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Wort für heute 2018

Kalender mit biblischen Betrachtungen für alle Tage des Jahres 2018

Evangelisch-methodistische Kirche, Frankfurt/M.
J. G. Oncken Nachf. GmbH, Kassel
SCM Bundes-Verlag gGmbH, Witten

© Kalender Wort für heute 2018

Herstellung:

Satz:

J. G. Oncken Nachf. GmbH, Kassel

Druck:

BasseDruck GmbH, Hagen

Gestaltung:

Edward de Jong, J. G. Oncken Nachf. GmbH

© Coverfoto: chaoss/shutterstock.com

© Foto Rückseite: stockphotoastur/shutterstock.com

ISBN für das E-Book:

978-3-7655-7497-9

ISBN für die Abreißausgabe:

978-3-7655-9968-2

(Brunnen Verlag)

978-3-87939-881-2

(J. G. Oncken Nachf. GmbH)

978-3-86258-056-9

(SCM Bundes-Verlag gGmbH)

ISBN für die Großdruck-Buchausgabe:

978-3-7655-9978-1

(Brunnen Verlag)

978-3-87939-994-9

(J. G. Oncken Nachf. GmbH)

978-3-86258-058-3

(SCM Bundes-Verlag gGmbH)

ISBN für die Buchausgabe:

978-3-7655-9958-3

(Brunnen Verlag)

978-3-87939-991-8

(J. G. Oncken Nachf. GmbH)

978-3-86258-057-6

(SCM Bundes-Verlag gGmbH)

Inhalt

Kalender 2018

Jahreslosung 2018

Liebe Leserin, lieber Leser,

JANUAR

FEBRUAR

MÄRZ

APRIL

MAI

JUNI

JULI

AUGUST

SEPTEMBER

OKTOBER

NOVEMBER

DEZEMBER

Preisrätsel zur Bibellese 2018

Bibelstellenverzeichnis 2018

Gedenktage 2018

Einführungen in biblische Bücher

Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen 2018

Quellenhinweise

Anschriften der herausgebenden Verlage

Kalender 2018

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Jahreslosung 2018

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

(Offenbarung 21,6 L)

Als Kind konnte ich am Heiligabend manchmal durch einen Türspalt ins Wohnzimmer spähen. Was ich sah, war nur ein kleiner Eindruck. Aber er reichte, um meine Vorfreude ins Unermessliche zu steigern.

Diese Jahreslosung ist wie ein Türspalt. Durch ihn sehen wir in Gottes Zukunft. Gott wird einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen. Jede Träne wird abgetrocknet. Es gibt weder Tod noch Geschrei noch Schmerzen. Alles Böse wird vernichtet. Und Gott wird dem Durstigen Wasser geben. Lebendiges, frisches, reines, klares, heilendes, reinigendes Wasser. Umsonst! Lebendiges Wasser, das ist Gottes Gegenwart, sein Frieden und sein Heil.

Eine Jahreslosung wie ein Türspalt. Er schließt sich nicht am 2. Januar und auch nicht danach. Wir dürfen hindurchspähen. Das, was wir sehen, gibt uns das, was wir brauchen: Mut statt Angst. Trost statt Vertröstung. Gelassenheit statt Sorge. Kurz: Kraft für jeden Tag des neuen Jahres. Und Vorfreude.

Ansgar Hörsting
(Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland)

Liebe Leserin, lieber Leser,

Sie halten den Kalender „Wort für heute 2018“ in der Hand, als Wandkalender oder als Buch. Er bietet für jeden Tag des Jahres eine Andacht zu einem ausgewählten Bibelvers. Die Verse sind der täglichen Bibellese entnommen. Die Bibellese ist von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen ausgesucht worden. Der Bibelleseplan führt in vier Jahren einmal durch das Neue Testament und in acht Jahren einmal durch die ganze Bibel. Um die ganze Bibel kennenzulernen, empfiehlt es sich also, nicht nur den einzelnen Vers, sondern den ganzen Abschnitt zu lesen.

Über einhundert freikirchliche Autorinnen und Autoren haben sich bemüht, die alten und ehrwürdigen Worte der Bibel so auszulegen, dass daraus ein „Wort für heute“ wird, eine Quelle, die zum Glauben ermutigen, Sie im Glaubensleben stärken und zu Veränderungen herausfordern soll. Die Bibeltexte stammen aus der „Gute Nachricht Bibel“ (Fassung 1997), wenn sie nicht weiter gekennzeichnet sind. Auf Bibeltexte aus der Lutherbibel (revidierte Fassung von 2017) weist ein L hin, auf die aus der Einheitsübersetzung (revidierte Fassung von 2017) ein E.

An passender Stelle finden Sie Einführungen in die biblischen Bücher und inspirierende Lebensbeschreibungen von Christinnen und Christen, deren Geburtstag oder Todestag sich jährt.

Die Andachten werden immer wieder ergänzt durch Liedstrophen, Zitate und Gebete. Am Monatsanfang gibt es den Monatsspruch, am Monatsende eine Rätselfrage zur Bibellese. Diese Zusätze sind an folgenden Symbolen erkennbar:

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Liedstrophe

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Zitat, Gedanken, Gebet

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Monatsspruch, Einführung, Gedenktag

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Rätselfrage zur Bibellese

Es grüßen die Redakteure und Verlage:

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Ute Armbruster-Stephan

Evangelisch-methodistische Kirche,

Frankfurt/M., Brunnen Verlag, Gießen

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Hans-Werner Kube

Bund Freier evangelischer Gemeinden in

Deutschland K.d.ö.R.

SCM Bundes-Verlag gGmbH, Witten

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Nicola Bourdon

Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in

Deutschland K.d.ö.R.

J. G. Oncken Nachf. GmbH, Kassel

1

Montag

JANUAR

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8.27

16.25

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16.09

7.18

Neujahr

Bibellese: Psalm 97

Bald geht die Sonne auf für alle,

die ihm die Treue halten

und ihm mit redlichem Herzen folgen;

dann werden sie voller Freude sein!

Freut euch über den Herrn,

ihr, die ihr treu auf seiner Seite steht!

(Vers 11.12)

Ein neues Jahr! Was wird es bringen? Etwas Neues? Oder wird es ähnlich sein wie das alte? Wird alles beim Alten bleiben? Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Arbeit und Ferien. Aussaat und Ernte. Regierungen kommen und gehen. Immer dasselbe?

Die große Idee der Bibel ist: Das Leben, das Weltgeschehen, alles verläuft linear. Die Geschichte dreht sich nicht nur im Kreis, wie der Jahreskreis, der Kreislauf der Natur. Was sich im Kreis dreht, kommt im Grunde nicht weiter. Nein, es gibt einen Anfang und es gibt ein Ende. So spannt die Bibel einen großen Bogen „vom perfekten Anfang über den Sündenfall … bis zum verheißenen Ende der Geschichte in Gottes Herrlichkeit“, war in einem Philosophie-Magazin zu lesen.

Von diesem Ende, von dieser Vollendung spricht auch der Psalmdichter. Gott, der Herrscher der Welt, wird erscheinen – für viele in erschreckender Weise. Vom verzehrenden Feuer, von grellen Blitzen und schmelzenden Bergen ist die Rede. So wird dem Unrecht, den falschen Götzen, dem Bösen ein Ende bereitet. Einerseits. Andererseits wird Gottes Herrlichkeit wie ein Sonnenaufgang nach dunkler Nacht sein für die, die sich vom Bösen nicht bestimmen lassen, die Gott lieben und ihm treu sind. Wörtlich übersetzt beginnt Vers 11 so: „Licht wird gesät dem Gerechten.“ Das trifft auch schon für unsere Zeit zu: Gott sät Licht aus. Für die Menschen, die zu ihm gehören. Auch im neuen Jahr. Achten Sie auf die leuchtenden Samenkörner und starren Sie nicht auf die dunkle Saat. Am Ende wird die Lichtsaat aufgehen und glänzende Frucht tragen.

Hans-Werner Kube

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Monatsspruch

Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du und dein Sohn und deine Tochter und dein Sklave und deine Sklavin und dein Rind und dein Esel und dein ganzes Vieh und dein Fremder in deinen Toren.

(5. Mose/Deuteronomium 5,14 E)

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Zum 2. Januar 2018

Das geistliche Evangelium

Einführung in das Johannesevangelium

Rund sechs Jahrzehnte nach den Ereignissen in Galiläa und Jerusalem wirft der Verfasser des Johannesevangeliums noch einmal einen neuen Blick auf die Jesusgeschichte. Er ergänzt damit die bisherigen Evangelien. Diese schilderten, dass den Zuhörern von Jesus erst allmählich klar wurde: Er war nicht nur Mensch, sondern zugleich der Sohn Gottes. Dagegen arbeitet Johannes heraus, dass Jesus sich von Anfang an als eine besondere Person erwies. Johannes der Täufer erkennt in ihm das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt (1,29). Zugleich wird er als Sohn Gottes (1,34), als Messias (1,41), als König von Israel (1,49) und Menschensohn (1,51) bezeichnet. Erst im Laufe des Evangeliums wird in den Berichten und Reden entfaltet, warum Jesus diese Titel zu Recht erhält. Johannes betont zwar auf der einen Seite das Gottsein von Jesus, hält aber gleichzeitig an seinem Menschsein fest. Nur er überliefert beispielsweise, dass Jesus beim Tod seines Freundes Lazarus weint (11,35). Jesus ist ganz Mensch und ganz Gott.

Aufgrund dieser besonderen Perspektive wird die Schrift des Johannes seit den Tagen der Alten Kirche als „geistliches Evangelium“ gewürdigt. Es hat zwar eine sprachliche Schlichtheit, aber zugleich eine inhaltliche Tiefe, die kaum auszuloten ist. Viele Aussagen lassen sich nur verstehen, wenn man über eine grundlegende Kenntnis des Alten Testaments verfügt. So überliefert nur Johannes die „Ich-bin“-Worte von Jesus, die in ihrer Form und vom Inhalt an die Offenbarung Gottes am Sinai erinnern (Ex 3,1-12). Sie sagen Grundlegendes über Jesus aus. Dass es sieben dieser Worte gibt, ist sicher kein Zufall. So schildert der Evangelist ebenfalls auch nur sieben Wunder von Jesus aus der Zeit vor seiner Auferweckung, und nur zwei von ihnen haben eine Parallele in den anderen Evangelien (Speisung der 5 000 und der Seewandel von Jesus). Alles wird sorgsam berichtet; kein Wort ist zu viel. Zudem werden die Wunder als „Zeichen“ besonders charakterisiert. Die Wundertaten stehen eben nicht für sich selbst, sondern verweisen auf etwas anderes: Sie wollen Hinweis auf Jesus sein. Zwar können sie kritisch gesehen werden (12,37), aber dennoch wurden sie aufgeschrieben, um zum Glauben an Jesus einzuladen (20,30). Darauf zielt die Darstellung des Johannes ab: Menschen sollen von Jesus hören, an ihn glauben und ihr Leben auf ihn ausrichten.

Die Darstellung erreicht ihren Höhepunkt in den Abschiedsreden von Jesus und seinem Gebet für die Jünger (Kp 13-17). Es wird deutlich, dass ein besonderes Verhältnis zwischen dem Vater und dem Sohn besteht. Wer von dem Sohn redet, der kann vom Vater nicht schweigen – und umgekehrt.

Michael Schröder

2

Dienstag

JANUAR

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8.27

16.26

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17.15

8.24

Bibellese: Johannes 1,19-28

Johannes antwortete den Pharisäern: „Ich taufe nur mit Wasser. Aber mitten unter euch steht schon der, den ihr nicht kennt: er, der nach mir kommt. Ich bin nicht gut genug, ihm die Schuhe aufzubinden.“ (Vers 26.27)

Das fängt ja gut an! Ich hoffe und wünsche Ihnen, dass Sie das vom neuen Jahr sagen können. Und ich meine damit nicht nur, dass Sie gesund sind und es Ihnen gut geht. Der Jahresanfang lädt ja auch ein, sein Leben zu überdenken. Und wichtige Fragen dabei sind: Hat Jesus wirklich Priorität in meinem Leben? Nehme ich mir genügend Zeit zum inneren Gespräch mit ihm? Lasse ich ihn hineinreden in meine Pläne? Lasse ich mich von seinem Wort und Willen leiten? Oder, etwas genereller: Wer ist Jesus für mich? Diese Fragen verbinde ich mit der Bibellese heute und mit dem Anliegen der Abgesandten aus Jerusalem. Sie sind gekommen, um von Johannes dem Täufer zu erfahren: „Wer bist Du?“ Und seine Antwort macht mit jedem Satz klarer: „Beschäftigt euch nicht zu sehr mit mir. Denn ich bin nicht der versprochene Retter. Ich bin auch nicht der im feurigen Wagen in den Himmel gefahrene Elia, der nun zum Endgericht wiedergekommen ist.“ Johannes ist auch nicht der Prophet, denn einen Propheten wie Mose hat man in Israel als Vorboten des Messias erwartet. „Nein“, sagt Johannes. „Ich bin nur die Stimme eines ‚Rufers in der Wüste‘, wie es Jesaja sagt (Vers 23). Ich selbst habe überhaupt keine Heilsbedeutung. Ich bin nicht mehr als ein Diener Gottes wie andere auch und nicht wert, dass ich dem Retter, der nach mir kommt, die Schuhe aufbinde. Darum hört mein Rufen. Stellt euch auf ihn ein: Bereitet den Weg des Herrn!“

„Und ja, ich taufe mit Wasser, denn Wasser wäscht ab, was Menschen unrein macht. Und auch damit bin ich nur Hinweis auf den, der nach mir kommt. Er ist der Retter. Er ist der Gottessohn.“ Mit diesem Bekenntnis dreht Johannes die Fragerichtung um. Nicht er steht mehr in Frage, sondern die Führer in Jerusalem: „Seid ihr bereit, Jesus als den anzunehmen, der er ist?“ Und diese Frage gilt auch uns. Vieles wird uns beschäftigen im neuen Jahr. Aber wichtig ist nur eines: Dass wir Jesus Priorität geben, seinem Wort Vertrauen schenken und ihm nachfolgen.

Reiner Stahl

3

Mittwoch

JANUAR

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8.26

16.27

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18.29

9.19

Bibellese: Johannes 1,29-34

Johannes machte folgende Zeugenaussage: „Ich sah, dass der Geist Gottes wie eine Taube vom Himmel auf Jesus kam und bei ihm blieb. Vorher wusste ich nicht, dass er es war. Aber Gott, der mir den Auftrag gab, mit Wasser zu taufen, hatte zu mir gesagt: ‚Wenn du einen siehst, auf den sich der Geist niederlässt und bei dem er bleibt, dann weißt du: Das ist der, der mit dem Heiligen Geist tauft.‘“

(Vers 32.33)

Manchmal muss man zweimal hinsehen, um etwas richtig zu erkennen. Was für eine Szene haben Sie vor Augen beim Lesen dieser Zeilen? Bei mir sind es Bilder, wie ich sie von den anderen Evangelien kenne: Johannes, wie er zögert, Jesus zu taufen, und Jesus, der es trotzdem will. Aber davon spricht das Johannesevangelium nicht. Warum?

Offenbar ist es seinem Schreiber nicht wichtig. Für ihn ist Johannes weniger „der Täufer“, sondern vielmehr „der Zeuge“. Seinen Auftrag sieht er darin, Jesus als den Sohn Gottes bekannt zu machen. Er möchte die Anhänger des Täufers, die es damals in größerer Zahl gab, in die christliche Gemeinde einladen. Denn damit würde sich, so meint er, der ursprüngliche Wille ihres Lehrers erfüllen. In seiner Darstellung dreht sich alles um den Heiligen Geist. In einer prophetischen Schau sieht er den Geist Gottes wie eine Taube vom Himmel auf Jesus herabkommen. Das ist das Zeichen: Er ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. Und er ist es, bei dem der Geist bleibt. Der Mangel der Johannestaufe war, dass sie nur mit Wasser geschah. Die christliche Gemeinde dagegen tauft im Namen von Jesus mit dem Heiligen Geist. Das heißt, sie gibt Anteil an Gott. Sie verbindet mit dem Schöpfer und Erlöser. Sie bringt etwas vom zukünftigen und ewigen Leben in das gegenwärtige Leben hinein. Wie das gemeint ist, führt das Johannesevangelium dann in den Abschiedsreden Jesu (Kapitel 14 und 15) aus. Dort wird der Heilige Geist „Tröster“ der Glaubenden genannt. Denn in ihm haben sie auch nach der Rückkehr von Jesus zum Vater Verbindung mit ihm. Sie können „das Wort“ (1,1) richtig verstehen und weitersagen. Im Geist gibt der Erhöhte und Verherrlichte seiner Gemeinde die Vollmacht, seine Sendung weiterzuführen. In der Vollmacht des Geistes kann sie Sünden vergeben (20,23) und im Glauben an den Sohn Gottes festhalten.

Reiner Stahl

4

Donnerstag

JANUAR

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8.26

16.28

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19.47

10.04

Bibellese: Johannes 1,35-51

Als Johannes Jesus vorbeigehen sah, sagte er: „Seht dort das Opferlamm Gottes.“

(Vers 36)

Schüler sammeln sich an der Bushaltestelle ganz nah bei unserem Haus. Als es laut wird, sehe ich vom Balkon aus, wie sich eine Gruppe Jugendlicher streitet. Ein Junge steht ziemlich allein. Er wird geschubst und übel beschimpft: „Du Spasti“ und „Du Opfer!“ höre ich sie schreien. So geht es zu, wenn andere stärker sind, wenn man zum Opfer wird. Wie oft geschieht das überall auf der Welt! Sogar unter Geschwistern passiert es, schon im Kindergarten, aber auch in Schulen und Betrieben, zwischen Nachbarn, zwischen Arm und Reich, Ost und West, Nord und Süd. Die Zeitungen sind voll davon. Hier aber sehen wir etwas anderes und wirklich Staunenswertes: Johannes der Täufer zeigt uns den, der sich selbst zum Opfer gemacht hat. Wann hat jemals jemand freiwillig „hier“ geschrien, wenn ein Sündenbock gesucht wurde? Wo gibt es das, dass jemand sagt: „Ich stehe für dich ein!“, wo ein anderer ganz allein war, selbst schuld und völlig ohne Hilfe?

Wo gibt es das, dass ein Unschuldiger sagt: „Ich nehme alle Schuld auf mich, damit du aus der Schusslinie bist?“ Jesus ist dieser eine. Und als Jesus an Johannes dem Täufer vorbeiging, hat der Geist Gottes ihm die Augen für diese Heilsbotschaft geöffnet. Was Matthäus, Markus und Lukas erst ganz am Ende ihrer Evangelien, in den Passionsberichten aussagen, steht im Johannesevangelium gleich am Anfang: Jesus ist das Opferlamm Gottes. Es nimmt alles Böse auf sich und trägt es weg. Und wenn das Böse, das Belastende, die Schuld weg sind, dann kann das Leben neu werden. Dann muss nicht alles so weitergehen, wie es immer schon war. Das Opferlamm nimmt weg und macht Platz für neue Perspektiven und eine neue Form von Macht, die Macht der Liebe. Seine Herrschaft ist anders als die der meisten weltlichen Herrscher. Weil Jesus nicht zurückschlägt, üben sich seine Nachfolger auch darin. Er zeigt den Weg der Vergebung und geht ihn allen voraus. Weil er die Einsamen und Hilflosen aufsucht, kommen diese auch heute in den Blick. Und weil er Gottes Liebe zu allen bringt, auch zu denen, die sie gar nicht verdienen, gibt es Zukunft und Leben für alle.

Reiner Stahl

5

Freitag

JANUAR

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8.26

16.29

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21.05

10.39

Bibellese: Johannes 2,1-12

Der Mann, der für das Festessen verantwortlich war, kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er rief den Bräutigam zu sich und sagte: „Du hast den guten Wein bis zuletzt aufgehoben!“

(Vers 8-10)

Wunder sind dazu da, dass sich die Menschen wundern. Jedenfalls war das bei diesem Wunder mit dem geschenkten Wein der Fall. Es ist kein Wunder, bei dem sich die Menschen hinterher fürchteten, weil Gott so mächtig ins Leben eingegriffen hat. Viele bekamen es überhaupt nicht mit. Dieses Wunder kommt eher heimlich als unheimlich daher, und es verfügt über eine Schlusspointe. Ich stelle mir Jesus vor, wie er sich bei der Hochzeit ein Grinsen nicht verkneifen kann. Eigentlich ist dieses Wunder auch gar kein Wunder, sondern ein Zeichen. Die Handlung verweist darauf, wie erfüllt ein Leben mit Jesus sein kann. Durch ihn erleben Menschen den Himmel auf Erden (Johannes 1,51). Hier stellt Jesus die Macht Gottes ganz untypisch dar: Es geht um kein lebensbedrohliches Problem, sondern um Weinmangel bei einer Hochzeit. Jesus bügelt ein Missgeschick aus, einen Planungsfehler, und er betet noch nicht einmal über den mit rund 600 Litern Wasser gefüllten Krügen. Es wird nicht erwähnt, wer für die Peinlichkeit verantwortlich war. Weder der Speisemeister noch der Bräutigam noch die Diener lobten am Ende Gott. Das taten seine Jünger. Er öffnete also einen Spaltbreit ein Fenster zum Himmel, und wer das bemerkte, der konnte einen Blick riskieren.

Was wird dieser Tag bringen? Wo und wie werden Anzeichen für die Gegenwart Gottes erkennbar? Bei welcher Gelegenheit werde ich mich heute wundern? Gott ist in der Welt. Jesus war durch seine Gnade in ein gnadenlos funktionierendes Geschick eingebrochen und verwandelte einfach die Dinge. Hier machte er Wasser zu Wein. Später kam er vom Tod zum Leben durch die Auferstehung. Er macht aus Sündern Gerechte und aus der Trauer einen Reigentanz. Jesus vermehrt die Lebensfreude und verringert sie nicht. Seinetwegen können tatsächlich denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen (Römer 8,28 L). Zum Besten, das zum Schluss kommt wie der bessere Wein. Zum Besten, das zu einem guten Schluss kommt, nämlich zu der Erkenntnis: Durch Jesus ist mir bereits geholfen.

Peter Dobutowitsch

6

Samstag

JANUAR

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8.26

16.30

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22.20

11.09

Epiphanias (Erscheinungsfest)

Bibellese: Johannes 2,13-25

Den Taubenverkäufern befahl Jesus: „Schafft das hier weg! Macht aus dem Haus meines Vaters keine Markthalle!“ Seinen Jüngern kam das Wort aus den Heiligen Schriften in den Sinn: „Die Liebe zu deinem Haus wird mich noch umbringen.“

(Vers 16.17)

Beängstigend, wie deutlich die Sprache der Gewalt zu verstehen ist. Jesus bat die Händler im Tempel nicht höflich, den Handel einzustellen und den Ort zu verlassen. Nein, er scheuchte sie weg, machte ihnen Beine, war nicht zimperlich in der Wortwahl und in der Wahl der Mittel. Er wurde zum Eiferer für den Herrn, stieß Tische um und das fromme Volk vor den Kopf. Seine Jünger aber, die oft recht ratlos waren, was die Taten und Worte ihres Meisters betraf, die Jünger verstanden alles sofort. Sie zitierten Psalm 69,10, kommentierten damit die Szenerie und wiesen prophetisch auf die Passion von Jesus hin.

Für den reibungslosen Ablauf des Opferdienstes im Tempel war es nötig, dass die Pilger, die von weither kamen, Geld wechseln konnten, um damit kultisch erlaubte Opfertiere zu kaufen. Der Ort für den Handel war der Vorhof der Heiden. Jedes Mal, wenn ich diese Geschichte im Zusammenhang lese, bin ich einigermaßen erschüttert darüber, dass Jesus handgreiflich wurde und sich zu Tätlichkeiten hinreißen ließ. Mit dieser Geschichte wird das zarte Kind in der Krippe in Windeseile zum zerschundenen Schmerzensmann am Kreuz. Der Herr erscheint heute, am Epiphaniastag kurz nach Weihnachten, in einem anderen Licht. Mir kommt ein Zitat aus dem Alten Testament in den Sinn, in dem es heißt: „Denn ich habe Lust an der Liebe und nicht am Opfer, an der Erkenntnis Gottes und nicht am Brandopfer“ (Hosea 6,6 L). Durch seinen Eifer und seine Tempelkritik zieht sich Jesus die Todfeindschaft seiner Landsleute zu. Aber das ist alles notwendig, damit sich die Not der Menschen wenden kann. Durch sein Kreuz beendigt er das menschliche Bemühen, Gott mit allerlei Opfergaben zu gefallen. Menschen wollen ja nicht alle Gott gefallen. Jesus wird sich selbst aufopfern, um die Menschen von der Last ihrer Schuld zu befreien, ein für alle Mal. Gott muss nicht gnädig gestimmt werden. Er ist es immer auch gewesen.

Peter Dobutowitsch

7

Sonntag

JANUAR

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8.25

16.32

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23.33

11.34

1. Sonntag nach Epiphanias

Bibellese: Psalm 96

Die Götter der Völker sind nur tote Götzen,

der Herr aber hat den Himmel geschaffen.

Macht und Hoheit umgeben ihn,

Pracht und Herrlichkeit erfüllen seinen Tempel.

(Vers 5.6)

Eigentlich habe ich etwas gegen abschätzende Vergleiche. Das erinnert an Auseinandersetzungen im Kindergarten: Mein Papa kann dies. Mein Papa kann das. Was beweisen solche Aufschneidereien, außer, dass jedes Kind seinen Papa toll findet. Und darum geht es doch auch beim Bekenntnis zu Gott: Wer zu Gott fand, findet ihn toll. Wenn der Psalmbeter darauf verweist, dass Gott den Himmel schuf, macht das deutlich, dass er seinen Gott himmlisch findet. Er schlägt sogar vor, diesem Gott ein neues Loblied zu singen. Das soll alle Welt hören: Gott ist groß und großartig! Im Vergleich dazu sind die Götter der Heidenvölker tote „Nichtse“. Ja, Israels Gott ist den anderen Göttern weit überlegen, aber wird das irgendetwas am Götzendienst ändern? Niemand lässt sich gern seinen Glauben madig machen. Da müssen schon bessere Argumente her. Der Psalmbeter ist ja auf einem guten Weg. Er ist so hingerissen, so begeistert von seinem Gott, dass es geradezu ansteckend wirkt.

Ich sah als Kind einmal Luis Trenker im Fernsehen, wie er anschaulich von süßen, saftigen Aprikosen erzählte. Mir lief das Wasser im Mund zusammen bei der bloßen Beschreibung dieser Früchte. Seitdem mag ich Aprikosen. Durch Begeisterung an der Sache andere für die eigene Sache zu begeistern, das ist ein gangbarer Weg der Mission. Mein Gott macht es nicht besser, er macht es gut. Das reicht. Aufrichtigkeit und Natürlichkeit überzeugen. Der Überschwang stößt manchen ab. Was finde ich an meinem Gott, an meiner Gemeinde, an meinem Glauben gut? Was würde mir fehlen, wenn ich auf all das verzichten müsste? Vielleicht sollte ich einmal versuchen, ein Loblied auf Gott zu dichten. Reimen würde auch schon genügen. Das Ergebnis wäre für mein Glaubenstagebuch und nicht für die Allgemeinheit bestimmt. „Meinem Gott vertraue ich, / auf ihn schau und baue ich. / Er ist meines Lebens Grund, / das bezeugt mein Herz, mein Mund.“ Ich bitte um Verzeihung für die mäßige Qualität meines Reimes, aber er ist mir innerhalb von zehn Sekunden eingefallen.

Peter Dobutowitsch

8

Montag

JANUAR

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8.25

16.33

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—.—

11.58

Bibellese: Johannes 3,1-21

Gott sandte den Sohn nicht in die Welt, um die Menschen zu verurteilen, sondern um sie zu retten. Wer sich an den Sohn Gottes hält, wird nicht verurteilt. Wer sich aber nicht an ihn hält, ist schon verurteilt. (Vers 17.18)

Es ist noch nicht lange her und wir haben Weihnachten gefeiert. Es ist noch nicht lange her, seit ein noch nie dagewesenes Licht die dunkle Nacht zum Tag machte und die Freudenbotschaft der Engel die Hirten auf dem Feld bei Betlehem erreichte. Eben erst haben sich Könige vor diesem Kind im Stall verbeugt. Sie alle konnten nicht anders als stauend anbeten.

Auch bei uns liegt vielleicht noch ein gewisser Zauber in der Luft. Melodien klingen nach von „Stille Nacht, heilige Nacht“ oder dem großen „Halleluja“ aus dem „Messias“ von Händel. Noch immer erhellen Kerzen unsere dunklen Wohnzimmer. In diesen Momenten fällt es mir leicht, mich an diesem von Gott gesandten Kind zu orientieren. Es macht mich froh, weil das Helle, das Wohlklingende und Schöne richtig viel Platz einnimmt. Das Licht ist in die Welt gekommen, aber die Menschen liebten die Dunkelheit. Gott hätte wohl viele Gründe, die Menschen und ihr Tun zu verurteilen. Ehrlich betrachte ich meinen Alltag, meine Beziehungen und Gewohnheiten. Streit und Misstöne gibt es, Verstrickungen, die ich gerne verdränge, ja, auch Verletzendes hat sich da und dort eingeschlichen. Gott würde manches, was ich tue und bin, verurteilen.

Das Wort „verurteilen“ ist wie ein Stopp-Signal. Es rüttelt mich auf und fordert mich heraus. Ich muss innehalten. In dieser Auszeit berührt mich der heutige Text sehr. Mit meinem Glauben und Denken wende ich mich dem zu, an den zu halten sich lohnt: an Jesus. Der Glaube an ihn schenkt neues Leben, neue Perspektive. In diesem Hinwenden muss ich mir ein paar Fragen gefallen lassen. Wo kannst du Versöhnung anbieten, damit dein Herz wieder freier wird? Welcher Weg führt dich aus deinen Verstrickungen? Wo erlebst du Trost für erlebte oder verursachte Verletzungen? In der Nähe von Jesus will ich zu einem Menschen werden, der das Licht mehr liebt als die Dunkelheit. Nach diesem Stopp soll der Weg für mich heller und heilsamer weitergehen. Ich will mich an ihn halten und so auch mit Gott versöhnt sein.

Christine Preis

9

Dienstag

JANUAR

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8.24

16.34

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0.43

12.21

Bibellese: Johannes 3,22-36

Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben. Wer sich an den Sohn hält, hat das ewige Leben. Wer nicht auf den Sohn hört, wird niemals das Leben finden; er wird dem Zorngericht Gottes nicht entgehen.

(Vers 35.36)

Es ist erstaunlich, wie Johannes es schafft, von eigener Wichtigkeit abzusehen und von sich weg auf Jesus zu zeigen. Ihm ging es um die Umkehr von der Finsternis ins Licht, ein neues Leben in der Nähe von Jesus, versöhnend und liebevoll. Doch welche Brisanz liegt in der Begegnung mit Jesus! Wer nicht auf den Sohn hört, hat verloren, er wird niemals das Leben finden. Da bebt alles. Wer nicht hören will, muss fühlen. Pech gehabt, denn hier geht es um Gott und sein Zorngericht.

Ganz spontan kommt mir Aschenputtel in den Sinn. Sie muss die schlechten Erbsen von den guten trennen. Die Kriterien waren wohl eindeutig. Soll ich unseren Text so verstehen? Gott sortiert die Menschen nach gut, fleißig und angepasst? Kriterien, die keine Schattierungen und Zwischentöne zulassen? Da gilt ausschließlich hell oder dunkel. Ein Denkmuster, dessen sich bestimmte politische wie religiöse Gruppierungen und Gemeinschaften bedienen. Ein Denken, das so gar nicht in mein Gottesbild passen will. Was hat ein Gott, der seine Schöpfung liebt und so wunderbar ausgestattet hat, mit einem Gott zu tun, der die einen behält und die anderen der Vernichtung übergibt? Das macht mich ratlos und traurig. Ich mache mich auf die Suche nach Antworten.

In einer anderen Bibelübersetzung lese ich: „Die Wut Gottes bleibt auf ihnen.“ Wut! Diese Gefühlsregung kenne ich. Sie bricht auf, wenn ich schwer enttäuscht werde, wenn Versprechen nicht eingehalten werden. Nach einem Wutausbruch kann etwas weitergehen, was zerbrochen war, wieder zusammengefügt werden. Das kann bei Menschen gelingen! Und bei Gott? Gottes Wut bleibt tatsächlich solange, bis kein Unrecht mehr geschieht, bis kein Mensch mehr ausgegrenzt wird, bis die Schöpfung bewahrt wird. Durch unseren Glauben an die befreiende Botschaft von Jesus werden wir von dieser bleibenden Wut nicht mehr belastet. Aber sie wird uns weiterhin etwas angehen. Wir spüren ihre Energie. Sie kann zerstören. Aber sie kann auch den Asphalt aufbrechen und Blumen wachsen lassen.

Christine Preis

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Zum 10. Januar 2018

Das zweite Gesetz

Einführung in das 5. Buch Mose/Deuteronomium

Das Dtn hat seinen Entstehungshintergrund in der Zeit des Königs Joschija 622 v. Chr. (2Kön 22f). In einer schweren Glaubenskrise Israels wurde das Ur-Dtn zur neuen Bundesurkunde und zum Grundgesetz des Staates (2Kön 23,1-3, vgl. V. 3 mit Dtn 6,17).

Das letzte Buch des Pentateuchs (fünf Bücher Mose, Tora) wird nach der griechischen und lateinischen Übersetzung von Dtn 17,18 Deuteronomium (Zweitgesetz) genannt. Und tatsächlich hat der Hauptteil des Buches (Kp 5-28) Gesetzescharakter. Die hebräische Bibel nennt es „Reden“. Auch das ist berechtigt, denn die im Dtn erzählte Geschichte wird als Rede von Mose dargestellt, eine Art Vermächtnis vor seinem Tod (32,44-52; 34,5-7). Sie beginnt nach dem Auszug aus Ägypten, hält sich aber nicht an die Reihenfolge aus den ersten vier Büchern Mose, zum Beispiel beginnt Kp 1-3 mit der Wüstenwanderung und erst in Kp 5 folgt die Gesetzgebung am Horeb, wie der Berg Sinai im Dtn heißt.

Das Ziel des Buches ist nicht korrekte Geschichtsschreibung, sondern das Lernen aus der Geschichte und der von Gott gegebenen Tora (Kp 6). Das für alle Generationen verpflichtende Glaubensbekenntnis, auch heute noch Kernstück jüdischer Glaubenslehre, umfasst das Bekenntnis, dass Gott ein Einziger ist (6,4-9), sowie eine Kurzfassung der Gründungsgeschichte Israels (6,20-25). Das Lehren und Lernen der Tora geschah in der Familie und in der Gemeinde.

Der Dekalog (5,6-21, vergleiche Ex 20) hat formal und inhaltlich das ganze Buch Deuteronomium geprägt:

12,2-13,19

(1. Gebot),

14,1-21

(2. Gebot),

14,22-16,17

(3. Gebot),

16,18-18,22

(4. Gebot),

19,1-21,23

(5. Gebot),

22,1-12

(Überleitung zum 6. Gebot),

22,13-23,15

(6. Gebot),

23,16-24,7

(7. Gebot),

24,8-25,4

(8. Gebot),

25,5-12

(9. Gebot),

25,13-16

(10. Gebot).

Außerdem werden viele vorher im Pentateuch erwähnten Gebote wieder aufgegriffen – wie das Liebesgebot Lev 19,18 in Dtn 6,4f. Jesus machte dieses Gebot der Gottes- und Menschenliebe in seiner „Gesetzgebung“, der Bergpredigt, zum Schlüssel für die Tora.

Der neue Bund, von dem das Neue Testament spricht und dessen Gebote nach Jer 31,33 „im Herzen“ der Menschen verankert sind, ist auch das Ziel des „zweiten Gesetzes“ (30,11-14).

Christian Wolf

10

Mittwoch

JANUAR

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8.24

16.36

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1.51

12.44

Bibellese: 5. Mose/Deuteronomium 1,1-18

Mose begann: Als wir schon längere Zeit am Berg Horeb waren, hat der Herr, unser Gott, zu uns gesagt: „Ihr seid jetzt lange genug hier gewesen. Macht euch auf und zieht in das Land Kanaan.“

(Vers 6.7)

Den Satz „Ihr seid jetzt lange genug hier gewesen“ mit der Aufforderung „Macht euch auf“ habe ich vor dreißig Jahren existentiell erlebt. Es handelte sich wie in der Bibellese um einen von Gott verordneten Aufbruch hin zu einem neuen Ziel. Ich war schon „längere Zeit“ – 33 Jahre – in Witten als Schriftleiter im Bundes-Verlag tätig. Da rief Gott zum Aufbruch in den Gemeindedienst als Pastor einer Freien evangelischen Gemeinde. Eine für mich bis heute erstaunliche Erfahrung. Aus Gottes Ruf zu einem Neuaufbruch hörte ich Gottes Ruf an mich.

Es gibt Zeitpunkte im Leben, die alles verändern: ein Berufs-, Orts- und Wohnungswechsel, neue Pläne, neue Ziele, neue Lebensumstände. „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, hat Hermann Hesse (1877-1962) in seinem Gedicht „Stufen“ geschrieben. Das macht einen Neuaufbruch so spannend. Und wenn Gott ihn anordnet, hat er besonderes Gewicht.

So hat es Israel erlebt. Mose erinnert sein Volk daran. Auf seinem Zug zum verheißenen Land hatte es fast ein Jahr am Berg Horeb gelagert. Dort erhielt es durch die Zehn Gebote und andere Gesetze die Zurüstung für die neu zu gestaltende Zukunft. Und nun war der Aufbruch angesagt!

In meinem Gemeindedienst machten wir viele ermutigende Erfahrungen. Vor allem die Führung Gottes „rund um die Uhr“, wie sie Israel am Tag durch die Wolkensäule und in der Nacht durch die Feuersäule erlebte (2. Mose/Exodus 13,21.22). Israels segensreiche Erfahrungen mit Gott können auch für den zur Erfahrung werden, der sich auf den Ruf zum Neuaufbruch einlässt.

Hans Jürgen Schmidt

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Vertraut den neuen Wegen

und wandert in die Zeit!

Gott will, dass ihr ein Segen

für seine Erde seid.

Der uns in frühen Zeiten

das Leben eingehaucht,

der wird uns dahin leiten,

wo er uns will und braucht.

Klaus Peter Hertzsch 1989

11

Donnerstag

JANUAR

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8.23

16.37

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2.57

13.09

Bibellese: 5. Mose/Deuteronomium 1,19-33

Mose sagte: Ihr alle kamt zu mir und sagtet: „Wir wollen ein paar Männer vorausschicken, die das Land erkunden. Sie sollen uns sagen, welchen Weg wir am besten einschlagen und was für Städte wir dort antreffen.“

(Vers 22)

Welchen Weg wir am besten einschlagen“, das ist eine Grundsatzüberlegung für viele Situationen im Leben. In meiner Zeit als Schriftleiter beim Bundes-Verlag in Witten dachte die Gemeinde, der ich angehörte, über den Bau eines Gemeindezentrums nach. Was musste da nicht alles bedacht werden: Grundstücksfrage, Bodenbeschaffenheit, baurechtliche Bestimmungen, die Finanzierung und so weiter! Da waren wir froh, dass wir „ein paar Männer vorausschicken“ konnten, „die das Land erkunden“ sollten.

Wichtige Vorhaben müssen gut vorbereitet sein. Es gilt, das Für und Wider zu erwägen und abzuwägen. Selbst Jesus hält es für selbstverständlich, dass jemand, der zum Beispiel einen Turm bauen will, zuvor die Kosten überschlägt. „Er muss ja sehen, ob sein Geld dafür reicht. Sonst hat er vielleicht das Fundament gelegt und kann nicht mehr weiterbauen. Alle, die das sehen, werden ihn dann auslachen“ (Lukas 14,28.29).

Mose gefiel der Vorschlag gut, eine Kundschafter-Delegation auszusenden. Und wenn Gott diese gewollt hat, und das war so (4. Mose/Numeri 13,2), dann war man in seinem Auftrag unterwegs. Sicherheitsüberlegungen, Standortüberprüfungen und Glaubenszuversicht können dann in einem positiven Zusammenspiel zu ermutigenden Ergebnissen führen. In Witten gelang zudem etwas Überraschendes: Das Gebäude entsprach, als es fertig war, in etwa den Maßen des Tempels Salomos in Jerusalem, der in den Jahren 962-955 vor Christus erbaut wurde. In einem persönlichen Papier vor dem Baubeschluss steht: „Wir dürfen trotz aller Schwierigkeiten gespannt sein, wie Gott führt.“ Wir konnten nur staunen und Gott danken!

Hans Jürgen Schmidt

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Weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl;

das macht die Seele still und friedevoll.

Ists doch umsonst, dass ich mich sorgend müh,

dass ängstlich schlägt mein Herz, sei’s spät, sei’s früh.

Hedwig von Redern 1901

12

Freitag

JANUAR

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8.22

16.39

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4.01

13.38

Bibellese: 5. Mose/Deuteronomium 1,34-46

Mose sagte: Der Herr wurde zornig und schwor: „Keiner von diesen Männern, keiner aus dieser ganzen widerspenstigen Generation wird das gute Land zu sehen bekommen, das ich ihren Vorfahren zugesagt habe.“

(Vers 34.35)

Es war vor gut eineinhalb Jahren. Europa hielt den Atem an! Dann passierte es: Die Brexit-Befürworter hatten gewonnen. Die Mehrheit des britischen Volkes wollte den Austritt Britanniens aus der Europäischen Union. Ein historischer Tag, dieser 23. Juni 2016. Er hinterließ nach 43-jähriger Zusammenarbeit einen gigantischen Scherbenhaufen. Seitdem laufen die Austrittsverhandlungen und werden noch weitere Zeit benötigen. Die wirtschaftlichen und politischen Folgen sind erheblich. Ein Zurück gibt’s nicht mehr. Der damalige britische Premierminister Cameron sagte: „Wenn man einmal aus dem Flugzeug gesprungen ist, kann man nicht wieder durch die Tür zurückklettern.“ Aus der Traum!

Aus der Traum. Das galt auch für das Volk Israel. Die Bedenkenträger hatten gewonnen. Eine „widerspenstige Generation“ hatte sich durchgesetzt. Und das Volk ließ sich negativ beeinflussen. Das löste Gottes Zorn aus. Die Folge war: Das „gute Land“ blieb den Menschen verschlossen. Die vielversprechende, verheißene neue Zukunft blieb ein zunächst unerfüllter Traum! Das alles wird in der Bibellese spannend erzählt.

Unser „gutes Land“, unser endgültiges Zuhause, ist die nie mehr endende Gemeinschaft mit Gott im Himmel. Durch Unglauben und Ungehorsam haben wir Menschen Gottes Zorn ausgelöst. Die großartige Zukunft bliebe uns verschlossen, wenn es nicht Jesus Christus gäbe. Den Zorn Gottes, der uns treffen sollte, hat Gott auf Jesus gelenkt. „Die Strafe für unsere Schuld traf ihn und wir sind gerettet“ (Jesaja 53,5). Da wurde der Weg zu Gott frei. Paulus erinnert die Christen in Ephesus daran: „Gott ist reich an Erbarmen. Er hat uns seine ganze Liebe geschenkt. durch unsern Ungehorsam waren wir tot, aber er hat uns mit Christus zusammen lebendig gemacht“ (Epheser 2,4-6).

Hans Jürgen Schmidt

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Das Evangelium von der Stellvertretung macht den zu unserer Zuflucht, der sonst unser Richter wäre.

Charles Haddon Spurgeon (1834-1892)

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Zum 12. Januar 2018

Eine standhafte Bekennerin des evangelischen Glaubens

Im katholischen Niederösterreich wurde Rosina Steinauer vor 300 Jahren geboren. Ihre protestantische Familie war vor die Wahl gestellt worden, katholisch zu werden oder auszuwandern. Jene, die versuchten, ihren Glauben und ihre Heimat zu bewahren, lebten als „illegale Geheimprotestanten“.

Durch die Heirat der „Geheimprotestanten“ untereinander festigte sich kleinräumig das geheimprotestantische Beziehungsgeflecht. Rosinas Halbschwester lebte in Ungarn. Über sie unterhielt die Familie Kontakte zum ungarischen Protestantismus. Am 26. April 1744 heiratete Rosina Richard Steinauer, er wurde ebenfalls von den katholischen Behörden verdächtigt, im Geheimen dem Protestantismus zuzuneigen. Geschürt und belebt wurde der Verdacht vor allem dadurch, dass auf seinem Hof verbotene lutherische Bücher entdeckt wurden. In Druckwerken dieser Art – etwa in der Lutherbibel oder in Luthers Postille – fanden die Geheimprotestanten Halt und Orientierung. Bis zum Toleranzpatent Kaiser Josephs II. (1781) waren sie Bedrohungen ausgesetzt. So gut wie nie waren sie vor Denunzianten und Hausdurchsuchung sicher. Die mit dem Staat stark verflochtene katholische Kirche versuchte, mit disziplinierenden Maßnahmen dem Geheimprotestantismus zumindest äußerlich beizukommen. Das wiederum regte die Geheimprotestanten an, ihre „Überlebensstrategien“ zu intensivieren, indem sie raffinierte Verstecke für Bücher und Schriften ersannen. Weniger spektakulär, doch nicht minder nachhaltig wirkte Rosina Steinauer als Mutter durch die religiöse Erziehung ihres Sohnes. Auch damit leistete sie einen wertvollen Beitrag für das Fortleben des evangelischen Glaubens.

Nachdem Kaiser Joseph II. das Toleranzpatent erlassen hatte, besuchte Rosina Steinauer um die Jahresmitte 1782 den ersten öffentlichen evangelischen Gottesdienst mit einem Geistlichen. Als ihre Reise bekannt wurde, musste sie sich dem herrschaftlichen Beamten gegenüber rechtfertigen. Er gab ihr zu verstehen, dass man sie für „die Verführerin“ all derer halte, „die sich zur Abtretung von der katholischen Religion melden“. Sie wurde nach der Duldungsphase, „Prohibitivunterricht“ (katholischem Unterricht, der den Übertritt verhindern sollte) und der Ausstellung eines Meldezettels durch den katholischen Geistlichen 1783 in der protestantischen Kirche Mitglied. Bis ins hohe Alter ging sie Sonntag für Sonntag 45 Kilometer zu Fuß, um mit ihren Glaubensgenossen gemeinsam den Gottesdienst zu feiern. Am 6. August 1794 starb Rosina Steinauer im 77. Lebensjahr – offiziell anerkannt als „Protestantin“.

Ute Armbruster-Stephan

13

Samstag

JANUAR

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8.22

16.40

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5.02

14.10

Bibellese: 5. Mose/Deuteronomium 2,1-15

Mose sagte: Seit unserem Aufbruch aus Kadesch-Barnea waren damals 38 Jahre vergangen.

(Vers 14)

Was ist in diesen 38 Jahren alles passiert! Das stellen wir auch immer wieder fest bei einem Gemeinde- oder Berufsjubiläum. Wo ist nur die Zeit geblieben! Der amerikanische Schriftsteller Thornton Wilder (1897-1975) schrieb: „Nur dem Anschein nach ist die Zeit ein Fluss. Sie ist eher eine grenzenlose Landschaft, und was sich bewegt, ist das Auge des Betrachters.“ Eine Landschaft mit Ereignissen aus vielen Lebensjahrzehnten ersteht Jahr für Jahr am Jubiläumsabend der Theologischen Woche an der Theologischen Hochschule Ewersbach. Es berührt, bewegt, erheitert und macht nachdenklich, wenn die Dienstjubilare von den zurückliegenden Hochs und Tiefs in ihrem Leben berichten.

Das Volk Israel hatte auch viel zu berichten. Die fünf Bücher Mose sind dafür die grundlegende geschichtliche Quelle. Die insgesamt vierzig Jahre Wüstenwanderung waren ja eine Strafmaßnahme Gottes. Das Volk vertraute nicht mehr Gottes Möglichkeiten, anscheinend Unmögliches möglich zu machen und ihnen trotz aller Schwierigkeiten das verheißene Land zu geben. Es folgten Jahre voller Grenzerfahrungen mancherlei Art. Der schönste Vers für mich in der Bibellese ist der Vers 7 nach der Luther-Übersetzung: „Der Herr, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände. Er hat dein Wandern durch diese große Wüste auf sein Herz genommen. Vierzig Jahre ist der Herr, dein Gott, bei dir gewesen. An nichts hast du Mangel gehabt.“

Ein zorniger Gott, der seinen Zorn wieder fahren lässt! Ein Gott, dem alles zu Herzen geht! Ein Gott, der sein Volk nicht abschreibt, der sorgt und segnet! Er lässt Gnade vor Recht ergehen und gibt einer neuen Generation eine neue Chance. Nach Moses Tod dürfen sie unter der Führung Josuas das Land einnehmen.

Wenn ich an meine vergangenen Lebensjahre denke, kann ich nur staunen und mit Jochen Klepper (1903-1942) bekennen: „Hat schwere Sorge mich bedrängt, ward deine Treue mir verheißen. Den Strauchelnden hast du gelenkt und wirst ihn stets vom Abgrund reißen. Wann immer ich den Weg nicht sah, dein Wort wies ihn. Das Ziel war nah.“

Hans Jürgen Schmidt

14

Sonntag

JANUAR

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8.21

16.41

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6.00

14.48

2. Sonntag nach Epiphanias

Bibellese: Psalm 55

Wäre er immer mein

Feind gewesen,

er, der mich jetzt beschimpft

ich könnte es ertragen!

Doch nein, du bist es,

ein Mann von gleichem Rang,

mein engster und vertrauter Freund!

Wie haben wir unsere Gespräche genossen;

einmütig gingen wir in Gottes Haus!

(Vers 13.14.15)

Wenn eine Freundschaft zerbricht, bedeutet das großen Schmerz. Aus einer vertrauensvollen und herzlichen Beziehung wird ein gleichgültiges Nebeneinander oder – wenn es schlimm kommt – ein verbittertes Gegeneinander. So seltsam es ist: Aus vertrauten Menschen werden manchmal erbitterte Feinde. Das passiert auch unter Christen, auch in der Gemeinde. Gott sei’s geklagt! Und genau das tut der Beter. Er klagt darüber. Er klagt es Gott und bringt seine Fassungslosigkeit und seinen Schmerz in Worte.

Das ist ein wichtiger Schritt. Sicherlich kann man lange darüber sinnieren, warum es so gekommen ist. Warum haben wir uns überworfen? Wo sind die Wege auseinandergegangen? Habe ich meinen Freund verletzt, ihn bloßgestellt? Was ist mein Anteil an der ganzen Sache? Das sind wichtige Fragen, die sich jeder stellen sollte, der unter einer zerbrochenen Freundschaft leidet. Wenn Menschen zu schnell über solche selbstkritischen Fragen hinweggehen und sagen: „Ich bin und war so wie immer!“, dann ist das ein alarmierendes Signal.

Zum Schmerz zerbrochener Beziehungen gehört allerdings oft die Erfahrung, dass sich das Kuddelmuddel nicht auflösen lässt. Man findet nicht „die Erklärung“, warum es so gekommen ist. Den eigenen Schmerz über eine zerbrochene Freundschaft Gott zu klagen, ist ein guter Weg, um die Seele zu reinigen, bevor sich nachhaltig Bitterkeit einnistet. Dabei ist die Klage vor Gott mehr als ein Ventil. Was ich im Gebet formuliere, gewinnt Gestalt, wird greifbar und lässt sich damit besser bewältigen. Natürlich rechne ich damit, dass meine Worte bei Gott Gehör finden und meine Situation von Gottes Frieden umfangen wird. Die Klage wird die zerbrochene Freundschaft nicht heilen. Aber sie wird mir helfen, mit diesem Scheitern umzugehen. Und sie sensibilisiert mich dafür, Freundschaft zu pflegen.

Oliver Pilnei

15

Montag

JANUAR

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8.20

16.43

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6.53

15.32

Bibellese: 5. Mose/Deuteronomium 2,16-25

Mose sagte: Der Herr sagte zu mir: „Kämpft nicht gegen die Ammoniter und greift sie nicht an; denn auch von ihrem Land werde ich euch nichts geben. Sie sind die Nachkommen Lots und ich habe ihnen ihr Land als bleibenden Besitz zugesprochen.“

(Vers 17-19)

Unrechtmäßige Aneignung“ bezeichnet im Juristendeutsch alle Arten von Diebstahl. Viele Konflikte zwischen Staaten sind Landkonflikte. Vor ein paar Jahren kämpften die Ukraine und Russland erbittert um die Halbinsel Krim. Russland hat damals völkerrechtswidrig die Krim besetzt. Aber es gab auch Kenner der Region, die diesen Akt aus historischen Gründen als legitim betrachteten. Menschen und Völker müssen heute oft langwierig aushandeln, wo die Grenzverläufe sind und wer Anspruch auf welches Gebiet hat. Mose hat es da ein bisschen einfacher gehabt. Er hat es mit einer klaren Aussage Gottes zu tun. Das Land der Ammoniter ist nicht für die nomadischen Israeliten vorgesehen. Es gehört sozusagen den Verwandten, den Nachkommen Lots. Gott hält sein Versprechen, das er einst Lot gab, als dieser sich aufgrund eines Landkonflikts von Abraham trennte. Da gab es sicher erst mal was zu schlucken für Mose und seine Leute. Denn dass die Verwandten etwas haben, was man selbst schon seit vielen Jahren ersehnt, nämlich Sesshaftigkeit, ist nicht so leicht zu verdauen.

Je näher uns Menschen sind, desto schwieriger ist es, mit anzusehen, wenn es ihnen besser geht als uns. Das ist nicht nur in Fragen des Landbesitzes so, sondern auch bei vielen anderen Themen, die unseren Alltag ausmachen: Partnerschaft, berufliche Karriere, Kinder, Gesundheit, Geld. Es gehört schon zu den großen Herausforderungen des Glaubens, darüber nicht gram und bitter zu werden. Auf der anderen Seite kann es auch Freiheit bedeuten, etwas nicht zu bekommen. Gott hat etwas anderes vor. Etwas, das ich jetzt noch nicht sehe, was aber im Horizont Gottes ist und woran ich mich festmachen soll. Ich kann mich also befreien vom scheelen Blick auf das, was andere haben und was mir vermeintlich fehlt. Ich kann darauf vertrauen, dass Gott viel Größeres mit mir im Sinne hat. Israel jedenfalls hat es so erlebt.

Ulrike Burkhardt-Kibitzki

16

Dienstag

JANUAR

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8.19

16.45

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7.41

16.23

Bibellese: 5. Mose/Deuteronomium 3,12-29

Mose sagte: Damals bat ich den Herrn: „Lass mich nun auch über den Jordan ziehen und das schöne Land dort sehen, dieses ganze herrliche Bergland bis hinauf zum Libanon!“

(Vers 23.25)

Es liegt eine große Tragik über der Gestalt des Mose. Da hat er jahrelang seine Aufgaben als Führer des Volkes Israel durch die Wüste zäh, entschlossen, zielstrebig und kraftvoll gemeistert. Immer mit dem Ziel vor Augen: das verheißene Land zu betreten und endlich Milch und Honig in Fülle genießen zu dürfen. Der Traum ist nahezu erfüllt. Auf Sichtweite liegt dieses wunderschöne, prächtige, herrliche Land auf der anderen Seite des Jordan. Dass ihm Gott nun die Inbesitznahme verweigert, ist kaum nachvollziehbar und passt überhaupt nicht in unser Lohnund Gerechtigkeitsdenken. Die Begründungen sind unterschiedlich. Einmal wird der Zweifel Moses an Gott angeführt. Das wäre dann aber doch ein ziemlich kleinlicher Gott, der auf den Zweifel mit einer solchen Retourkutsche reagiert. An anderer Stelle wird davon gesprochen, dass Mose Sühne für das Murren und den Zweifel des Volkes tragen soll. Mose, ein Mensch, der so solidarisch mit anderen sein soll, dass er auf sein eigenes Recht verzichtet? Oder gar stellvertretend für sein Volk Verzicht übt? Das gab und gibt es immer wieder in der Geschichte. Dass Menschen auf etwas verzichten, was ihnen zustehen würde oder was sie zumindest verdient hätten. Manchen fällt das ziemlich leicht, andere kämpfen schwer und schaffen es nur durch hartes Ringen hindurch. Ob Mose freiwillig Verzicht übt, bleibt fraglich, gerade in Anbetracht seiner innigen Gebetsbitte. Doch Gott lässt ihn nicht hängen. Er bekommt eine wichtige Aufgabe, nämlich seinen Nachfolger Josua einzuführen in die verantwortlichen Führungsaufgaben. An seinem Lebensende kann Mose ein Ja finden und segnet die Hinüberschreitenden ohne Groll (5. Mose/Deuteronomium 33).

Wenn uns in unserem Leben trotz flehentlichem Gebet ein Herzenswunsch versagt wird, kann zeitlicher Abstand helfen, um Gott und sein Handeln besser zu verstehen. Gott hat es gut mit uns gemeint und besser als wir selbst gewusst, was für uns lebens- und glaubensdienlich ist. Manchmal sieht das verheißene Land anders aus als das von uns Erträumte.

Ulrike Burkhardt-Kibitzki

17

Mittwoch

JANUAR

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8.18

16.46

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8.22

17.19