Cover.jpg

Impressum

Herausgeber:
Matthias Büchle, Generalsekretär CVJM-Westbund e. V.
Dr. Michael Diener, Präses Evangelischer Gnadauer Gemeinschaftsverband e. V.
Karsten Hüttmann, 1. Vorsitzender Christival e. V.
Hansjörg Kopp, Generalsekretär CVJM Deutschland e. V.
Wieland Müller, 1. Vorsitzender Chrischona Gemeinschaftswerk Deutschland
Dr. Christoph Rösel, Generalsekretär Deutsche Bibelgesellschaft

Redaktion:
Klaus Jürgen Diehl (NT-Texte), Uwe Bertelmann (AT-Texte)

Quellennachweis:
4. Januar: Michael Theobald, Das Evangelium nach Johannes, Kapitel 1–12
(Regensburger Neues Testament), Regensburg: Friedrich Pustet 2009, S. 185.

Erstellung des Bibelleseplans:

Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen

Ev. Werk für Diakonie und Entwicklung

Caroline-Michaelis-Str. 1

10115 Berlin

Bibeltexte folgen, wenn nicht anders vermerkt, der Lutherbibel, revidierter
Text 1984, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung,
© 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Weitere verwendete Übersetzungen siehe hier.

© 2017 Brunnen Verlag Gießen und CVJM Gesamtverband in
Deutschland e. V.

Umschlagfoto: Mauritius

Umschlaggestaltung: Jonathan Maul

Satz: Uhl + Massopust, Aalen

ISBN Buch 978-3-7655-0648-2

ISBN E-Book 978-3-7655-7487-0

www.brunnen-verlag.de

Inhalt

Vorwort

Das Evangelium nach Johannes

Das fünfte Buch Mose (Deuteronomium)

Der Brief des Paulus an die Epheser

Der Brief an die Hebräer

Der Prophet Amos

Der Prophet Hosea

Der erste, zweite u. dritte Brief des Johannes

Die Propheten Zefanja und Habakuk

Der Prediger Salomo (Kohelet)

Der Brief des Paulus an die Galater

Der Prophet Jesaja (Kap. 1–39)

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 2018

Abkürzungen

Bibelstellen-Verzeichnis 2010-2018

Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser von Bibel für heute,

die biblische Jahreslosung für 2018 ist ein einziges, großes Versprechen: „Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst“ (Offenbarung 21,6b). Wenn in der Bibel vom „lebendigen Wasser“ die Rede ist, dann ist damit oft das Wort Gottes gemeint, das unsern Durst nach einem erfüllten Leben stillt. Dieses Wort gleicht taufrischem Quellwasser, das uns stets neu erfrischt, unsern Alltag erhellt und uns verlässliche Orientierung gibt. Wir wünschen Ihnen, dass Gottes Wort mithilfe von Bibel für heute auch 2018 für Sie zu einem nachhaltigen Durststiller wird.

Dass uns dieses Wasser „umsonst“ angeboten wird, unterstreicht, dass es das Entscheidende bei Gott eben nur gratis, d. h. aus bedingungsloser Gnade heraus gibt. – Auf drei Dinge möchten wir Sie gerne aufmerksam machen:

Immer wieder enthalten die Auslegungen zum jeweiligen Tagestext Querverweise auf andere Bibelstellen. Unterziehen Sie sich der Mühe, diese Bibelstellen nachzuschlagen. Sie helfen Ihnen, den Gesamtzusammenhang des Handelns Gottes in der Geschichte noch besser zu erkennen.

Viele Auslegungen enthalten eine kleine Aufgabe bzw. einen Impuls zum weiteren Nachdenken. Damit wollen die Autorinnen und Autoren eine Brücke vom Bibeltext zu Ihrem persönlichen Glauben bzw. zum Leben in der Gemeinde schlagen.

Langjährigen Bibel für heute-Lesern wird auffallen, dass sich das Schriftbild unserer Bibellese geändert hat. Der Verlag hat sich um der besseren Lesbarkeit willen für einen anderen Schrifttyp entschieden. Wir hoffen, dass das neue Layout bei Ihnen auf positive Resonanz stößt.

Uwe Bertelmann (Redaktion der Auslegungen des AT)

Klaus Jürgen Diehl (Redaktion der Auslegungen des NT)

Neujahr, 1. Januar

Psalm 97

„Es wird regiert!“ – So antwortete der Theologe Karl Barth kurz vor seinem Tod auf die Frage, die ihm ein Freund am Telefon stellte, der ratlos und verzweifelt war angesichts der damaligen politischen Weltlage und dem alles bedrohlich und ausweglos schien. Ähnlich prägnant beginnt Ps 97, den wir nun zu Beginn eines neuen Jahres lesen: „Jahwe ist König“. Mit dieser Formel wurde ursprünglich einem neuen König gehuldigt. Hier richtet sich der Blick auf das Offenbarwerden und Kommen Jahwes als König am Ende aller Tage. Dieser Gedanke ist im Christentum lebendig geworden: „Maranatha“ – unser Herr kommt. Darüber soll sich die ganze Welt freuen, denn ihr ist eine Zukunftsperspektive verheißen.

„Gott ist König“ – nehmen Sie diesen Satz als Ihr ganz persönliches Motto für das neue Jahr. Formulieren Sie, was das ganz konkret für Sie und Ihr Leben bedeutet.

Hoffnung für alle Menschen: V 1b öffnet sofort den Blick, den Gott uns schenken will: Freude und Hoffnung sollen nicht nur die Glaubenden alleine haben. Gott will, „dass alle Menschen gerettet werden“. Die „Inseln“ stehen für die vielen Völker und Erdteile, in denen Gott nicht als „Herr“ erkannt wird. Sie sollen in die Freude mit einbezogen und zum Glauben eingeladen werden.

Das Ziel dieser Welt – Schalom: In bildlicher Sprache spricht der Psalmist von der Theophanie, dem Offenbarwerden Gottes (V 3-6). Seiner Heiligkeit kann diese Welt nicht standhalten. Sie wird geläutert, damit das Böse vergeht und Gott das vollendete Reich seiner Liebe und Gerechtigkeit, seinen „Schalom“ aufrichten kann. Der Glaubende sieht dieser Zukunft entgegen, sie prägt sein Leben in zweifacher Hinsicht: Er lädt Menschen ein, diesen „König“ der Welt zu erkennen, und gründet sich selbst im immerwährenden Gebet tiefer Gottesgemeinschaft.

Das Evangelium nach Johannes

Das vierte Evangelium benennt deutlich sein Ziel: Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen(20,31f). Mit dieser Auswahl der Taten und Reden Jesu wird alles auf die Christuserkenntnis konzentriert, auf die Einheit von Vater und Sohn „Ich und der Vater sind eins“ (10,30), auf den Sohn als das „Leben“ (1,4; 14,6; 6,63.68) und auf den „Glauben“ als den Weg und die Art und Weise der Teilhabe an seiner „Herrlichkeit … voller Gnade und Wahrheit“ (1,14).

Die Zahl sieben symbolisiert in der Bibel die Fülle. Dass in der Auswahl die ganze „Fülle“ gegeben ist, wird veranschaulicht durch sieben „Ich-bin-Worte“: Ich bin das Brot des Lebens“, „das Licht der Welt“, „der gute Hirte“, „die Tür“, „die Auferstehung und das Leben“, „Weg, Wahrheit und Leben“, „der rechte Weinstockund durch sieben Wunder, die das vierte Evangelium als „Zeichen“ Jesu kennzeichnet. Sie weisen alle über sich hinaus auf Jesus als die eigentliche Gabe Gottes für uns.

Anders als in den ersten drei Evangelien kommt im Johannesevangelium Jesus nicht erst am Ende seines Lebens nach Jerusalem, sondern er zieht mindestens viermal in die Heilige Stadt, und zwar immer zu den zentralen jüdischen Festen (2,13; 5,1; 7,10; 12,12). Es wird jeweils deutlich, dass der jüdische Kult in Jesus zu seinem Ziel und damit auch zu seinem Ende kommt. Jesus wirft nicht nur die Händler aus dem Tempel, sondern er treibt auch die Opfertiere hinaus (2,15), denn er allein ist jetzt das „Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt“ (1,29).

Dieser mehrfache Aufenthalt Jesu in Jerusalem führt auch zu einem anderen Aufbau des Evangeliums als sonst:

Auf die Eröffnung mit dem großartigen Christushymnus (Prolog: 1,1-18) folgt das Christuszeugnis Johannes’ des Täufers und die Berufung der ersten Jünger.

Kap. 2–12 zeigen das Wirken Jesu in der Öffentlichkeit, wobei die Begegnungen Jesu mit unterschiedlichsten Menschen häufig Anlass zu ausführlichen Reden sind. Fast gewinnt man den Eindruck, dass die Worte Jesu wichtiger sind als die dabei von ihm vollbrachten Taten bzw. Wunder.

Kap. 13–17 enthalten die nicht öffentliche Unterweisung der Jünger im Blick auf die Zeit nach Jesu Tod. Die sog. „Abschiedsreden und das hohepriesterliche Gebet“ sind gleichsam das Testament Jesu. Vierfach verheißt hier Jesus den „Parakleten“, den Tröster und Beistand, den Heiligen Geist, in dem er selbst in anderer Weise wieder bei seiner Gemeinde präsent sein wird (14,18; s. 14,15-18; 14,25f; 16,7-15).

Der Passionsbericht (Kap. 18+19) zeigt Jesus nicht als das Opfer der Machthaber, sondern als den souverän selbst Handelnden, der bewusst den Weg ans Kreuz geht und der besonders im ausführlichen Gespräch mit Pilatus zeigt, wer eigentlich der König und Herr ist.

Im Auferstehungsbericht (Kap. 20+21) finden wir mehr Begegnungsgeschichten des Auferstandenen als in den anderen Evangelien. Der Sendungsaspekt spielt dabei eine besondere Rolle. „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (20,21).

Gegenüber den synoptischen Evangelien vermisst man Jesu Streitgespräche mit den Pharisäern über das Gesetz, die Gleichnisse (dafür viele Bildworte) und das Zentralwort „Reich Gottes“ (dafür „ewiges Leben“, wobei dieses ewige Leben nicht erst in der Zukunft beginnt, sondern für den Glaubenden schon in der Gegenwart angebrochen ist) u. a. m.

Auffallend ist die meist meditative Sprache des Johannesevangeliums. Sie will uns in die Tiefe führen. Wir sollen nicht bei den vordergründigen Geschehnissen stehen bleiben, sondern die Leben schenkende Wahrheit sehen lernen, die in der Geschichte Jesu Christi offengelegt wird.

Dienstag, 2. Januar

Johannes 1,19-28

Das Wirken des Täufers hat eine breite Resonanz hervorgerufen. Das oberste Gremium des damaligen palästinischen Judentums, der sog. Sanhedrin, hatte die Aufgabe, über die Lehre zu wachen. Nach dem Tode Herodes des Großen konnte er aber nur in Judäa eine Befehlsgewalt ausüben. Da sich der Täufer wohl außerhalb dieses Gebietes aufhielt, erhielt eine Delegation den Auftrag, den Täufer aufzusuchen, um zu prüfen, ob sein Wirken mit der richtigen Lehre übereinstimmt oder nicht.

Ein Teil dieser Delegation bestand aus Priestern und Leviten (V 19-23). Diese fragten vor allem danach, ob er sich als Messias oder zumindest als Elia bzw. als Prophet verstand. Sie knüpften an Vorstellungen der damaligen Zeit an. Einige erwarteten einen Messias, der die politische Situation ändern sollte, andere hingegen hofften auf einen Messias, der vor allem das gottesdienstliche Leben wiederherstellen würde.

Schlagen Sie bitte 2Kön 2,1-18 nach. Wie könnte das Ende des Elia die Vorstellungen beflügelt haben, am Ende der Zeiten würde er wiederkommen (vgl. auch Mal 3,1.23)?

Johannes weist alle diese Titel zurück; er versteht sich vor allem als Wegbereiter des Messias.

Die Pharisäer bildeten einen weiteren Teil der Delegation. Sie waren in erster Linie nicht an einem Würdetitel des Täufers interessiert, sie fragten nach seiner Legitimation und seiner Autorität, mit der er auftrat. Ihnen gab Johannes eine dreiteilige Antwort (V 26f).

Er tauft mit Wasser; das AT erwartete aber einen Messias, der mit dem Heiligen Geist taufen wird (Joel 3).

Eigentlich müssten die Pharisäer den Retter erkennen, da er bereits unter ihnen aufgetreten ist, aber Jesus ist ihnen fremd.

Trotz der großen Aufmerksamkeit, die Johannes genoss, war er doch nicht mit dem zu vergleichen, um den es wirklich geht.

Mittwoch, 3. Januar

Johannes 1,29-34

Mit dem Beginn „am folgenden Tag“ hebt sich die Begebenheit, die nun geschildert wird, deutlich von dem Abschnitt vorher (V 19-28) ab. Der Zusammenhang macht zugleich deutlich, dass die Zeitangaben bis zur Hochzeit in Kana (2,1ff) genau eine Woche ergeben.

1. Tag: 1,19-28: Die Delegation aus Jerusalem befragt den Täufer zu seinem Wirken.

2. Tag: 1,29-34: Jesus hält sich beim Täufer in Betanien auf.

3. Tag: 1,35-39: Jesus beruft die ersten Jünger bei Betanien.

4. Tag: 1,40-42: Jesus beruft Andreas und Petrus.

5. Tag: 1,43-51: Jesus bricht nach Galiläa auf und beruft Philippus und Nathanael.

6. Tag: Sabbat.

7. Tag: 2,1: Die Hochzeit zu Kana findet statt („am dritten Tag“: gerechnet vom fünften Tag).

Wie an anderen Stellen auch, so setzt der Evangelist bei seinen Lesern die Umstände von bestimmten Ereignissen voraus. So wird die Wirksamkeit des Täufers und die Taufe Jesu selbst nicht beschrieben, die Leser wissen offenbar durch andere Zeugnisse Bescheid. Dadurch setzt der Evangelist noch einmal einen anderen Akzent als die übrigen Evangelisten.

Von Anfang an beschreibt Johannes das Wirken Jesu so, dass in ihm Menschen die Rettung erfahren. Er ist „das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt“ (V 29). Mit diesem Begriff klingen alttestamentliche Vorstellungen an (z. B. Jes 53). Vielleicht ist auch an das Passalamm zu denken.

Johannes berichtet über die Taufe Jesu aus der Sicht des Täufers. Dabei wird besonders betont, dass der Heilige Geist auf Jesus herabkam und auf ihm blieb. Mit dem „bleiben“, das zum bevorzugten Wortschatz des Evangelisten gehört (vgl. auch die Auslegung am 3. August), wird herausgestellt, dass alles, was Jesus sagte und tat, in der Kraft und unter der Leitung des Geistes geschah. Er, der in der Taufe den Geist empfing, teilt diesen nun selbst aus. Damit erfüllen sich die Verheißungen der Propheten (z. B. Joel 3).

Donnerstag, 4. Januar

Johannes 1,35-51

Hatte der Täufer zunächst darauf verwiesen, dass er der Vorbereiter des Messias sei, so zeigt sich dieses jetzt im Wechsel ­einiger seiner Schüler zu Jesus. Einer wird mit Namen genannt (Andreas); der andere bleibt merkwürdigerweise im Dunkeln. Ob es sich um „den Jünger, den Jesus liebte“ handelt (so z. B. 13,23), der in der Tradition mit Johannes, dem Sohn des Zebedäus identifiziert wird, kann nur vermutet werden. Wichtiger ist die Erkenntnis, dass Menschen anfangen, an Jesus zu glauben, wenn andere auf ihn aufmerksam machen.

Wir können in seine Nähe kommen (V 39.46), ihn sehen (V 39.46), auf ihn blicken (V 36) und in seiner Nähe bleiben (V 39). Der Glaube ist von der persönlichen Beziehung zu Jesus geprägt.

In Nathanael begegnet uns ein Mensch, der sich nicht gleich begeistern und überzeugen lässt, sondern zunächst kritische Rückfragen stellt: „Was kann aus Nazareth Gutes kommen!“ (V 46) und „Woher kennst du mich?“ (V 48). Überwunden wird seine Skepsis durch die Erfahrung, dass Jesus ihn kennt und durchschaut (V 48b).

„Wir finden zu Jesus, indem andere uns von ihm erzählen.“ Michael Theobald

Das Bild von der Himmelsleiter greift den Traum auf, den Jakob auf der Flucht vor Esau hatte (1Mose 28,12). Jesus will damit sagen: Mit mir, dem Menschensohn, ist der Himmel auf die Erde gekommen!

Es geht in diesen Versen nur vordergründig um die Berufung von Jüngern. Vielmehr steht Jesus selbst im Zentrum der Darstellung. Wie in kaum einem anderen Abschnitt des Evangeliums finden wir hier eine Fülle von Titeln, mit denen Jesus bezeichnet wird. Er ist das „Lamm Gottes“ (V 36) und „Rabbi“ (V 38), er wird „Messias“ (V 41) genannt und er ist der, „von dem die Propheten reden“ (V 45). Zudem ist er „Sohn Gottes“, der „König ­Israels“ (V 49), und der „Menschensohn“ (V 51).

Freitag, 5. Januar

Johannes 2,1-12

Das Weinwunder zu Kana hat zu allen Zeiten Fragen aufgeworfen und Unverständnis hervorgerufen. Welchen Sinn soll es machen, wenn Jesus etwa 600 Liter Wasser (ein sog. „Maß“ entspricht knapp 40 Litern) in Wein verwandelt? Es spricht viel dafür, diese Begebenheit auf dem Hintergrund des AT und zeitgenössischen jüdischen Vorstellungen zu lesen. Folgende Hinweise machen zudem deutlich, dass es gar nicht um die Fülle an gutem Wein an sich geht, sondern dass Jesus selbst im Zentrum steht:

Das Wasser befindet sich in Krügen, die für die Reinigung bestimmt waren. Jeder, der sich Gott zuwandte, musste sich zuerst waschen, um vor Gott rein zu sein. Es deutet sich an, dass diese Waschungen überboten werden und durch Jesus nicht mehr notwendig sind.

Die Krüge aus Stein waren für die Waschungen besonders geeignet. Behälter aus Ton mussten zerstört werden, wenn sie einmal verunreinigt waren.

Der Wein ist eine besondere Gabe Gottes (Jer 31,5; Jes 55,1). Er ist vor allem ein Zeichen der anbrechenden Heilszeit Gottes.

Der Hinweis in V 10 auf die besondere Güte des Weines wird auf dem Hintergrund von Jes 25,6 verständlich. Dass dieser „bis zuletzt“ aufgehoben wurde, ist ein weiterer Hinweis auf die Person Jesu.

Dieses Ereignis zu Kana wird ausdrücklich als Zeichen verstanden. Es steht als Wunder nicht für sich, sondern will auf Jesus hinweisen und zum Glauben an ihn ermutigen. Hier sind es nur die Jünger, die an ihn glauben; es sollen aber alle zum Glauben eingeladen werden (20,31).

Beim Weinwunder geht es um Jesus! In ihm bricht die angekündigte Heilszeit an; er ist der Wendepunkt in der Geschichte. Darauf weist auch der schroff anmutende Satz Jesu an seine Mutter hin (V 4). Es geht nicht um eine Ablehnung, sondern um eine deutliche Distanz zu den menschlichen Bindungen. Damit blitzt seine Messianität zeichenhaft auf.

Samstag, 6. Januar

Johannes 2,13-25

In diesem Abschnitt zeigt sich wieder eine Besonderheit des Joh. Als Einziger berichtet er von mehreren Reisen Jesu nach Jerusalem. Auch die Tempelreinigung geschah nach Johannes am Anfang seiner Wirksamkeit und nicht am Ende. Den Vorwurf, dass man aus dem Tempel eine „Räuberhöhle“ gemacht hat (Mt 21,13), ersetzt er durch die Kritik, dass der Tempel zum „Kaufhaus“ gemacht wurde (V 16).

Besonders zu den drei Wallfahrtsfesten (Passa-, Wochen- und Laubhüttenfest) waren Tausende von Pilgern aus vielen Ländern in Jerusalem. Um die vorgeschriebenen Opfer darbringen zu können, wurden im Tempelbezirk Tiere zum Kauf angeboten, und es konnte Geld gewechselt werden, um die Tempelsteuer zu bezahlen.

V 15 müsste (anders als bei Luther) eher so übersetzt werden: „Er trieb alle aus dem Tempel aus, sowohl die Schafe als auch die Rinder.“ Es sollen vor allem die Tiere aus dem heiligen Bezirk getrieben und so dem schwunghaften Handel ein Ende bereitet werden.

Wo müsste Jesus heute im Blick auf unsern „kirch­lichen Betrieb“ kritisch dazwischenfahren?

Mit der Reinigung des Tempels überliefert Johannes das sog. Tempelwort, welches den Blick auf den heiligen Eifer um den Tempel richtet (V 17).

Dass ein Gebäude wie der Tempel nicht zerstört und in drei Tagen wieder aufgebaut werden konnte, war offensichtlich. Jesus bezieht dieses Wort auf sich und verbindet es mit seiner Passion. Damit wird der Tempel als entscheidender Ort der Begegnung zwischen Gott und Mensch abgelöst. Jesus ist die Überbietung des Tempels. „Nicht mehr im Tempel aus Stein, sondern in Jesus Christus treffen Himmel und Erde aufeinander (1,51), eröffnet sich der Zugang zum Vater“ (Udo Schnelle).

Was als Reinigung des Tempels begann, entwickelt sich zum Wort über Jesus selbst; er ist der Ort der Gottesbegegnung.

Sonntag, 7. Januar

Psalm 96

Der Lobpreis – eine innere Standortbestimmung: Ps 96 findet sich fast wörtlich in 1Chr 16,23-33. Damals (1Sam 5) war die Bundeslade als Beutegut in die Hand der Philister gelangt und erst später konnte David sie zurückholen (1Chr 15–16). Dieses Ereignis lässt ihn überströmen vor Freude und diesen Psalm singen. Es geht ihm dabei um viel mehr als eine persönliche Erfolgs­geschichte. David ist im Herzen bewegt von der Gegenwart Gottes, die für das Volk Israel in der Lade wirklich und präsent war. „Gott ist hier“ – diese Wahrheit durchströmt ihn.

In nachexilischer Zeit wurde der Psalm vermutlich am ersten Tag des Laubhüttenfestes gesungen – ohne die Bundeslade und ohne den Tempelkult feiert Israel Jahwe als Herrn der Geschichte, der auch in Zukunft treu und verlässlich bleibt.

Die Dynamik geistlichen Lebens: Paulus sagt, dass wir „ein Tempel des Heiligen Geistes“ sind (1Kor 6,19); Jesus sagt: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20). Die Grundmelodie meines Lebens ist das Geheimnis der Gegenwart Gottes in mir! Es tut gut, sich dies immer wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Der Psalm zeigt uns, wie von Beginn an Christen ihr Glaubensleben festigten: Lobpreis V 1, erzählen von dem, was Gott Gutes im Leben getan hat V 3, andere Menschen zum Glauben ermutigen, mit allem Tun und Denken Gott die Ehre zu geben V 7-8, Gebet V 9.

Die Hoffnung christlichen Lebens

Christliches Leben steht immer in der Verantwortung für diese Welt, aber es erschöpft sich nicht darin. Christen leben von der Verheißung der Wiederkunft Christi und sie leben auf diese hin. Das Ende der Welt wird der wunderbare Neuanfang sein, eine Vollendung, in der wir schauen dürfen, was wir geglaubt haben.

Montag, 8. Januar

Johannes 3,1-21

Nikodemus, ein Pharisäer, suchte Jesus des Nachts auf, um mit ihm grundlegende Fragen zu erörtern. Seine respektvolle Anrede („Rabbi, wir wissen, dass du von Gott gekommen bist“) zeigt, dass die Pharisäer nicht einheitlich Jesus ablehnten (vgl. auch 7,50; 9,16; 19,39 und Apg 15,5).

Die Entgegnung Jesu auf die respektvolle Anrede des Nikodemus scheint auf den ersten Blick nichts mit dem Anliegen des Nikodemus zu tun zu haben. Doch Jesus lenkt das Gespräch sofort zu einer Frage, die die Menschen damals bewegte: „Wie bekomme ich Anteil an der neuen Welt Gottes?“ Das ist nur möglich, wenn ein Mensch von neuem (wörtlich: „von oben her“, d. h. „von Gott her“) geboren wird. Es ist ihm aus eigener Kraft nicht möglich, ein neuer Mensch zu werden.

Die Rückfrage (V 4) zeugt nicht von einem Unverständnis, sondern Nikodemus überspitzt bewusst, um eine klare Antwort zu erhalten. Wie kann es geschehen, von neuem geboren zu werden?

Der Hinweis Jesu auf Wasser und Geist ist immer wieder auf die Taufe gedeutet worden. Es liegt zunächst näher, den alttestamentlichen Hintergrund zu beachten. In Hes 36,24-27 wird das Handeln Gottes mit Wasser und Geist verbunden. „Deswegen zielt die Belehrung Jesu gegenüber Nikodemus nicht unmittelbar auf die Taufe, sondern auf die Neuschöpfung durch den Geist Gottes“ (Rudolf Schnackenburg).

Fast unmerklich wird aus dem Dialog ab V 13 eine Reflexion über Jesus und sein Wirken. Die neue Geburt ist nur in der Verbindung zu Jesus zu haben. In seiner „Erhöhung“ am Kreuz (V 14) ist die Rettung aller begründet, die ihm Vertrauen schenken.

Es klingt paradox: Die Erhöhung Jesu am Kreuz erscheint äußerlich wie seine tiefste Erniedrigung, weil er wie ein Verbrecher am Kreuz endet. Und doch ist dies zugleich sein Triumph über Hölle, Tod und Teufel (vgl. 8,28; 12,32f).

Dienstag, 9. Januar

Johannes 3,22-36

Obwohl der Täufer mehrfach betont hatte, er sei der Vorläufer und Wegbereiter des Messias, so hat er weiter gewirkt und auch Jünger in seiner Gefolgschaft gehabt. Johannes berichtet nun von einem parallelen Wirken Jesu und des Täufers. Könnten V 22 und 26 noch so gedeutet werden, dass Jesus selbst getauft hat, so wird dieses in 4,2 klar zurückgewiesen. Es ist offenbar so, dass die Jünger ähnlich wie der Täufer handelten, und dies geschah mit der Zustimmung Jesu.

Die Johannesjünger sehen das Wirken Jesu als Konkurrenz an und befürchten, sie selbst könnten damit infrage gestellt werden. Mit dem Bild des Bräutigams und seines Freundes hebt Johannes hingegen hervor, dass sein Dienst der Wegbereitung für den Messias zu einem Ende kommt. Darüber kann er sich ehrlich freuen. Zugleich erinnert das Bild der Braut an das Volk Israel, das schon im AT mit einer Braut verglichen wird (Jes. 49,18; 62,5 und vor allem Hos 2,21f).

Die letzten Verse des Abschnitts werden gelegentlich als „Abdankung des Täufers“ bezeichnet. In den letzten Worten, die uns von ihm im Johannesevangelium berichtet werden, sieht er nun völlig von sich ab und weist klar auf Jesus. Hier, wie später in den Abschiedsreden (13,31–16,33) hören wir, wie über den Vater, den Sohn und den Geist geredet wird. Eine ausgeführte Lehre von der Dreieinigkeit ist noch nicht zu erkennen. Es wird aber deutlich, dass alle drei eng zusammengehören.

Zugleich bildet der letzte Vers (V 36) einen besonderen Höhepunkt. Es geht um die Rettung, die nur im Glauben an Jesus möglich ist. Wer sich diesem Glauben verweigert, der muss die Folgen tragen und wird das Gerichtsurteil über sich ergehen lassen müssen. Mit dem Hinweis auf den „Zorn Gottes“ greift der Evangelist wieder die Sprache des AT auf und verdeutlicht so, dass die Liebe Gottes in Jesus erst auf dem Hintergrund des drohenden Gerichts an Konturen gewinnt.

Das fünfte Buch Mose (Deuteronomium)

5Mose heißt im Hebr. „Worte“, so der Anfang in 1,1. Die griech. Übersetzung gibt „Abschrift dieses Gesetzes“ in 17,18 irrtümlich mit „Deuteronomium“ (2. Gesetz) wieder, besser wäre: Wiederholung und Aktualisierung des Gesetzes.

5Mose ist als Abschiedsrede des Mose vor dem Einzug ins verheißene Land und vor seinem Tod gestaltet. Es ist sein Testament, das für alle kommenden Generationen gilt, die in Gottes Bund mit Israel am Horeb mit eingeschlossen sind. Zugespitzt formuliert: Gott „hat nicht mit unsern Vätern diesen Bund geschlossen, sondern mit uns, die wir heute hier sind und alle leben“ (5,3). Darum wird aufgefordert, den Nachkommen Gottes Wohltaten und seine Weisungen einzuprägen und vorzuleben. Das oft wiederholte „Gedenke, Vergiss nicht, Hüte dich“ soll verhindern, dass Israel vergisst, dass es alles Gott allein und seinem Segnen (ein Leitwort des Dtn) verdankt und nicht etwa hochmütig denkt: „Meine Kräfte und meiner Hände Stärke haben mir dieses Vermögen beschafft“ (8,17f). Gedenken und gehorchen, daran hängt Israels Überleben. Gott wirbt leidenschaftlich: „Siehe, ich habe dir heute vorgelegt das Leben und das Gute, den Tod und das Böse … damit du das Leben erwählst und am Leben bleibst, du und deine Nachkommen, indem ihr den HERRN … liebt … ihm gehorcht und anhanget“ (30,15.19f) und so im Land wohnen bleibt.

Im Zentrum des 5Mose steht das erste Gebot, die Einzigkeit des Gottes Israels (4,35.39; 6,4), der als Herr der Welt dieses „kleinste Volk erwählt“ und zu seinem „Eigentum“ bestimmt (7,6f). Dem einzigen Gott entspricht ein einziges Heiligtum und eine einzigartige Rechtsordnung. Auffallend ist sein sozialer Akzent: gerechte Landverteilung, Einstehen für Fremde, Arme, Witwen, Waisen u. a. Die Gebote werden nicht nur aufgelistet, sondern jeweils von Gottes Erbarmen und Fürsorge her begründet. Dankbar für sein Geben gilt es, in allem Gottes Art zu entsprechen.

Mittwoch, 10. Januar

5. Mose 1,1-18

Das fünfte Buch Mose beginnt mit der genauen Nennung der Orts- und Zeitangaben, sodass man die Orte und Daten auf Landkarten und Zeitstrahlen aufsuchen möchte. Damit soll die Zuverlässigkeit der Botschaft belegt werden: Die Gewissheit nämlich, dass Mose mit der nun folgenden Rede sagt, was Israel um seines Lebens willen wissen muss.

Und dabei ist entscheidend, dass das, was Mose zu sagen hat, auf den HERRN zurückgeht, und zwar in der Bezeichnung „der HERR, unser Gott“ (V 6, so auch Kap. 6,4). Es ist der Gott des Volkes Israel, der durch Mose redet, der Gott, der sich Israel als sein Volk erwählt hat und der sein Gott sein will.

Als Erstes erinnert Mose daran, wie Gott durch die Worte ­seines Schwiegervaters dafür gesorgt hat, dass er sich mithilfe anderer Menschen in angemessener Weise um Gottes Volk kümmern kann (V 9, vgl. 2Mose 18,18).

V 9-18 könnten als störender Einschub empfunden werden, da durch sie der Befehl zum Aufbruch in V 8 von dem Bericht über den vollzogenen Aufbruch in V 19 getrennt wird. Dieser Abschnitt hat aber seine Bedeutung genau darin, dass sozusagen zuerst die Menschen da sein sollen, die in Gottes Namen das Volk leiten und richten, bevor dem Volk die Ordnungen Gottes in Erinnerung gerufen werden. Luther hat das mal so auf den Punkt gebracht: „Man muss erst den Hausvater haben, ehe man das Haus anrichtet. Also hat Mose dem Volk auch zuvor Weise, Richter und Häupter geordnet und gesetzt, denn ehe er das Gesetz ihnen gibt.“

Gibt es in Ihrer Kirche oder Gemeinde Orte, an denen es möglich ist, danach zu fragen, wie Gott seine Gemeinde bauen und leiten will? Üblicherweise sollte das der Gemeindevorstand sein. – Wie werden Menschen für den Gemeindevorstand berufen, aber auch von den anderen Mitgliedern der Gemeinde getragen und begleitet?

Donnerstag, 11. Januar

5. Mose 1,19-33

Es ist immer wieder spannend, wenn dieselben Geschichten in der Bibel mehrfach erzählt werden.

Vergleichen Sie 4Mose 13–14f und 5Mose 1,19-33.

Mose wiederholt in unserem Abschnitt noch einmal, was in 4Mose 13f aufgeschrieben ist. Dies lässt Rückschlüsse darauf zu, was ihm an dieser Stelle wichtig ist, nämlich aus dem damaligen Geschehen für seine aktuellen Herausforderungen Lehren zu ziehen:

Die „ganze große und furchtbare Wüste“ (V 19) wird nicht mehr an Ortsnamen festgemacht, sondern wird zum Bild für Ort und Zeit der Not, der Entbehrung und der Versuchung.

Der Zug durch die Wüste und in das Land hinein führt nicht über Oasen und Quellen, nicht zu den Bewohnern benennbarer oder genannter Städte, sondern über Erfahrungen der Verlassenheit, Angst, Versuchung, Gottesvergessenheit, Schuld, Strafe.

Mit dem Vorschlag Kundschafter auszusenden versucht Israel, seine Existenz zu sichern. Damit entsteht die immer wieder aktuelle Spannung zwischen Selbstsicherung und Gehorsam gegenüber dem HERRN:

Obwohl doch Furcht vor den Menschen um des HERRN willen ausgeschlossen sein könnte, blieb das Volk ohne Vertrauen (V 32; wieder: damals wie heute!).

„Fürchte dich nicht und lass dir nicht grauen“ (V 21) ist die Antwort des Mose, denn alles Unglück kommt aus der Angst, während Gott doch trägt, „wie ein Mann seinen Sohn trägt“ (V 31).

Dieser ganze Abschnitt erinnert an die Psalmen, z. B. 105–107, in denen in gleicher Weise geschichtliche Erfahrungen aufgenommen werden, um die heutigen Hörerinnen und Hörer zu einem ­Leben mit Gott ohne Angst zu ermutigen.

Welche geistlichen Einsichten können Sie aus einem Rückblick auf Ihr Leben gewinnen?

Freitag, 12. Januar

5. Mose 1,34-46

Was folgt aus der Angst, von der im letzten Abschnitt die Rede war? Angst führt zu Misstrauen, Misstrauen führt wieder zu Angst. Möglicherweise können wir in diesem Abschnitt etwas Grundsätzliches über das Wesen der Sünde entdecken.

Was war die Sünde gegenüber Gott? Botschafter in das verheißene Land zu schicken (V 22ff) und lieber passiv in der Wüste zu bleiben (V 28)? Oder aktiv gegen seinen Rat die Feinde anzugreifen (V 41-43) und dabei zu scheitern?

Die Sünde äußert sich aber bei genauerem Hinsehen gar nicht in einer dieser Haltungen, sie liegt tiefer: Sie besteht im abgrundtiefen Misstrauen Gott gegenüber und uneingeschränkten Zutrauen in die eigene Kraft (V 41b). Nicht die Taten machen die Sünde, sondern die dahinterstehende Gottlosigkeit: Der Mensch rechnet nicht mit Gott (ob es ihn denn gibt oder nicht, ist dabei schon fast gleichgültig), vertraut ihm nicht, und ist deshalb allein auf seine ­eigenen Fähigkeiten angewiesen, selbst wenn er fromm tut (V 41). Und er scheitert grandios: Die Feinde verfolgen die Israeliten „wie die Bienen“ (V 44).

Mose versucht Gottes Weisungen weiterzugeben, aber die Israeliten (und wieder sind sie hier ein Bild für Menschen ohne Gott) legen sich ihr eigenes Gottesbild zurecht, obwohl sie Gott eigentlich schon abgeschrieben haben: „Wir wollen hinaufziehen und kämpfen, wie uns der HERR, unser Gott, geboten hat.“ (V 41 – nachdem ihnen gesagt worden war, dass sie umkehren sollen …) Sie wollen Mose nicht mehr hören: „Ihr wurdet ungehorsam dem Munde des HERRN und wart vermessen und zogt hinauf ins Gebirge“ (V 43).

Mit Gott schon irgendwie zu rechnen, aber ohne ihn zu leben und sich deshalb verrechnet zu haben – wo lässt sich das heute, vielleicht im eigenen Leben, beobachten?

Samstag, 13. Januar

5. Mose 2,1-15

Wir nähern uns dem Ende der Wüstenwanderung und dem Beginn der Landnahme. Die Landnahme aber beginnt damit, dass ­Israel nicht einfach alles Land in Besitz nehmen darf, sondern mit der Erfahrung, dass der HERR bestimmte Gebiete schon für andere (Bruder-)Völker „reserviert“ hat.

Diese Völker dürfen nicht nur nicht vertrieben werden, sondern Israel wird angewiesen, „zivilisiert“ mit ihnen umzugehen und Nahrung und Wasser für Geld zu kaufen (V 6). Die Formulierungen sind sehr bestimmt: „Nicht einen Fußbreit“ will Gott Israel zugestehen, denn „das Gebirge Seïr habe ich den Söhnen Esau zum Besitz gegeben“ (V 5). Israel muss lernen, dass die Existenz der anderen Völker nicht nur eine (möglicherweise zähneknirschend) zu akzeptierende Tatsache ist, sondern dass Gott das so vorgesehen hat.

Bevor Israel auch nur einen Fußbreit eigenen Landes in Besitz nimmt, muss es die Lektion lernen, dass es nicht zur Eroberung der Welt oder auch nur des Ostjordanlandes unterwegs war, sondern nur zu dem Gebiet, das der HERR ihm zuteilte – nicht anders als andere Gebiete den anderen Völkern.

Haben Sie sich schon einmal Gedanken dazu gemacht, was es bedeutet, dass es verschiedene Völker auf der Welt gibt? Welche besondere Sicht auf die „anderen“ Völker vermittelt unser Abschnitt?

Die letzten Verse unseres Abschnitts klingen grausam, machen aber auch den Ernst des Verhältnisses zwischen Gott und seinem Volk deutlich: Da die Israeliten Gott misstraut hatten (vgl. 11. und 12. Januar), mussten sie ihr fehlendes Vertrauen bis ins Letzte auskosten: „Die Zeit … betrug achtunddreißig Jahre, bis alle Kriegsleute aus dem Lager gestorben waren, wie der HERR ihnen geschworen hatte. So war die Hand des HERRN wider sie, um sie aus dem Lager zu vertilgen bis auf den letzten Mann“ (V 14f).

Sonntag, 14. Januar

Psalm 55

Gott sucht und begegnet dem einzelnen Menschen: Die beiden Psalmen, die wir zu Beginn des Jahres gebetet haben (97; 96), waren durchdrungen vom Jubel über die Gewissheit der Gegenwart Gottes in dieser Welt. Nun entdecken wir in Ps 55, der zur Gattung der Klagepsalmen des Einzelnen gehört, einen weiteren Aspekt der Gegenwart Gottes unter den Menschen. Gott ist derjenige, der sich konkret der Not eines jeden Menschen annimmt. Gott ist nicht fern, er sucht den Menschen. Wenn wir das Vaterunser sprechen wird deutlich, dass Jesus uns dazu anleitet, alle Bereiche unseres Lebens im Gebet vor Gott zu bringen und uns von seinem Heiligen Geist leiten und stärken zu lassen.

Beten Sie einmal bewusst das Vaterunser und achten Sie darauf, um was Jesus Sie hier zu bitten lehrt.

Gebet – Gott suchen und finden: Das Leben macht dem Beter schwer zu schaffen. Vermeintliche Freunde und Glaubensgenossen sind es, die ihm zusetzten und ihn in die Enge getrieben haben. Er weiß, dass er mit diesem Leiden nicht alleine bleiben muss, er weiß um seinen himmlischen Vater, der für ihn da ist. Damit beginnt Gebet: Ich wende mich an Gott. Ich suche Gott selbst, noch bevor ich ein Wort meines Leidens vorgebracht habe. „Höre auf mich“, „verbirg dich nicht“, „merke auf mich“, was wörtlich übersetzt heißt: „wende deine Augen mir zu“ und „erhöre mich“ (V 2f). So wird die bergende Nähe Gottes die bestimmende Wirklichkeit inmitten des Leidens.

Gebet – Hoffnung und Trost finden: Nicht alle Not lässt sich lösen. Der Beter bemüht sich um Lösungen, erfährt aber seine eigene Machtlosigkeit. Gott ist nicht die letztmögliche Vertröstung, sondern derjenige, der uns fähig macht, aus der Kraft seiner Auferstehung und seinem Sieg über alles Unrecht und Bosheit den eigenen Alltag zu bewältigen.

Montag, 15. Januar

5. Mose 2,16-25

Auch dieser Abschnitt beginnt noch einmal damit, dass die Landnahme der Israeliten immer noch keine Landnahme ist, sondern dass auch das Land der Ammoniter tabu ist, eben, weil der HERR es den Söhnen Lots zum Besitz gegeben hat.

Die eigentliche Landnahme beginnt in V 24, und von da an wird es kriegerisch: Mit dem Zug über den Arnon gerät Israel in Konfrontation mit Sihon, dem König der Amoriter zu Heschbon, den der HERR in Israels Hände gegeben hat. – „Fange an, das Land einzunehmen, und kämpfe mit ihm.“

V 25 hört sich für unsere heutigen Ohren grausam an, aber er gehört zu den Verheißungen Gottes an sein Volk Israel dazu (vgl. 2Mose 23,27): Gott will „Furcht und Schrecken“ vor Israel auf alle Völker unter dem ganzen Himmel legen.

Was löst der Begriff „Landnahme“ bei Ihnen aus? Der Staat Israel bezieht seinen Anspruch auf das eigene Existenzrecht auch aus diesen Bibelstellen. Wo aber sehen Sie die Grenze der „Landnahme“?

Zur Zeit des Königs Josia wurde versucht, die Forderungen des Deuteronomiums umzusetzen (2Kön 22f). Zu der Zeit waren die Israeliten einerseits schon lange sesshaft geworden und hatten sich die relativ stabile Staatsform eines Königsreiches gegeben. Gleichzeitig aber hatten die Israeliten über die Jahrhunderte immer wieder die Auseinandersetzung mit ihren Nachbarn und z. B. den Untergang des Nordreichs 722 erleben müssen. Als Assyriens Macht zerfiel, konnte Josia zwar die Gebiete Israels zurückgewinnen. Allerdings muss offenbleiben, wie weit er diese Gebiete wirklich zu kontrollieren vermochte, und letzten Endes fand auch er im Kampf gegen Nachbarn (die Ägypter nämlich) den Tod.

Vielleicht ist es Absicht, dass in unserem Abschnitt die friedliche Koexistenz und die kriegerische Landnahme so „friedlich“ nebeneinander stehen …

Dienstag, 16. Januar

5. Mose 3,12-29

Am Ende seines großen Rückblicks auf die Geschehnisse auf dem Wege zwischen Horeb und Jordan denkt Mose an das, was ihm zu tun noch vergönnt war: die Übergabe der ostjordanischen Gebiete an die Stämme Israels, denen der HERR dieses Land bestimmt hatte, sowie die Vorsorge für das Gelingen der Landnahme der westjordanischen Stämme, die dann nicht mehr von ihm, sondern von Josua angeführt wurde.

Mose wird Furcht vor dieser Aufgabe geradezu verboten, da es in Wahrheit der HERR ist, der für Israel kämpfen wird, wie er es von Anfang an getan hat (Kap. 1,30).

Absicht und Ziel auch dieses Teils der Rede des Mose ist, dass sein Werk im Gedächtnis Israels bleibt und dass darin deutlich wird, dass Gott selber am Werk ist.

Wenn Sie die Abschnitte, in denen Mose handelt, und die, in denen Gott handelt, in Ihrer Bibel mit unterschiedlichen Markierungen oder Farben kennzeichnen: – Was fällt Ihnen auf?

Unser Abschnitt ist in V 23-29 nur einer der Texte, die thematisieren, dass Mose das verheißene Land nicht betreten darf, doch er ist der bewegendste, weil Mose hier flehend bittet, aber nicht erhört wird, sondern den Zorn Gottes erleiden muss.

Dass Mose das Land nie betreten hat, war den Israeliten bewusst. Gleichzeitig war es den Nachgeborenen eine große Last, dass Israels „Gründergestalt“ an der Erfüllung der Landverheißung nicht teilnehmen durfte.

So hat unser Text zwei fast gegenläufige Aspekte: Die Zukunft Israels wird gesichert mit dem Befehl Gottes, Josua mit der Landnahme zu beauftragen. Moses Zukunft dagegen ist eingeschränkt: Er darf das Land nur von ferne sehen. Seine Aufgabe als Führer des Volkes, die in Ägypten begann, endet da, wo er seine Abschiedsrede beginnt.

Mittwoch, 17. Januar

5. Mose 4,1-14

Kap. 4 bereitet die Wiederholung der Zehn Gebote in Kap. 5 vor.

Jetzt heißt es häufig: „Höre, Israel!“ Dieses so wichtige und intensive Hören wird vielfältig umschrieben: „zu Herzen nehmen“, „einschärfen“, „aufschreiben“, „um die Hand binden“ (5Mose 6,6-9). Gottes Weisungen sind keine kalten Gesetze, sondern Lebenshilfe (V 1) von ihm, der nahe ist, uns kennt und hört, mit nichts vergleichbar ist (V 7).

Gottes Weisungen machen weise, lebenstüchtig, gemeinschaftsfähig. Alle Welt kommt ins Staunen über diese ganze Weisung (= Thora), V 8. Nicht von ungefähr sind die Zehn Gebote die Grundlage der Menschenrechte der UNO. Zur Zeit Jesu schlossen sich Heiden den Synagogen an, weil sie den Glauben an nur einen Gott und die hochstehende Ethik als Befreiung zu wahrem Menschsein erlebten und die lebensverändernde Kraft der Gebote erfuhren.

Mose erinnert an den Bundesschluss Gottes mit Israel am Horeb (V 9-14). Er wirkt hier vorrangig als der Lehrer Israels, der Vermittler zwischen Gott und dem Volk, er lehrt seine Gebote und Weisungen (V 5). Er will, dass sie alles gut lernen und umsetzen, und so befähigt sind, ihre Kinder und kommende Generationen glaubwürdig zu unterrichten (V 9f). Lernziel ist die Furcht des Herrn (V 10), also die grundsätzliche und ausschließliche Treue zu diesem Gott; ihn allein gilt es anzuerkennen, zu lieben und ihm zu dienen.

Mose erinnert an die Begleitumstände damals am Horeb: Feuer, Finsternis, Dunkel (V 11). Betont wird Gottes Reden aus dem Feuer. Man hört seine Stimme, sieht ihn aber nicht. Da geschieht etwas, wie die Naturereignisse zeigen, aber es ist kein Schau-Erlebnis. Gott redet und verbirgt sich zugleich.

Vergleichen Sie dazu 2Mose 3,1-7 und 33,18-23 sowie Apg 9,1-7!

Donnerstag, 18. Januar

5. Mose 4,15-24

Kap. 4 betont zunächst die ganze Weisung Gottes (V 8); konzentriert sich dann aber ganz auf das Bilderverbot, das eingehend kommentiert und auf dessen strenge Einhaltung gepocht wird („So hütet euch nun wohl“, V 15): Keine Herstellung von Götterbilden, keine Anbetung, Höchststrafe bei Gebotsübertretung (­­V 21-24)! Das Gewicht dieser Weisung ist somit deutlich: Ein bildloser Kult ist für die Umwelt eigentlich ein Unding. Die Gefahr ist groß, dass Israel sich dennoch anpasst, selber Bilder anfertigt und diese anbetet.

Gott teilt sich im Wort mit, seine Gestalt bleibt verborgen (V 15). Ein Gottesbild anzufertigen, ist somit unsinnig, kann nur missraten. Es würde Menschen, Tieren oder Gestirnen gleichen, die alle Geschöpfe (V 17-19) sind. Gott ist immer noch größer, größer als unsere Projektionen an den Himmel, anders als unsere philosophischen Gedanken, umfassender als das Gerede vom „lieben Gott“. Wir meinen, Gott vor Augen gäbe uns Sicherheit. Aber lebendige Beziehungen leben nicht von Sicherheiten, sondern von Vertrauen, von Liebe, die offen ist für den Partner, der auch überraschend anders sein kann. Max Frisch schreibt: „Unsere Meinung, dass wir das andere kennen, ist das Ende der Liebe. Man macht sich ein Bildnis. Das ist das Lieblose, der Verrat. Nicht umsonst heißt es in den Geboten: Du sollst Dir kein Bildnis machen. Jedes Bild ist eine Sünde. Es ist genau das Gegenteil von Liebe.“ Starre Bilder, „Schubladen“, belasten, lassen Beziehungen zerbrechen. Das gilt für menschliche Beziehungen und erst recht für das Verhältnis zu Gott.

Das zweite Gebot zielt auf Gottes Freiheit. Er ist lebendig, beweglich, handelt oft anders als gedacht – zu unserem Besten, wie der Tod von Jesus für uns zeigt. An seinem Leben, Lieben und Leiden sehen wir, wie Gott ist. Das zu sehen, genügt, ihm zu vertrauen. Nachzulesen in Joh 12,44f; 14,9f und Kol 1,15.19f!

Freitag, 19. Januar

5. Mose 4,25-40

Was für ein Text! Was für eine Spannweite! Es geht um Warnungen und um Verheißungen, um Strafandrohungen und um Treueversprechen, um Barmherzigkeit und um Erwählung. Wir spüren etwas von Gottes Eifersucht und von seiner Leidenschaft, wie er sich als der einzige Gott zeigt und an seinem Bund mit Israel festhält, komme, was da wolle.

Die Erinnerung an den eifernden, eifersüchtigen Gott (V 24) stammt aus dem Dekalog, dem Bilderverbot (2Mose 20,5; 5Mose 5,9). Diese Rede vom eifersüchtigen Gott findet sich nur an wenigen Stellen, aber diese sind bestimmt von der Polemik gegen die fremden Götter (2Mose 34,14; 5Mose 6,15). Und jedes Mal geht es um den ausschließlichen Anspruch Gottes auf sein Volk Israel.

In V 27-30 klingt stark die Zeit Israels in der Babylonischen Gefangenschaft (587–538 v. Chr.) an, wenn von der Wegführung und der Zeit unter den Heiden (V 27) die Rede ist, von der Herstellung toter Götzenbilder (V 28) oder wenn mehrfach betont wird, dass der HERR allein Gott ist und sonst keiner (V 35.39), und gesagt wird, dass man auch dort in der Fremde Gott suchen und finden kann (V 29-31).

Lesen Sie dazu z. B. Jes 44,6.8-20; 54,7-10 oder 55,8 aus dem zweiten Teil des Jesaja-Buches, das in die Phase der ­Gefangenschaft in Babylon hineinredet.

Gottes Einzigkeit und Unvergleichbarkeit wird nicht einfach behauptet, sondern an geschichtlichen Heilstaten festgemacht: die Erwählung der Erzväter und ihrer Nachkommen (V 37), die beeindruckende Befreiung Israels aus der Knechtschaft in Ägypten (V 34), die Gottesstimme aus dem Feuer am Horeb und die Erfahrung, dass man trotz des Feuers am Leben geblieben ist (V 33). Ein solcher Gott hat seinem Volk ewige Treue versprochen. Wie kann man da seine Gebote und Rechte nicht achten und ernst nehmen!

Samstag, 20. Januar

5. Mose 5,1-22

Die Wiederholung der Gebote zielt auf die jetzt lebende Generation. Wir heute sind gemeint, auch uns gilt der Gottes-Bund mit seinen Verheißungen und Verpflichtungen (V 3).

Es sind „10 Worte“, so der genaue Wortlaut. Wir sagen „10 Gebote“, nicht „10 Gesetze“. Im Gebot werden wir persönlich angesprochen: „DU sollst (nicht) …“, –

Die Gebote im ersten Teil wollen, dass unser Leben eine einzige Mitte hat, den lebendigen, uns freisetzenden und uns zugewandten Gott. Der zweite Teil will, dass wir diesem Gott entsprechen: Wie Gott zu uns, so wir zueinander. Deshalb gilt es, Leben zu schützen und nicht zu zerstören, die alten Eltern mit ihren Begrenzungen zu achten und nicht beiseitezudrängen, Freundschaften und Ehen zu stärken und nicht durch begehrliches Verhalten zu belasten, durch wahre, eindeutige Worte das Vertrauen untereinander zu fördern.

Der Schluss der Gebote deckt auf: Alles, was das Leben zerstört, beginnt in unseren begehrlichen Blicken und Gedanken. „Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz“ (Ps 51,13) sollte deshalb unser tägliches Gebet sein.