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Gary Chapman

Die fünf Sprachen

der Liebe

Gottes

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Die amerikanische Erstausgabe erschien unter dem Titel

© 2002 by the Moody Bible Institute of Chicago.

Aus dem Amerikanischen von Bettina Stippich und Antje Gerner.

Die verwendeten Bibelzitate sind, soweit nicht anders vermerkt,
der Lutherbibel in der revidierten Fassung von 1984 entnommen,

3. Auflage 2012

© der deutschen Ausgabe:

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Für meine Schwester Sandra Lane Benfield,

die Gott inniger liebte als jeder andere Mensch,

dem ich bisher begegnet bin.

Diese Liebe ließ sie auch alle Menschen spüren,

die ihr begegneten.

Obwohl sie jünger war als ich,

erreichte sie die Ziellinie vor mir.

Ich bete darum,

dass meine Liebe so sichtbar wird wie ihre.

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INHALT

Dank

Einführung: Eine Liebesbeziehung

1. Die fünf Sprachen der Liebe verstehen

2. Gott spricht die Sprache der Liebe Nr. 1: Anerkennung

3. Gott spricht die Sprache der Liebe Nr. 2: Gemeinsame Zeit

4. Gott spricht die Sprache der Liebe Nr. 3: Geschenke

5. Gott spricht die Sprache der Liebe Nr. 4: Praktische Hilfe

6. Gott spricht die Sprache der Liebe Nr. 5: Körperkontakt

7. Die eigene Liebessprache entdecken

8. Andere „Dialekte“ der Liebe lernen

9. Wenn Liebe fern scheint

10. Wenn die Liebe siegt

Nachwort: Der Gott, der Ihre Sprache spricht

Anmerkungen

DANK

Dieses Buch hätte nicht in der Abgeschiedenheit eines Elfenbeinturms geschrieben werden können. Immer, wenn wir Gottes Liebe erfahren, geschieht das auf persönliche, unmittelbare und unser Leben verändernde Weise. Ich danke den vielen Menschen, die mich ins Innerste ihres Lebens hineingenommen und mir von ihren eigenen Gottesbegegnungen erzählt haben. Ohne ihre persönlichen Erkenntnisse wäre das Buch eine trockene Abhandlung geworden. In den meisten Fällen habe ich andere Namen eingesetzt, doch die Personen leben wirklich, und ich erzähle ihre Geschichte so, wie sie sie mir erzählt haben.

Für die technische Umsetzung durfte ich mich wieder auf Tricia Kube verlassen, die seit neunzehn Jahren meine Sekretärin und Assistentin ist. Wie immer hat Jim Vincent vom Northfield Verlag zahllose hilfreiche Vorschläge gemacht.

Meine Frau Karolyn unterstützt mich nun schon seit vierzig Jahren. In ihren Worten habe ich so oft Gottes Liebe gespürt. Während ich dieses Buch schrieb, starb meine Schwester – ich habe keine anderen Geschwister. Ihr ist dieses Buch gewidmet. Zwölf Stunden später wurde unser erster Enkelsohn geboren. In den widersprüchlichen Gefühlen, die Tod und Geburt auslösten, war meine Frau an meiner Seite. Wahrhaftig, zwei sind stärker als einer!

Ich bete für die Familie meiner Schwester – ihren Mann Reid und ihre Töchter Traci, Jill und Allison –, dass Gottes Liebe, die meine Schwester erfuhr und so gerne weitergab, in ihnen und mir weiterlebt, damit wir so treu im Glauben werden, wie sie es war.

EINFÜHRUNG: EINE LIEBESBEZIEHUNG

Das erste Gespräch an jenem Tag hatte ich mit Susan. Nachdem ich ihre Geschichte gehört hatte, war ich den Tränen nahe. Ihr Vater hatte Selbstmord begangen, als sie dreizehn war. Ihr Bruder war in Vietnam umgekommen. Sechs Monate später hatte ihr Mann sie wegen einer anderen Frau verlassen. Sie lebte nun mit ihren beiden kleinen Kindern bei ihrer Mutter. Aber Susan weinte nicht. Nein, sie sprühte vor Energie, strahlte fast.

Da ich annahm, dass sie ihre Trauer nicht an sich heranließ, sagte ich: „Sicher fühlen Sie sich von Ihrem Mann völlig abgelehnt.“

„Zuerst ja, doch dann erkannte ich mehr und mehr, dass mein Mann nicht vor mir wegläuft. Er läuft vor sich selber weg. Er ist ein sehr unglücklicher Mensch. Ich glaube, dass er dachte, unsere Ehe würde ihn glücklich machen, aber das wissen Sie – nur Gott kann einen Menschen wirklich glücklich machen.“

Ich dachte, dass Susan vielleicht versuchte, ihren Schmerz auf die geistliche Ebene zu verlagern, und sagte: „Sie haben in Ihrem Leben viel durchgemacht: den Tod Ihres Vaters und Ihres Bruders, den Weggang Ihres Mannes. Wie können Sie einen so starken Glauben haben?“

„Aus einem Grund“, erwiderte sie. „Ich weiß, dass Gott mich liebt. Deshalb ist er immer für mich da, was auch passiert.“

„Wie können Sie sich da so sicher sein?“, fragte ich.

„Das ist eine persönliche Sache. Jeden Morgen lege ich den Tag in Gottes Hand und bitte ihn, mich zu leiten. Ich lese einen Abschnitt aus der Bibel und höre darauf, was er mir sagen will. Gott ist mir sehr nahe. Nur auf diese Weise kann ich mein Leben bewältigen.“

Nachmittags hatte ich ein Gespräch mit Regina. Ihre Eltern hatten sich getrennt, als sie zehn Jahre alt war. Nach der Scheidung hatte sie ihren Vater nur noch zweimal gesehen: einmal bei der Abschlussfeier der High School und dann noch einmal bei der Beerdigung ihrer Schwester. Ihre Schwester war mit einundzwanzig Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Regina war dreimal verheiratet gewesen und wieder geschieden worden. Die längste Ehe hatte zweieinhalb Jahre gedauert. Sie hatte mich angesprochen, weil sie erwog, ein viertes Mal zu heiraten. Ihre Mutter hatte sie darum gebeten, vor diesem Schritt mit mir zu sprechen.

„Ich weiß nicht, ob ich diesen Schritt wirklich tun soll“, gab Regina zu. „Ich will nicht allein alt werden, doch ich habe mit der Ehe noch nicht viel Erfolg gehabt. Ich fühle mich als Versagerin. Meine Mutter erzählt mir immer wieder, dass Gott mich liebt und einen Weg für mein Leben hat. Doch momentan spüre ich Gottes Liebe nicht und ich nehme an, dass ich diesen Weg verfehlt habe. Ich bin mir nicht einmal sicher, dass es einen Gott gibt.“

Diese beiden Frauen hatten bereits so viel Leid erfahren, dass es für mehr als ein Leben reichen müsste. Die eine fühlte sich zutiefst von Gott geliebt, die andere fühlte sich leer. Warum behaupten manche Menschen, Gottes Liebe ganz tief zu spüren, während andere sich so fern von Gott fühlen, dass sie an seiner Existenz zweifeln? Ich glaube, dass die Antwort im Wesen der Liebe liegt. Liebe ist keine Erfahrung, die man allein macht. Zur Liebe gehören immer zwei: ein Liebender und ein Antwortender. Wenn Gott der Liebende ist – warum spüren nicht alle seine Geschöpfe seine Liebe? Vielleicht, weil manche von ihnen an falscher Stelle suchen. Meist wird die Suche nach Gott von der Kultur beeinflusst. Wenn unsere Kultur sagt: „Dies ist der Weg zu Gott“, dann neigen wir dazu, diesen Weg zu verfolgen.

Liebe ist eine Herzenssache, sie betrifft auch die Seele, ist nicht bloß Ritual und Religion. Ich bin überzeugt davon, dass jeder und jede von uns eine „Muttersprache der Liebe“ hat, und wenn wir in dieser „Sprache des Herzens“ auf Gott hören, werden wir seine Liebe in tiefster Weise erfahren. Ich bin zudem davon überzeugt, dass Gott Ihre „Sprache der Liebe“ fließend beherrscht. Vielleicht verstehen wir das am besten, wenn wir betrachten, wie wir Liebe in menschlichen Beziehungen ausdrücken.

Die Sprache der Liebe vernehmen

In anderen Büchern habe ich mich bereits damit beschäftigt, dass uns Liebe manchmal nicht in der richtigen Sprache übermittelt wird. Das Ergebnis meiner psychologischen Untersuchungen ist, dass jeder Mensch eine eigene „Sprache der Liebe“ spricht. Wenn also Eltern nicht die Liebessprache ihres Kindes beherrschen, wird sich das Kind nicht geliebt fühlen, egal wie ehrlich es die Eltern meinen. Der Schlüssel liegt darin, die Liebessprache jedes Kindes zu lernen und regelmäßig zu sprechen. Das gilt auch für die Ehe. Wenn ein Mann nicht die Liebessprache seiner Frau spricht, wird sie sich nicht geliebt fühlen, und ihr Bedürfnis nach Liebe wird unerfüllt bleiben.

In meinem Buch Die fünf Sprachen der Liebe, das nun schon in mehr als fünfundzwanzig Sprachen übersetzt ist, geht es darum, Ehepaaren beizubringen, wie sie ihre Liebe einander erfolgreich ausdrücken können. Später schrieb ich mit dem Psychologen Ross Campbell das Buch Die fünf Sprachen der Liebe für Kinder. Dieses Buch hilft Eltern, zu entdecken und zu lernen, wie sie ihren Kindern ihre Liebe noch besser weitergeben können. Mein Buch Die fünf Sprachen der Liebe für Teenager soll Eltern helfen, ihre Liebe den Kindern in den stürmischen Zeiten der Pubertät zu zeigen. (Sie finden dies alles auch in meinem Handbuch Die fünf Sprachen der Liebe für Familien.)

Diese Bücher können denen das nötige Wissen vermitteln, die etwas ändern wollen. Es gibt jedoch eine beträchtliche Zahl von Menschen, denen reines Wissen nicht weiterhilft. (Sicher geht das uns allen von Zeit zu Zeit so.) Wir wissen, was wir tun sollen, sind aber nicht bereit, es zu tun. Ein Ehemann, der mein Konzept der Liebessprachen kennen gelernt hatte, gab mir zu verstehen: „Ich sage es Ihnen gleich: Wenn es darum geht, Geschirr zu spülen, den Teppichboden zu saugen oder die Wäsche aufzuhängen, damit sie sich geliebt fühlt, können Sie das vergessen.“ Offensichtlich war sein Problem nicht, dass er nicht genug wusste. Es mangelte ihm an Bereitschaft, seine Frau zu lieben.

Leider sind Menschen, die sich dafür entscheiden, nicht zu lieben, niemals glückliche Menschen. Ihr Mangel an Liebe verletzt nicht nur den anderen, sondern lässt auch ihre eigene Seele verkümmern. Menschen, die sich weigern zu lieben, leben am Rande der Verzweiflung. Ich habe mein Leben lang versucht, Menschen zu helfen, die – nach Oscar Hammersteins Buch Show Boat (Theaterschiff) – „des Lebens müde sind und vor dem Tode Angst haben“. Das Ziel meines Buches ist, Menschen näher zu Gott zu bringen, damit sie seine grenzenlose Liebe erfahren und andere dann auf eine bessere Weise lieben können. Damit helfen wir Menschen, sich an ihrem Leben zu freuen und dem Tod gelassen entgegenzusehen.

Lieben und geliebt werden

Lieben und geliebt werden – was könnte wichtiger sein?! Ich glaube, der Schlüssel, sich für die Liebe zu entscheiden und lieben zu lernen, liegt darin, dass wir Gottes Liebe kennen lernen.

Dies soll kein „religiöses“ Buch sein. Wenn ein religiöses System das Problem einer lieblosen Gesellschaft lösen könnte, dann wäre es bereits gelöst. Dieses Buch will Menschen dabei helfen, zu dem „Gott, der uns nah ist“, in Beziehung zu treten. Nicht zu den Göttern, die wir uns selbst erschaffen. Ich habe hier bewusst die Sprache der Psychologie oder Theologie vermieden und eine einfache Sprache gewählt, damit wir Gott hören können, wie er in unserer „Sprache des Herzens“ zu uns spricht.

Wenn Sie an Gott glauben und ein Liebender oder eine Liebende sein wollen, dann ist das Buch für Sie geschrieben. Wenn Sie nicht an Gott glauben, aber nichts dagegen haben, mit gläubigen Menschen zusammen zu sein, lade ich Sie ein, sich auf dieses Buch einzulassen. Ich werde mich bemühen, das, woran Sie glauben, zu respektieren, und das, woran ich glaube, so klar wie möglich darzustellen.

Wenn wir zum Bilde Gottes erschaffen und seine Kinder sind, können wir auch davon ausgehen, dass er uns liebt. Dann ist es für uns nur natürlich, Liebe zu empfangen und zu erwidern. Dies wird in der Eltern-Kind-Beziehung deutlich.

Die Liebe der Eltern verstehen

Ihre Kinder zu lieben, ist für Eltern so natürlich wie für das Kind Essen und Trinken. Eltern lieben, weil sie mit ihren Kindern verwandt sind. Das Kind ist ganz praktisch das Ergebnis der sexuellen Gemeinschaft seiner Eltern und trägt in seinem Körper und Geist Merkmale jedes Elternteils. Es wäre äußerst unnatürlich, wenn Eltern ihre eigenen Kinder nicht lieben würden. Man kann mit Sicherheit behaupten – und es ist allgemein anerkannt -, dass die Elternliebe Teil der menschlichen Natur ist. Sie ist nicht etwas, was wir uns erarbeiten. Sie gehört zum Menschsein dazu.

Die Liebe einer Mutter oder eines Vaters für ihre bzw. seine Kinder (und die Liebe einer Großmutter oder eines Großva ters für die Enkel) ist stärker als die Liebe, die sie/er für das Nachbarskind empfindet (oder für das Enkelkind eines Freundes). Doch diese Liebe ist nicht einfach mit der genetischen Abstammung zu erklären, denn Adoptiveltern und Adoptivgroßeltern lieben ihre Kinder genauso sehr. Es gibt ein emotionales und spirituelles Band, das uns mit den Kindern verbindet, die wir als „unsere“ Kinder bezeichnen. Wir sind bereit, Zeit, Energie und Geld für ihr Wohlergehen aufzubringen. Wir möchten, dass sie lernen und ihre Fähigkeiten entwickeln. Wir wünschen uns, dass sie in ihrem Leben Großes vollbringen. Wir sind bereit, viel von uns zu geben, um ihr Leben zu bereichern. Wir lieben sie. Das ist die normale emotionale Reaktion von Eltern gegenüber ihren Kindern und von Großeltern gegenüber ihren Enkelkindern.

Das Natürliche der Elternliebe wird durch die wenigen Fälle von Eltern und Großeltern nicht infrage gestellt, die keine solche Liebe für ihre Kinder und Enkelkinder empfinden. Die Abwesenheit von Elternliebe ist so unnormal, dass diese Eltern als „gestört“ betrachtet werden. Jeder würde zustimmen, dass solche Eltern eine psychologische Behandlung nötig haben. Seine Kinder und Enkelkinder zu lieben, ist so natürlich, wie sich selbst zu lieben, denn sie sind ja unsere „Sprösslinge“.

Ein Spiegelbild der Liebe Gottes

Ich bin der Ansicht, dass Elternliebe die Liebe Gottes widerspiegelt. In Gottes Augen sind wir seine Kinder, und er liebt uns so, wie wir unsere eigenen Kinder lieben. Damit meine ich den Gott, wie ihn das christliche Glaubensbekenntnis beschreibt: als „den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde“, den Herrscher über das Universum, den Unendlichen und Allgegenwärtigen. In der gesamten Menschheitsgeschichte und über alle Schranken zwischen Rassen und Kulturen hinweg haben schon Millionen von Menschen an die Existenz dieses Gottes geglaubt. Am Anfang der antiken hebräischen Schriften steht der allmächtige Gott, der Himmel und Erde schuf. Er schuf nach seiner Ordnung Pflanzen und Tiere auf der Erde und krönte seinen Schöpfungsakt damit, dass er den Menschen zu seinem Abbild machte1.

Wenn es stimmt, dass der Mensch zum Bilde Gottes erschaffen ist, dann ist zu erwarten, dass sich Gottes Liebe zum Menschen von seiner Liebe zur übrigen Kreatur unterscheidet. Es ist außerdem zu erwarten, dass der Mensch fähig ist, auf Gottes Liebe zu antworten. Die Geschichte hat gezeigt, dass der Mensch nicht nur in der Lage ist, auf die Liebe Gottes zu antworten, sondern dass er sogar nie ganz glücklich ist, bis er eine Liebesbeziehung mit Gott eingegangen ist. Victor Frankl, der Auschwitz und drei andere Konzentrationslager überlebte, erinnert uns daran, dass im Kern der Existenz des Menschen seine Suche nach Sinn steht. Augustinus weist darauf hin, dass der Mensch erst dann seine wahre Bedeutung erfährt, wenn er die Liebe Gottes erwidert: „Du hast uns auf dich hin geschaffen, o Herr, und unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in dir.“

Mein Freund Brian reiste nach dem Zusammenbruch des Kommunismus durch Russland. Ihm fiel auf, dass die Kirchen sonntags überfüllt waren. Nachdem Russland offiziell siebzig Jahre lang eine atheistische Gesellschaft gewesen war und mehrere Generationen gelernt hatten, dass Gott nicht existiert, erstaunte es ihn, dass so viele junge Menschen zur Kirche gingen. Er fragte seine junge Reiseführerin, eine ehemalige Mitarbeiterin des KGB, ob die Menschen sofort in die Kirchen geströmt seien, als sie die Freiheit dazu hatten.

„Nein“, antwortete sie, „zuerst waren es nur die alten Leute. Dann erst kamen die jungen dazu. Jetzt sind alle Kirchen voll.“

„Wie erklären Sie sich das?“, wollte Brian wissen.

„Früher hielten wir unsere politischen Führer für so etwas wie Götter“, erklärte sie. „Doch nun wissen wir, dass das nicht stimmt. Wir haben gelernt, dass der Mensch ein Mensch und dass Gott Gott ist. Jetzt wollen wir mehr über Gott wissen.“

Wenn der Mensch wirklich zum Bilde Gottes erschaffen wurde, dann ist diese Reaktion zu erwarten. Trotz aller Anstrengungen der Kommunistischen Partei, den Glauben an Gott auszurotten, sehnt sich das menschliche Herz auch dort immer noch nach der Liebe des Vaters.

Diese Sehnsucht nach dem Vater zeigt sich ebenso in menschlichen Beziehungen. In seinem Buch Life without Father (Leben ohne Vater) zeigt der Soziologe David Popenoe auf eindrückliche Weise, dass sich jedes Kind nicht nur nach der Liebe einer Mutter, sondern auch nach der Liebe eines Vaters sehnt. Die Kinderseele scheint zu wissen, dass sie diese Liebe braucht, um geborgen und glücklich zu sein. Wenn ein Kind diese Liebe nicht erfährt, lebt es mit einer unbestimmten Sehnsucht. Kinder wollen lieben und von beiden Eltern geliebt werden. Popenoe ist der Ansicht, dass das Fehlen dieser Liebesbeziehung das größte Übel ist, das wir mit ins einundzwanzigste Jahrhundert nehmen.

Die Liebesbeziehung wiederherstellen

Dementsprechend müssen wir die Liebesbeziehung zu Gott wiederherstellen. Gott zu kennen und zu lieben sollte unser größtes Ziel sein, alles andere ist nur Hintergrundmusik. Wenn wir es lernen, ihn zu kennen und zu lieben, ist die Liebesbeziehung wiederhergestellt.

In den weiteren Kapiteln dieses Buches möchte ich den Lesern weitergeben, was ich in über dreißig Jahren der Ehe- und Familienseelsorge über Liebe gelernt habe. Ich glaube, dass die menschlichen Liebesbeziehungen ein Abglanz der Liebe Gottes sind. Wenn wir die Dynamik der Liebe zwischen Menschen verstehen, hilft uns das, die Ausdrucksformen der Liebe Gottes zu erkennen.

Viele Beispiele habe ich aus dem Leben meiner Freunde genommen, die eine Liebesbeziehung zu Gott eingegangen sind. (Meistens habe ich nur ihre Vornamen verwendet oder ersetzt und Einzelheiten zum Schutze der Privatsphäre geändert.)

1. DIE FÜNF SPRACHEN DER LIEBE VERSTEHEN

Bevor ich Sie in das Leben meiner Freunde mitnehme, möchte ich Ihnen zuerst von einer grundlegenden Beobachtung erzählen, die schon vielen Menschen geholfen hat, anderen mit Liebe zu begegnen. Nach vielen Jahren in der Ehe- und Familienseelsorge bin ich davon überzeugt, dass es nur fünf grundlegende „Sprachen“ der Liebe gibt. Es gibt viele „Dialekte“, aber nur fünf grundlegende Sprachen.

Jeder und jede von uns hat eine „Muttersprache der Liebe“. Es ist eine der fünf Sprachen der Liebe, die uns tiefer berührt als die anderen vier. Wenn jemand meine Muttersprache der Liebe spricht, fühle ich mich zu dem- oder derjenigen hingezogen, weil er oder sie mein Grundbedürfnis erfüllt, mich geliebt zu fühlen. Wenn jemand nicht mit mir in meiner Liebessprache spricht, frage ich mich, ob er oder sie mich wirklich liebt, denn auf der Gefühlsebene verstehe ich diesen Menschen nicht.

Das Problem vieler zwischenmenschlicher Beziehungen besteht darin, dass Sie und ich in unserer eigenen Liebessprache sprechen und uns fragen, warum uns unser Gegenüber nicht versteht. Es ist so, als spräche ich Englisch mit jemandem, der nur Deutsch versteht. Zwischenmenschliche Beziehungen werden wesentlich verbessert, wenn wir lernen, die Liebessprache des anderen zu sprechen.

Das funktioniert! Tausenden von Paaren geht es so wie Scott und Anna. Sie waren vierhundert Meilen nach Atlanta gefahren, um an einem Seminar über die „Sprachen der Liebe“ teilzunehmen. Nach dem Vortrag am Freitagabend sagte Scott zu mir: „Dr. Chapman, wir wollen Ihnen dafür danken, dass Sie unsere Ehe umgekrempelt haben.“ Das konnte ich mir nicht erklären. Das Wochenend-Seminar hatte doch gerade erst angefangen!

Als er meinen fragenden Gesichtsausdruck sah, fuhr er fort: „Ich weiß, dass Sie uns nicht kennen, aber Gott hat dieses Konzept der Liebessprachen dazu gebraucht, um unsere Ehe zu verwandeln. Wir sind nun dreiunddreißig Jahre verheiratet, aber – um ehrlich zu sein – die letzten zwanzig Jahre waren ganz erbärmlich. Wir haben im gleichen Haus gewohnt und sind nach außen hin freundlich miteinander umgegangen, aber mehr auch nicht. Wenn Sie wissen wollen, wie schlecht es um uns stand: Wir waren in diesen zwanzig Jahren kein einziges Mal zusammen im Urlaub. Wir mochten es einfach nicht, zusammen zu sein.

Vor einiger Zeit erzählte ich einem Freund von meinem Unglück. Er ging nach Hause, holte Ihr Buch und gab es mir zu lesen. Er nahm an, dass es mir helfen würde. Ich ging nach Hause und las es. Etwa um zwei Uhr morgens hatte ich es durchgelesen. Ich schüttelte den Kopf und fragte mich: Warum habe ich das nicht gewusst?

Ich hatte sofort erkannt, dass meine Frau und ich seit Jahren nicht mehr in unseren Liebessprachen miteinander gesprochen hatten. Ich gab ihr das Buch und bat sie, es zu lesen und mich wissen zu lassen, was sie davon halte. Drei, vier Tage später setzten wir uns zusammen und redeten darüber. Wir waren einer Meinung, dass unser Leben anders verlaufen wäre, wenn wir das Buch schon vor zwanzig Jahren gelesen hätten. Ich fragte sie, ob sie der Meinung sei, dass wir jetzt noch etwas ändern könnten. Sie erwiderte: ‚Wir haben nichts zu verlieren.‘ “

Leben verändernde Sprachen

An diesem Punkt schaltete sich Anna ins Gespräch ein: „Ich hatte keine Ahnung, ob sich wirklich etwas zwischen uns verändern würde, doch ich war bereit, es zu versuchen. Was dann passierte, kann ich immer noch nicht glauben. Wir genießen jetzt die Gegenwart des anderen. Vor zwei Monaten sind wir das erste Mal zusammen in Urlaub gefahren und haben eine wunderbare Zeit erlebt.“

Während des Gesprächs erfuhr ich, dass Scotts Sprache der Liebe „Anerkennung“ und Annas Sprache der Liebe „Geschenke“ war. Scott war von Natur aus nicht jemand, der gern schenkte, im Gegenteil, Geschenke bedeuteten ihm nicht viel. Es versetzte ihn nicht in Hochstimmung, wenn er ein Geschenk erhielt, und es war ihm nicht wichtig, andere zu beschenken. Anna dagegen war eine Frau, die wenig Worte machte. Anderen Komplimente zu machen fiel ihr nicht leicht, und sie gab zu, oft kritisch zu sein.

Es kostete Scott einige Mühe, nun öfters Geschenke zu kaufen. Ja, er bat seine Schwester, ihm dabei zu helfen. Anna gab zu, dass sie zuerst dachte, das sei eine vorübergehende Phase. Scotts und Annas ursprüngliche Abmachung war, dass sie drei Monate lang mindestens einmal in der Woche in der jeweiligen Liebessprache des anderen sprechen und dann abwarten würden, was passierte. „Innerhalb von zwei Monaten“, sagte Scott, „empfand ich Anna gegenüber Zuneigung, und sie empfand Zuneigung für mich.“ Anna erklärte: „Ich hätte nie gedacht, dass ich die Worte ‚Ich liebe dich‘ zu Scott sagen und auch wirklich meinen würde. Doch ich tue es – und kann es nicht glauben, wie sehr ich ihn liebe.“

Wenn Paare ihre Muttersprachen der Liebe entdecken und sich dafür entscheiden, sie regelmäßig anzuwenden, kehrt ihre Liebe füreinander zurück.

Auch Singles haben schon vom Konzept der fünf Sprachen der Liebe profitiert. Margaret schrieb mir aus Japan:

„Lieber Dr. Chapman,

ich schreibe Ihnen, um Sie wissen zu lassen, wie sehr mir Ihr Buch Die fünf Sprachen der Liebe geholfen hat. Ich weiß, dass Sie es für Paare geschrieben haben, doch einer meiner Freunde schenkte es mir, und es hat mein Leben wesentlich verändert. Ich lebe in Japan und unterrichte Englisch. Der eigentliche Grund, weshalb ich hierher zog, war, dass ich mich von meiner Mutter lösen wollte. Unsere Beziehung war schon seit Jahren angespannt. Ich fühlte mich abgelehnt und hatte den Eindruck, dass sie versuchte, über mein Leben zu bestimmen. Als ich Ihr Buch las, wurden mir die Augen geöffnet. Ich erkannte, dass meine Liebessprache ‚Anerkennung‘ ist, und dass meine Mutter nur kritisch und abweisend mit mir geredet hatte.

Ich erkannte auch, dass die Liebessprache meiner Mutter ‚Praktische Hilfe‘ ist. Immer erledigte sie irgendetwas für mich. Selbst als ich eine eigene Wohnung hatte, wollte sie zum Staubsaugen kommen. Sie strickte einen Pullover für meinen Dackel und backte Kuchen, wenn ich Freunde erwartete. Da ich mich von ihr nicht geliebt fühlte, interpretierte ich dieses Verhalten als Versuch, über mein Leben zu bestimmen. Jetzt ist mir klar, dass sie mir auf diese Weise ihre Liebe zeigen wollte. Sie kommunizierte in ihrer eigenen Liebessprache. Ich weiß nun, dass sie es ehrlich meinte.

Ich schickte ihr ein Exemplar Ihres Buches. Sie las es und wir diskutierten per E-Mail darüber. Ich entschuldigte mich dafür, dass ich ihr Verhalten jahrelang falsch aufgefasst hatte. Und nachdem ich ihr erklärt hatte, wie tief mich ihre kritischen Worte verletzt hatten, entschuldigte auch sie sich. Jetzt sind ihre E-Mails voller Anerkennung. Und ich habe angefangen darüber nachzudenken, was ich für sie tun kann, wenn ich nach Hause komme. Ich habe ihr schon gesagt, dass ich ihr Schlafzimmer für sie streichen möchte. Sie kann es nicht selbst und ein Maler wäre zu teuer.

Ich weiß, dass unser Verhältnis nun anders sein wird. In meiner Zeit hier habe ich einigen Studenten geholfen, ihr Englisch aufzubessern, doch meine größte Entdeckung waren die Sprachen der Liebe.“

Sprachen, die Kinder und Teenager verändern

Auch Eltern müssen die Liebessprachen ihrer Kinder lernen, wenn sich die Kinder geliebt fühlen sollen. Diana war Mutter von zwei kleinen Kindern, das eine fünfeinhalb Jahre und das andere sechs Monate alt. Etwa zwei Monate, nachdem das Baby geboren war, fiel Diana eine Veränderung im Verhalten ihres ersten Sohnes Brent auf. Bevor das zweite Kind da war, sei er ein „Musterkind“ gewesen, erzählte sie. „Wir hatten nie Probleme mit ihm. Doch fast über Nacht beobachteten wir völlig neue Verhaltensweisen an ihm.“

Veränderung im Leben eines Sohnes

„Er verstieß bewusst gegen die Regeln und stritt dann alles ab. Es fiel uns auf, dass er das Baby absichtlich grob behandelte. Einmal ertappte ich ihn, wie er dem Baby in der Wiege die Decke über den Kopf zog. Er fing an, sich mir zu widersetzen. Ich erinnere mich daran, wie er einmal sagte: ‚Nein, du kannst mich nicht dazu zwingen.‘ “

Ungefähr zu der Zeit, als Brent diese trotzige Bemerkung machte, ging Diana in einen Frauenkreis, der Die fünf Sprachen der Liebe für Kinder durcharbeitete. „Als ich das Kapitel über ‚Gemeinsame Zeit‘ las, wusste ich, was in Brent vorging“, erzählte Diana. „Ich hatte bisher nie darüber nachgedacht, aber nun wusste ich, dass ‚Gemeinsame Zeit‘ Brents Liebessprache war. Bevor das Baby kam, hatte ich deutlich in dieser Sprache mit ihm geredet – und er hatte sich geliebt gefühlt. Nach der Geburt des Babys gingen wir nicht mehr im Park spazieren, und unsere gemeinsame Zeit war stark eingeschränkt. Ich beschloss, Brent wieder mehr Zeit zu widmen. Anstatt die Hausarbeit zu erledigen, während das Baby schlief, wollte ich Brent gemeinsame Zeit schenken.

Das Ergebnis war umwerfend. Innerhalb von vier oder fünf Tagen war Brent wieder das glückliche Kind, das er immer gewesen war. Ich konnte kaum glauben, wie schnell er sich verändert hatte.“

Das Verlangen nach Liebe ist unser tiefstes seelisches Bedürfnis, als Kinder und Erwachsene. Wenn wir uns von den wichtigen Menschen in unserem Leben geliebt fühlen, wird unsere Welt hell. Wir können unsere Interessen frei entwickeln und etwas Gutes in der Welt bewirken. Doch wenn unser „Liebestank“ leer ist und wir uns von den Menschen, die uns viel bedeuten, nicht geliebt fühlen, wird unsere Welt düster, und das spiegelt sich in unserem Verhalten wider.

Veränderung im Leben unserer Teenager

Ein Großteil der Gewalt unter Jugendlichen in unserer Gesellschaft ist darin begründet, dass ihr Liebestank leer ist. Für Teenager bedeutet Liebe Beziehung, Annahme und Versorgung. Beziehung erfordert, dass Mutter oder Vater anwesend sind und man ernsthaft mit ihnen reden kann. Annahme heißt bedingungslose Liebe, unabhängig vom Verhalten des Teenagers, und Versorgung meint, Körper und Seele des Jugendlichen mit Essen, einem geordneten Leben, Mutmachern und Trost zu versehen und zu füllen. Das Gegenteil von Beziehung ist Verlassenwerden. Das Gegenteil von Annahme ist Ablehnung, und das Gegenteil von Versorgung ist Missbrauch – auf körperlicher Ebene oder mit Worten.

Der Teenager, der sich verlassen, abgelehnt und missbraucht fühlt, hat Schwierigkeiten, seinen Selbstwert wie auch Sinn und Ziel seines Lebens zu erkennen. Sein Liebestank ist vermutlich leer. Der Schmerz darüber, dass er sich nicht geliebt fühlt, wird sich über kurz oder lang in destruktivem Verhalten äußern.

Negatives Verhalten verändert sich oft schnell und radikal, wenn sich der Teenager von seinen Eltern von Herzen geliebt weiß. Wenn wir die Liebessprache unseres Teenagers sprechen, kann unsere Beziehung mit ihm dadurch völlig verwandelt werden.

Ein kurzer Überblick über die fünf Sprachen der Liebe

Lassen Sie mich die fünf Sprachen der Liebe kurz für diejenigen umreißen, die meine bisherigen Bücher nicht gelesen haben.

1. Anerkennung

Einen anderen Menschen mit Worten zu bestätigen, ist ein entscheidender Weg, ihm Liebe zu zeigen. „Du siehst hübsch aus in diesem Kleid.“ „Diese Aufgabe hast du gut bewältigt.“ „Ich finde es gut, dass du das fertig gemacht hast.“ „Danke, dass du dein Zimmer aufgeräumt hast.“ „Schön, dass du den Müll rausgebracht hast.“ Das sind lobende und anerkennende Worte. Ebenso: „Ich weiß, dass du an diesem Projekt hart gearbeitet hast, und ich weiß das wirklich zu schätzen.“ „Das war ein wunderbares Essen.“

Es gibt tausend Möglichkeiten, durch Worte Anerkennung, Ermutigung oder Bestätigung auszudrücken. Das kann sich auf das Verhalten, die äußere Erscheinung oder die Persönlichkeit eines Menschen beziehen. Die Worte können ausgesprochen, geschrieben oder gar gesungen werden. Für die Menschen, deren Muttersprache der Liebe Anerkennung ist, sind solche bestätigenden Worte wie ein Frühlingsregen, der auf ausgetrocknete Erde fällt.

2. Gemeinsame Zeit

Gemeinsame Zeit bedeutet, jemandem seine ungeteilte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Bei einem Kleinkind heißt das, sich auf den Boden zu setzen und einen Ball hin- und herzurollen. Bei einem Ehepartner bedeutet es, sich aufs Sofa zu setzen, ihn anzusehen und sich zu unterhalten, oder einen Spaziergang nur zu zweit zu machen oder zusammen essen zu gehen und sich dabei anzusehen und zu reden. Bei einem Teenager bedeutet es, ihn mit zum Angeln zu nehmen und ihm zu erzählen, wie es damals war, als man selbst Jugendlicher war, und dann zu fragen, wie weit sich sein Leben davon unterscheidet. Man konzentriert sich dabei auf den Teenager – nicht aufs Angeln.

Für den Single bedeutet gemeinsame Zeit, einen Ausflug mit einem Freund/einer Freundin zu planen, der beiden Zeit gibt, sich persönlich auszutauschen. Es zählt nicht, was man unternimmt, sondern dass man eine intensive Zeit miteinander verbringt. Wenn Sie jemandem gemeinsame Zeit einräumen, schenken Sie ihm einen Teil Ihres Lebens und vermitteln ihm die Herzensbotschaft, dass Sie ihn lieben.

3. Geschenke

Zu schenken ist ein universeller Ausdruck von Liebe. Geschenke sagen dem anderen: „Er hat an mich gedacht. Sieh mal, was er für mich ausgesucht hat.“ Kinder, Teenager und Erwachsene freuen sich über Geschenke. Die Liebessprache mancher Menschen ist „Geschenke“. Durch nichts fühlen sie sich mehr geliebt als durch das Empfangen eines Geschenks.

Geschenke müssen nicht teuer sein. Sie können einen farbigen, besonders geformten Stein von einer Wanderung mitbringen und ihn einem zehnjährigen Jungen schenken, ihm erzählen, wo Sie ihn gefunden haben, und ihm sagen, dass Sie dabei an ihn gedacht haben. Mit einiger Wahrscheinlichkeit wird er den Stein mit dreiundzwanzig immer noch in seiner Schublade aufbewahren.

4. Praktische Hilfe

„Taten reden lauter als Worte“, sagt eine Redensart. Auf Menschen, deren Liebessprache die praktische Hilfe ist, trifft das zu. Wenn man etwas für jemand anderes tut, was er sich wünscht, ist das ein Liebesbeweis. Das kann heißen, ein Essen zu kochen, das Geschirr zu spülen, Staub zu saugen, das Gras zu mähen, den Hund zu baden, das Schlafzimmer zu streichen, das Auto zu waschen, das Kind zum Fußballverein zu fahren, ein Puppenkleid zu flicken oder die Fahrradkette wieder anzubringen. Die Liste kann beliebig fortgesetzt werden. Wer diese Liebessprache spricht, sieht sich immer wieder nach Dingen um, die er für andere erledigen kann.

Für den, dessen Liebessprache praktische Hilfe ist, können Worte bedeutungslos sein, wenn darauf keine Taten folgen. Der Mann sagt: „Ich liebe dich“, und sie denkt: „Wenn er mich liebte, würde er etwas im Haushalt tun.“ Auch wenn seine anerkennenden Worte ehrlich gemeint sind, erreicht er seine Frau damit nicht, weil sie die Sprache der praktischen Hilfe spricht. Nur wenn in dieser Sprache mit ihr gesprochen wird, fühlt sie sich geliebt.

Eine Frau macht ihrem Mann Geschenke, doch seine Muttersprache der Liebe ist praktische Hilfe. Er fragt sich: „Warum verwendet sie ihre Zeit nicht, um das Haus zu putzen, anstatt mir Geschenke zu kaufen?“ „Liebe geht durch den Magen“ – das trifft nicht auf alle Männer zu, aber kann für den Mann wahr sein, dessen Liebessprache praktische Hilfe ist.

5. Körperkontakt

Schon lange wissen wir, welch großen Einfluss Körperkontakt auf unsere Gefühlswelt hat. Deshalb nehmen wir Babys auf den Arm, halten sie, drücken sie an uns und sprechen mit ihnen. Und lange bevor das Kind versteht, was Liebe bedeutet, fühlt es sich durch zärtliche Berührungen geliebt. Die Sechsjährige zu umarmen und ihr einen Abschiedskuss zu geben, bevor sie am Morgen in die Schule geht, ist eine Möglichkeit, ihren Liebestank zu füllen und sie so auf den anstrengenden Vormittag vorzubereiten.

Wenn die Liebessprache des Kindes Körperkontakt ist, kann für die Eltern nichts wichtiger sein.

Der Teenager, dessen Liebessprache Körperkontakt ist, mag wohl vor Ihren Umarmungen und Küssen zurückscheuen, aber das heißt nicht, dass er kein Bedürfnis nach Körperkontakt hat. Er verbindet Umarmungen und Küsse mit der Kindheit. Er ist jetzt kein Kind mehr. Also müssen Sie neue „Dialekte“ dieser Sprache lernen, neue Wege finden, Ihren Teenager zu berühren. Ein Schlag auf die Schulter, ein freundschaftlicher Stoß mit dem Ellenbogen im richtigen Moment, ein Ringkampf oder eine Rückenmassage nach einem harten Fußballspiel wird den Liebestank Ihres Jugendlichen wieder füllen. Wenn Sie den Teenager gar nicht mehr berühren, wird er sich ungeliebt fühlen.

Das Ziel: ein gefüllter Liebestank