbeiter diese nicht einfache Aufgabe zu. Auch in unseren Gemeinden wachsen junge Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen durch Begleitung einerseits, aber auch dadurch, dass ihnen eigenverantwortliches Handeln zugetraut wird. Wie sieht das in Ihrer Gemeinde aus?

☐ Charakteristisch für die Irrlehrer ist, dass sie über dem Spekulieren und den Wortklaubereien aus dem Blick verlieren, was das Ziel aller evangeliumsgemäßen Predigt ist, nämlich der Ansporn zu tätiger Liebe, die Gott, aber auch sich selber und den Nächsten nicht aus dem Blick verliert (5Mo 6,5 und 3Mo 19,18).

☐ In den V 8-11 erläutert Paulus den rechten Gebrauch des alttestamentlichen Gesetzes, speziell der zweiten Tafel des Gesetzes (viertes bis zehntes Gebot). Der Gerechte, der aus dem Glauben lebt, befolgt die Gebote aus innerem Antrieb; allen andern ist das Gesetz zur Warnung gegeben.

Samstag, 16. Januar 1. Timotheus 1,12-20

☐ In V 11 sprach Paulus vom Evangelium, das ihm anvertraut ist. Noch nach vielen Jahren ist das für Paulus ein Grund zum Staunen und Danken, wenn er auf sein eigenes Leben schaut. Es folgt in V 13-15 ein biografischer Rückblick, indem Paulus noch einmal an seine erstaunliche Lebenswende vom Lästerer und Verfolger zum Boten der Gnade erinnert. Paulus steht zu seiner Vergangenheit und kann die Veränderung in seinem Leben nur als einen Akt der Barmherzigkeit Gottes verstehen. Er selbst ist das Paradebeispiel dafür, dass Gott in seiner Gnade Menschen total verwandeln und mit einer neuen Aufgabe betrauen kann. Dafür kann und will er Gott die Ehre geben.

Überlegen Sie einmal, wo und wie Gott auch in Ihr Leben eingegriffen und Sie zum Staunen gebracht hat. Ein Grund, ihn heute zu loben und zu preisen.

☐ Durch ein persönliches Wort an Timotheus leitet Paulus in den V 18-20 zur in Kap. 2 und 3 dargestellten Gemeindeordnung über. Dabei versteht sich Paulus nicht als Einzelkämpfer, sondern als Staffelläufer, der den Stab weitergibt. Er vertraut das ihm anvertraute Evangelium Timotheus an.

☐ Paulus erinnert Timotheus daran, dass er zu dieser Aufgabe berufen und eingesetzt wurde. Vermutlich denkt Paulus dabei an seine „Ordination“, bei der Timotheus unter Handauflegung der Ältesten (Kap. 4,14) mit der Verkündigung betraut wurde. Standvermögen und Kampfgeist sind notwendig, um bei dieser Aufgabe keinen Schiffbruch zu erleiden. Die wichtigste Ausrüstung für diesen Kampf ist für Paulus der Glaube (die feste Beziehung und Gemeinschaft mit Christus) und das gute Gewissen. Beides verhindert, dass dem Teufel und auch den Menschen Angriffsflächen geboten werden, die Timotheus zu Fall bringen würden.

☐ Um die Dringlichkeit seiner Bitte zu untermauern, führt Paulus zwei frühere Mitarbeiter an, die aus diesem Grund in ihrem Leben Schiffbruch erlitten haben und nicht mehr zur Gemeinde gehören.

Sonntag, 17. Januar Psalm 89,1-19

Dieser erste Teil von Ps 89 ist ein Hymnus, der den HERRN (Jahwe) als Schöpfer und Herrn des Himmels und der Erde preist; der zweite Teil (ab V 20, vgl. die Auslegung am 24. Januar) dagegen ist eine Gottesrede, die auf die Erwählung des Königs David eingeht, und ist (ab V 39) eine leidenschaftliche Anklage vor Gott.

☐ V 2-3: Die beiden Leitbegriffe des ganzen Psalms werden genannt: Gottes Gnade, die ewig feststeht, und seine sichere Treue. Zu Beginn spricht der Beter von seinem Vorsatz, von der Gnade (den Gnadentaten) und der Treue Gottes für und für (= von Geschlecht zu Geschlecht) zu singen. Dazu will er auch sein ganzes Volk bringen (V 16f).

Suchen Sie (eventuell mit Leuchtstift) in den Versen 2-17 alle Aussagen, die auf die dauerhafte Gnade, die Festigkeit und unbedingte Treue Gottes hinweisen.

☐ V 4-5: Gott selbst ergreift das Wort und bestätigt seinen Bund mit David, dem er die Ehrentitel mein Auserwählter und mein Knecht gibt. Das Bild vom massiven Hausbau (festen Grund geben, bauen „für immer“) unterstreicht die Dauer der Dynastie Davids.

☐ V 6ff: Wer ist der, der mit dem Menschen David einen Bund schloss? Der unvergleichlich große Schöpfer und Herr aller Dinge und Mächte, den die Himmel preisen (V 6); die Engelmächte fürchten (V 8); mit dem keiner sich messen kann (V 7); dessen Allmacht mit Treue gepaart ist – also keinerlei Willkür! (V 9.15); der Himmel und Erde gegründet und mit Leben erfüllt hat (V 12). Sein Arm, seine Hand, seine Rechte (V 14 – die Bibel redet von Gott wie von einem Menschen, weil wir uns ja nur so ausdrücken können!) hat Kraft genug, das, was er versprach, allen Widerständen zum Trotz auch zu verwirklichen (Helmut Lamparter). Mit einer Seligpreisung des Volkes Israel (V 16f) schließt der Hymnus: Wohl dem Volk, das jauchzen kann!

Montag, 18. Januar 1. Timotheus 2,1-7

☐ Mit Kap. 2,1 beginnt ein Abschnitt, der bis Kap. 3,13 reicht. Der Neutestamentler J. Jeremias bezeichnet diese beiden Kapitel als die „älteste Gemeindeordnung der christlichen Kirche“. Inhaltlich kommt zum Ausdruck, was eine Gemeinde einladend für andere macht. Das ist auch heute eine dringliche Frage: Wie lebt eine Gemeinde so, dass Nichtchristen neugierig auf den Glauben der Christen werden?

☐ An den Anfang stellt Paulus das Gebet der Gemeinde in der ganzen Vielfalt von Bitte, Fürbitte und Danksagung als verpflichtende Aufgabe der ganzen Gemeinde. Dieses Gebet hat alle Menschen im Blick. Ausdrücklich genannt werden die Verantwortlichen in Politik und Staat.

Paulus weitet der Gemeinde hier den Blick über die eigene Befindlichkeit und die Gemeindegrenzen hinweg. Schöpft Ihr persönliches Gebet diesen weiten Horizont aus?

☐ Als konkretes Ziel für die Fürbitte für die Obrigkeit wird ein ruhiges und stilles Leben in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit genannt (V 2). Dabei denkt Paulus daran, dass die Gemeinde nach außen ungestörte Entfaltungs- und Wirkungsmöglichkeiten hat. Dafür unverzichtbar ist Frömmigkeit und Ehrbarkeit. Gemeint ist der authentisch und transparent gelebte Glaube.

Gelebter Glaube, bei dem Wort und Tat übereinstimmen, ist auch heute unverzichtbar, wenn Glaubensferne mit dem christlichen Glauben in Verbindung gebracht werden sollen. Wo wird das heute besonders relevant?

☐ V 4 bringt zum Ausdruck, dass Gottes Ziel die Rettung aller Menschen ist. Sie sollen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Von Gottes universalem Heilswillen ist also niemand ausgeschlossen. Wer immer meint, Gottes Liebe gelte ihm nicht oder er sei womöglich von Gott verworfen, dem darf man mit diesem Vers verdeutlichen, dass Gott auch ihn retten und zur Wahrheit, die Jesus heißt (Joh 14,6), führen möchte.

Dienstag, 19. Januar 1. Timotheus 2,8-15

Paulus nimmt den Faden von V 1 auf und geht wieder auf das Gebet und das Verhalten im Gottesdienst ein.

☐ V 8: Die Männer sollen überall ohne Zorn und Zweifel heilige Hände aufheben. Gemeint ist, dass ihr tagtägliches Verhalten und ihr Beten im Einklang stehen sollen. Sie sollen sich beim Beten nicht von Gefühlen wie Zorn und Ärger bestimmen lassen oder insgeheim die Wirksamkeit ihres Betens anzweifeln, sondern vertrauen, dass Gott ihr Gebet auch wirklich erhört.

☐ V 9f: Paulus macht deutlich, dass auch Frauen grundsätzlich im Gottesdienst beten sollen, aber dabei, wie die Männer, Regeln beachten sollen. Sie sollen nicht durch Äußerlichkeiten wie Kleidung und Schmuck die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sondern sich bewusst sein, dass sie in der Gegenwart Gottes stehen. Ihr gelebter Glaube soll sich in tätiger Nächstenliebe zeigen.

Paulus erinnert uns mit Nachdruck daran, dass Beten immer heißt, in die Gegenwart Gottes zu treten. Überlegen Sie, welche Konsequenzen das für Ihr persönliches Gebet und Ihr Gebet in der Gemeinschaft mit anderen hat.

☐ Die V 11-15 gehören zu den Texten des Neuen Testaments, die sehr konträr diskutiert werden. Es geht jedoch nicht an, daraus ein prinzipielles Redeverbot für Frauen in der christlichen Gemeinde abzuleiten. Auch Paulus gesteht an anderer Stelle Frauen das prophetische Reden im Gottesdienst zu (1Kor 11,5; vgl. auch Apg 21,9). Jesus selbst hat Maria Magdalena als erste Zeugin seiner Auferstehung mit der Verkündigung an seine Jünger beauftragt (Joh 20,17f).

☐ Gerade weil wohl Frauen in der urchristlichen Gemeinde eine Wertschätzung erfuhren und Mitwirkungsmöglichkeiten hatten wie sonst nirgendwo in der damaligen Gesellschaft, hatte Paulus vermutlich die Sorge, dass sie diese Freiheiten allzu sehr ausnutzen und damit den Glauben diskreditieren könnten. Vielleicht erklären sich so seine absolut klingenden, restriktiven Aussagen zum Verhalten der Frauen.

Mittwoch, 20. Januar 1. Timotheus 3,1-13

Hatte der erste Teil der Gemeindeordnung das Verhalten im Gottesdienst zum Thema, so kommen im zweiten Teil die Amtsträger in den Blick: die Gemeindeleiter (V 1-7) und die Diakone und Diakoninnen (V 8-13).

☐ Wir befinden uns mit den Pastoralbriefen in einer Phase der Frühen Kirche, in der sich Gemeindestrukturen ausgebildet haben. Anfänglich war es so, dass Paulus auf seinen Missionsreisen Gemeinden gründete und einige Zeit dort blieb. Wenn er weiterzog, legte er das Gemeindeleben in die Verantwortung anderer (vielleicht der zuerst Bekehrten), hatte darüber hinaus aber noch die Autorität durch seine Briefe oder über seine Mitarbeiter, den Gemeinden Weisungen zu geben (so sind seine Briefe zu verstehen).

Die Gemeindevorsteher (griech. episkopoi): In den V 1-7 wird ein Anforderungsprofil beschrieben für die Personen, die dieses Amt anstreben. Paulus nennt 14 verschiedene Kriterien, die oft moralische Verhaltensweisen beschreiben, während die geistlichen einfach vorausgesetzt werden (V 2f).

Wir können die damaligen Verhältnisse nicht mit unseren kirchlichen Strukturen und ihren Ämtern gleichsetzen. Dennoch gilt zu bedenken, dass der Lebenswandel, Charaktereigenschaften und auch Führungskompetenz des Gemeindeleiters und auch anderer wichtiger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Gemeinde hinein und auch nach außen wirken. Wie kann es uns als Gemeinden im 21. Jahrhundert gelingen, die sich ergebende Verantwortung in der Linie des Paulus wahrzunehmen, ohne als gesetzlich, moralistisch oder „altmodisch“ zu gelten?

Die Diakone und Diakoninnen (griech. diakonoi): In den V 8-13 werden die diakonoi in den Blick genommen. Dieser Dienst war keineswegs nur den Männern vorbehalten, wie aus Röm 16,1f ersichtlich wird. Das im Amtstitel enthaltene Verb diakonein (ursprünglich: zu Tisch dienen) macht deutlich, dass es um eine helfende Aufgabe geht. Aus Apg 6,2 ergibt sich, dass dazu in der Frühen Kirche die Versorgung bedürftiger Menschen wie Witwen und Waisen gehört.

Donnerstag, 21. Januar 1. Timotheus 3,14-16

Zum Abschluss der Gemeindeordnung bekundet Paulus, dass sie der Zweck seines Briefes war. Gleichzeitig bringt er zum Ausdruck, dass er gewillt ist, die Gemeinde erneut zu besuchen. Nachdem er in Apg 20,17ff von den Ältesten der Gemeinde in Ephesus Abschied genommen hatte, ist davon auszugehen, dass er nach seiner ersten Gefangenschaft in Rom noch einmal freigekommen ist. Vermutlich kam er erst bei der schweren Christenverfolgung unter Nero (54–68 n. Chr.) zu Tode. Deutlich wird auch, dass Paulus immer damit rechnet, dass seine Pläne (von Gott: vgl. Apg 16,6 und von Menschen: vgl. Apg 9,29) durchkreuzt werden können, wie er das oft in seinem Leben erfahren hat.

☐ Um dem Verhalten im Hause Gottes eine Struktur zu geben, hat Paulus diese Ordnung an Timotheus geschickt. Haus Gottes ist schon ein im AT gebrauchtes Bild. Dort meint es den Tempel (Ps 69,10; Jes 56,7). Paulus geht es aber nicht um ein Gebäude aus Steinen, sondern um den lebendigen Organismus der Gemeinde. Die Gemeindeordnung sollte das Zusammenleben ganz verschiedener Menschen in der Gemeinde des lebendigen Gottes regeln. Im griechischen Urtext steht hier Ekklesia (vgl. auch 1Tim 3,5). Es sind (so wörtlich) die durch das Evangelium Herausgerufenen.