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Gretchen Hilbrands

Loben leicht
gemacht

Ein kleiner Ratgeber
für den Alltag

„Das kleine Abc des Lobens“ am Schluss dieses Buches

erschien zuerst in der Zeitschrift LYDIA, Ausgabe 1/2014.
www.lydia.net


Ein herzlicher Dank gilt meiner Lektorin, Alexa Länge,
für ihre sorgfältige und fabelhafte Unterstützung.

© Brunnen Verlag Gießen 2017

Umschlagillustration: Shutterstock

Umschlaggestaltung: Daniela Sprenger

Satz: Uhl + Massopust, Aalen

ISBN Buch 978-3-7655-4318-0

ISBN E-Book 978-3-7655-7490-0

www.brunnen-verlag.de

Für meine wunderbaren Kinder, Christian und Annika.
In Liebe, Mama.

Inhalt

„Ich weiß nicht, was mir fehlt“

Lob – ein menschliches Grundbedürfnis

Was Lob bedeutet

Die Kunst des Lobens

Loben will gelernt sein – Kritik geht immer …

Das kleine Abc des Lobens

„Ich bin als Kind nie gelobt worden“

Kinder haben ein Recht auf Lob

Lob und Neid

Jeder macht irgendetwas gut

Eigenlob stinkt, sagt der Volksmund

Wertschätzende Haltung

Lob in christlichen Gemeinden

Gott und das Lob

Schluss

Anhang

Kreative Ideen für „Handwerker“

Das kleine Abc des Lobens (Kurzversion)

„Ich weiß nicht, was mir fehlt“

Während Elke mir gegenübersitzt und aus ihrem Leben erzählt, laufen die Verletzungen ihres Lebens in Bildern an uns beiden vorüber. Sie erzählt plastisch und ich habe fast das Gefühl, mitten in Elkes Erlebnissen dabei zu sein. Dabei sind es eigentlich keine dramatischen, zumindest nicht für jemanden, der es gewohnt ist, die tiefsten Tiefen menschlichen Erlebens erzählt zu bekommen. Aber für Elke waren und sind es gerade diese Erlebnisse, die es ihr schwer machen, ein bejahendes Selbstwertgefühl zu bekommen.

Elke hatte ein gutes Elternhaus, kam in der Schule gut mit und auch im Berufsleben lief es nahezu optimal. Die Kinder sind mittlerweile aus dem Haus, der Ehemann arbeitet noch und Elke ist halbtags berufstätig. Außerdem engagiert sie sich ehrenamtlich in ihrer Gemeinde. Eigentlich, so könnte man den Eindruck gewinnen, läuft alles nach Maß: ein Leben, wie es viele andere Menschen auch führen.

Wenn nur die innere Verletzung nicht wäre! Elke beklagt sich nicht, aber sie ist traurig. Tieftraurig. Warum, weiß sie selbst nicht genau. Darum ist sie zu mir gekommen. Um es herauszufinden.

Während Elke erzählt, wird mir relativ schnell deutlich, was ihr fehlt. Eigentlich ist es etwas Selbstverständliches und doch leiden sehr viele Menschen darunter. Kinder, Frauen und Männer. Es ist das fehlende Lob.

Elke hat nur sehr selten erlebt, dass sie für etwas, was sie getan hat, gelobt wurde. Mit Kritik ist sie überschüttet worden. Was sie gut gemacht hat, wurde von ihr erwartet und brauchte selbstverständlich auch nicht positiv herausgestrichen zu werden: bei ihren Eltern nicht, ihrem Arbeitgeber nicht, ihrem Mann nicht, den Kindern nicht und in der Gemeinde schon gar nicht. Für alle war und ist es selbstverständlich, dass sie anpackt, tut, was sie kann, sich engagiert … Dabei ist es gar nicht so, dass das, was sie macht, nicht geschätzt würde. Aber ihr wird dies nur daran deutlich, dass keine Kritik kommt. So muss sie quasi aus dem Ausbleiben der Kritik herausfiltern, dass sie ihre Sache gut gemacht hat.

Eine Zeit lang ist das auch gut gegangen. Eine Zeit lang. Aber dann ist das kleine Pflänzchen Selbstvertrauen eingegangen. Und nun liegt es am Boden, kraftlos, sinnlos und zerbrochen. Elkes große Verletzung heißt: Ich bin niemandem wichtig und für nichts gut genug. Sie weiß, dass es eigentlich nicht stimmt. Aber die Zweifel sind größer als jedes Wissen und zerfressen jeglichen Hoffnungsschimmer schon beim ersten Aufleuchten.

So, wie es Elke ergangen ist und ergeht, erleben es viele Menschen, sehr viele. Täglich, immer wieder. Dabei spielt das Aufgabenfeld keine große Rolle, auch das Umfeld ist fast egal. Und das ist schlimm. Gerade in Familie und Gemeinde sollte es anders sein: Hier sollte das Loben alltagsnah gelebt werden. Häufig ist es aber anders. Das Geleistete wird schnell zur Normalität. Erfolgt der Einsatz nicht, dann gibt es eine Reaktion in Form von negativer Kritik und Vorwürfen: „Warum hast du denn nicht …?“ Eine andere Variante ist die der Selbstverständlichkeit: „Dafür bist du doch da. Das ist doch deine Aufgabe!“ Oder in anderen Kreisen: „Das tust du alles für Gott!“ Das alles ist sicherlich richtig und wahr. Aber heißt das automatisch: Es muss deshalb nicht gelobt werden??? Befreit das vom Loben, Anerkennen, „Sich-mit-dem-anderen-Mitfreuen“ und einem hörbaren „Danke“?

Wie schnell wird das, was jemand leistet, zur Selbstverständlichkeit. Oder es wird geurteilt: „Der bekommt doch Geld dafür, dann soll er das auch leisten. Und jetzt soll ich ihn loben? Warum denn? Das, was er tut, gehört doch zu seiner Aufgabenstellung dazu. Ja, er macht seine Aufgabe schon sehr gut, aber …“ Wenn nur das Wörtchen aber nicht wäre …

Und geht es den Ehrenamtlichen anders? Werden sie gelobt? Auch Ehrenamtliche müssen immer wieder die Erfahrung machen, dass ihr Einsatz allzu leicht als normal angesehen wird. Am Anfang werden Lob und Anerkennung häufig geäußert, gehen dann aber schnell im Alltag verloren. Was ich „am eigenen Leib erfahre“, prägt jedoch mein Denken und ist häufig der Motor meines daraus resultierenden Handelns. Wer nie oder nur sehr selten gelobt wird, lobt selber auch nicht oder eben nur selten.

Manchmal verbergen sich aber auch ganz andere Gründe hinter der bewussten oder unbewussten Entscheidung, nicht zu loben. Ist es möglicherweise der Neid? Die Eifersucht? Gönne ich es dem anderen nicht, ein Lob ausgesprochen zu bekommen? Warum nicht?

Oder die Mutter, die ganz selbstverständlich zu Hause alle Aufgaben erledigt. Scheinbar nebenbei. Viele Mütter sind heute berufstätig, etliche aus finanzieller Not heraus. Trotzdem ist das Haus sauber, die Wäsche frisch gebügelt, aufgeräumt, eingekauft … Wozu soll gelobt werden? Wer sonst soll alle diese Aufgaben übernehmen, wenn nicht sie? Ist das die gängige Meinung, die sich durchgesetzt hat? Oder trifft der Satz: „Einer muss es ja tun, Hauptsache, ich nicht!“ den Kern des täglichen Denkens?

Das Gleiche gilt für die Arbeit der Väter und Ehemänner. Nehmen wir das alles, was sie tun, als selbstverständlich hin?

Vielleicht ertappen Sie sich dabei, dass Sie manchmal genauso denken. Weil du Mutter bist, hast du dies und das so zu leisten. Weil du Tochter bist, hast du … Weil du Ehemann bist, erwarte ich dies und jenes. Als Sohn musst du … Mich lobt auch keiner, dann brauch ich das auch nicht. Ist das unser Denken?