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MELISSA JAGEARS

Julia

DIE BESTELLTE BRAUT

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Für meinen Ehemann, der so viel auf sich nimmt,
damit ich schreiben kann,
und der an mich glaubt, wenn ich es selbst nicht tue.
Ich wünschte, mehr zu sein wie du.
Melissa Jagears

Copyright © 2012 by Melissa Jagears
Originally published in English under the title
A Bride for Keeps
by Bethany House, a division of Baker Publishing Group,
Grand Rapids, Michigan, 49516, U.S.A.
All rights reserved.

Kapitel 1

KANSAS, FRÜHJAHR 1876

Everett Cline betrat den Gemischtwarenladen und ließ die Tür hinter sich zufallen. Mit kleinen Watschelschritten kam Kathleen Hampden auf ihn zu. Die weißen Federn an ihrem Hut tanzten wie Weidegras in der Märzbrise. Hätte sie sich in den drei Jahren, die sie inzwischen mit dem Ladeninhaber verheiratet war – statt mit ihm –, nicht einen neuen Hut kaufen können?

Everett hatte nicht mehr mit ihr allein gesprochen, seit sie damals mit diesem auffallenden Federhut in Salt Flatts angekommen war. Er hatte ja nicht ahnen können, dass sie mit Carl verheiratet sein würde, noch bevor sie aus dem Zug gestiegen war. Warum hatte sie ihren Hut, der ihm als Erkennungszeichen dienen sollte, nicht aus dem Abteilfenster geworfen? Dann hätten sie so tun können, als wären sie beide einander nie versprochen gewesen.

„Guten Tag, gnädige Frau. Ist Ihr Mann da?“, fragte Everett und warf einen Blick über die glänzende Theke voller Bonbongläser und allerlei Kleinkram. Die Tür zum leeren Hinterzimmer war angelehnt. Die beiden übervollen Regale, die mitten im Laden standen, hinderten ihn daran, den Raum ganz zu überblicken. Auf dem Tisch mit den Stoffen herrschte ein einziges Durcheinander, und in der Ecke lagen ein paar aus der Kiste gekullerte Kartoffeln. Waren er und Mrs Hampden allein im Laden?

Keinen Meter von ihm entfernt blieb die junge Frau stehen. Der scharfe Geruch nach Holzpolitur, den ihr Lappen verströmte, biss sich mit dem Leder- und Tabakduft, der den Raum durchdrang. Kathleen hatte eine zierliche Statur, auch wenn die Schwangerschaft sie runder machte. Vielleicht war es besser so, dass sie Carl geheiratet hatte. Wenn sie – wie Everett – jeden Tag im Freien hätte arbeiten müssen, hätte sie wohl der Wind früher oder später weggepustet.

„Mr Hampden ist unterwegs, sonst wäre er beim Läuten der Türglocke sicher herbeigeeilt. Vor allem, da Sie es sind.“ Kathleens Wangen röteten sich.

Carl brauchte sich wegen Everett keine Gedanken zu machen. Jemandem die per Brief versprochene Braut wegzunehmen, war schließlich etwas anderes, als jemandem die Ehefrau zu stehlen.

Everett machte eine beschwichtigende Handbewegung. „Er hat keinen Grund zur Sorge.“

„Ich weiß.“ Kathleen strich über ihren geschwollenen Bauch. „Er hat aber immer noch Angst, dass ich es bereue, Sie nicht geheiratet zu haben – bei Ihrem guten Aussehen.“

Everett spürte Hitze in sich aufsteigen und nestelte an seinem engen Kragen. Er mochte ja ganz ansehnlich sein – aber das hatte ihm bisher auch nichts genützt.

„Ich hoffe, Sie haben heute mehr Glück, als Sie es mit mir hatten und mit … mit den anderen.“ Kathleen nagte an ihrer Unterlippe. „Diesmal ist es sicher für immer.“

Everett schluckte und sah sie fragend an. Wovon redete sie da? Es konnte unmöglich ein Gerücht geben, dass er sich wieder eine Katalogbraut1 bestellt hatte. „Ich fürchte, ich verstehe Sie nicht.“

„Schon gut. Rachel hat es mir erzählt“, sagte Kathleen mit gedämpfter Stimme, als könnte jemand lauschen.

Everett beugte sich nach vorn und flüsterte zurück: „Wovon hat sie Ihnen erzählt?“

„Von der Dame, die heute mit dem Nachmittagszug kommt. Sie sagte, dass wir für Sie beten sollen.“

Rachel.

Everett nickte abwesend und fuhr sich mit der Zunge über die Zähne. Bestimmt würde die Frau seines besten Freundes nicht schon wieder Ehevermittlerin spielen. Seit ihre Schwester Patricia ihn wegen eines anderen Mannes abserviert hatte, hatte Rachel versucht, ihn mit jedem Mädchen aus der Umgebung zu verkuppeln. Als das nicht geklappt hatte, hatte sie ihn genötigt, auf Anzeigen in Brautkatalogen zu antworten.

Ob sie es tatsächlich gewagt hatte, wieder eine für ihn zu bestellen? Zum Donnerwetter!

„Ich hoffe, ich habe Sie nicht verärgert.“ Mrs Hampdens besorgter Tonfall holte ihn aus seinen Gedanken. „Ich habe niemandem etwas davon erzählt … Sie wissen ja, die Leute.“

Ja, die Leute. Everett biss die Zähne zusammen. Beinahe jede Frau, die ohne Begleitung aus dem Zug stieg, wurde gefragt, ob sie zu Everett Cline gehörte. Und wenn sie verneinte, ging garantiert einer der zahlreichen jungen Männer, die auf dem Bahnsteig warteten, auf die Knie und machte ihr einen Antrag.

Everett starrte auf die Sattelseife im Regal hinter ihm. Warum war er noch mal hergekommen?

„Viel Glück wünsche ich Ihnen.“ Mrs Hampdens Augen waren feucht.

Everett zerknautschte die Filzkrempe seines Hutes in seinen klammen Händen. Aller guten Dinge sind drei hatte bei ihm nicht funktioniert, und er hatte noch nie einen Spruch gehört wie Das vierte darf man behalten. Für ihn würde es kein viertes Mal geben. Na ja, kein fünftes, wenn er Patricia einrechnete, die ihm vor so langer Zeit den Laufpass gegeben hatte. Gab es da nicht eine Redewendung wie Fünfmaliges Scheitern überführt den Narren? Er war haarscharf dran, sich vollends zum Gespött zu machen. „Es gibt nichts, wofür Sie mir Glück wünschen müssten.“

„Ach, Everett, dieses Mal klappt es bestimmt.“

„Mrs Hampden, ich weiß wirklich nicht, wovon Sie reden.“

„Ich kann ja verstehen, dass Sie nichts sagen möchten, aber ich wäre die Letzte in ganz Salt Flatts, die Sie aufziehen wollte.“

Seinetwegen konnte sie glauben, was sie wollte, denn es würde nichts dergleichen passieren. „Trotzdem danke.“ Energisch setzte Everett seinen Hut wieder auf und lief eilends aus dem Laden, die Stufen hinab und auf das verwitterte Fuhrwerk seiner Nachbarn zu. Hatte Rachel deshalb so vehement darauf bestanden, dass er in die Stadt mitkam, auch wenn jeder beliebige Kofferträger ihrem Mann hätte helfen können, seine Lieferung aufzuladen?

Everett konnte es nicht glauben. Das würde sie doch nicht tun!

„Na komm schon, Everett“, hatte sie gesagt, „du kannst die Stadt doch nicht für immer meiden. Du hast doch bestimmt Vorräte einzukaufen.“

Everett griff in seiner Tasche nach der hingekritzelten Liste und blieb mitten auf der Straße stehen. Rachel war doch nicht etwa so weit gegangen und hatte noch eine Frau eingeladen, nach Salt Flatts zu kommen und ihn zu heiraten, ohne ihm etwas zu sagen! Oder etwa doch?

Als ihm ein Pferd ausweichen musste, schrammte der Stiefel des Reiters an seinem Arm entlang. „He, passen Sie doch auf.“ Der Cowboy funkelte ihn von oben herab an; mit seinem Rindergestank überdeckte er sogar noch den Geruch der billigen Zigarre, die zwischen seinen Zähnen wippte.

Schnell hastete Everett über die staubige Straße zurück auf den Gehweg. Dann warf er einen Blick auf seine Einkaufsliste. Sollte er zurück in den Gemischtwarenladen gehen und Kathleen erneut gegenübertreten oder besser Rachel zur Rede stellen? Keines von beidem wäre angenehm.

„Soll ich einen Brief für Sie aufgeben, Everett?“ Jedidja Langston trat aus dem Postamt auf die Veranda und stellte sich neben seinen achtzehnjährigen Sohn Axel, der auf einem Hocker kauerte und gedankenverloren an einem Stock schnitzte. Der Mund des Burschen verzog sich zu einem süffisanten Grinsen.

Everetts Hand zuckte. Am liebsten hätte er dem Jungen sein Lachen gehörig ausgetrieben, doch stattdessen schüttelte er nur mit dem Kopf. Seit über einem Jahr hatte er schon nichts mehr persönlich aufgegeben, sondern seine Post immer den Stantons mitgegeben. Doch jetzt sah es ganz danach aus, als hätte Rachel eigenmächtig einen Brief für ihn abgeschickt.

„Sie würden doch bestimmt gern eine neue Braut haben, oder? Helga ist schon bald ein Jahr Mrs Parker. Wird höchste Zeit, dass Sie sich aufraffen und es noch mal probieren.“

Axel gluckste über die Dreistigkeit seines Vaters, doch Everett verzog das Gesicht bei der Erwähnung seiner dritten – und garantiert letzten – Katalogbraut.

Er knüllte den Einkaufszettel wieder in seine Tasche. „Kein Brief, meine Herren.“

„Axel braucht ebenso dringend eine Frau, wie ich ihn hier von der Veranda weghaben will.“ Jedidja funkelte seinen trägen Sohn an, der bloß die Augen verdrehte. „Vielleicht kann Ihre nächste Braut ja ihn heiraten.“

Axel spitzte den Stock an. „Nur wenn er diesmal ein Prachtweib bestellt hat.“

Jede Frau, die dumm genug wäre, diesen Burschen zu heiraten, würde für zwei arbeiten müssen. Everett tippte an seinen Hut. „Wiedersehen, meine Herren.“

Vor achtzehn Jahren war er in Axels Alter gewesen, doch im Gegensatz zu dem Jungen hatte er Grips – und damals eine verheißungsvolle Zukunft und ein Mädchen am Arm, das ihn bewunderte. Doch noch immer war er allein. Eine per Brief bestellte Braut war vermutlich die einzige Hoffnung des Jungen, doch Everett bezweifelte, dass er es je versuchen würde. Axels Mutter hatte damals selbst eine Brautanzeige aufgegeben, aber als ihre Heiratspläne scheiterten, hatte sie Jedidja kurzerhand überredet, sie zur Frau zu nehmen.

Mrs Langston sah man praktisch nie in der Stadt, und Jedidja sprach nur verächtlich von ihr, wenn überhaupt. Die Feindseligkeit seiner Eltern war Axels Wesen nicht gerade zuträglich – er hatte Stacheln wie eine Distel und war von ebensolchem Nutzen.

Widerwillig stiefelte Everett zur Bahnstation und ließ seinen Blick über die Menschenmenge auf dem Bahnsteig schweifen. Rachel war nirgends zu sehen, doch Dex, ihr Mann, saß zurückgelehnt auf der Sitzbank seines Fuhrwerks und hatte sich den Hut übers Gesicht gezogen. Sein leichtes Schnarchen ließ die Krempe, die auf seiner Nase ruhte, sachte flattern. Dex konnte nicht wissen, dass seine Frau wieder einmal einen Plan ausgeheckt hatte. Sonst hätte er sicher nicht ernst bleiben können, als Rachel auf Everett einredete, dass sie in der Stadt seine Hilfe brauchten.

Vielleicht hatte Mrs Hampden etwas missverstanden. Die Leute tuschelten gern, und Dex war zwar ein Spaßvogel, doch die Stantons würden nicht einen derartigen Komplott gegen ihn schließen. Nein, Mrs Hampden musste sich geirrt haben.

Everett blieb am Bahnhofsgebäude stehen und ging den Fahrplan durch, der auf einer Kreidetafel stand. Dreißig Minuten bis zur Ankunft des Zuges. Die Wildblumen, die er zu Hause noch gepflückt hatte, lagen gebündelt auf der Ladefläche seines Fuhrwerks. Er schnappte sich den Strauß und ging in Richtung Friedhof.

„Everett!“, hörte er jemanden rufen. Als er sich umdrehte, sah er Carl Hampden vom Pferdeunterstand schnurstracks auf ihn zukommen. Sein geneigter Kopf und sein Blick erinnerten Everett an einen angreifenden Stier.

Angespannt blieb er stehen. Der Mann sah aus, als würde er jeden Augenblick eine Pistole ziehen. „Ja, Carl?“

„Wohin gehen Sie, mit denen da?“ Er zeigte auf die Blumen.

Everett löste den Würgegriff um den Wildblumenstrauß und verzog seinen Mund zu einem Lächeln. Er war nur wenige Meter von Carls Gemischtwarenladen entfernt. „Sie sind nicht für Ihre Frau, falls das Ihre Sorge ist.“

„Für wen dann?“ Carl machte einen Schritt rückwärts, doch seine Augen funkelten noch immer.

„Ich glaube nicht, dass Sie das etwas angeht.“

Carl beugte sich wieder vor. Offenbar hatte er Knoblauch zu Mittag gegessen.

Was sprach eigentlich dagegen, dass er es erfuhr? „Sie sind für Adelaide Gooding.“

„Wen?“ Carl zog eine Augenbraue hoch.

Everett seufzte. „Meine erste Braut.“

„Ach so, na, dann …“ Carl entspannte sich. „… gehen Sie schon.“

Als hätte er die Erlaubnis dieses Mannes gebraucht! Everett fasste Carl am Ärmel und kramte seinen Zettel hervor. „Würden Sie mir diese Dinge zusammenstellen? Ich bin in spätestens einer Stunde wieder da.“

Carl faltete den Zettel zusammen und tippte an seinen Hut.

Everett schlenderte durch die Stadt, die Narzissen achtlos an seiner Seite. Warum brachte er ihr überhaupt immer noch Blumen? Er betrachtete das traurige, schlaffe Grünzeug in seinen Händen. Weil es sonst niemand tun würde – und das war seine Schuld.

Er trat durch die Lücke in der hüfthohen Steinmauer, lief direkt auf Adelaides Grab zu und legte die Blumen zu ihren Füßen. „Die sind leider schon verwelkt, aber trotzdem noch besser als das, was du da hast.“ Nämlich nichts. Everett hockte sich nieder und starrte auf ihren Grabstein. Er hatte nicht einmal gewusst, welches Geburtsdatum er für seine erste Katalogbraut eingravieren sollte, aber er hatte sein Möglichstes getan. Sogar mit Grabinschrift: Lang erwartet und schmerzlich vermisst.

Everett sah sich um, um sicherzugehen, dass sonst niemand in der Nähe war. „Hast du gehört, was über mich geredet wird? Mrs Hampden glaubt wohl, ich bin so verrückt und versuche noch einmal, eine Braut zu finden.“ Er nahm sich einen Zweig und stocherte in der Erde herum. „Ich wünschte, du hättest noch ein paar Stunden durchgehalten. Dann hätte ich dir zumindest sagen können, dass ich …“ Unwirsch warf er den Zweig weg. Hatte er sie geliebt? Irgendwann bestimmt. Aber jetzt war kaum ein Funke Gefühl mehr da für diese Frau, die er nie kennengelernt hatte.

Mit geschlossenen Augen beschwor Everett das einzige Bild, das er von Adelaide hatte: in eine raue Wolldecke gewickelt, das Gesicht weiß wie Wolken, die Haare so schwarz wie Rabenflügel und ihr Mund so schief und steif wie Zaunpfosten. Das Fieber hatte ihr den Atem geraubt und ihm die Hoffnung.

Das Dröhnen von Metallrädern auf den Eisenschienen grollte aus der Ferne zu ihm herüber. Mit der Stiefelspitze schob Everett eine abseits liegende Narzisse wieder auf das Durcheinander aus Blumen. „Wenn ich irgendwo am Mississippi leben würde, kämen meine Bräute vielleicht auf Dampfern angefahren.“ Er schnaubte, und über ihm lärmte eine graugrüne Taube. „Meinst du nicht auch?“

Ein Pfeifen ertönte. „Rachel hat sich immer ein Klavier gewünscht. Lass es bitte ein Klavier sein.“ Doch sie hatte Mrs Hampden ermuntert, dafür zu beten … und gewiss war nichts, was sie bestellen konnte, so schwerwiegend, dass sie bei Gott um Hilfe flehen musste. Das Beben des herannahenden Zuges vibrierte durch seine Fußsohlen.

Und wenn im Zug tatsächlich wieder eine Frau saß, die für ihn herkam? Everett ballte seine zitternden Finger zu Fäusten. Patricia hatte ihm den Laufpass gegeben. Dann war Adelaide tot angekommen, Kathleen war als verheiratete Frau eines Ladeninhabers ausgestiegen, und Helga hatte ihn eine Woche nach ihrer Ankunft für einen anderen Mann mit größerer Farm verlassen. Er wollte sich nicht im Geringsten ausmalen, was einer fünften Braut einfallen würde. Nein, er würde sich nicht noch einmal zum Narren halten lassen.

*

Sie hatte einen Fehler gemacht. Einen großen, unwiderruflichen Fehler.

Julia Lockwood starrte aus dem Zugfenster. Meile um Meile flog die flache Landschaft von Kansas an ihr vorbei. Nichts als wogende Gräser, ein paar Baumgrüppchen und einige wenige Felsenzungen. Die öde Prärielandschaft würde ihr nicht helfen, die Vergangenheit zu vergessen, vor der sie floh. Und der Mann, der auf sie wartete, würde es auch nicht besser machen – eher noch schlimmer. Was war nur in sie gefahren zu glauben, das Ganze sei eine gute Idee? Sie legte ihre Tasche beiseite und stand auf.

„Junge Dame, Sie machen mich ganz nervös mit Ihrem ständigen Auf und Ab und Hin und Her.“ Die dralle Frau gegenüber wedelte hektisch mit ihrem Fächer. „Bleiben Sie doch bitte endlich mal sitzen.“

Julia zögerte, stand dann aber doch auf. Ihre Nerven wollten den Anweisungen der verkniffenen Dame nicht recht gehorchen. „Es tut mir leid. Wenn ich wiederkomme, werde ich versuchen, nicht noch einmal aufzustehen.“

Die Frau schnaubte. „Tun Sie das.“

Julia raffte den Überrock ihres Reifrockes zusammen und lief behände durch den Mittelgang des Bahnwaggons. Nach ein paar Tagen auf Reisen war sie Meisterin darin, was das Laufen im fahrenden Zug anging. Sie griff nach einer Schlaufe an der Decke, um einem kleinen struppigen Mädchen Platz zu machen, das vorbeilief.

Der Gepäckträger am Kopf des Zuges richtete sich auf. „Kann ich etwas für Sie tun, Fräulein?“

„Nichts, Henry. Außer Sie können den Zug irgendwie beschleunigen … oder bremsen.“ Sie biss sich auf die Lippen. „Wie lange noch bis Salt Flatts?“

„Nicht mehr allzu lang. Ein Katzensprung. Wir sind da, eh Sie sich’s versehen.“ Sein Lächeln reichte von einem Ohr zum anderen und durchschnitt sein dunkles Gesicht mit schimmernd weißen Zähnen. „Es wird schon alles gut gehen, Fräulein.“

Gut gehen? Als sie sich dazu entschlossen hatte, einen Mann zu heiraten, mit dem sie nicht mal einen einzigen Brief gewechselt hatte? Nein. Gar nicht gut. Beim Gedanken daran, einem Mann noch einmal nahezukommen, drehte sich ihr der Magen um.

„Darf ich Ihnen einen Rat geben? Hören Sie auf, immerzu mit Ihrer Brosche zu spielen. Sie nehmen ihr ja den ganzen Glanz.“

Julia ließ das Porträt ihrer Mutter los, das an ihrem Kragen hing; ihre Finger waren bereits rot vom ovalen Goldrahmen.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie sich wegen irgendetwas Sorgen machen müssen.“

Wenn das doch nur wahr wäre! Aber jetzt war es auch zu spät. Julia konnte ja schlecht aus dem Zug springen. Ach, warum war sie nicht einfach am letzten Bahnhof ausgestiegen? Angespannt ging sie an ihren Platz zurück.

Die stämmige Frau ihr gegenüber funkelte sie hinter ihrem hin und her huschenden Fächer an und seufzte.

Ihr Mann lehnte sich vor. „Werden Sie jemanden treffen und sind deshalb aufgeregt?“

Julia nickte und wünschte, ihr Leben würde nicht von einem Mann abhängen, den sie nie zuvor gesehen hatte. Warum nur hatte sie sich einem völlig Fremden versprochen? Sie freute sich darauf, Rachel Stanton persönlich kennenzulernen – die Frau, mit der sie über die letzten Monate Briefkontakt gehabt hatte. Aber sie hätte einfach auf Besuch kommen sollen. Stattdessen war sie in Panik geraten und hatte ein Heiratsversprechen gemacht, als Rachel erwähnte, dass der Freund ihres Mannes an einer Katalogheirat interessiert war. Würden Rachel und Dex Stanton ihr auch dann noch Gastfreundschaft gewähren, wenn sie Everett Cline nicht heiratete? Das saure Gefühl in ihrem Magen kroch langsam ihren Hals hinauf.

„Ein Mann, habe ich recht?“

Julia fühlte, wie ihr die Röte ins Gesicht schoss, und zuckte die Schultern.

„Machen Sie sich keine Sorgen. Kein Mann würde enttäuscht sein, wenn ein Mädchen wie Sie aus dem Zug steigt.“

Nein. Ein einsamer Mann sicher nicht. Das war Teil des Problems. Vielleicht hätte sie lieber ihr normales Tageskleid statt dem seidenen anziehen sollen.

Henry kam den Korridor entlang und tippte dabei an die Kopfstützen. „Nächster Halt: Salt Flatts.“

Julias Herz schlug gleich doppelt so schnell. Eine Freundin wartete dort auf sie, ja … aber auch ein Mann. Ihre letzte Chance. Sitzen bleiben oder ihren möglichen Ehemann kennenlernen? Er würde eine Intimität von ihr verlangen, die sie noch lange nicht bereit war, mit jemandem zu teilen. Sie schlang die Arme um ihre Taille und unterdrückte ein Stöhnen. Welche Wahl hatte sie schon?

*

Der glänzende Schornstein der Lokomotive kam in Sichtweite. Der beißende Rauch quoll über die Prärie um Salt Flatts und verschmolz mit dem graublauen Himmel. Ungeduldig schritt Everett den überfüllten Bahnsteig ab. Er fragte sich immer noch, ob Rachel ihn tatsächlich verkuppeln wollte. Mit seinen Blicken suchte er die Menschenmenge ab. Weit und breit keine Spur von ihr. Sie würde die Frau, die sie ihm so unbedingt aufdrängen wollte, doch sicher abholen – so es sie denn tatsächlich gab. Everett atmete aus und schlenderte zum Wagen der Stantons zurück. Er würde es ja noch früh genug erfahren.

Das schrille Signal des Zuges scheuchte die Vögel auf, die neben den Bahnschienen im Gras herumpickten. Langsam kam das eiserne Monstrum zum Stehen. Rachel lief hastig über die Straße und die Bretterrampe hinauf. Ihre dreijährige Tochter Emma hüpfte auf ihrer Hüfte auf und ab und winkte dem Zug aufgeregt zu.

Die Tür des Schlafwagens öffnete sich. Everett starrte auf die Silhouetten der Passagiere, die hinter dem Wagenfenster aufgereiht standen. Erst stiegen einige Männer aus, dann kletterte eine magere junge Frau auf die rauen Bretter des Bahnsteigs hinab. Ihr lockiges orangerotes Haar hing ihr über das fleckige Gesicht.

Unruhig bemerkte Everett, dass Rachel das groß gewachsene Mädchen beobachtete, ihm aber nicht zuwinkte. Schließlich eilte es zu einem wartenden Wagen und umarmte einen älteren Herrn.

Everett rieb sich die angespannten Nackenmuskeln.

Nach und nach stiegen noch mehr Männer aus dem Passagierwagen, dann schließlich der Schaffner, der zum Betriebshof schlenderte. Everett stieß seinen angehaltenen Atem aus und lachte in sich hinein. Er hatte sich von Mrs Hampdens albernen Vermutungen tatsächlich zum Narren halten lassen.

„Hier bist du!“ John, Rachels jüngster Sohn, lief auf Everett zu. „Bist du bereit für eine Überraschung?“

Eine Überraschung – für wen? Everetts Atem wurde flach. Er ging in die Hocke, um mit dem Jungen auf Augenhöhe zu sein. „Weißt du, was es ist?“

John schüttelte seinen dunklen Kopf. „Nein. Mama wollte es mir nicht sagen. Willst du sie nicht fragen?“

„Ach, wir finden es noch früh genug heraus.“ Everett rieb den Kopf des Jungen und zwang sich dazu, nicht gleich auf Rachel zuzustürmen. Wenn John so aufgeregt war, dann galt die Überraschung sicher der Familie und nicht ihm. Rachel hatte bestimmt nicht vor den Kindern angedeutet, dass sie plante, ihn mit einer Fremden zu verkuppeln.

„Da ist sie!“ Rachels Rufen endete in einem hohen mädchenhaften Quietschen. Sie übergab Emma an Dex und rannte in die Menge hinein. Dex sah zu Everett hinüber, bevor er sein Grinsen mit der noch freien Hand verbarg. Die Augen seines besten Freundes funkelten amüsiert.

Man hatte ihn hereingelegt.

Everett drehte sich langsam Richtung Zug. Eine zierliche, modisch gekleidete Dame bugsierte einen übergroßen Handkoffer mühsam durch die Waggontür und kletterte vorsichtig die Stufen hinab. Ihr elfenbeinfarbener Rock machte am Rücken eine schöne Wölbung. Ein rotes Band umschlang ihre Taille und unterstrich damit noch ihre schmale Figur. Sie betastete eine Brosche an ihrem Kragen und schob den Schleier zurück, der im Wind gegen ihre Stirn flatterte. Dunkles lockiges Haar wippte unter ihrem Hut und umrahmte ihre perfekten Lippen und die winzige Nase. Noch nie hatte er eine schönere Frau gesehen. Nicht einmal Patricia, das hübscheste Mädchen, das Saline County je gesehen hatte, konnte sich mit ihr messen.

Mit einem Stapel Papier in der Hand winkte die junge Frau in Rachels Richtung und hob fragend die Schultern. Rachels Arme flogen in die Höhe, und schon verschwand die junge Frau in ihrer Umarmung. Obwohl die eine ein abgewetztes, handgewebtes Baumwollkleid trug und die andere schimmernde Rüschen, fingen sie sogleich an, wie verloren geglaubte Schwestern zu schnattern.

Everett versuchte den Adrenalinstoß zu unterdrücken, der von seinen Zehen hochstieg. Diese bildschöne Freundin von Rachel war nie im Leben eine Katalogbraut. Um keinen Preis konnte sie seinetwegen hier sein.

*

Julia löste sich aus Rachels herzlicher Umarmung, die es nicht vermochte, den Gefühlssturm in ihrem Herzen zu beruhigen. Sie war zwar überglücklich, ihre gute Freundin zum ersten Mal im Arm zu halten. Aber das konnte sie nicht davon abbringen, die umstehenden Menschen nach ihm abzusuchen. Ihr Herz klopfte bis zum Hals. „Ich kann kaum glauben, dass ich hier bin.“ Hätte sie Rachel nicht so voller Vorfreude auf dem Bahnsteig stehen sehen, hätte sie sich tiefer in ihren Ledersitz rutschen lassen, ihr letztes Geld zusammengesucht und wäre noch ein wenig weitergefahren.

„Ich auch nicht!“ Rachel umarmte sie erneut. „Vor unserem Briefwechsel war mir nicht klar gewesen, wie sehr ich mir eine beste Freundin gewünscht habe. Du kommst jetzt erst mal mit zu uns, und dann reden wir die ganze Nacht, und ich stelle dich den Nachbarn vor und …“

Rachels Geplapper war ansteckend, aber ihre Freundlichkeit konnte nicht Julias Bedürfnis vertreiben herauszufinden, was ihr zukünftiger Ehemann von ihr erwartete. „Wird Everett die … Sache nicht gleich besiegeln wollen?“ Hundert Meter weiter ragte ein weißer Kirchturm über einer Reihe Häuser empor. Julia wurde schwindelig. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, direkt dorthin zu fahren und zu heiraten. „Weißt du, was er für Pläne hat?“ Julia ergriff Rachels Arm wie einen Anker, um nicht sofort zurück zum Zug zu laufen.

„Was Everett anbelangt … Ich würde lieber nicht von Heirat reden, bevor er selbst damit anfängt. Und ich denke, er wird dir sicher noch etwas Zeit lassen.“ Rachel rieb sich die Lippen und wich Julias Blick aus. Was hielt sie vor ihr geheim? „An deiner Stelle würde ich einfach so tun, als wärst du nur zum Kennenlernen hier und nicht, um ihn vor den Altar zu schleifen.“

„Wer ist denn Ihre reizende Freundin, Mrs Stanton?“ Der Klang von unverhohlenem männlichem Interesse ließ Julia einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Sie benetzte ihre Lippen und drehte sich zu einer Gruppe junger Männer um. Zuvorderst stand ein schlaksiger Mann mit blondem Schnurrbart und sehr roten Lippen. Als er an ihr herabsah, blitzten seine blauen Augen amüsiert. War das Everett? Er war jünger, als sie gedacht hatte, und nicht unattraktiv. Aber sein Körper schien für einen Farmer recht mager, und das Funkeln in seinen Augen entsprach dem beunruhigend schelmischen Ton seiner Stimme. „Sie sind nicht zufällig für Everett Cline hier?“

Was für eine unangenehme Art, sie zu begrüßen. „Ich, äh … ja. Sind Sie das?“

Rachel trat mit in die Hüften gestemmten Händen schützend vor Julia. „So, Sie gehen jetzt mal alle schön nach Hause.“

Das Gesicht des Burschen wechselte von amüsiert zu entgeistert. „Sagen Sie bloß, sie ist tatsächlich für Everett gekommen.“ Die vier jungen Männer hinter ihm lachten.

„Das geht Sie rein gar nichts an, Axel. Wenn Sie sich nun bitte etwas anderem zuwenden könnten.“ Rachel deutete auf den Betriebshof, aber die Gruppe blieb wie angewurzelt stehen.

Axel reckte den Hals. „Dann ist sie es wirklich?“

Rachel antwortete nicht. Axel schnaubte halb verärgert, halb beeindruckt.

War Everett denn so abscheulich, dass dieser Axel nicht glauben konnte, dass eine Frau ihn heiraten wollte? Vielleicht war das der Grund, warum er eine Braut aus dem Katalog brauchte. Aber Rachel würde sie doch niemals mit einem schlechten Mann verkuppeln.

Obwohl er sie beide überragte, starrte ihre Freundin Axel an, als ginge er ihr nur bis zum Knie.

Julia rieb sich die Arme; mit einem Mal war ihr heiß und kalt zugleich. Alle männlichen Augenpaare waren auf sie gerichtet. Auch schon früher war sie von Männern beäugt worden, aber das hier war einfach abscheulich.

„Entschuldigen Sie, meine Herren.“ Ein Mann, der größer war als Axel, bahnte sich seinen Weg durch die Gruppe, ein Mädchen mit weichen blonden Locken auf dem Arm. „Sie haben meine Frau gehört – bitte vergnügen Sie sich anderweitig. Ich bin mir sicher, Sie haben Besseres zu tun, als unseren Gast zu belästigen.“

Die Männer hinter Axel stießen sich gegenseitig an und tuschelten. Julia konnte nur Everetts Namen heraushören. War er hier? Warum hatte er sich nicht schon gezeigt?

Axels Lächeln wurde breiter. „Ich hatte meinen Glauben an Sie ja schon verloren, Everett, aber Sie haben durchgehalten. Sie ist eine echte Schönheit.“

Julia stellte sich auf die andere Seite neben Rachel und versuchte zu sehen, mit wem Axel sprach. Warum musste sie auch so klein sein?

Axel tippte sich an den Hut. „Ich freue mich darauf, Sie bald besser kennenzulernen, Miss …“

Julia nickte unmerklich. „Lockwood. Sicher werden wir viel Zeit haben, uns besser kennenzulernen.“

„Ganz sicher.“ Der größere Mann tätschelte Axel herablassend die Schulter und wandte sich dann zu ihr um. „Freut mich, Sie endlich kennenzulernen, Miss Lockwood. Ich bin Dex Stanton.“

„Endlich?“, murmelte hinter Dex’ Rücken eine tiefe Männerstimme.

Julia sah zu Rachels Ehemann empor. Die Oberkante ihres Huts ragte nicht einmal an seine Brusttasche heran. „Freut mich auch, Mr Stanton.“

„Nennen Sie mich Dex. Und ich schätze, dass Sie sich noch viel mehr für den Gentleman interessieren, der hinter mir steht.“

Julias Wangen wurden mit einem Mal noch wärmer.

„Der beste Nachbar, den man sich nur wünschen kann.“

Aus Dex’ Schatten trat ein hochgewachsener Mann auf sie zu, aber es war kein Fremder, der jetzt seinen Hut hob.

Theodore.

Nein. Das konnte nicht sein. Alle Hitze wich aus Julias Gesicht. Der kalte Schock ließ ihren Atem stocken.

Er hatte ihr geschworen, dass er sie finden würde – egal, wie weit sie wegrannte. Aber sie hatte ihm nicht geglaubt.

Julia presste ihre Hand gegen ihr Herz, das wie wild gegen ihre Brust hämmerte.

„Erfreut, Sie kennenzulernen, Miss Lockwood. Ich bin Everett Cline.“

Konzentriert blinzelte sie ihn an und griff nach Rachel, um nicht zu Boden zu sinken oder wegzurennen.

Der Mann runzelte die Stirn. „Ist alles in Ordnung mit Ihnen?“

Seine Stimme klang anders, seine Haare waren links gescheitelt, und seine Vorderzähne ragten nicht hervor. Julia gab sich alle Mühe, ihren Mund zu befeuchten, um etwas sagen zu können. „Mr … Mr Cline?“

„So ist es.“ Sein zurückhaltendes Lächeln kitzelte die Luft aus ihren Lungen, die dort festgesessen hatte. Seine Kieferpartie war der von Theodore ähnlich – aber nicht, wenn er lächelte. Julia lockerte ihren Schraubstockgriff um Rachels Arm, die sie ansah, als wäre sie von allen guten Geistern verlassen.

Wie Theodore hatte Everett wunderschönes dunkelblondes gewelltes Haar, markante Augenbrauen und Lachfalten um die Augen. Er war ohne Zweifel attraktiv – genau wie der Mann, den ihr Vater ihr als Ehemann ausgesucht hatte.

Wie sollte sie nur einen Mann heiraten, dessen Erscheinung sie so sehr an jenen Mann erinnerte, dem sie nie wieder im Leben begegnen wollte?

 

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1„Katalogbraut“ (engl. „mail-order bride“) nannte man eine Frau, die sich in einer Art Katalog auflisten ließ und zur Heirat anbot. Im Amerika des 19. Jahrhunderts kamen Katalogbräute vom gut entwickelten Osten in den Westen, um Männer aus ländlicheren Gebieten zu heiraten.

Kapitel 2

Miss Lockwoods Hände zerknitterten den raschelnden Stoff ihres Rockes. Ihre Knöchel wurden dabei so weiß wie der Petticoat, der darunter hervorlugte. Everett zwang sich, den Blick von ihrem Unterrock abzuwenden, doch seine Augen fanden keinen geeigneten Platz, wo sie hätten ruhen können.

Julia holte tief Luft, um sich zu entspannen, und lächelte dasselbe künstliche Lächeln, das auch er krampfhaft versuchte zu wahren. „Bitte vergeben Sie mir. Ich habe einfach nicht erwartet … nun ja …“ Sie nickte. „Es ist schön, Sie kennenzulernen, Mr Cline.“

Vielleicht war er doch nicht ganz so gut aussehend, wie Mrs Hampden Everett hatte glauben lassen. Er zwang sich erneut, die Mundwinkel hochzuziehen. „Ich freue mich auch, Sie kennenzulernen, Miss Lockwood. Aber es wäre gelogen zu behaupten, ich hätte gewusst, dass Sie …“

„… heute ankommen.“ Rachel ergriff seinen Arm, und ihre Finger bohrten sich in seine Muskeln. „Wir hatten ihm nicht so genau gesagt, dass du heute schon hier sein wirst.“

Everett sah seine Nachbarin scharf von der Seite an. Am Haaransatz zeigten sich kleine Schweißperlen. Ihre Wangen waren gerötet. Sie versuchte ihn mit demselben eindringlichen Blick zu besänftigen, wie sie es mit ihren unruhigen Kindern während des Gottesdienstes tat.

Miss Lockwood befühlte ihre Brosche. „Ah, ich verstehe.“

Everett presste seine Lippen fest aufeinander. Er wollte Rachel nicht vor Miss Lockwood wegen ihrer List schelten und auf diese Weise lächerlich machen. Aber wie konnten seine besten Freunde ihn nur zum Gespött der Leute machen? Und dazu noch auf Kosten von Miss Lockwood?

Aber dies war kein Spiel. Er hatte sie mit Axel reden hören und wünschte, es wäre ihm erspart geblieben. Ihrem Blick nach zu urteilen, würde sie wahrscheinlich gleich den nächsten Zug wieder zurück nehmen. Wieder eine Frau, die nur einen Moment lang in seiner Reichweite sein würde. Und diese war dazu noch so attraktiv, dass es in den Augen schmerzte, sie auch nur anzusehen.

Wie konnte er nur aus dieser Situation herauskommen? „Ich, äh …“

Rachel zog ihren jüngeren Sohn vor sich und stellte den älteren zwischen ihn und Miss Lockwood. „Das ist mein Sohn Ambrose. Und das hier ist John.“ Ob die Jungen im Alter von zehn und sieben nun von Miss Lockwoods engelsgleicher Erscheinung eingenommen waren oder durch die peinliche Unterhaltung der Erwachsenen verwirrt, in jedem Fall waren die beiden ungewöhnlich still. „Und der Junge hinter mir ist William. Er wird am Montag 16 Jahre alt.“

„Tag, gnädige Frau.“ William zog seinen Hut vom Kopf und starrte sie an, als hätte er nie zuvor eine Frau gesehen.

Emma wand sich aus Dex’ Griff heraus und warf sich Miss Lockwood in die Arme.

„Du meine Güte! Du musst Emma sein.“ Julia fing die Dreijährige auf und setzte sie sich auf die Hüfte. „Deine Mama hat mir schon von deinen niedlichen blonden Löckchen erzählt, also habe ich dir das hier mitgebracht.“ Aus einer versteckten Tasche zog sie eine rosa Schleife heraus.

Wie lange hatten diese beiden Frauen sich eigentlich schon Briefe geschrieben? Everett sah zu Dex hinüber, der sich weit mehr für die Schleife zu interessieren schien als für einen Mann üblich.

Emma griff sich den Haarschmuck und drehte sich zu ihrer Mutter. „Mama, reinmachen.“

„Was sagt man, Emma?“

„Bitte.“

Rachel räusperte sich. „Ja, man soll ‚bitte‘ sagen, aber was sagst du zu Julia, die dir das Geschenk gegeben hat?“

Julia. Everetts Mund versuchte stumm ihren Namen auszusprechen.

Emma hielt die Schleife wenige Zentimeter vor Julias Nase. „Bitte, reinmachen.“

Julia lachte leise. Es war ein wunderschönes, melodisches Lachen. Gab es irgendetwas an dieser Frau, das nicht bezaubernd war?

„Sag Julia danke.“

„Danke.“

Julia tippte mit ihrem Zeigefinger auf die Nasenspitze des Mädchens. „Gern geschehen. Aber wir warten mit dem Reinmachen noch, bis wir zu Hause sind, in Ordnung?“ Sie lächelte das Kind an. Ein echtes Lächeln. Ihm blieb der Atem stehen.

Julia warf ihm einen zweifelnden Blick zu. Everett erstarrte. Erwartete sie, dass er jetzt etwas sagte? Wenn sie ihn so mit ihren angsterfüllten, betörend dunklen Augen unter den schwarzen Wimpern ansah, dann hatte sie sicher schon entschieden, nichts mit ihm zu tun haben zu wollen. Aber warum starrte sie ihn dann überhaupt so an?

Rachel legte ihren Arm um Julias Schulter. „Du bist von der Reise doch sicher sehr müde. Wir sollten hier nicht länger am Bahnhof herumstehen. Lasst uns endlich nach Hause fahren.“

„Ich muss zugeben, dass die Zugreise nicht so angenehm war, wie gehofft. Ein paarmal dachte ich, dass ich nicht durchhalte.“

„Gut, dass Sie es trotzdem überlebt haben.“ Dex hustete beim Lachen. „Und sogar unverheiratet.“

Julia warf erst Dex einen fragenden Blick zu, dann Everett, dessen Ohren sofort heiß wurden. Er konnte sich gerade noch beherrschen, seinen Freund in die Seite zu boxen. Wehe, wenn er Julia jetzt neugierig gemacht hatte und sie fragte, was er damit meinte.

Der Blick, den Rachel ihrem Mann zuwarf, hätte eine ganze Kuhherde zum Stillstand gebracht. Sie schnaubte wütend und zog Julia in Richtung der Bahnhofstreppe. „Warum laufen wir nicht zum Kaufmann hinüber, während die Männer dein Gepäck aufladen? Dein Kleid ist einfach umwerfend. Du musst uns unbedingt über die neueste Mode aufklären.“

Bevor Julia die Straße überquerte, blickte sie Everett noch einmal kurz, aber eindringlich in die Augen. Ihre Locken wippten bei jedem Schritt unter ihrem kleinen Strohhut, und ihr zierlicher Körper schwankte leicht unter dem Gewicht des Kleinkindes auf ihrer Hüfte. Noch nie hatte er etwas so gerne angesehen. Aber gehörte solch eine Frau nicht viel eher an den Arm eines Politikers oder Geschäftsmannes als an den eines schlecht verdienenden Bauers?

William pfiff durch die Zähne. „Das ist die hübscheste Frau, die mir je begegnet ist.“

„Vielleicht war die Kuppelei meiner Frau für dich doch besser, als ich dachte.“ Dex’ Stimme klang etwas zu selbstgefällig.

Als die Frauen weg waren, schaute Everett zu den drei aufeinandergestapelten Schrankkoffern von Julia, die auf dem Bahnsteig standen. Wie konnte eine Frau bloß so viele Dinge brauchen? „Wenn es dir nichts ausmacht, William, dann könntest du dich mit Ambrose zusammen um das Gepäck kümmern. Ich muss mal kurz mit deinem Vater sprechen – und zwar allein.“

William riss seine Augen von Julia los und blickte kurz zu seinem Vater, bevor er nickte und Ambrose an der Schulter packte.

„Bevor du jetzt mit dem Zeigefinger herumwedelst, will ich zu meiner Verteidigung sagen, dass ich bis gestern Abend auch noch nichts davon wusste“, sagte Dex schnell.

„Dann hattest du doch genug Zeit, mir davon zu erzählen.“

Sein Freund zuckte die Schultern. „Na ja, bei deiner Vergangenheit war ich nicht gerade erpicht darauf.“

Everett zerknautschte seinen Hut, um ihn nicht nach Dex zu werfen.

„Außerdem suchst du doch eine Ehefrau, und sie will gerne eine werden.“

„Und warum, bitte sehr?“

„Sie hat offenbar harte Zeiten hinter sich.“

„Bei dem Kleid mag man das kaum glauben.“

„Eher privater Natur, nicht finanziell.“

„Und … ?“

Dex zuckte wieder die Schultern. „Sie stammt aus Boston.“

Everett fuchtelte mit seinem Hut Richtung Horizont. „Gut, dann weiß ich jetzt, wo sie herkommt, dass sie irgendwelche vagen persönlichen Probleme hat und ihren Namen, den ich übrigens“, betonte Everett mit zusammengepressten Zähnen, während er versuchte, ruhig zu bleiben, „erst vor ein paar Minuten erfahren habe.“

„Und du weißt jetzt auch, dass sie ganz hübsch anzusehen ist.“

Sofort hatte Everett ihr schönes Gesicht und ihre anmutige Figur vor Augen, aber Rachels Schwester war auch eine Schönheit gewesen, und es hatte ihm das Herz zerrissen, als Patricia ihn für einen anderen hatte sitzen lassen. „Das ist noch kein Grund zum Heiraten.“

„Endlich sagst du mal etwas Vernünftiges. Es gibt ja auch sonst keinen Grund, eine attraktive Frau, die hier ein neues Leben mit dir anfangen will, in Erwägung zu ziehen.“ Dex verdrehte die Augen. „Himmel noch mal, Everett, Helga hat kaum ein Wort Englisch gesprochen, und du hättest sie geheiratet.“

Everett verschränkte die Arme und funkelte ihn an.

„Du hast einfach nur Angst, dass sie dich auch verlassen wird, wie die anderen.“

„Wundert dich das?“

Dex rieb sich das Kinn und sah ihn an, als könnte er ihm direkt in die Seele schauen. „Ich schätze, wenn es einen Mann gibt, der sich deswegen Sorgen machen sollte, bist du es. Aber Rachel …“

„Ich bin mir nicht sicher, ob ich Rachel das vergeben kann.“

„Du hast doch auch Mrs Hampden und Mrs Parker vergeben.“

„Das waren Fremde. Ihr seid meine Freunde.“

„Vielleicht war sie diesmal ein bisschen indiskret …“

„Und vermessen und demütigend und hinterhältig …“

„Aber doch nur aus Liebe.“

Everett war wütend. Natürlich tat Rachel das aus Liebe zu ihm. Wenn ihre Liebe doch nur nicht so stark wäre, dass sie sein Leben kontrollieren wollte! Reichte ihr das von Dex nicht? Er schüttelte den Kopf.

„Es tut ihr ja leid, dass sie dich wegen Julia nicht gefragt hat.“

Everett verengte seine Augen zu Schlitzen, während Dex ihm seine Handflächen entgegenstreckte.

„Wirklich! Sie kam gestern Abend mit einem Geschirrhandtuch zu mir, das sie so heftig verdrehte, dass ich dachte, es würde reißen. Sie weiß, dass es falsch war, was sie getan hat. Aber vielleicht sieht Gott die Dinge ja aus einer anderen Perspektive und wendet alles noch zum Guten.“

„Das hat er bei meinen früheren Fehlern auch nie getan.“

„Vielleicht hast du einfach noch nicht den richtigen Fehler gemacht.“

Everett presste die Lippen zusammen. Egal was Dex sagte, es würde ihm keine Hoffnung machen.

„Schau doch mal, vor einem Jahr wollte Rachel eine Braut für dich finden, weil du es selber nicht hingekriegt hast. Du weißt ja, was sie immer sagt: ‚Willst du, dass etwas funktioniert, dann lass mich es machen.‘“

Normalerweise hätte Everett aus Höflichkeit gelacht, aber dafür war er zu aufgebracht.

„Ich habe sie dazu gebracht, damit aufzuhören, als ich die vielen unglaublichen Briefe ankommen sah. Aber Julia hat offenbar ihr Interesse geweckt – als Freundin. Und hier draußen gibt es eben nicht sehr viele Freundinnen zur Auswahl. Rachel wollte dich nicht mit ihr verkuppeln, aber irgendetwas in Julias letztem Brief machte den Anschein, dass sie dort wegmusste. Und so war es wohl auch. Sie glaubt jetzt, dass sie hier ist, weil du das so wolltest.“

Everett starrte zum Gemischtwarenladen, als ob er Julia hinter den verwitterten Holzplanken sehen könnte. Wollte er, dass sie hier war? Er war doch zufrieden. Oder wenigstens hatte er sich selbst eingeredet, dass er sein Leben auch meistern würde, wenn alles so weiterlief. Aber das hier war keine Wegbiegung, es war eine Weggabelung.

„Wenn du sie nicht heiraten willst, fang ich ehrlich an, an deinem Verstand zu zweifeln.“

Everett wusste, er war nicht ihre einzige Option – und das sollte er auch nicht sein. „Wenn ich sie nicht heirate, wird sich jemand anderes finden.“

„Viele andere.“

William und Ambrose kamen zu ihnen herüber. Es hatte sowieso keinen Sinn mehr, noch länger darüber zu reden. Wenn er sich wünschte, dass sie nicht hier wäre, würde das die Situation auch nicht besser machen.

„Kommt, Jungs, wir schauen mal nach eurer Mutter.“ Im Gehen boxte Dex gegen Everetts Schulter. „Komm schon. Warte erst mal ab, wohin Gott dich führt.“

Die Stantons liefen zur Ladentreppe. Everett zwang sich, ihnen zu folgen. Im Grunde war es diesmal ja nicht viel anders als das letzte Mal. Sie konnte sich, genau wie Helga, immer noch gegen ihn entscheiden, sobald sie seine Farm gesehen hatte.

Mit den anderen Frauen hatte er schon Briefe ausgetauscht, bevor sie nach Kansas gekommen waren. Sie kannten harte Arbeit, waren selbst in kleinen Verhältnissen oder auf einer Farm groß geworden. Aber Julias zierliche behandschuhte Hände und die schlanke Taille zeugten von einer deutlich anderen Vergangenheit. Das Siedlerleben war alles andere als leicht. Da saß man nicht im Salon und goss sich Tee ein.

Andererseits wäre Julia besser als gar keine. Everett versuchte sein klopfendes Herz zur Ruhe zu bringen und erhöhte sein Tempo. Nein, sie wäre sogar übermäßig viel besser als gar keine. Sie zu umarmen, Kinder mit ihr zu haben – Everett trat auf der staubigen Straße gegen einen Stein. Wenn er diesen Gedanken zu viel Raum schenkte, würde er, wenn sie ihn wieder verließ, nur wieder wie ein Idiot dastehen.

Der nächste Stein, den er wegtrat, traf Ambrose an der Wade. Verärgert wandte er sich um. Everett hob die Hand. „Tut mir leid.“

Der Junge sprang die Treppen hinauf und folgte seinem Vater in den Laden.

Everett hielt an der Straßenkreuzung und schluckte. Er starrte auf die verschlossene Tür. Dimple und Curly sollten wirklich mal untersucht werden. Er ging zu seinem Gespann hinüber und fuhr mit der Hand Curlys Hals entlang. Dann bückte er sich, um die Beine des Ochsen zu inspizieren, und sah sich den Verband an dessen Fessel an. Doch seine Tiere zu untersuchen würde diese Frau auch nicht aus seinen Gedanken vertreiben. Und er wollte auch nicht wirklich, dass sie wieder fortging.

Und genau das war sein Problem.

„Geht es den Ochsen gut?“ Beim Klang von Williams Stimme fuhr Everett so heftig herum, dass er fast gestürzt wäre. „Sie sehen doch gut aus. Mr Hampden lässt übrigens ausrichten, dass deine Waren fertig sind.“

Everett sprang auf und riss dabei Curly am Halfter. „Ich bin in einer Minute da.“

William rannte in ein paar Sätzen die Treppe hinauf, und Everett sah ihm hinterher, wie er im Laden verschwand. Er musste ihr entgegentreten. Auch wenn er sich stur geweigert hatte, eine weitere Braut anreisen zu lassen. Eine Ehefrau brauchte er trotzdem. Hier in der Gegend hatte jedes Mädchen im heiratsfähigen Alter eine Handvoll heiratswürdiger Männer zur Auswahl. Er war nicht der einzige Mann, der auf einer einsamen Farm festsaß und jemanden brauchte, der sich um Haus und Tiere kümmerte, damit er die Chance hatte, einen Gewinn zu erwirtschaften.

Vielleicht war er in den Schreiben, die er seinen Briefbekanntschaften geschickt hatte, zu ungeduldig und verzweifelt erschienen. Keine Frau wollte einen Mann, der so schwach schien, dass er jemanden brauchte, um zu überleben. Aber an manchen Tagen in der Prärie, wenn der Wind peitschte, hatte er tatsächlich das Gefühl, er würde ohne jemand an seiner Seite verrückt werden. Dieses Mal konnte er von Anfang an selbstbewusst auftreten. Wenn er reservierter und beherrschter war, vielleicht würde Julia sich dann zu ihm hingezogen fühlen und ihn nicht abweisen. An Curlys Ohr flüsterte er: „Gott, hilf mir.“ Dann zog er sein Hemd zurecht und ging die Treppen hinauf. Kurz bevor er eintrat, straffte er seine Schultern.

Julia war von einer Traube Menschen umgeben. Everett ging nach vorne und lehnte sich gegen den Ladentisch. Wo waren diese Leute plötzlich alle hergekommen? Die Frauen stießen beim Anblick von Julias Garderobe entzückte Laute aus, während die vier Männer am Rand der Gruppe eher an Julia selbst Gefallen zu finden schienen.

Während Carl Julia half, die Stoffballen auf dem Tisch durchzusehen, blieb sein aufmerksamer Blick stets bei ihr. Everett trommelte mit den Fingern. Musste er sich erst beim Ladenbesitzer bemerkbar machen, damit dieser sich auch seiner anderen Kunden besann? Die etwa zwanzig Menschen, die Julia umgaben, konnten ihr doch sicher auch dabei helfen, die Stoffballen hochzuheben.

Er könnte auch zu Kathleen hinübermarschieren und sie anlächeln. Nicht zu offensiv natürlich. Dann wäre Carl sicher sofort bei ihm.

Eine Hand auf seiner Schulter und der Geruch von Schnaps bremsten seine Gedanken.

Ned Parker stand hinter ihm und sah sich die Menschentraube an. Er spuckte in einen Napf, den er jedoch knapp verfehlte, und ließ seine Augen nicht von Julia. „Ein bezauberndes Frauenzimmer ist das. Glaube nur nicht, dass uns hier irgendjemand bedienen wird. Dafür müssen wir Hampden schon von ihr wegzerren.“

„Da könntest du recht haben, aber …“

„Bedauerlich, dass Helga nicht aussieht wie sie. Aber eine Ehefrau soll ja auch nur die Hausarbeit erledigen.“

Die Haut in seinem Nacken fing an zu jucken. Everetts dritte Katalogbraut Helga wünschte sich wahrscheinlich längst, dass sie ihn nie für Ned verlassen hätte. Dieser Mann ließ sie schuften wie einen Ochsen. Für Helga wäre es besser gewesen, wenn Everett seine Lektion nach Kathleen gelernt und nicht noch eine Frau hierherbestellt hätte.

Wieder spuckte Ned aus, diesmal traf er den Napf. „Kennst du jemanden, der Arbeit sucht?“

„Nein.“ Nicht einmal seinem ärgsten Feind würde Everett raten, sich von Ned Parker anstellen zu lassen.

Ned schlug auf die Kundenklingel. „Was muss man denn hier noch machen, um endlich bedient zu werden?“

*

„Wie finden Sie diesen hier, Miss Lockwood?“

Julia befühlte den rosa gemusterten Batist, der seidig und glatt war. „Gekämmtes Garn. Fühlt sich gut an. Ich glaube, daraus könnte man ein wunderschönes Kleid machen lassen, Miss Lenowitz.“

„Ich wünschte, ich könnte so etwas Schickes haben wie Sie, mit diesen Rüschen bis ganz nach oben. Vielleicht könnten Sie mir ja bei den Ärmeln helfen?“ Die junge Frau sah aus, als würde sie sich den Kopf über ihr erstes Ballkleid und nicht über ein einfaches Sommerkleid zerbrechen. War das Mädchen schon alt genug für eine Debütantin? Gab es diese Tradition in Kansas überhaupt?